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Eskapismus – einfach erklärt: Symptome, Beispiele, Tipps

Eskapismus ist eine Art Flucht vor der Realität. Das kann zur Entspannung oder Zerstreuung dienen – aber auch gefährlich werden. Zum Beispiel dann, wenn die Wirklichkeitsflucht zur Sucht mutiert und sich die Betroffenen zunehmend von der Außenwelt abkapseln oder gar nur noch in einer Scheinwelt leben. Woran lässt sich Eskapismus frühzeitig erkennen – Symptome und Beispiele. Dazu praktische Tipps, wie Sie eskapistisches Verhalten wieder unter Kontrolle bekommen und gegensteuern…

Eskapismus - einfach erklärt: Symptome, Beispiele, Tipps

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Was ist Eskapismus? Einfach erklärt

Eskapismus beschreibt eine Art Flucht aus der realen Welt oder ein mentale Entkommen aus dem eigenen Alltag oder einer unangenehmen Realität. Synonyme sind unter anderem: Realitätsflucht, Wirklichkeitsflucht oder Weltflucht. Betroffene ziehen sich dabei meist eine Scheinwirklichkeit und suchen die Ablenkung in einer imaginären, oft digitalen Welt, wo das Leben besser scheint. Genutzt werden hierzu oft Medien wie Internet, Smartphone, TV, Radio oder Bücher.

Der Begriff Eskapismus leitet sich aus dem Englischen „to escape“ (entfliehen, flüchten) ab. Das wiederum impliziert, dass es eine Form der Bedrohung gibt, vor der die Betroffenen flüchten wollen. Der Duden beschreibt den Eskapismus als ein Ausweichen „vor der Realität und ihren Anforderungen in Zerstreuungen und Vergnügungen“. Zwar ist Eskapismus psychologisch in erster Linie eine Art Bedürfnisbefriedigung, daraus kann aber aber auch eine regelrechte Sucht entstehen.

Eskapismus Formen

Realitätsflucht kann sich in unterschiedlichen Formen und Aktivitäten zeigen. Jede für sich genommen, ist keinesfalls schädlich oder toxisch. Das werden sie erst in Summe und als gezieltes Ausweichmanöver: Fantastereien, Bingewatching (Serien), Videospiele, Social Media Konsum, Fresssucht, Kaufrausch, Flucht in die Arbeit, Alkohol- und Drogenkonsum.

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Eskapismus Symptome: Habe ich Eskapismus?

Wer im Eskapismus-Zusammenhang von Symptomen spricht, impliziert, dass es sich um eine Krankheit handelt. Das muss aber nicht der Fall sein. Als „krankhaft“ eskapistisches Verhalten wird erst eine erkennbare Sucht eingestuft. Gelegentliche Ausflüchte aus der Realität sind völlig normal. Die Dosis macht den Unterschied – und die Motivation. Sich abends, nach Feierabend zu zerstreuen und zu entspannen, ist noch kein Eskapismus. Sich lieber in eine Scheinwelt zurückzuziehen und in der Fantasie zu leben, kann allerdings ein erstes Anzeichen sein.

In der Psychologie gelten folgende Symptome als erste Warnzeichen für bedenklichen Eskapismus:

  • Realitätsverlust
    Dazu gehört zum Beispiel irrationales Verhalten, das der Realitätsflucht dient. Etwa wenn jemand sich regelmäßig in Filmfiguren hineinversetzt, mit ihnen spricht und sich gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse ausdenkt. Teils wird dieses Symptom auch von Alkohol- oder Drogenmissbrauch begleitet.
  • Maßlosigkeit
    Alles, was im Übermaß geschieht und von Kontrollverlust begleitet wird, ist bedenklich. Dazu gehören auch emotionales Essen, die Flucht vor der Arbeit sowie haltloser Konsum jeder Art.
  • Vernachlässigung
    Wer seinem Alltag oder der Realität entfliehen will, fängt irgendwann an, sich sowie Freunde zu vernachlässigen oder regelmäßigen Verpflichtungen nicht mehr nachzukommen. Das können die Körperhygiene, der Haushalt oder Freundschaftsbesuche sein.
  • Ziellosigkeit
    Haben Sie noch Ziele oder den Ehrgeiz etwas im Leben zu erreichen? Falls nicht ist auch das ein Symptom. Meist begleitet davon, dass Sie Problemen und Konflikten permanent ausweichen und lediglich Wunschvorstellungen entwickeln.
  • Angstspirale
    Probleme, Sorgen oder Verpflichtungen verschwinden durch die Flucht nicht, im Gegenteil: Vermeidungsverhalten hat oft einen sich selbst verstärkenden Effekt und kann in eine Abwärtsspirale münden. Es beginnt mit einfachen Ängsten, daraus werden veritable Phobien und schließlich eine Angst vor der Angst, an deren Ende schlimmstenfalls der Suizid steht.
  • Isolation
    Eskapisten ziehen sich zunehmend zurück. Auch weil Sie mit Widerspruch, Streit oder Kritik nicht klarkommen. Auch das kann einen sich selbst verstärkenden Effekt haben: Die eigene Isolation wird von anderen als merkwürdiges Verhalten bewertet. In der Folge wird der oder die Betroffene zunehmend ausgegrenzt.
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Beispiele: Was ist eskapistisches Verhalten?

Als Vermeidungsverhalten beschreibt Eskapismus meist Menschen, die sich ihren wirklichen Problemen oder drängenden Fragen nicht stellen. Beispiele können sein, dass diese Personen Nachfragen ausweichen oder statt ihre Aufgaben zu erledigen lieber Fernsehen schauen (siehe auch: Prokrastination).

Eskapismus ist aber nicht nur auf Medienkonsum beschränkt. Menschen haben schon immer Drogen, Tänze oder andere Formen der Zerstreuung genutzt (zum Beispiel Meditation), um andere Bewusstseinszustände zu erreichen. Nicht immer steckt Wirklichkeitsflucht hinter dem Eskapismus. Ebenso kann es der Wunsch nach Heiterkeit oder die Suche nach neuen Erkenntnissen sein.

Wie gefährlich ist Wirklichkeitsflucht durch Videospiele?

Als typisches Beispiel für Eskapismus gelten Videospiele. Seit Jahren streiten Soziologen und Psychologen darüber, ob das Eintauchen in die digitale Fantasy-Welt positiv oder negativ für die Psyche von Kindern und Jugendlichen ist. Hauptvorwurf: Bei regelmäßiger Nutzung verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt, manche können dann nicht mehr unterscheiden. Nach allem was bis heute bekannt ist, können Computerspiele aber nur Eigenschaften verstärken, die bereits in der Persönlichkeitsstruktur vorhanden sind.

Wirklichkeitsflucht in der Romantik

Eskapismus hat seine Ursachen nicht nur in der Persönlichkeit. Eine ganze Epoche wird als eskapistisch eingestuft: die Romantik. Das ausgehende 18. Jahrhundert bis späte 19. Jahrhundert zeichnet sich durch die Abkehr von Politik und Hinwendung zum Privaten aus. Das damalige Deutschland war in zahllose Kleinstaaten zersplittert, während sich andere Bevölkerungen zu Nationen zusammenschlossen. Die Suche nach einer eigenen Identität und die Unzufriedenheit mit den politischen Umständen führte zu einer Verklärung vergangener Zeiten und einer Flucht ins Unpolitische. Die Natur wurde dabei ebenso idealisiert wie die Tugenden Tiefsinnigkeit oder Tapferkeit.


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Welche Gründe hat die Realitätsflucht?

Harry Potter, Herr der Ringe – vermutlich haben auch Sie schon mal einen Fantasyfilm gesehen. Auch Märchen bilden Scheinwelten ab. Aber ist das schon Eskapismus oder flüchten Kinder deshalb vor der Realität? Natürlich nicht! Jeder Mensch lenkt sich von Zeit zu Zeit ab, wir benötigen sogar die Ablenkung. Tagträume helfen uns zum Beispiel, den Kopf frei zu bekommen und die Gedanken zu sortieren. Das fördert die Kreativität ebenso wie die mentale Gesundheit.

Gefährlich wird es immer dann, wenn hinter dem Ausweichen und Fliehen eine Vermeidungsstrategie steckt. Der Grund für Eskapismus also ist, sich der Realität nicht stellen zu müssen. Dahinter können Traumata, Depressionen oder psychische Erkrankungen stecken.

Seelische Faktoren für ungesunden Eskapismus

  • Minderwertigkeitsgefühle
    Wer überzeugt ist, nicht gut genug zu sein, flüchtet sich gerne in andere Welten oder Umgebungen, in denen er oder sie jemand anderes sein kann und dafür akzeptiert wird.
  • Unzufriedenheit
    Wer generell mit seinem Leben unzufrieden ist und keinen Ausweg findet oder die Konsequenzen fürchtet, flieht dann zumindest virtuell in eine neue Realität.
  • Hohe Anforderungen
    Arbeitsdruck, hohe Anforderungen und Erwartungen, Stress… all das kann den Wunsch nach Ausweichen oder Ablenkung auslösen und verstärken.
  • Häufige Unterforderung
    Auch regelmäßige Langeweile oder das Gefühl, sein Potenzial nicht nutzen zu können, ist ein häufiger Auslöser für Eskapismus. Betroffene suchen dann Spaß, Aufregung und Abenteuer in anderen Welten.
  • Schicksalsschläge
    Traumatische Erlebnisse, der Verlust geliebter Menschen, Trauer und Tod führen ebenfalls oft in den Eskapismus. Nicht ungefährlich, wenn die Traumata so nicht aufgearbeitet werden und einen von innen auffressen.

Vor allem bei psychischen Erkrankungen wie Burnout oder depressiver Realitätsflucht, sollten Sie sich unbedingt ärztliche Hilfe suchen. Ein erster Anlaufpunkt kann auch die Telefonseelsorge sein, Nummer: 0800-1110111.

5 wirksame Tipps gegen Eskapismus

Wenn Eskapismus zur Dauerflucht mutiert, sollten Sie gegensteuern. Für eine gewisse Zeit kann man sich vielleicht noch selbst belügen („Ich wollte ohnehin diesen Weg nehmen“), auf Dauer ist das aber keine Lösung. Zu groß ist die Gefahr, dass die Frustration wächst und sich zu einer Depression entwickelt. Mit den folgenden Tipps können Sie beginnenden Eskapismus kontrollieren oder ihm sogar entkommen:

1. Reflektieren Sie Ihr Verhalten

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Änderung. Analysieren Sie Ihr Verhalten und gleichen Sie es mit Ihrem Verhalten in der Vergangenheit ab. Gibt es Unterschiede? Missfällt Ihnen der Jetzt-Zustand? Meist kommen die Menschen erst durch konkrete Unzufriedenheit beziehungsweise Leidensdruck ins Handeln.

2. Erforschen Sie die Ursache

Wer zu dem Ergebnis kommt, dass er oder sie eskapistische Züge hat, sollte genauer hinschauen: Wann tritt dieses Verhalten auf? Gibt es bestimmte Phasen oder Momente? Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ablenkungen? Fliehen Sie gar den Großteil deines Tages in Scheinwelten? Warum? Machen Sie sich gleichzeitig bewusst, welche Folgen der Eskapismus im Leben hat.

3. Setzen Sie positive Stimmung ein

Statt sich in Scheinwelten zu flüchten, gibt es verschiedene Methoden, im Hier und Jetzt zu bleiben und trotzdem zu entspannen. Sportarten wie Yoga und Pilates gehören ebenso dazu wie Meditation und Achtsamkeit. Sie sind dabei einerseits von Problemen abgelenkt, andererseits voll und ganz mit sich beschäftigt.

4. Suchen Sie die Veränderung

Wirklich überwinden können Sie alte Ängste und Probleme nicht mit Eskapismus. Wohl aber mit Konfrontation. Es ist wie bei einem Kleinkind, das laufen lernt: Gäbe es bei der ersten Niederlage auf, würde es nie laufen lernen. Hinzufallen kann schmerzhaft sein, wichtiger aber ist das Aufstehen und Weitermachen. Überlegen Sie sich, was Sie tun können, um den Alltag zu verändern und zu verbessern: Ein Jobwechsel? Ein anderer Partner? Auswandern? Entscheidend ist, dass Sie das Lenkrad in die Hand nehmen.

5. Machen Sie eine Therapie

Funktioniert die Selbsttherapie nicht, ist das kein Grund zu verzweifeln. Suchen Sie sich professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie. Ein Therapeut hat einen anderen Blick auf die Dinge und kann mit Ihnen die Ursachen erörtern und neue Wege zeigen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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