Geltungsdrang: Bitte beachtet mich!

Menschen mit einem übersteigerten Geltungsdrang sind extrem nervig. Alles muss sich um sie drehen, ständig buhlen sie um die Aufmerksamkeit und drängen sich in den Mittelpunkt. Anstrengend. Besonders, wenn der Geltungsdrang nicht befriedigt wird. Was tun? Wir erklären, welche Anzeichen ein übersteigertes Geltungsbedürfnis verraten, welche Ursachen dahinterstecken – und wie Sie damit umgehen sollten…

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Was ist Geltungsdrang?

Geltungsdrang ist die übersteigerte Form eines Geltungsbedürfnisses und der ausgeprägte Wunsch nach sozialer Anerkennung und Aufmerksamkeit. Betroffene wollen von anderen beachtet, bewundert und geschätzt werden. Dabei geht es teils um ihre Leistungen und Erfolge, aber auch einfach nur um ihre eigene Person. Die Beachtung dient ihnen als positive Bestätigung ihres Verhaltens und ihrer Persönlichkeit.

Bis zu einem gewissen Grad ist ein Geltungsbedürfnis normal. Wir alle wollen wahrgenommen und beachtet werden. Das zeigt sich bereits bei Kindern, die von Eltern, Freunden und anderen Bezugspersonen Aufmerksamkeit einfordern. Problematisch wird es, wenn das gesunde Maß überschritten wird. Dann wird daraus Geltungssucht – und Betroffene streben permanent danach, im Mittelpunkt zu stehen.

Geltungsdrang und Profilneurose

Eng verbunden mit einem übersteigerten Geltungsbedürfnis ist die Profilneurose. Der Begriff beschreibt das starke Bedürfnis, sich ständig beweisen und die eigene Bedeutung hervorheben zu müssen. Dahinter stecken häufig Selbstzweifel und die Angst, nicht gut genug zu sein. Betroffene stellen ihre Leistungen demonstrativ heraus oder treten als Besserwisser auf. Die Anerkennung durch Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden soll ihr Selbstwertgefühl stärken.

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Psychologie: Ursachen für übersteigerten Geltungsdrang

Geltungsdrang entsteht nicht ohne Grund, sondern hat in der Psychologie klare Ursachen: Dahinter steckt meist eine Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen, die aufgrund eines zu geringen Selbstwertgefühls entstehen können. Deshalb werden Aufmerksamkeit und Beachtung provoziert und eingefordert, um von außen die Bestätigung zu erhalten, die im Selbstbild fehlt.

Die Aufmerksamkeit gibt ihnen das gute Gefühl, von anderen geschätzt zu werden und wertvoll zu sein – wobei Betroffene ignorieren, dass es keine natürliche Anerkennung ist. Das geringe eigene Selbstbewusstsein wird mit der erzwungenen Beachtung lediglich aufpoliert.

Geltungsdrang erkennen: Symptome und Anzeichen

Geltungsdrang nutzt verschiedene Mittel, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Die meisten davon sind kaum zu übersehen – schließlich sollen sie möglichst auffallen und für Beachtung sorgen. Trotzdem müssen Sie die Symptome und Anzeichen als solche erkennen, um auf das übersteigerte Geltungsbedürfnis zu schließen. Wir zeigen die typischsten Anzeichen:

  • Übertreibungen

    Das häufigste Symptom eines krankhaften Geltungsdrangs sind Übertreibungen. Alles ist immer das größte, beste, außergewöhnlichste oder unglaublichste. Ein normales Maß kennen Betroffene gar nicht, weil dies zu langweilig für die gewünschte Berücksichtigung ist. Leistungen sind stets herausragend und unvergleichlich, andere Erzählungen haben unzählige Höhepunkte. Die Übertreibungen sollen garantieren, dass niemand weghören oder ignorieren kann, was gesagt wird.

  • Lügen

    Die nächste Stufe der Übertreibungen sind Lügen und Märchengeschichten. Menschen mit starkem Geltungsdrang denken sich etwas aus, um im Mittelpunkt stehen zu können. Dieses Mittel kommt spätestens dann zum Einsatz, wenn die normalen Übertreibungen sich abgenutzt haben und den Effekt verlieren. Betroffene belügen dabei Familie, Freunde oder auch Kollegen im Job, um weiterhin im Zentrum stehen zu können.

  • Extraversion

    Ein übertriebenes Geltungsbedürfnis zeigt sich oft auch in ausgeprägter Extraversion. Solche Menschen wollen um jeden Preis auffallen, sind laut und sehr präsent – oft sogar eine echte Rampensau. Auf andere wirkt das oft künstlich und aufgesetzt.

  • Lebensstil

    Teure Kleidung oder ein insgesamt luxuriöser Lebensstil sind ebenfalls typische Symptome für Geltungsdrang. Alles wird möglichst auffällig präsentiert, damit auch jeder die Uhr, den Schmuck oder das Luxusauto bemerkt. Für solche Anschaffungen werden, falls nötig, sogar Schulden gemacht – Hauptsache, alle sehen es und der oder die Geltungssüchtige kann nicht ignoriert werden.

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Geltungsrang erreicht das genaue Gegenteil

Geltungsdrang hat klare Ziele: Wertschätzung und Beachtung vom sozialen Umfeld. Betroffene wollen Respekt und Anerkennung, die sie sich mit unterschiedlichsten Mitteln sichern. Dabei merken sie gar nicht, dass sie dieses Ziel nie wirklich erreichen, sondern immer für das genaue Gegenteil sorgen. Geltungsdrang schafft keinen Zuspruch und keine Bestätigung, sondern Abneigung und Ablehnung.

Wahre Anerkennung lässt sich nicht erzwingen. Vielmehr kehrt sich der gewünschte Effekt ins Gegenteil: Je größer der Geltungsdrang einer Person ist, desto negativer sind die tatsächlichen Auswirkungen auf die sozialen Kontakte. Die Übertreibungen sind anstrengend, wirken gekünstelt und sind unglaubwürdig. Das ständige Betteln nach Aufmerksamkeit macht unsympathisch und es geht schlichtweg auf die Nerven, wenn jemand nicht damit klarkommt, dass die Welt sich nicht nur um ihn dreht.

Geltungsdrang bringt keine Beachtung, sondern Missachtung. Den Betroffenen ist das aber letztlich egal. Sie sehen nur die Aufmerksamkeit, die sie provozieren, und erkennen nicht (oder ignorieren), dass diese nur negativ ist und keine Bestätigung für ihren Wert ist.

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Tipps: So reagieren Sie auf übersteigerten Geltungsdrang

Ob Sie es nun wollen oder nicht: Sie werden mit dem Geltungsdrang einer Person in Ihrem Umfeld umgehen müssen. Vielleicht ist es ein Freund oder Bekannter, oft ist es aber auch ein Kollege. Gerade im Job wird das Streben nach Beachtung nicht unbemerkt an Ihnen vorbeigehen, wenn einer Ihrer Büronachbarn die gesamte Arbeitszeit um Aufmerksamkeit bettelt. Ein richtiger Umgang mit dem Verhalten ist ein wichtiger Faktor: So können Sie beeinflussen, wie anstrengend der Geltungsdrang für Sie wird. Diese Tipps helfen, damit Sie in Zukunft richtig mit Geltungsdrang umgehen:

  • Gehen Sie in die Offensive

    Der Geltungsdrang des Kollegen nimmt überhand, bei jeder Gelegenheit versucht er, die Aufmerksamkeit von allen auf sich zu ziehen. Darunter leiden sowohl die Arbeitsatmosphäre als auch die Ergebnisse. Dann kann es angebracht sein, in die Offensive zu gehen. Sprechen Sie den Betroffenen ganz offen auf sein Verhalten an. Erklären Sie, wie anstrengend und nervig sein übersteigertes Geltungsbedürfnis für Sie und alle anderen ist. Bitten Sie darum, dass der betreffende Kollege sich zeitnah bessern soll, damit die Teamarbeit weiterhin funktionieren kann.

  • Ignorieren Sie den Geltungsdrang vollkommen

    Als beste Strategie gegen den Geltungsdrang gilt ein scheinbar einfacher Tipp: Ignorieren Sie den Betroffenen bei jeder Gelegenheit. Lassen Sie ihn links liegen und gehen Sie nicht auf seine Versuche ein, Aufmerksamkeit und Beachtung zu bekommen. Das ist in der Praxis aber deutlich schwieriger. Schlagen erste Versuche fehl, greifen Betroffene zu drastischeren Mitteln: Bei Lügen oder offen präsentierten emotionalen Ausbrüchen ist es nicht leicht, einfach wegzuschauen. Trotzdem müssen Sie es lange genug aushalten, damit ein Lerneffekt eintritt und sich das Verhalten – zumindest Ihnen gegenüber – ändert.

  • Lassen Sie Lügen auffliegen

    Es kann helfen, wenn Sie Übertreibungen oder offenen Lügen die Grundlage entziehen. Zeigen Sie, dass die Geschichten frei erfunden oder zumindest völlig überzogen sind. So bekommt der Geltungsdrang weniger Aufmerksamkeit – auch in Zukunft, weil alle mitbekommen, dass sich das Zuhören nicht lohnt.

  • Suchen Sie sich Unterstützung

    Auf Geltungsdrang reagieren sie am besten gemeinsam mit anderen, die auch unter dem Verhalten leiden. Fragen Sie bei anderen Kollegen nach, ob ihnen das Verhalten auch negativ aufgefallen ist, und sprechen Sie sich ab, um dem Geltungsdrang einen Riegel vorzuschieben. Im besten Fall gelingt es Ihnen, gemeinsam das Verhalten vollkommen zu ignorieren und so jeder Aufmerksamkeit zu entziehen.


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