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Satz Dieser Beitrag keinen zu diesem ergibt Gegensatz Sinn im. - Das fanden Sie verwirrend? Anregend? Inspirierend? Die meisten Menschen geraten in Stress, wenn sie mit Situationen konfrontiert werden, die sie nicht verstehen. Kurz: Sie erleben einen Kontrollverlust. Wenn auch nur einen vergleichsweise kleinen. Ein völlig entstellter Satz ist dabei noch die harmloseste Variante. Allerdings mit einer unterschätzten Wirkung auf unsere Wahrnehmung. Oder anders formuliert: Es könnte sein, dass Sie nun Muster erkennen, wo keine sind...

Kontrollverlust Definition: Das Abhängigkeitssyndrom

Im medizinischen Bereich wird der Begriff Kontrollverlust häufig im Zusammenhang mit Suchtverhalten genannt - also zum Beispiel bei Alkoholsucht oder pathologischer Spielsucht. Die Betroffenen verlieren hierbei die Kontrolle über ihre Impulse ("Ich muss wieder trinken", "Ich möchte weiterspielen") und eine Abwärtsspirale entsteht.

Weniger dramatisch kann Kontrollverlust aber auch eine Art Kontrollminderung darstellen. In dem Fall spüren wir, dass wir den weiteren Verlauf und wie sich die Dinge entwickeln, temporär nicht mehr kontrollieren können. Die Folge sind Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle - wie etwa bei einer mündlichen Prüfung, bei der wir die Fragen nicht kennen. Gerade dieser kurzfristig erlebte Kontrollverlust ist hier gemeint.

Kontrollverlust: Muster sehen, wo keine sind

Es ist schon interessant, wie oft uns unser Gehirn einen Streich spielt, ohne dass wir das merken. Da gibt es zum Beispiel die Sache mit den Verschwörungstheorien und vermeintlichen Zusammenhängen. Jennifer Whitson ist das zuletzt aufgefallen.

Jennifer Whitson ist Wirtschaftswissenschaftlerin und forscht an der Universität von Texas. Vor einiger Zeit startete sie eine 6-teilige Versuchsreihe. Dabei zeigte sie ihren Probanden Bilder - keine besonderen Bilder, im Grunde war es sogar nur Krickelkrackel: Die Motive zeigten viele chaotisch angeordnete Punkte, ohne tieferen Sinn. Es gab nicht mal ein Muster.

Es waren Bilder wie diese:

krickelkrackel

Das Besondere an dem Experiment war allerdings die Stimmung der Probanden:

  • Der einen Gruppe vermittelte sie zuvor das Gefühl von Kontrollverlust. Sie sollten sich hilflos, ohnmächtig, wehrlos fühlen. Anschließend zeigte sie ihnen die Bilder – und siehe da: Sie erkannten darin auf einmal Delfine, Sanduhren, sogar ein Totenkopf war dabei.
  • Die andere Probanden, die Kontrollgruppe, waren ganz normale Leute. Sie waren sehr entspannt, als sie die Bilder anschauen sollten. Und sie sahen darin... nichts. Eben nur ein Blatt Papier mit wildem Krickelkrackel.

Kontrollverlust: Warum alles einen Sinn ergeben muss

Nun könnte man sagen: Na und, was soll's?! Die einen waren eben phantasievoller als die anderen. Oder sexuell unter Druck: Seit Freud oder dem Rorschachtest ahnt man ja, was aufgestauter Trieb so alles auslösen kann...

Jennifer Whitson und ihre Kollegen aber sehen das anders.

Für sie sind die Experimente ein Beleg dafür, dass unser Gehirn automatisch nach Mustern und Zusammenhängen sucht – insbesondere dann, wenn wir einen Kontrollverlust erleben und glauben, unsere Lage nicht mehr im Griff zu haben.

Oder mit anderen Worten:

Kontrollverlust begünstigt Illusionen und Verschwörungstheorien – und führt zu ziemlich schlechten Entscheidungen.

So halten die Forscher dieses Phänomen etwa auch für einen Auslöser von Finanzkrisen: Sobald die Börsenhändler und Investoren über die Marktlage immer unsicherer werden, treffen sie erst recht irrationale Entscheidungen, sehen Zusammenhänge wo keine sind und verbrennen anschließend einen Haufen Kapital. Schade um das Geld.

Das einzige Gegenmittel, was laut Whitson hilft: Besinnung auf eigene Werte, um das Gefühl von Kontrollverlust zu minimieren. Dann würden die Entscheidungen wieder besser.

[Bildnachweis: PathDoc by Shutterstock.com]

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