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Arbeitssucht: Symptome, Ursachen & Therapie

Leidenschaft, Engagement und Ehrgeiz sind essenziell für den Erfolg. Wird ein gesundes Maß überschritten, kann es aber schnell in die Arbeitssucht führen. Alles dreht sich nur noch um den Job und es gibt kein anderes Thema. Arbeitssüchtige Menschen arbeiten dabei nicht nur besonders lange und hart – sie sind schlicht nicht in der Lage, ihre Arbeit zu beenden. Weder physisch noch mental. Wir zeigen Ursachen sowie Symptome für Arbeitssucht und geben Tipps, wie Sie diese überwinden…



Arbeitssucht: Symptome, Ursachen & Therapie

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Was ist Arbeitssucht? Einfach erklärt!

Arbeitssucht ist der übersteigerte und unkontrollierbare Drang, immer mehr zu arbeiten. Betroffene sind voll und ganz auf die Arbeit fixiert, wodurch sie mehr, härter, länger und auch zwanghaft arbeiten. Sie können sich nicht vom Job lösen und finden immer neue Aufgaben. Arbeitssüchtige kennen keinen Feierabend, machen ständig Überstunden und nehmen zusätzlich Arbeit mit nach Hause – auch am Wochenende oder im Urlaub.

Es ist eine krankhafte Übersteigerung von Ehrgeiz, Motivation und Leistungsbereitschaft – die alle bis zu einem gewissen Maß wichtige Erfolgsfaktoren sind.

Arbeitssucht wird oft nicht erkannt

Ein häufiges Problem der Arbeitssucht: Sie wird nicht erkannt. Betroffene selbst können das eigene Verhalten nicht kontrollieren, Außenstehende beurteilen es oft nur als großes Engagement. Kollegen sehen einen Mitarbeiter, der hart an seiner Karriere arbeitet; der Chef freut sich über einen engagierten Leistungsträger; selbst in der Familie wird zwar der volle Fokus auf den Job bemerkt, aber nicht die zugrundeliegende Arbeitssucht erkannt.

So kann die Sucht über lange Zeit bestehen, ohne dass etwas an der Situation geändert wird. Die Folgen werden entsprechend immer schlimmer. Umso wichtiger ist es, die Symptome zu erkennen und richtig zu deuten.

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Arbeitssucht: Symptome erkennen und verstehen

Arbeitssucht wird fälschlicherweise von vielen einfach als übersteigerter Eifer und besondere Leistungsbereitschaft abgetan. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Krankheit, die zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Arbeitssucht zählt zu den sogenannten nicht-stoffgebundenen Süchten, das Klassifizierungssystem ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) hat keine eigene Kategorie für diese Erkrankungen.

Sie wird dabei als Störung der Impulskontrolle verstanden. Um die negativen Konsequenzen zu minimieren und frühzeitig gegensteuern zu können, müssen die typischen Symptome erkannt werden:

  • Das gesamte Denken kreist nur um die Arbeit.
  • Auch in der Freizeit kann der Betroffene nicht abschalten
  • Arbeitssüchtige sind überzeugt, arbeiten zu müssen. Pausen oder Ausfälle kommen nicht infrage.
  • Umfang und Dauer der Arbeit können nicht mehr kontrolliert werden.
  • Es kommt zu Entzugserscheinungen inklusive körperlicher Symptome, wenn nicht gearbeitet wird.
  • Zufriedenheit hängt von der Arbeit ab
  • Betroffene reagieren gereizt und mit Ablehnung, wenn sie auf das Thema angesprochen werden.

Wie bei anderen Süchten gilt zudem: Die Dosis muss immer weiter gesteigert werden. Anfangs werden ein paar Überstunden gemacht, dann wird zusätzlich Arbeit zuhause erledigt, der Feierabend verschwindet komplett und es wird auch am Wochenende und im Urlaub weitergeschuftet.

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Folgen der Arbeitssucht

Die Folgen echter Arbeitssucht sollten nicht unterschätzt werden. Es geht eben nicht darum, dass ein bisschen mehr gearbeitet wird oder bei einem besonders wichtigen Projekt Überstunden gemacht werden. Für Arbeitssüchtige ist die Arbeit nicht ein Teil des Lebens, sie ist das gesamte Leben. Es gibt keinen Ausgleich, keine Erholung, kein Abschalten oder gar Freizeit. Jeder Gedanke kreist um den Job – und dank moderner Technik sind Betroffene jederzeit in der Lage, noch schnell eine Mail zu schreiben oder eine Aufgabe zu erledigen.

Wie bei jeder Sucht merken auch Workaholics die Konsequenzen. Schon nach kurzer Zeit zeigen sich vor allem die körperlichen Begleiterscheinungen:

All diese Folgen sind typisch für Überarbeitung und mangelnde Regeneration. Betroffene überlasten sich und den eigenen Körper – oft bis zum Burnout. Hinzu kommen soziale Konsequenzen, weil Familie und Freunde vernachlässigt werden. Beziehungen zerbrechen, es kommt zu Einsamkeit und Isolation.

Je länger die Arbeitssucht besteht, desto gravierender die Folgen. Betroffene werden zum Teil arbeitsunfähig, weil sie körperlich oder psychisch völlig ausgelaugt sind. Selbst verfrühte Todesfälle können die Konsequenz sein. In Japan ist dieses Phänomen als Karoshi bekannt – Tod durch Überarbeitung.

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Ursachen: Warum entsteht Arbeitssucht?

Die konkreten Ursachen und Auslöser für eine Arbeitssucht sind nicht vollkommen geklärt. Experten haben aber einige Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung eine Rolle spielen können. Ein wichtiges Motiv ist der große Wunsch nach Anerkennung und Bestätigung – gepaart mit einem geringen Selbstbewusstsein. Betroffene stürzen sich in die Arbeit, um Zuspruch von außen zu erhalten und so das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

Auch tiefe Versagensängste können in die Arbeitssucht führen. Ein mögliches Scheitern soll durch die übermäßige Arbeitswut verhindert werden. Doch auch einige Charaktereigenschaften sind typisch für Arbeitssüchtige. Sie zeigen starkes Konkurrenzdenken und den Wunsch, sich zu beweisen. Die Ursache vermuten Wissenschaftler hier in der Kindheit. Wer früh gelernt hat, dass Zuneigung und Liebe an Leistungen und Erfolge gekoppelt sind, zeigt dies auch im späteren Leben.

Arbeitssucht Workaholic Burnout Ich kann nicht mehr Grafik

Zuletzt kann Arbeitssucht auch eine Flucht aus dem Privatleben sein. Probleme in der Beziehung (Ehekrise oder Scheidung), ein Todesfall in der Familie oder eine Midlife-Crisis können Gründe sein, warum Betroffene sich in die Arbeit stürzen. Sie blenden alles andere aus, um sich abzulenken. Flexibler Arbeitszeiten und dezentrales Arbeiten machen es zudem einfacher, immer und überall tätig zu sein.

4 starke Indizien für Arbeitssucht

Leiden Sie unter Arbeitssucht? Die Selbsteinschätzung ist leider gar nicht so einfach. Betroffene empfinden das eigene Verhalten meist als normal oder beschönigen den Fakt, dass ihr Leben nur noch aus dem Job besteht. Damit Sie frühzeitig erkennen, dass Sie arbeitssüchtig sind oder werden, sollten Sie auf diese Anzeichen achten:

  1. Sie können nicht delegieren
    Arbeitssüchtige können keine Aufgaben delegieren oder Verantwortung abgeben. Sie müssen immer alles selbst machen, um die Kontrolle zu behalten und noch arbeiten zu können. Zudem sind Sie überzeugt, dass kein Kollege es auch nur halb so gut kann, wie Sie selbst.
  2. Sie kennen kein anderes Thema
    Ob beim Smalltalk mit den Kollegen, abends mit den Freunden in einer Bar oder zuhause bei Ihrer Familie: Sie reden immer und überall nur vom Job. Projektfortschritt, Entwicklungen in der Branche, neue Mitarbeiter oder mögliche Kunden – sobald ein Gespräch nicht mehr um die Arbeit geht, ist es Ihnen egal und Sie langweilen sich.
  3. Sie vernachlässigen private Aufgaben
    In der Wohnung wird es zunehmend chaotischer, der Kühlschrank ist leer, den wichtigen Arzttermin haben Sie schon drei Mal verschoben und den Hochzeitstag haben Sie auch vergessen… Wenn Sie regelmäßig private Aufgaben vergessen oder schlicht ignorieren, weil der Job wichtiger ist, deutet es auf eine Arbeitssucht hin. Die Prioritäten verschieben sich immer weiter zugunsten des Jobs.
  4. Sie vereinsamen immer mehr
    Je mehr Sie sich in die Arbeit stürzen, desto weniger Zeit haben Sie für die Familie, Freunde, Bekanntschaften. Logisch, aber gefährlich. Mit der Zeit sind die Kollegen Ihre einzigen sozialen Kontakte. Nahestehende Menschen wenden sich ab. Zuhause sitzen Sie dann alleine rum – und fangen wieder an zu arbeiten.

Arbeitssucht Test: Sind Sie schon Workaholic?

Workaholics bezeichnen sich selbst gerne als ehrgeizig und loben ihre Ambitionen. Am Anfang steht dabei der Spaß und die Begeisterung für den Job. Doch Arbeitssucht ist gefährlich und muss erkannt werden. Machen Sie dazu unseren Selbsttest: Sind Sie ein Workaholic?

Workaholic Selbsttest


Arbeitssucht überwinden: Tipps und Therapie

Sie haben unseren Test gemacht und befürchten nun, dass Sie arbeitssüchtig sind? Folgende Punkte können Ihnen helfen:

Einsicht

Wie bei allen Süchten und psychischen Erkrankungen ist Einsicht des Betroffenen der erste Schritt. Sie müssen erkennen, dass Sie ein Problem haben und dass es Ihr Verhältnis zur Arbeit nicht normal ist. Selbstreflexion ist dazu besonders wichtig, aber auch Gespräche mit Familie und Freunden können Ihnen die Augen öffnen.

Akzeptanz

Versinken Sie nicht in Selbstmitleid und geben Sie sich nicht die Schuld für die Situation. Versuchen Sie die Lage zunächst einfach zu akzeptieren. Das verhindert unnötigen Druck. Aus der Akzeptanz mit der eigenen Situation können Sie die nächsten Schritte angehen.

Ursachenforschung

Wenn Sie die Ursachen verstehen, können Sie leichter aus der Arbeitssucht entkommen. Fragen Sie sich, warum es so weit gekommen ist. Brauchen Sie die Bestätigung aus Ihrem Job? Flüchten Sie vor privaten Problemen? Steht dahinter eine Angst (vor Arbeitslosigkeit, vor Ablehnung, vor Versagen…)?

Überzeugung

Ein zentraler Schritt ist die Überzeugung, dass der Job nicht der einzige Inhalt Ihres Lebens ist. Es gibt ein Leben außerhalb des Berufs, auf das Sie sich ebenso konzentrieren müssen. Dieses Umdenken ist wichtig, fällt aber gerade zu Beginn schwer. Setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern beginnen Sie langsam, den Fokus auf Ihr Privatleben und die Freizeit zu richten.

Alternativen

Finden Sie Alternativen zur ständigen Arbeit. Die Mitgliedschaft in einem Sportverein ist ein besonders guter Weg. Das regelmäßige Training sorgt für Ausgleich, Sie tun etwas für Ihre Gesundheit und lernen gleichzeitig neue Menschen außerhalb des Jobs kennen. Wichtig sind zudem Pausen und Auszeiten vom Job, die Sie immer häufiger einbauen. Diese können Sie für Entspannungsübungen nutzen, um sich von den übermäßigen Belastungen zu erholen.

Therapie und Hilfe

In vielen Fällen ist es sinnvoll, Hilfe von außen anzunehmen. Das können im ersten Schritt Familie und Freunde sein. Bei größeren Problemen sollten Sie sich an Experten werden. Eine gute Möglichkeit sind Treffen der Anonymen Arbeitssüchtigen. Hier können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen und Hilfe erhalten. Auch eine Therapie in Absprache mit einem Arzt kann helfen – meist wird eine kognitive Verhaltenstherapie begonnen.


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[Bildnachweis: naum by Shutterstock.com]

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