Ohnmacht: Auswege aus der Sackgasse

Ohnmacht, Machtlosigkeit, Kontrollverlust, keine Handlungsspielräume oder eigene Entscheidungsfreiheit – die Erscheinungsformen des Phänomens sind vielfältig, die Folgen nicht. Mitarbeiter, die sich unterdrückt fühlen und blind Arbeitsanweisungen befolgen müssen, verlieren die Motivation und den Spaß an der Arbeit. Nicht nur das: Auch die Gesundheit leidet unter dem Gefühl der Ohnmacht – mit ernsten Konsequenzen für die Beschäftigten und das autoritär geführte Unternehmen…

Ohnmacht: Auswege aus der Sackgasse

Ohnmacht: Was versteht man darunter?

Ohnmacht: Was versteht man darunter?Wenn wir Ohnmacht empfinden merken wir, dass wir auf Dinge keinen Einfluss haben und sie nicht verändern können. Kontrollverlust und Machtlosigkeit sind daher Begriffe, die mit der Ohnmacht in einem engen Zusammenhang stehen.

Und Ohnmacht kann Angst auslösen. Wenn wir das Gefühl bekommen, Entscheidungen und Abläufen im Job hilflos ausgesetzt zu sein, löst das Stress aus. Stress, der langfristig dazu führt, dass wir unsere Motivation verlieren. Damit sinkt unsere Produktivität und Effizienz, womit unser Vorgesetzter einen Grund mehr hat, uns in die Schranken zu weisen.

Das Ergebnis: Ungewissheit und Angst. Angst zur Arbeit zu gehen und Angst vor dem Vorgesetzten.

Ohnmacht und Angst in Unternehmen

Ohnmacht und Angst im beruflichen Umfeld stehen in einer engen Verbindung zueinander. Beiden zu entgehen ist schwierig, wenn die vorherrschende Unternehmenskultur eine ist, in der die Autonomie der einzelnen Mitarbeiter als eher unwichtig angesehen wird.

Das kann für Sie als Arbeitnehmer ernste Folgen haben. Eine der schlimmeren haben wir bereits angesprochen: Wenn Sie jeden Tag mit einem unguten Gefühl auf der Arbeit erscheinen müssen, setzt das eine ganze Reihe von Stresshormonen frei. Diese schädigen den gesamten Körper und führen über kurz oder lang in den Burnout.

Doch schon vorher zeigt die Ohnmacht im Job deutliche Auswirkungen auf unseren Körper. In einer Studie kamen Wissenschaftler des National Institute of Occupational Health aus Norwegen zu dem Ergebnis, dass sich die fehlende Entscheidungsfreiheit im Job auf unseren Schlafrhythmus auswirken kann. Arbeitnehmer, die unter andauernder Ohnmacht und fehlender Autonomie leiden, schlafen deutlich schlechter als diejenigen, die eigene Entscheidungen treffen dürfen.

Nicht nur das: Die Gesundheit von Mitarbeitern, denen ein gewisser Entscheidungsspielraum im Job verwehrt bleibt, ist noch weiter gefährdet. Eine Studie von Medizinern der Universität Leipzig kam zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang zwischen eigenverantwortlicher Planung von Arbeitsaufläufen und der späteren Entwicklung von Demenz gibt. Anders ausgedrückt: Arbeitnehmer, die sich Zeit ihres Erwerbslebens nur damit beschäftigen, Vorgaben unhinterfragt umzusetzen, sind im Alter weniger geistig fit, ja sogar eingeschränkt.

Wege aus der Ohnmacht: Das können Arbeitnehmer tun

Wir sehen also, dass unsere Gesundheit massiv darunter leiden kann, wenn wir keine Handlungsspielräume im Job haben. Die gute Nachricht ist, dass wir etwas dafür tun können, dem Gefühl der Ohnmacht zu entkommen:

  • Hinterfragen Sie Arbeitsprozesse

     Handeln Sie nicht nach bestem (eigenem) Wissen, weil es nicht geht oder weil Sie denken, dass es nicht geht? Manchmal ist Letzteres der Fall. Gut möglich, dass Sie eingefahrene Strukturen von Ihren Kollegen übernommen haben, die in Wirklichkeit zur Verhandlung stehen.

    Beobachten Sie ihren täglichen Arbeitsablauf und analysieren Sie später so genau wie möglich, warum Sie so handeln, wie Sie handeln. Ist es eine Vorgabe von oben oder denken Sie lediglich, dass es so ist?

    Falls Sie sich ganz zu Unrecht einschränken sollten, haben Sie eine Gelegenheit gefunden, mehr Autonomie bei der Arbeit zu bekommen.

  • Zeigen Sie positive Ergebnisse

    Vielleicht hält Ihr Arbeitgeber Sie nur deshalb klein, weil er nicht weiß, was er Ihnen zutrauen kann. Das richtige Stichwort, das übrigens Personaler gerne benutzen, lautet daher: Handeln Sie proaktiv.

    Zeigen Sie Ihrem Arbeitgeber, dass er Sie mit Aufgaben betrauen kann, ohne jeden kleinen Schritt zu überwachen. Wenn Sie mit positiven Ergebnissen glänzen können, ist das ein guter Weg aus der Ohnmacht im Job.

  • Kündigen Sie

    Wenn es gar nicht anders geht: kündigen Sie! Warten Sie nicht so lange ab, bis Sie derart unzufrieden und gelähmt von Ihrem Job sind, dass Sie meilenweit von Ihrer ursprünglichen Leistung entfernt sind und der Arbeitgeber Ihnen kündigt.

    Ergreifen Sie schon vorher selbst die Initiative. Das fühlt sich nicht nur besser an, weil es ein wichtiger Schritt raus aus der Ohnmacht ist, es hilft Ihnen auch in Ihrem nächsten Job.

    Sich aus ungekündigter oder selbst gekündigter Stellung heraus zu bewerben, gibt Ihnen als Bewerber eine stärkere Ausgangsposition als sich mit einem Arbeitszeugnis beim potentiell neuen Arbeitgeber vorzustellen, aus dem klar wird, dass Ihnen gekündigt wurde.

    Daneben erhalten Sie durch die Kündigung die Entscheidungsgewalt über Ihr eigenes Leben ein Stück weit zurück. Sie entscheiden sich dafür, dass Sie so nicht mehr weiter machen möchten und ziehen aktiv die Konsequenzen.

Was können Unternehmen für ihre Angestellten tun?

Was können Unternehmen für ihre Angestellten tun?Es sollte unstrittig sein, dass nicht nur die Mitarbeiter von einem eigenständigen Handeln profitieren können, sondern auch Unternehmen Vorteile davon haben. Aus diesem Grund versuchen einige Unternehmen schon länger, die Entscheidungsmacht ihrer Mitarbeiter zu stärken – unter anderem so:

  • Empowerment-Konzept

    Der Begriff Empowerment stammt auch der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und bedeutet übersetzt Selbstbefähigung oder Selbstbemächtigung. Dabei sehen wir sofort, dass dies Begriffe sind, die in einem deutlichen Gegensatz zur Ohnmacht stehen.

    Unternehmen, in denen diese Art der Unternehmenskultur gefördert wird, haben Mitarbeiter, die sich ihrer eigenen Stärken bewusst sind und – was noch wichtiger für den Erfolg ist – diese auch zielgerichtet einsetzen können.

    Empowerment macht die Mitarbeiter nicht nur zufriedener und motivierter, Studien deuten außerdem darauf hin, dass Unternehmen wirtschaftlich davon profitieren: Ressourcen, die ansonsten von der Ohnmacht der Mitarbeiter blockiert werden, werden freigesetzt und gewinnbringend für alle Beteiligten eingesetzt.

  • Evaluation der Arbeitsprozesse

    Es ist wirklich nötig, dass einzig und allein der Vorgesetzte über bestimmte Arbeitsabläufe entscheiden kann? Unternehmen sollten prüfen, ob sie den Mitarbeitern nicht mehr Kompetenzen während der täglichen Routinearbeit zukommen lassen können.

  • Offene Arbeitskultur

    Vorschläge sollten nicht danach bewertet werden, von wem sie kommen, sondern wie sinnvoll und nützlich sie sind.

    Die Entscheidungsgrundlage in einer Firma, die Ohnmacht ihrer Mitarbeiter nicht zulässt, sollten gute Argumente und nicht die Karrierestufe des Vorschlagenden sein.

    Zu einer offenen Arbeitskultur gehört auch der respektvolle Umgang aller Personen im Unternehmen miteinander. Nur in einem Umfeld, in dem sich alle Mitarbeiter frei und angstfrei entfalten können, haben Innovationen und wichtige Anregungen einen Platz.

    Das bedeutet auch, dass Mitarbeiter das Führungsverhalten ihrer Vorgesetzten bewerten dürfen – konstruktiv versteht sich. Feedback für die Führungskräfte ist wichtig, weil sie nur so die Unternehmenskultur und Performance verbessert werden kann.

  • Flache Hierarchien

    Gerade in jungen Unternehmen und Start-ups wird eine flache Hierarchiestruktur bevorzugt. Manchmal führt das sogar so weit, dass die Mitarbeiter bestimmen, wer in der jeweiligen Woche (oder einem anderen Turnus) das Sagen im Unternehmen haben darf. Zeigt sich der- oder diejenige als ungeeignet für den Job, wird er oder sie wieder abgewählt.

    Natürlich kann es nicht überall derart basisdemokratisch zugehen, es zeigt sich jedoch, dass Unternehmen von flachen Hierarchien und Mitbestimmung ihrer Angestellten profitieren.

    Gerade die umkämpften Fachkräfte schauen auf die Unternehmenskultur. Umfragen kommen immer häufiger zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter starre Rangordnungen als besonders störend empfinden. Das führt sogar so weit, dass sie sich gegen das Unternehmen entscheiden. Ohnmacht der Mitarbeiter nicht zuzulassen ist damit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im Kampf um die besten Köpfe.

  • Kein Mikromanagement

    Mikromanagement gibt den Angestellten das Gefühl, dass sie ohnmächtig gegenüber Vorgesetzten und dem Chef sind. Wenn alle Entscheidungen von oben herab getroffen und noch einmal kontrolliert werden, ist das das Gegenteil eines selbstbestimmten und autonomen Handelns – mit den geschilderten Konsequenzen.

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28. Januar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.

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