Wunschdenken: Vorsicht bei zu viel Träumerei!

Wunschdenken kann beflügeln. Sie malen sich Ihr Ziel aus, überlegen, an welchen Schwächen Sie noch arbeiten wollen, welche Kenntnisse Sie sich noch aneignen wollen, um letztlich genau das zu erreichen. Riskant wird das Ganze, wenn Sie bei diesen Träumereien stehen bleiben. Wünsche zu haben ist völlig normal, aber sie erfüllen sich nicht von selbst. Viele sitzen dem Irrglauben auf, dass es dazu nur genügend Glück bräuchte – so wie einen Lottogewinn. Aber Glück fällt ebenso wenig vom Himmel wie das, was Sie sich wünschen. In den meisten Fällen steckt doch auf die eine oder andere Art und Weise Arbeit dahinter. Was Wunschdenken von Vorstellungskraft unterscheidet und wie Sie Ihren Zielen näher kommen…

Wunschdenken: Vorsicht bei zu viel Träumerei!

Definition Wunschdenken: Gedanken kreisen um Wünsche

Wunschdenken Realitätsverweigerung synonym Definition Bedeutung Psychologie DudenJeder Mensch hat Wünsche, Ziele und Sehnsüchte. Als Kind sind die häufig unbestimmt in die Zukunft projiziert. „Wenn ich groß bin, dann will ich…“, so fangen Sätze über die berufliche Zukunft an.

Wie diese Wünsche und Ziele realisiert werden sollen, darüber besteht weitestgehend Unklarheit. Dafür existiert ein kindlicher Optimismus, dass alles erreicht werden kann, solange nur fest genug daran geglaubt wird. Der Duden beschreibt Wunschdenken (englisch = wishful thinking) als…

Realitätsverdrängung, unrealistisches, an den eigenen Wünschen orientiertes Denken.

Synonym dazu könnte man also auch von Illusion sprechen. Je älter ein Mensch wird, desto mehr zeigt die Lebenserfahrung, dass sich längst nicht alle Dinge so ohne Weiteres umsetzen lassen, wie früher gedacht. Dazu kommt, dass die Wünsche sich durchaus ändern.

Bezogen auf den Beruf kann das zu der Erkenntnis führen, dass der Kindheitswunsch nicht mit den Vorstellungen von geregelten Arbeitszeiten übereinstimmt. Oder die schulischen Anforderungen deutlich höher als gedacht sind. Bezogen auf Beziehungen und allgemein kann der Reifeprozess dazu führen, dass jemand andere Vorstellungen davon entwickelt, wie er sein Leben gestalten möchte.

Verglichen mit dem kindlichen Wunschdenken wirken Erwachsene oftmals abgeklärt. Die Psychologie kennt starkes Wunschdenken bei Erwachsenen sogar als Bestandteil von Erkrankungen. Das Dorsch Lexikon der Psychologie bezeichnet es als…

illusionäres, magisches, autistisches Denken, vorherrschend erlebnisbestimmend und normal im Kindesalter wie auf den Ausgangsstufen der Kulturen, bei infantilen Erwachsenen, seelischen Störungen und Psychosen.


Abgrenzung zu Vorstellungsvermögen

Nun stecken nicht hinter jedem Wunschdenken gleich psychische Erkrankungen. Manchmal flüchten sich Menschen in Tagträume oder allgemein angenehme Vorstellungen, weil die gegenwärtige Situation nicht sehr angenehm ist.

Die Aufmerksamkeit von dem, was sie gerade tun, schweift ab. Stattdessen geben sie sich den Vorstellungen hin, was sein könnte. Das passiert bei Aufgaben, von denen sich jemand überfordert fühlt ebenso wie bei langweiligen Routineaufgaben. Das ist nicht weiter tragisch.

Denn bei einer herausfordernden Tätigkeit braucht das Gehirn offenbar eine Pause, um neue Ideen zur Problemlösung entwickeln zu können. Und bei Tätigkeiten, die wir im Schlaf erledigen können, schadet das Hinterherhängen von Wünschen ohnehin nicht, im Gegenteil, die Zeit vergeht schneller.

Kritisch wird das Ganze, wenn Sie nicht mehr zwischen Realität und Wunschdenken trennen können. Wenn Sie davon ausgehen, dass ein Sachverhalt tatsächlich so und nicht anders ist, dies allerdings ausschließlich Ihrem Wunsch und nicht der Realität entspricht.

Zu unterscheiden ist Wunschdenken daher unbedingt von Vorstellungsvermögen. Letzteres beschreibt die Fähigkeit, sich Dinge ausmalen zu können. Ähnlich wie beim Wunschdenken ist dafür ein gewisses Maß an Phantasie und Kreativität notwendig. Allerdings besitzen Menschen mit Vorstellungsvermögen den notwendigen Realitätssinn, um sich nicht einfach in irgendeine Idee zu verrennen.

Denn genau das ist die Gefahr bei Wunschdenken: Sie glauben, sie wären bereits am Ziel, weil Sie bestimmte Dinge fehldeuten. Der Vorgesetzte begrüßt Sie immer so freundlich, unterhält sich in der Mittagspause mit Ihnen – die Beförderung scheint sicher. Auf dieser Annahme werden schlimmstenfalls große Töne Kollegen gegenüber gespuckt, teure Anschaffungen gemacht.

Was ausgeblendet wurde: Dass sich der Vorgesetzte anderen Mitarbeitern gegenüber ebenso freundlich verhält, bei anderen deutlich stärker um Einschätzungen bittet oder Sonderaufgaben überträgt.

Wünsche trüben Urteilsvermögen

Wunschdenken Realitätsverweigerung Bedeutung Psychologie DudenWenngleich Intuition längst nicht so verkehrt wie oftmals geglaubt ist, tun sich viele Menschen nach wie vor schwer damit. Gerade im beruflichen Kontext würde niemals ein Topmanager zugeben, dass er einfach so aus einer Laune heraus Entscheidungen trifft.

Und niemand würde in teure Aktien investieren, wenn sein Bankberater ihm sagen würde: Och, ich habe da so ein Gefühl…. Umgekehrt wird Rationalität in solchen Situationen sehr geschätzt und mit Professionalität gleichgesetzt.

Die meisten Menschen denken von sich, dass sie sich unter rationalen Gesichtspunkten ein Urteil bilden, eben gemessen an ihrer Sachkenntnis. Ein deutsches Forscherteam kommet in seiner kürzlich vorgestellten Studie allerdings zu einem anderen Ergebnis.

Untersucht wurde der Stoffwechsel in Verbindung mit persönlichen Vorlieben und dem Belohnungssystem des menschlichen Gehirns. Heraus kam, dass gerade bei komplexen und schwer zu durchschauenden Sachverhalten das Belohnungssystem derart einwirkt, dass die eigenen Wünsche in die Urteilsbildung einfließen.

In der Studie mussten die Teilnehmer beispielsweise einschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit andere Personen einen Herzinfarkt erleiden könnten. Ebenso musste eingeschätzt werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie selbst Opfer eines solchen Geschehnisses werden könnten.

Dabei zeigte sich, dass höhere Risiken ausgeblendet wurden, was wiederum dazu führt, dass bei der Urteilsbildung ein geschöntes Ergebnis herauskommt. Dementsprechend gering schätzten die Probanden ihr eigenes Herzinfarktsrisiko ein und bewerteten ihren Lebensstil deutlich gesünder als in Wirklichkeit.

Realitätssinn nicht aus den Augen verlieren

Wie oben beschrieben, kann Wunschdenken in bestimmten Situationen hilfreich sein. Wenn es darum geht, sich über die eigenen Wünsche und Ziele im Klaren zu werden. Sich die Zukunft schön auszumalen ist allemal angenehmer als sich gegenwärtigen Problemen stellen zu müssen.

Und manchmal ist es wichtig, sich mit schönen Gedanken zu umgeben, wenn um einen herum alles negativ ist, nichts so richtig funktioniert. Denn es kann helfen, nicht völlig den Lebensmut zu verlieren. Wunschdenken ist dann eine Form der Autosuggestion.

Allerdings sollte so ein Verhalten immer nur von kurzer Dauer sein und die Vernunft siegen. Denn das unterscheidet Erwachsene von Kindern: Sie müssen selbst Verantwortung für sich übernehmen. Dazu gehört ein gewisses Maß an Selbstdisziplin, die bewirkt, nicht einfach nur nach dem Lustprinzip alles Unangenehme zu vermeiden.

Denn so eine Vermeidungsstrategie lullt Sie zwar ein, ändert aber nichts. Im Gegenteil, sie kann dazu führen, dass jemand sich im Wunschdenken verharrt und irgendwann anfängt zu jammern, warum sich nichts ändert.

Der Wille, etwas verändern zu wollen und die nötige Selbstmotivation, Dinge auch wirklich anzupacken, müssen also immer Teil des Wunschdenkens sein. Zumindest, wenn Ziele erreicht werden sollen – ansonsten bleiben Sie in Ihren Träumen stecken.

Drei Tipps für real umgesetzte Wünsche

  • Reflektieren

    Was für Träume und Wünsche sind es, die Sie haben, wie wahrscheinlich lassen sie sich in nächster Zeit umsetzen? Versuchen Sie feste Termine oder Zeiträume dafür zu definieren, beispielsweise: In zwei Jahren möchte ich meinen Abschluss in XY gemacht haben.

  • Konkretisieren

    Notieren Sie im Einzelnen, wie Ihre Ziele aussehen und was Sie dafür noch brauchen. Falls das unklar ist, recherchieren Sie im Internet, befragen Sie Freunde oder Experten nach ihrer Einschätzung. Von unschätzbarer Bedeutung sind hier Menschen, die Ihnen wohlgesinnt, aber dennoch ehrlich sind.

  • Umsetzen

    Die Umsetzung von Zielen erfordert Planung. Ein erster Schritt besteht darin, das große Ziel in viele kleinere Teilziele zu zerteilen. Und dann müssen Sie sich an die Arbeit machen, einen Zeitplan entwerfen, den einhalten und sich Stück für Stück Ihrem Wunsch nähern. Dann wird aus Wunschdenken schließlich Wunschgestaltung.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
5. November 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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