Lebenskontrolle: So gewinnen Sie diese zurück

Das Leben fühlt sich nicht mehr gut an. Der eigene Antrieb fehlt zunehmend. Ohnmachtsgefühle, Wut und Verzweiflung machen sich breit: Jeder will was von einem, alles zerrt – an der Arbeitskraft, an den Nerven. Längst haben andere die Regie übernommen:Bin ich nur noch ein Spielball der anderen? – So fühlt sich, wer die Lebenskontrolle allmählich verliert. Es wird einen der sprichwörtliche Boden unter den Füßen weggezogen. Manche stürzen gar in ein tiefes Loch, aus dem Sie kaum noch selbst herausfinden. Was Sie vorbeugend dagegen tun können und wie sich die Lebenskontrolle zurück gewinnen lässt, erfahren Sie hier…

Lebenskontrolle: So gewinnen Sie diese zurück

Starke Indizien, dass Sie die Lebenskontrolle verlieren

Ob man seine Lebenskontrolle schon verloren hat oder (noch) nicht, lässt sich in den wenigsten Fällen klar definieren. Viele Menschen leiden zunächst unter einem dumpfen Gefühl der Unzufriedenheit und der Ohnmacht. Allerdings können sie dieses Gefühl oft gar nicht genau erklären und beschreiben.

Manchmal sind es nur kurzzeitige Stimmungsschwankungen, die sich rasch wieder auflösen. Verschwinden sie aber nicht, sondern werden chronisch oder im Laufe der Zeit gar noch intensiver, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass die Lebenskontrolle verloren gegangen ist.

Treffen zum Beispiel in jüngster Zeit häufiger die folgenden Aussagen auf Sie zu:

  • Ich glaube, ich kann ich meine Ziele niemals erreichen.
  • Ich fühle mich zunehmend fremdbestimmt.
  • Ich habe das Gefühl, ich darf einfach nicht glücklich sein.
  • Ich komme aus meiner Situation partout nicht heraus – egal, was ich mache.

Auch andere Indizien und Alarmzeichen können darauf hindeuten, dass wir auf dem Weg sind unsere Lebenskontrolle zu verlieren:

  • Wir schieben wichtige Aufgaben vor uns her, ohne sie zu beginnen.
  • Wir geben beim kleinsten Widerstand auf und beenden Aufgaben vorzeitig.
  • Wir trauen uns nicht, andere Menschen um ihre Unterstützung zu bitten.
  • Wir haben Schwierigkeiten damit, etwas Positives über uns und andere zu sagen.
  • Wir sind darüber frustriert, dass andere Menschen andauernd über uns entscheiden.
  • Wir können unsere eigenen Leistungen nicht wertschätzen und halten uns für geringer als andere.
  • Wir rechtfertigen uns häufig dafür, dass wir so passiv sind.
  • Wir leiden unter Ängsten, die unsere Mitmenschen als irrational abtun.
  • Andere sagen uns öfter, dass wir uns in Selbstmitleid und in eine Opferrolle flüchten.

Gewiss, ab und an fühlt sich vielleicht jeder einmal so oder so. Wer sich aber in der Mehrzahl der Aussagen ( dauerhaft) wiederfindet, sollte gegensteuern – und die Kontrolle über das eigene Leben wieder zurück gewinnen.

Dabei ist es zunächst wichtig, über einen Facharzt oder Psychologen abzuklären, ob ein medizinisches Problem zugrunde liegt, beispielsweise eine Depression. Falls dies nicht der Fall ist, können Sie auch selbst einiges tun, um wieder die Lebenskontrolle zu übernehmen.

Wonach wir uns sehnen

Wonach wir uns sehnenLebenskontrolle ist eng mit dem Begriff der Lebensfreude verknüpft. Das eine bedingt das andere.

Entsprechend sollten wir uns bewusst machen, dass Lebensfreude kein Luxusgut ist, sondern ein Menschenrecht, das wir für uns in Anspruch nehmen DÜRFEN. Über allem, was wir tun, sollte die Frage stehen: „Wem ist damit geholfen, wenn es mir schlecht geht?“

Manche Menschen haben womöglich schon als Kind gelernt, ihre inneren Bedürfnisse und Träume zu unterdrücken, um anderen zu gefallen. Daraus haben sie mit der Zeit einschränkende Glaubenssätze entwickelt – und perfektioniert.

Diese müssen sie aber ersetzen – durch positive Gedanken -, um wieder die Kontrolle über ihr Leben übernehmen zu können. Der Grund ist eine unheilige Abwärtspirale: Unsere Einstellung strahlt auf unser Umfeld ab und beeinflusst das Verhalten von Kollegen und Bekannten. Wer also beispielsweise das Gefühl des Ausgeliefertseins und eine Demutshaltung zeigt, sorgt dafür, dass viele Menschen meinen, noch mehr über sie bestimmen zu können. Kurz: Die Opferrolle macht sie tatsächlich zu Opfern.

Der Weg zu mehr Lebenskontrolle

Wenn wir die Kontrolle über unser Leben zurückgewinnen wollen, ist es zunächst wichtig, an unserer Grundeinstellung zum Leben zu arbeiten.

Wie so oft müssen wir dazu zunächst die Perspektive wechseln. Dieses sogenannte Reframing kann zum Beispiel so aussehen:

  • Statt uns dauernd mit anderen Menschen oder unrealistischen Vorbildern zu vergleichen, müssen wir lernen, uns selbst anzuerkennen. So wie wir sind. Mit allen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Die sind völlig okay. Es handelt sich um Charaktereigenschaften, die uns auszeichnen und besonders machen. Anderen Menschen gestehen Betroffene häufig eine solche Haltung zu – warum also nicht sich selbst?
  • Satt unsere Träume zu verdrängen und zu denken, dass diese sowieso nicht erreichbar sind, sollten wir lernen, aktiv zu hoffen. Das bedeutet, dass wir daran glauben, unsere Lebensziele aus eigener Kraft erreichen zu können. Selbst wenn es manchmal etwas länger dauert. Unsere eigenen Bedürfnisse sind wichtig und dürfen daher ruhig im Vordergrund stehen.
  • Statt zu denken, dass wir nur konditional gemocht werden („Nur, wenn ich Überstunden mache, bin ich auch ein guter Angestellter“), sollten wir uns frei machen von den Bedingungen oder der Anerkennung anderer. Sonst bleiben wir in einem ewigen Beliebtheitswettbewerb und mental abhängig von der Gunst anderer.
  • Statt zuzulassen, dass jede unserer Leistungen in Zahlen gemessen wird, sollten wir den Fokus darauf richten, an welche unserer Stärken wir glauben und worauf wir stolz und dankbar sind.

Wem es auf diese Weise gelingt, in seinem Leben und seiner Arbeit einen Sinn zu finden, wird nicht mehr versuchen, den Erwartungen anderer zu entsprechen. Solche Menschen werden wieder zum Piloten in ihrem Leben und sind nicht mehr nur Passagier.

Unser Denken ändert unser Bewusstsein.

Gedanken, die uns auf dem Weg – zurück zu mehr Lebenskontrolle – unterstützen, haben die Macht, unser Verhalten von einer passiven in eine aktive Haltung zu verändern. Um diese zu gewinnen, müssen wir die Bereitschaft mitbringen, zwei entscheidende Grundhaltungen zu ändern:

  1. Loslassen können

    Nicht nur von unseren Glaubenssätzen müssen wir uns verabschieden. Unsere bisherigen Gewohnheiten müssen wir ebenfalls hinterfragen: Welche Rituale haben uns weitergebracht? Welche haben uns blockiert? Was uns blockiert oder niederhält, müssen wir loslassen und aktiv werden, um etwas zu verändern.

  2. Sich Fehler verzeihen

    Wenn wir die Fehler, die wir machen, zukünftig als Chance begreifen, um aus ihnen zu lernen, werden wir bald keine Angst mehr davor haben, etwas Falsches zu tun. Weitermachen statt (vorzeitig) aufzugeben – das ist das Ziel. Lebenskontrolle zu besitzen, bedeutet auch, darauf zu brennen, Neues auszuprobieren und die Neugier, die in jedem Menschen steckt, wieder für uns zu entdecken.

Diese Schritte können Sie sofort umsetzen

Eine einfache Handlungsanweisung, die Lebenskontrolle zurück zu gewinnen, die für jeden Menschen funktioniert, kann es nicht geben. Dafür ist das Thema zu komplex und individuell. Es gibt aber verschiedene Schritte, die uns helfen können, unsere Lebenskontrolle nach und nach wieder zurück zu erlangen. Die folgende Liste ist daher kein allgemeingültiges Rezept, sondern vielmehr wie ein Buffet gedacht, aus dem Sie sich herauspicken können, was am ehesten zu Ihnen passt:

  • Ziele formulieren

    Das Wichtigste ist, dass wir uns unsere Ziele bewusst machen: Was wollen wir im Leben erreichen? Es ist entscheidend, dass wir uns diese Ziele so konkret wie möglich vor Augen führen. Es reicht nicht, sich abstrakt vorzustellen, dass man wieder mehr Lebenskontrolle bekommen möchte. Es geht darum, an welchen Situationen wir das konkret fest machen: Was fühlen, denken, spüren wir dabei?

  • Gedanken aufschreiben

    Tägliches Aufschreiben unserer Erlebnisse und unserer Gedanken hilft uns dabei, unsere Entwicklung zu reflektieren. Das gedachte und das gesagte Wort sind flüchtig. Wenn wir schreiben, müssen wir uns zwangsläufig intensiver mit unseren Gedanken auseinander setzen. Allein schon, um uns sinnvolle Formulierungen zu überlegen. Die Folge ist, dass wir uns intensiver mit ihnen beschäftigen. „Wer schreibt, der bleibt“ – in diesem Spruch steckt viel Wahrheit. Beginnen Sie beispielsweise damit, ein Erfolgstagebuch zu verfassen.

  • Plan machen

    Wenn wir die Lebenskontrolle zurückgewinnen wollen, ist Struktur essenziell: WIE und WANN möchten wir WAS umsetzen und erreichen? Machen Sie sich ruhig einen Plan. Das Gefühl von Kontrolle und planvolles Vorgehen gehen Hand in Hand. Nicht zuletzt, weil Sie in der Rückschau und mit Blick auf Ihren Plan genau sehen, was Sie schon geschafft haben – und womit Sie vielleicht noch Probleme haben. Das Beste daran aber: Es ist IHR Plan. Sie haben bereits die volle Kontrolle darüber!

  • Morgen- und Abendroutine etablieren

    Unser Leben ist geprägt von Routinen. Manche finden das öde, anderen geben sie Sicherheit. So oder so: Sie sind eine gute Möglichkeit, Kontrolle zurück zu gewinnen. Dazu bietet sich sowohl eine Morgenroutine ebenso wie eine Abendroutine an. Beide verleihen dem Tag Struktur, schaffen Ordnung und machen den Kopf frei. Genau wie bei einem Plan (siehe Punkt davor).

  • Träume verwirklichen

    Es müssen nicht einmal die großen Träume sein, nach denen Sie streben. Fangen Sie einfach an, sich kleine Wünsche zu erfüllen und beispielsweise endlich eine bestimmte Reise zu machen oder sich ein spannendes Hobby zuzulegen. Was dabei passiert: Sie schaffen sich kleine Erfolgserlebnisse – solche, die Sie selber initiiert haben. Auch das gibt Ihnen (zumindest in diesen Bereichen) die Lebenskontrolle zurück. Dafür müssen Sie sich noch nicht einmal rechtfertigen. Es ist Ihr gutes Recht, sich etwas zu gönnen.

  • Negative Menschen meiden

    Sogenannte Toxische Menschen, die immer nur das Negative in allem sehen, tun uns nicht gut. Für sie stehen die Probleme und Hindernisse stets im Vordergrund. Chancen blenden sie aus. Mit solchen Menschen an der Seite kommen Sie nicht voran, sondern fallen eher noch zurück. Hierfür gibt es nur einen Rat: Pflegen Sie mehr Distanz zu solchen Menschen. Ebenso wie zu denen, die nur Ihre Energie aufsaugen, statt Sie zu unterstützen.

  • Tageslicht aufsaugen

    Es klingt so trivial, ist es aber nicht: Bewegung an der frischen Luft und Tageslicht machen gute Laune. Diese Energie sollten Sie für sich nutzen. Gehen Sie beispielsweise in der Mittagspause spazieren oder am Abend etwas joggen. Von Fitness-Effekten mal abgesehen: Der Kopf wird dadurch frei, unsere Gedanken kriegen einen neuen Kick. Nachweislich. Wer sich angewöhnt, möglichst viele Wege des Alltags zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen, ändert seine Stimmung zum Positiven. Versprochen!

Wie gesagt: Sie können alle Empfehlung davon umsetzen oder auch nur ein paar Tipps. Hauptsache, Sie werden aktiv. Um die Lebenskontrolle zurück zu gewinnen, braucht es einen ersten Schritt. Dann einen zweiten und so weiter. Die Größe der Schritte ist dazu erstmal egal. Sie schaffen das!

[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]
7. November 2019 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.



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