Albtraum: Wie sie entstehen + Was die Träume bedeuten

Gerade noch auf der Flucht vor einem Monster, jetzt doch im Bett: Wer aus einem Albtraum erwacht, ist froh, wenn er realisiert, dass es nur ein Traum war. Meist dauert es nur ein paar Minuten, bis sich das negative Gefühl endgültig abschütteln lässt. Kommen Alpträume hingegen häufiger vor, setzen sie einem zu: Der Schlaf ist nicht mehr so erholsam, die Arbeit fällt ausgesprochen schwer. Wie entsteht ein Albtraum? Was tun, wenn häufiger schlechte Träume auftreten? Wir erklären, welche Arten von Albträumen es gibt, was sie bedeuten und wie Sie damit umgehen…

Albtraum: Wie sie entstehen + Was die Träume bedeuten

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Was ist ein Albtraum?

Als Albtraum oder Angsttraum wird ein schlechter Traum bezeichnet. Der Inhalt weckt im Träumenden Ängste oder negative Gefühle wie Wut, Trauer, Schuldgefühle, Ekel oder Scham. Albträume können wenige Minuten oder bis zu einer halben Stunde dauern. Danach schrecken wir aus dem Schlaf auf. Mal schweißgebadet mit klopfendem Herzen von der gerade durchlebten Schrecksituation und Anspannung. Dann wieder unglaublich erleichtert, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat.

Nach bisherigen Erkenntnissen tauchen Albträume vor allem in den REM-Schlafphasen in der zweiten Hälfte auf. Diese Schlafphase zeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen hinter geschlossenen Augenlidern (REM = rapid eye movement) aus. Der Schlaf in dieser Phase ist zwar leichter, gleichzeitig handelt es sich um eine ausgeprägte Traumschlafphase, die zum Ende der Nachtruhe immer länger dauert. Wer aus dieser Phase aus einem Alptraum aufschreckt, kann sich meist sehr gut an den konkreten Inhalt erinnern. Wachen Sie hingegen aus einer Tiefschlafphase auf, besteht meist keine Erinnerung mehr.

Warum sagt man Alptraum?

Übrigens: Ob Sie Albtraum oder Alptraum schreiben: Beide Schreibweisen sind laut Duden korrekt. Hinzu kommt: Aufgrund der Auslautverhärtung ändert sich auch nichts an der Aussprache. Der Begriff Albtraum/Alptraum stammt aus der germanischen Mythologie. Hier existierte die Vorstellung von einem Alp beziehungsweise Alb (Plural: Alben). Dabei handelt es sich um Elfen, die für schlechte Träume zuständig waren. Von diesen Wesen leitet sich der Begriff Alptraum ab für böse Träume ab.

Synonyme Begriffe sind Albdruck/Alpdruck, Angsttraum, Inkubus (besonders in der Medizin) oder Nachtmahr. Der Begriff Nachtmahr ist kaum noch gebräuchlich. An ihm lässt sich eine enge Verbindung zum englischen Wort für Albtraum („nightmare“) und zum Niederländischen („nachtmerrie“) ablesen. In der Vorstellung der Menschen saß dieser Nachtmahr nachts auf der Brust des Schlafenden. Dies erzeugte ein starkes Druckgefühl.


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Arten schlechter Träume

Ein Albtraum gilt als sogenannte Parasomnie. Dabei handelt es sich um eine Form der Schlafstörung, genauer gesagt um eine gestörte Schlafqualität. Die Medizin und die Psychologie unterscheiden zwischen zwei Formen von Albträumen:

  • Idiopahtischer Albtraum: Es gibt keine erkennbare Ursache oder psychische Störung, der Traum ist fiktiv.
  • Posttraumatischer Albtraum: Der Albtraum lässt sich auf ein Trauma zurückführen (der Traum bildet in meist unveränderter Form eine tatsächliche Begebenheit ab).

Zu unterscheiden ist der Albtraum vom Pavor nocturnus (Nachtschreck) und vom Schlafwandeln (Somnambulismus):

Pavor nocturnus
Der Träumende erwacht aus dem Tiefschlaf. Daraus folgt eine massive körperliche Erregung, die sich darin zeigt, dass der Betroffene schweißgebadet ist. Die Pupillen sind vergrößert, Herz- und Atemfrequenz deutlich erhöht. Im Gegensatz zu jemanden, der aus einem Albtraum aufwacht, können sich Betroffene beim Pavor nocturnus nicht oder nur schwach an die Inhalte erinnern.

Schlafwandeln
Die Person verlässt während der Tiefschlafphase das Bett und wandelt umher. Mit dem Pavor nocturnus hat das Schlafwandeln gemein, dass sich die jeweilige Person später nicht oder kaum an Inhalte erinnern kann. Auch ist der Betroffene völlig orientierungslos, falls er doch während des Schlafwandelns erwacht.

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Inhalte und Deutung von Albträumen

In einem Albtraum geht es um in irgendeiner Form bedrohliche Situationen für den Träumenden oder einer ihm nahestehenden Person. Kinder träumen noch oft von Monstern und davon, gejagt zu werden. Dem renommierten Schlafforscher Michael Schredl zufolge gehören die folgenden Inhalte zu den häufigsten eines Alptraums:

  • Fallen – Sturz in den Abgrund (40 Prozent)
  • Menschenjagd – Verfolgt werden (26 Prozent)
  • Paralyse – Das Gefühl, flüchten zu wollen, aber nicht zu können (25 Prozent)
  • Unpünktlichkeit – Bei einem wichtigen Ereignis zu spät kommen (24 Prozent)
  • Verlustängste – Tod oder Verschwinden nahestehender Menschen (21 Prozent)

So furchteinflößend diese Szenarien erscheinen: Die Bedeutung eines Albtraums muss nicht immer naheliegend sein und sich auf die konkrete Situation beziehen. Albträume können auch eine völlig andere, weniger offensichtliche Bedeutung haben:

Fallen

Freier Fall im Albtraum muss kein Hinweis auf Höhenangst sein. Vielmehr könnte es auf Zukunftsängste, berufliche Sorgen und Schwierigkeiten hindeuten.

Verfolgung

Eine Flucht im Alptraum steht meist für schlimme Ereignisse, mit denen jemand nicht konfrontiert werden will. Sie laufen sinnbildlich vor einer Auseinandersetzung davon. Das können auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit sein, die Sie verdrängen.

Paralyse

Ihr Körper ist wie gelähmt, Sie können sich einfach nicht bewegen und müssen tatenlos zusehen – eine solche Paralyse ist ein häufiges Motiv in Albträumen. Eine mögliche Bedeutung ist das Gefühl, von anderen Menschen abhängig zu sein und nicht selbstständig handeln zu können.

Unpünktlichkeit

Den Termin mit einem Kunden verpasst, zu spät zur Prüfung kommen oder in einer anderen Form unpünktlich sein – das erleben viele während eines Albtraums. Als Bedeutung wird die Angst, Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, vermutet. Ebenso können Albträume von Unpünktlichkeit für Reue über verpasste Chancen stehen.

Tod

Wer davon träumt, dass ein Mensch stirbt, kann konkrete Sorgen um dessen Leben haben. Es kann aber auch eine tiefere Bedeutung geben, die andeutet, dass eine Beziehung stirbt, weil Sie sich von einer Person entfernen.

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Auswirkungen und Folgen

Hier und da etwas Schlafmangel aufgrund eines Albtraums hat keine gesundheitlichen Folgen. Handelt es sich allerdings um chronische Alpträume, sollten Sie handeln. Das heißt, innerhalb von drei Monaten tritt wenigstens einmal pro Woche ein Alptraum auf. Die möglichen Folgen:

Zudem können auf Dauer weitere gesundheitliche Probleme wie Herzprobleme, Übergewicht oder psychische Erkrankungen wie Depressionen auftreten. Der Albtraum an sich ist aber weniger Auslöser, sondern eher Symptom, wenn er chronisch auftritt.

Was ist der Grund für Alpträume?

Mal einen Alptraum zu haben, ist nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Sorge. Wer hingegen häufiger Albträume hat, wird sich fragen: „Warum träume ich schlecht?“ Auf solche Fragen kann es keine pauschale Antwort geben, da die individuellen Rahmenbedingungen betrachtet werden müssen. Folgende Ursachen kann ein Albtraum haben:

  • Verarbeitung von Erlebnissen
    Nachts im Traum verarbeiten wir unsere Erlebnisse vom Tag. So können Probleme mit dem Partner, Meinungsverschiedenheiten mit dem Chef, finanzielle Sorgen oder Ängste zu Albträumen führen. Aber auch Traumata und posttraumatische Belastungsstörungen, etwa durch Kriegserlebnisse, verursachen Angstträume.
  • Schlafprobleme
    Wer unter Schlaflosigkeit oder auch Schlafapnoe (Atemaussetzer in der Nacht) leidet, hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, schlecht zu träumen. Der schlechtere und kürzere Schlaf wird zusätzlich durch Albträume gestört.
  • Körperliche und psychische Auslöser
    Eine angeschlagene Gesundheit fördert Albträume, beispielsweise wenn wir uns Symptome nicht erklären können. Mangelnde Stressresistenz – auf der Arbeit, in der Beziehung – ist ebenfalls eine häufige Ursache für Albträume.
  • Medikamente und Drogen
    Auch von einigen Medikamenten wie Antidepressiva oder blutdrucksenkenden Mittel ist bekannt, dass sie Albträume begünstigen. Gleiches gilt für illegale Drogen wie Kokain und Marihuana – allerdings nicht nur bei ihrer Einnahme, sondern auch beim Entzug.
  • Ernährung
    Fettige, schwere Nahrung spät am Abend führt ebenfalls oft zu schlechterem Schlaf und Albträumen.
  • Persönlichkeit und Gene
    Studien zufolge sind sensible und künstlerisch veranlagte Menschen generell anfälliger. Andere Studien belegen, dass schon die Gene eine Ursache für Albträume sein können: Für eine finnische Studie wurden Ende der 90er Jahre eineiige und zweieiige Zwillingspaare befragt. Demnach scheinen Gene zu etwa einem Drittel (oder gar bis zur Hälfte) die Ursache für Alpträume zu sein.

Was tun bei Albträumen?

Treten Albträume häufig auf und sind sie mit großer Angst verbunden, besteht Handlungsbedarf. Beides deutet darauf hin, dass das psychische Gleichgewicht gestört ist. Der erste Schritt ist eine Selbstreflexion über mögliche Ursachen des jeweiligen Albtraums. Fragen Sie sich ernsthaft nach Auslösern. Manchmal liefern die Inhalte der Träume eindeutige Signale, in anderen Fällen müssen Sie etwas genauer nachdenken. Je nach Ursache gibt es verschiedene Möglichkeiten, was Sie gegen Albträume tun können:

Tipps bei konkreter Ursache

  • Kontrollieren Sie Ihren Medienkonsum
    Wer am Abend zuvor Horrorfilme konsumiert hat, begünstigt solche Träume – wenngleich ein Albtraum nicht die logische Konsequenz sein muss. Manche Menschen nehmen Bilder und Gedanken sehr häufig mit in den Schlaf. Hier ist es wichtig, das Medienverhalten anzupassen. Vielleicht sind Psychothriller und Krimis vor dem Schlafengehen nichts für Sie.
  • Reduzieren Sie Stress
    Um gegen stressbedingte Albträume vorgehen zu können, ist eine genaue Analyse wichtig: Geht es um ein kurzfristig erhöhtes Arbeitspensum oder ein grundsätzliches Problem? Beschäftigen Sie Konflikte mit Chef oder Kollegen? Angst vor Jobverlust? Je genauer Sie den Stressfaktor identifizieren, desto besser können Sie diesen reduzieren – wodurch die Albträume nachlassen, die davon ausgelöst werden.
  • Arbeiten Sie an Ihrer Angst
    Handelt der Albtraum immer wieder von der selben Angst, sollten Sie nicht versuchen, den Albtraum loszuwerden, sondern an Ihrer Angst zu arbeiten. Dies können Sie alleine versuchen, bei tiefsitzenden Ängsten kann eine Therapie helfen.

Allgemeine Tipps bei Albträumen

  • Reden Sie über Ihren Albtraum
    In vielen Fällen hilft es bereits, wenn Sie über Ihren Albtraum mit einer vertrauten Person sprechen. Sie erinnern dabei erneut die Inhalte des Traums, befinden sich aber gleichzeitig im Wachzustand und können abschätzen, wie bedrohlich in der gegenwärtigen Situation der Albtraum ist.
  • Versuchen Sie eine Selbsttherapie
    Ganz ähnlich funktioniert die Selbst- beziehungsweise Konfrontationstherapie: Sie erinnern bewusst im Wachzustand den schlechten Traum und verändern nun den Verlauf in Gedanken. Nach Schlafexperte Schredl kann das beispielsweise so aussehen: Im Alptraum träumt eine Person immer wieder davon, Opfer einer Verfolgungsjagd zu sein. Statt panisch wegzurennen, könnte sie im Wachzustand nun träumen, dass sie sich umdreht und vom Verfolger Rechenschaft verlangt.
  • Machen Sie eine Verhaltenstherapie
    Bei hartnäckigen Albträumen empfiehlt sich eine Psychotherapie. Liegt die Ursache in einem traumatischen Erlebnis, ist dies ohnehin der beste Weg zur Aufarbeitung. Im Rahmen einer Therapie können Sie die Imagery Rehearsal Therapie (IRT) erlernen, bei der Sie ähnlich wie bei der Selbsttherapie lernen, sich mit den Inhalten Ihres Albtraums so auseinanderzusetzen, dass er nichts Bedrohliches mehr für Sie darstellt. Das kann Teil einer kognitiver Verhaltenstherapie sein, die im Leistungsumfang der Krankenkassen enthalten ist.
  • Klartraum
    Der Klartraum (auch luzider Traum) ist eine weitere Technik. Sie zu erlernen kann allerdings einige Monate dauern. Sinn und Zweck ist es, dass der Träumende weiß, dass er sich im Traum befindet. Während eines Alptraums erkennen Sie, dass es sich nur um einen bösen Traum handelt und dass Sie in das Geschehen eingreifen können – so wirken bedrohliche Szenarien deutlich weniger erschreckend.

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