Konzentrationsstörungen: So verhindern Sie sie

Jeder kennt sie und keiner braucht sie: Konzentrationsstörungen. Und natürlich treten sie immer dann auf, wenn wir unsere Konzentration am dringendsten brauchen: In Prüfungssituationen, wenn wir in der Klausur sitzen und Wissen abrufen müssen. Oder wenn eine Aufgabe erledigt werden muss, aber der zündende Gedanke, der das Ganze entscheidend voranbringen würde, leider ausbleibt. Das Gemeine: Je mehr wir uns anstrengen, desto schwieriger wird es. Dabei ist es häufig das, was wir von klein auf gesagt bekommen haben. Du musst dich mehr anstrengen, dann klappt das auch. Aber der Mensch ist keine Maschine – häufig werden notwendige Ruhephasen ignoriert. Und Übung macht den Meister mag vielleicht helfen, wenn es um Tanzschritte oder eine schönere Handschrift geht. Wenn der Kopf allerdings bereits raucht, helfen solche Sprüche nicht weiter. Woher Konzentrationsstörungen kommen und was Sie dagegen tun können…

Konzentrationsstörungen: So verhindern Sie sie

Definition: Was sind Konzentrationsstörungen?

Konzentrationsstörungen Test bei Kindern Depression Medikamente Vergesslichkeit Definition bei HitzeKonzentrationsstörungen sind zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Sie können in jedem Alter vorkommen, bei älteren Menschen ebenso wie bei Kindern. Gemeint ist damit das Unvermögen, seine Konzentration, seinen Fokus so auf eine Sache zu richten, dass diese Aufgabe zufriedenstellend erledigt wird.

Stattdessen schweifen die Gedanken ab, derjenige hängt seinen Tagträumen nach, und bereits das kleinste Geräusch kann ihn vom eigentlichen Ziel abbringen.

Medizinisch gesehen wird unterschieden zwischen einer kurzfristigen Konzentrationsstörung und einer länger dauernden oder gar dauerhaften Konzentrationsschwäche. Häufig werden die Begriffe jedoch synonym verwendet. Konzentrationsstörungen können – gerade, wenn sie nur kurz auftreten – vorübergehender Natur sein und sind kein Grund zur Sorge.

Allerdings können sie ebenso ein Indiz für eine ernstzunehmende Erkrankung sein, weshalb Betroffene das in jedem Fall abklären sollten, wenn das Problem häufig und/oder länger anhaltend auftritt.

Ursachen: Interne und externe Faktoren

Die Palette der möglichen Ursachen für Konzentrationsstörungen ist breit. In einigen Fällen lässt sich zwischen internen und externen Faktoren unterscheiden, in anderen gibt es Überschneidungen oder beide Bereiche bedingen sich gegenseitig.

Denn teilweise ist es das eigene Verhalten oder das anderer Personen, das kontraproduktiv ist und sich auf Ihre Leistungsfähigkeit auswirken kann. Extern bedeutet in dem Fall auch: Anderen geht es da ganz genauso, so ziemlich jeder hätte unter diesen Bedingungen Konzentrationsschwierigkeiten.

In anderen Fällen kann eine genetische Disposition dazu beitragen, dass Menschen große Schwierigkeiten haben, ihre Gedanken zu sortieren. Für Betroffene die folgenden Punkte eine Möglichkeit, die eigenen Rahmenbedingungen einem Test zu unterziehen und zu gucken, ob sie als mögliche Auslöser in Betracht kommen.

Eher externen Ursachen zuzuordnen sind folgende Punkte:

  • Multitasking

    Ein populärer Irrtum ist der von den Aufgaben, die wir alle zeitgleich erledigen wollen und können. Multitasking funktioniert leider nicht. Zwar erledigt unser Körper verschiedene Dinge gleichzeitig – sie können etwa essen und gleichzeitig zuhören, atmen, sehen und so weiter. Aber sobald es um komplexe Dinge geht, beispielsweise konzentriert einem Telefonat über ein Problem folgen, gleichzeitig eine Beschwerdemail detailliert beantworten und womöglich noch eine Rechnung schreiben, dann sind dem Multitasking Grenzen gesetzt. Es wird immer nur eine Aufgabe wirklich bearbeitet. Dadurch, dass wir uns jedoch jedes Mal herausreißen und wieder einer der anderen Aufgaben zuwenden, statt eine am Stück zu beenden, brauchen wir länger für die einzelne und somit für alle Aufgaben zusammen.

  • Störungen

    Der Lärm durch die Baustelle, laute Kollegen im Großraumbüro, aber auch das leise Benachrichtigungsgeräusch einer eingehenden Whatsapp Nachricht oder einer E-Mail trägt dazu bei, dass wir aus unserem Arbeitsprozess gerissen werden. Studien zufolge brauchen wir im Schnitt bis zu 15 Minuten, bis wir uns wieder so weit in das Thema eingefunden haben, dass wir uns voll und ganz auf die Aufgabe konzentrieren und wissen, welcher Schritt als nächstes zu tun ist.

  • Schlafmangel

    Konzentrationsstörungen können auch durch Schlafmangel hervorgerufen werden. Dies ist einer der Punkte, der sowohl als interner als auch als externer Faktor gesehen werden kann. Denn in der Regel hat jeder Arbeitnehmer es selbst im Griff, wann er zu Bett geht. Ausreichend Schlaf hat er selbst sicherzustellen, dazu ist er bereits per Arbeitsvertrag verpflichtet. Aber es kann natürlich arbeitsbedingte Umstände geben, die das nicht ermöglichen, etwa bei Schichtarbeit.

  • Medikamente

    Nicht selten führt die Einnahme notwendiger Medikamente zu unerwünschten Nebenwirkungen. Konzentrationsstörungen können beispielsweise durch Chemotherapie hervorgerufen werden. Mediziner bezeichnen diese Nebenwirkung als „Chemobrain“. Auch die für Allergiker notwendigen Antihistaminika führen häufig zu Nebenwirkungen in Form von Müdigkeit, die wiederum die Konzentration deutlich erschwert.

  • Wetter

    Müdigkeit infolge von Hitze und verbrauchter Luft sind keine Seltenheit. Aber auch Wetterumschwünge, die viel gefürchtete Frühjahrsmüdigkeit oder graue Novembertage können die Konzentration negativ beeinflussen: Der Lichtmangel erhöht die Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafes.

Daneben gibt es eher interne Ursachen, beispielsweise:

  • Selbstdisziplin

    Mangelnde Selbstdisziplin kann einen ähnlichen Effekt wie Multitasking haben. Wer leicht ablenkbar ist und sich mit Dingen umgibt, die Ablenkung fördern, schießt sich ein Eigentor. Dazu gehört beispielsweise, das eingeschaltete Handy immer griffbereit zu haben und bei jeder Privatnachricht sofort zu reagieren. Sie reißen sich immer wieder aus dem Arbeitsprozess heraus, weil die direkte Belohnung (in Form einer kurzweiligen Beschäftigung) angenehmer und wichtiger eingeschätzt wird als der notwendige Arbeitsvorgang.

  • Krankheiten

    Verschiedene Krankheiten rufen Konzentrationsstörungen hervor. Dazu gehören per Krankheitsbild beispielsweise Demenz und das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS oder auch ADHS). Konzentrationsstörungen sind ebenfalls ein Symptom bei Depression und niedriger Blutdruck, Durchblutungsstörungen und Mangelernährung sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch.

  • Sorgen

    Menschen, die von großer Sorge getrieben werden, haben Schwierigkeiten, den Fokus auf die anstehenden Dinge zu richten. Dazu können Stress auf der Arbeit oder existenzielle Sorgen zählen. Auch jemand, der in tiefer Trauer ist, braucht länger, das Gedankenkarussell abzustellen.

  • Biorhythmus

    Auch der eigene Biorhythmus kann zum Problem werden. Ist es nun als interner Faktor zu bewerten, wenn eine Nachteule morgens Schwierigkeiten hat, oder doch eher als externer Faktor, da bei passenden Arbeitszeiten sich dieses Problem kaum ergibt? Fakt ist, dass nicht jeder Arbeitnehmer seine Arbeitszeiten selbst wählen kann. Selbst bei üblichen Arbeitszeiten kann es sein, dass jemand früh genug zu Bett geht, aber dennoch mittags wie ein Zombie vor dem Computer hängt und keinen klaren Satz herausbringt. Häufig hat dann das Schnitzelkoma zugeschlagen.

Mehr Konzentration: Das können Sie tun

Vergesslichkeit infolge von Schlafmangel ist die eine Sache. Tauchen die Konzentrationsstörungen aber plötzlich auf und haben Sie so keinerlei Erklärung – etwa einen der oben genannten Gründe – dafür, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen.

Das Gleiche gilt, wenn sich die Beschwerden verstärken oder sogar andere Symptome wie Schwindel oder kalte Hände auftreten. Können körperliche Ursachen beispielsweise durch ein Blutbild ausgeschlossen werden, können verschiedene Tests und Fragebögen ADHS ermitteln.

Wenngleich Krankheiten die Ursache für Konzentrationsstörungen sein können, sind viel häufiger die Dinge, die wir tun oder unterlassen die Ursache dafür. Daher geht es vor allem darum, vorbeugend bestimmte Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie erst gar nicht auftreten:

  • Führen Sie einen gesunden Lebenswandel.

    Jeder hat es bereits gehört: Rauchen und Alkohol sind schädlich, zu fettiges Essen ebenfalls. Natürlich macht das Leben wenig Spaß, wenn man sich alle Annehmlichkeiten versagen muss. Für viele Menschen sind gutes Essen und auch Alkohol ein Zeichen von Lebensqualität. Wichtig ist hierbei nicht, sich alles zu versagen, sondern das richtige Maß zu finden. Sich jedes Wochenende abzuschießen hat nur noch wenig mit Genuss, aber mehr mit Maßlosigkeit oder gar mangelnder Problembewältigung zu tun. In jungen Jahren mag der Körper das noch ausgleichen können, aber mit zunehmenden Alter rächen sich solche Aktionen.

  • Sorgen Sie für ausreichend Bewegung.

    Wichtig ist dies vor allem für Arbeitnehmer, die einer sitzenden Tätigkeit nachgehen und/oder viel mit dem Auto unterwegs sind. Ein Ausgleich dazu – am besten an frischer Luft – kurbelt die Sauerstoffzufuhr an. Darüber hinaus kommen Sie auf andere Gedanken, wenn Sie statt der geistigen einer körperlichen Tätigkeit nachgehen, beispielsweise beim Joggen. Drei- bis viermal pro Woche jeweils 30 Minuten sollten Sie für sich investieren. Das fördert anschließend die Kreativität.

  • Schlafen Sie genügend.

    Ein erholsamer Schlaf ist das A und O gegen Konzentrationsstörungen. Einige Menschen haben jedoch abends das Problem, nach einem aufreibenden Arbeitstag „herunterzukommen“. Hier können Entspannungsübungen wie Yoga, Autogenes Training oder Meditation helfen. Ebenfalls wichtig: Vermeiden Sie zwei Stunden vor dem Zubettgehen das Lesen oder Arbeiten am Laptop oder Smartphone. Das bläuliche Licht, das durch diese Geräte ausgestrahlt wird, trägt dazu bei, dass die innere Uhr gestört und auf „Tagbetrieb“ umstellt wird. Mittlerweile können Sie zwar mit diversen Apps den Blauanteil reduzieren, jedoch führt die Aktivität an sich kurz vor dem Schlaf dazu, dass Sie wieder wacher werden.

  • Achten Sie auf genügend Pausen.

    Ganz wichtig während der Arbeitszeit sind ausreichende Pausen. Manch einer begeht den Fehler, Pausen mit Faulheit gleichzusetzen und ihre enorme Wirkung zu unterschätzen. Aber wir brauchen Pausen für unsere Regenerationsfähigkeit. Ihnen geht also mitnichten Zeit verloren. Wer eine Pause macht, gewinnt anschließend Zeit, da er wesentlich konzentrierter und schneller vorgehen kann, als wenn er einfach durcharbeitet.

  • Beschäftigen Sie sich mit Konzentrationsübungen.

    Zeichnet sich bei einem Menschen beispielsweise infolge des Alters Demenz oder Alzheimer ab, sind die Behandlungsmöglichkeiten bisher begrenzt. Hier geht es nicht mehr um eine Rückkehr der ursprünglichen Gedächtnisleistung, sondern um eine Verlangsamung des Leistungsabfalls. Das kann erreicht werden, in dem Kreuzworträtsel gelöst, Memory gespielt oder Sudoku ausgefüllt wird. Neuere Ansätze greifen auf Computerspiele für Demenzerkrankte zurück. Aber auch gesunden Menschen, Erwachsenen wie Kindern, kommen Brainteaser zugute.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
28. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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