Singletasking: Nicht alles auf einmal!

Ein Telefonat führen, Mails schreiben, einen Termin vereinbaren und gleichzeitig schon einmal die Planung für das nächste Projekt vorantreiben – Singletasking ist das genaue Gegenteil! Leider hält sich ein verbreiteter Irrglaube: Wer viel auf einmal erledigt, schafft viel. Unfug! Viel mehr Erfolg verspricht es, mit dem Singletasking eine Aufgabe nach der anderer anzugehen. Das ist nicht langsam oder gar faul, sondern in mehrerer Hinsicht die bessere Arbeitsweise. Hier erfahren Sie, was Singletasking bedeutet, welche Vorteile es hat und wie Sie das Singletasking in die Praxis umsetzen können…

Singletasking: Nicht alles auf einmal!

Definition: Was macht Singletasking aus?

Singletasking Definition Erklärung Bedeutung Tipps VorteileIm Job gibt es an jedem Tag, zu jeder Stunde und in jeder Minute zahlreiche Dinge zu erledigen. Selbstständige wie Angestellte haben alle Hände voll zu tun und geben ihr Bestes, um allen Aufgaben, Anforderungen und Erwartungen gerecht zu werden. Viele sehen bei einer wachsenden ToDo-Liste nur noch die Möglichkeit, möglichst viel auf einmal zu erledigen, um die Lage im Griff zu behalten – klassisches Multitasking eben.

Singletasking ist das genaue Gegenteil. Der Drang zum eins nach dem anderen stammt aus der Selbstorganisation und wird zunehmend in der Arbeitswelt eingeführt und umgesetzt. Der Kerngedanke dabei: Statt möglichst viel auf einmal zu machen, wird sich gezielt nur einer Aufgabe gewidmet. Erst wenn diese abgeschlossen ist, richtet sich der Fokus auf das nächste ToDo.

Multitasking Singletasking Eine Aufgabe Nach Der Anderen Grafik

Das klingt für viele, die fest im Multitasking-Wahn stecken, zunächst nach Träumerei, die in der Praxis nicht funktionieren kann. Wer kann es sich schon erlauben, nur eine Sache zu tun, wenn in der Arbeitszeit hunderte Dinge zu erledigen sind? So fühlen sich Arbeitnehmer zu einer Alles-auf-einmal-Mentalität verpflichtet.

Tatsächlich hat das jedoch fast ausschließlich Nachteile, Singletasking hingegen bringt zahlreiche positive Aspekte mit und hat als Arbeitsweise deutlich größere Aussichten auf Erfolg.

Welche Vorteile bringt das Singletasking?

Multitasking wird fälschlicherweise immer noch als heiliger Gral der Arbeitsweise angepriesen. Dabei konnte in Studien bereits gezeigt werden, dass viele Dinge, für die das gleichzeitige Erledigen bekannt ist, überhaupt nicht zutreffen.

Allen voran: Es ist nicht schneller, wenn Sie sich drei, fünf oder auch zehn Dinge auf einmal vornehmen. Das genaue Gegenteil trifft zu. Wer vieles auf einmal erledigt, braucht am Ende deutlich länger. Dies erklären Wissenschaftler damit, dass es für menschliche Gehirn anstrengend ist, zwischen unterschiedlichen Aufgaben und Prozessen hin und her zu springen. Es kostet Zeit und ungemein viel Energie, sich ständig auf etwas Neues zu konzentrieren und wieder hineindenken zu müssen.

Singletasking ist hingegen schneller, weil Sie sich jeweils voll und ganz auf eine Sache konzentrieren können und der Zeitverlust durch lästige Aufgabenwechsel entfällt. Hier hören die Vorteile des Singletasking noch nicht auf. Zusätzlich profitieren Sie von weiteren Aspekten:

  • Sie sind leistungsfähiger

    An alles gleichzeitig zu denken und sieben parallele Baustellen zu bearbeiten, ist ungemein anstrengend, kostet mentale und körperliche Energie. Singletasking fällt den meisten Menschen leichter, wodurch die allgemeine Leistungsfähigkeit steigt. Sie sind nicht so schnell erschöpft und fühlen sich nach einem langen Arbeitstag noch gut und motiviert.

  • Sie verbessern die Ergebnisse

    Durch Singletasking können Sie Ihre Leistungen verbessern und bessere Ergebnisse abliefern – was langfristig erfolgreicher machen kann. Indem Sie eins nach dem anderen machen, können Sie sich voll konzentrieren, reduzieren die Fehlerquote und zeigen Ihrem Chef, dass auf Ihre Arbeit jederzeit Verlass ist.

  • Sie haben weniger Stress

    Multitasking ist zwar verbreitet, jedoch bei vielen nicht sonderlich beliebt. Hin und her, erst A, dann B, dann C, dann wieder A, nochmal C und zurück zu B – das verursacht Stress, der durch Singletasking vermieden werden kann.

  • Sie optimieren Ihre Arbeitsorganisation

    Den Überblick zu behalten und die Ordnung zu wahren, ist eine große Herausforderung, wenn alles durcheinander läuft und gleichzeitig bearbeitet wird. Singletasking verbessert die Arbeitsorganisation, sorgt für klarere Strukturen und hilft so dabei, die gesamte Arbeitsweise neu zu gestalten und zu optimieren.

Singletasking bei Chef und Kollegen erklären

Eine Frage, die sich Arbeitnehmer stellen, lautet: Wie soll ich meinem Chef sagen, dass ich Singletasking betreibe? Vorgesetzte sind es schließlich gewohnt und erwarten es oftmals sogar, dass Mitarbeiter sich gleichzeitig um alle anfallenden Aufgaben kümmern. Die Angst, als faul, leistungsschwach oder zu langsam abgestempelt zu werden, treibt Angestellte wieder zurück ins Multitasking.

Der Prozess hat zwar begonnen, bis jedoch ein Umdenken in allen Unternehmen stattfindet, sind Mitarbeiter in Erklärungsnot. Selbst den Kollegen gegenüber fühlen sich manche zu einer Rechtfertigung verpflichtet. Schließlich fällt es schwer, eine Bitte um Hilfe abzulehnen oder zu sagen Das kann ich erst nachher machen, wenn ich mit meinen Sachen fertig bin.

Einfach wird es leider nicht, für das Singletasking zu argumentieren, doch sollten Sie sich davon nicht abschrecken lassen. Liefern Sie stattdessen gute, rationale und nachvollziehbare Gründe sowie klare Beispiele, warum Sie die Dinge nacheinander angehen, statt kreuz und quer zu arbeiten.

Soll heißen: Sprechen Sie nicht nur darüber, sondern überzeugen Sie Zweifler durch herausragende Leistungen, die Sie dank Singletasking erreicht haben. Erzählen Sie nicht von den Vorteilen, sondern demonstrieren Sie, dass Sie durch Singletasking schneller und besser arbeiten. Wahre Überzeugungsarbeit leisten Sie beim Singletasking nicht mit Worten, sondern mit Taten.

Tipps: So klappt es mit dem Singletasking

Die zweite Seite des Problems liegt beim Singletasking in der Umsetzung. Jahrelanges Multitasking ist fest in Gewohnheiten und Routinen verankert, bis nicht einmal bemerkt wird, dass drei Aufgaben gleichzeitig angegangen werden.

Glücklicherweise lässt sich Singletasking lernen und mit einigen Tipps in den Arbeitsalltag integrieren:

  • Erstellen Sie eine priorisierte ToDo Liste

    Was müssen Sie am Tag erledigen? Welche Aufgaben sind besonders wichtig? Welche können später erledigt werden? Eine nach Prioritäten geordnete ToDo-Liste ist ein gutes Hilfsmittel beim Singletasking. An dieser können Sie genau ablesen, welcher Aufgabe Sie sich widmen sollten und in welcher Reihenfolge die Bearbeitung sinnvoll ist.

  • Vermeiden Sie Unterbrechungen

    Selbst wenn Sie nicht bewusst Multitasking betreiben, können Unterbrechungen dafür sorgen, dass Sie sich mit verschiedenen Dingen zur gleichen Zeit beschäftigen müssen. Das Telefon klingelt, während Sie gerade an etwas anderes denken oder Sie bekommen eine E-Mail und werfen einen Blick auf die Nachricht. Indem Sie Unterbrechungen vermeiden oder zumindest reduzieren, wird Ihnen das Singletasking leichter fallen.

  • Arbeiten Sie an Ihrer Konzentration

    Arbeiten Sie nur an einer Aufgabe – das klingt so leicht, ist in der Praxis aber durchaus schwierig. Die Gedanken schweifen ab, im Hinterkopf beschäftigen Sie sich schon mit zukünftigen Aufgaben und Problemen und schon klappt es mit dem Singletasking nicht mehr. Was hilft, ist eine ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit. Lernen Sie, sich voll und ganz auf eine Sache zu fokussieren und auch gedanklich nicht zu anderen Themen zu springen oder sich ablenken zu lassen.

  • Schreiben Sie auf, was Sie beschäftigt

    Will es mit dem Fokussieren einfach nicht klappen? Schwirrt Ihnen zu viel im Kopf herum oder gibt es neue Informationen, die Sie nicht vergessen dürfen? Schreiben Sie all diese Dinge auf, um sich später damit zu beschäftigen. Das macht den Kopf für das Singletasking frei und Sie können sich wieder der aktuellen Aufgabe zuwenden.

  • Sagen Sie häufiger Nein

    Singletasking macht es erforderlich, dass Sie Grenzen aufzeigen und häufiger Nein sagen. Sie können nicht jedes Mal sofort zur Seite springen, schnell noch eine Aufgabe dazwischen schieben oder kurz einen Blick auf etwas werfen. Vielleicht können Sie sich – wenn Zeit und Kapazitäten reichen – später darum kümmern, für den Augenblick heißt die Antwort jedoch Nein.

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  • Beenden Sie Aufgaben tatsächlich

    Dieser Punkt greift für das Singletasking gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen gilt: Bringen Sie angefangene Aufgaben zu Ende. Erledigen Sie nicht 75 Prozent, kümmern sich um eine andere Angelegenheit und kehren später zu den letzten 25 Prozent zurück. Dies widerspricht dem Grundprinzip des Singletasking.

    Ebenso sollten Sie sich angewöhnen, eine erledigte Aufgabe wirklich als abgehakt zu betrachten. So können Sie gedanklich mit dieser abschließen und hängen ihr nicht noch nach, während Sie bereits am Folgeprojekt arbeiten.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
27. Dezember 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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