Slow Work: Weniger Tempo, mehr Erfolg

Schnellere Ergebnisse, hohe Geschwindigkeit, immer Vollgas und hohes Tempo, wer zu langsam ist, wird sofort überholt – diese Mentalität lässt sich überall in der Berufswelt sehen. Slow Work ist das Gegenkonzept und richtet den Fokus auf eine langsamere Arbeitsweise. Das Konzept der Slow Work scheint zu anfangs kaum umsetzbar: Schließlich wollen Arbeitgeber und Kunden nicht lange auf Leistung warten, sondern alles jetzt, sofort und am besten bis gestern. Trotzdem erfreut sich Slow Work wachsender Beliebtheit, denn die langsame Arbeit bringt zahlreiche Vorteile. Hier erfahren Sie, was hinter Slow Work steckt, warum diese so wichtig ist und wie sich Slow Work im Job umsetzen lässt…

Slow Work: Weniger Tempo, mehr Erfolg

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Was ist Slow Work?

Slow Work ist – wenn man so möchte – die Weiterführung der Ideen von Slow Food oder auch Slow Travel. Es ist Teil einer größeren Bewegung, die ein Ziel hat: Das immer schneller werdende Tempo aus dem Leben zu nehmen und im Sinne der Achtsamkeit die Wahrnehmung zu schärfen. Gerade auf die kleinen Dinge, die das Leben angenehm machen.

Durch Slow Work wird Entschleunigung an den Arbeitsplatz gebracht. Statt von einer Aufgabe in die nächste zu hetzen und zig Dinge gleichzeitig zu machen, wird bewusster und langsamer gearbeitet.

Beim Slow Work geht es nicht immer nur um materiellen Erfolg oder eine möglichst steile Karriere. Sie ist eng verbunden mit Work-Life-Balance und dem allgemeinen Wohlbefinden und einer hohen Lebensqualität.

Auf die Spitze getrieben bedeutet Slow Work sogar, dass die eigenen Kraft- und Energiereserven im Job geschont werden. Da muss die Frage erlaubt sein: Macht das wirklich Sinn und kann funktionieren oder geht die Karriere durch Slow Work langsam aber sicher zugrunde? Die überraschende Antwort: Slow Work hat tatsächlich zahlreiche Vorteile und kann im Idealfall sogar zum Erfolg beitragen, statt diesem im Weg zu stehen.

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Vorteile von Slow Work

Zunächst wird Slow Work mit weniger Leistung, schlechteren Ergebnissen, sogar Faulheit und schlechter Arbeitsmoral in Verbindung gebracht. Wer sich bewusst dafür entscheidet, langsamer zu arbeiten, zählt offensichtlich zu den Minderleistern und ist eher eine Belastung für Team und Arbeitgeber. Tatsächlich soll Slow Work das genaue Gegenteil bewirken und sogar die Leistung verbessern. Zu den Vorteilen der Slow Work zählen demnach:

Mehr Produktivität

Langsames Arbeiten heißt nicht zwangsläufig, dass Sie weniger schaffen. Slow Work legt Wert darauf, die Zeiten zu minimieren, die Sie mit unproduktiven Aufgaben verschwenden und wild drauf losarbeiten, ohne etwas zu erreichen. Anders ausgedrückt: Es ist viel produktiver, sich langsam auf die Aufgaben zu fokussieren, als im Eiltempo viele Dinge zu machen, die eigentlich unwichtig sind und dem Ziel keinen Schritt näher bringen.

Mehr Konzentration

Slow Work hilft dabei auch, die Konzentration zu verbessern. Dadurch, dass Sie sich mehr Zeit für eine Aufgabe nehmen, müssen Sie nicht gedanklich bereits bei allen anderen Projekten sein. Durch die langsamere und bewusstere Arbeitsweise können Sie sich zu 100 Prozent auf jedes ToDO konzentrieren. Damit schaffen Sie am Ende sogar mehr und es kommt zu weniger Fehlern, die später korrigiert werden müssten – was wiederum Zeit spart.

Mehr Kreativität

Bei all der Hektik bleibt im Arbeitsalltag kaum Zeit und Raum für Kreativität. Wenn Geschwindigkeit der entscheidende Faktor ist, gibt es keine Gelegenheit, einen neuen Weg auszuprobieren. Indem Mitarbeitern mehr Zeit für langsamere Bearbeitung einer Aufgabe gelassen wird, können diese auch einmal kreativ denken und über den Tellerrand der immer gleichen Methoden schauen.

Mehr Zufriedenheit

Ein großer Vorteil der Slow Work ist zudem die größere Zufriedenheit von Arbeitnehmern. Es ist ungemein befreiend, dem ständigen Zeitdruck zu entkommen und die Uhr nicht pausenlos im Nacken zu haben. So macht die Arbeit gleich mehr Spaß, die Motivation steigt und auch die Loyalität zum Arbeitgeber verbessert sich. Zudem ist bekannt, dass glückliche Mitarbeiter bessere Leistungen bringen und sich mehr engagieren.

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Warum ist Slow Work notwendig?

Slow Work kann sicherlich als ein Trend beschrieben werden, doch ist dieser nicht ohne Grund entstanden. Vielmehr ist es eine gezielte Gegenbewegung zum wachsenden Leistungsdenken, zur Mentalität des immer mehr und immer schneller. Die Anforderungen und Erwartungen an Mitarbeiter wachsen ins schier Unermessliche. Höher, schneller, weiter, hinzu kommen mindestens dynamisch, innovativ, effizient… Die Ergebnisse mögen davon profitieren, Arbeitnehmer hingegen nicht.

Hektik, Stress, übermäßige Belastungen und ein Arbeitsaufwand, der kaum zu stemmen ist – so sieht die Realität in vielen Branchen und Berufen aus. Kein Wunder, dass körperliche und psychische Gesundheit immer häufiger leiden. Das vorgegebene Tempo kann längst nicht jeder mithalten. Um nicht auf der Strecke zu bleiben, wird der Spurt trotzdem durchgezogen. Bis zum wörtlichen Umfallen, wenn es irgendwann nicht mehr weitergeht.

Durch Slow Work, langsameres und bewussteres Arbeiten so wie die Achtsamkeit auf die eigenen Bedürfnisse rückt die Gesundheit mehr in den Mittelpunkt. Das hat nichts mit fehlendem Leistungswillen oder nicht vorhandenem Ehrgeiz zu tun. Slow Work verzichtet lediglich auf Leistung zu jedem Preis. So ist Slow Work vielleicht doch mehr als ein kurzfristiger Trend, sondern in vielen Bereichen eine Notwendigkeit, um die Leistungsgesellschaft und deren Folgen zu hinterfragen.

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So lässt sich Slow Work umsetzen

Das Konzept der Slow Work dreht sich zwar um die Idee der langsameren Arbeit, es bedeutet jedoch nicht, dass Sie einfach alles langsam und wie in Zeitlupe erledigen. Neben der bewussteren und langsameren Arbeit geht es darum, Routinen aufzubrechen, neue zu etablieren und die Hektik im Job gezielt zu entschleunigen. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, Slow Work umzusetzen und dem Geschwindigkeitswahn zu entgehen:

  • To-do-Liste
    Entweder abends zuvor oder morgens zu Beginn Ihres Arbeitstages fertigen Sie eine kleine To-do-Liste an. Das hilft Ihnen den Überblick zu behalten und strukturierter zu arbeiten. Planen Sie für die zu erledigenden Aufgaben immer mehr als ausreichend Zeit ein. So entschleunigen Sie automatisch. Machen Sie nicht den Fehler, Ihre ToDo-Liste komplett zu überladen. Beim Slow Work brauchen Sie genügend Zeit und konzentrieren sich auf die wirklich wichtigen Projekte.
  • Monotasking
    Alles gleichzeitig erledigen, um möglichst schnell zu sein, funktioniert nicht. Der Gedanke des Multitasking hat sich als kontraproduktiv erwiesen, wurde aber lange Zeit als besonders wünschenswerte Arbeitsweise angepriesen. Konzentrieren Sie sich lieber auf eine Sache und betreiben Sie das sogenannte Monotasking. Schließen Sie die aktuelle Aufgabe ab, bevor Sie sich dem nächsten ToDO widmen. Das reduziert Stress, senkt die Fehlerquote und Studien zeigen, dass Sie am Ende sogar mehr schaffen.
  • Pause
    Achten Sie darauf, genügend Pausen einzulegen. Ganz gleich, ob Sie mit der Pomodoro-Technik arbeiten und alle 25 Minuten eine kleine Pause einlegen, bei der Sie sich strecken oder kurz die Beine vertreten oder ob Sie eher in längeren Blöcken arbeiten: Lenken Sie sich in dieser Zeit von Ihrer derzeitigen Tätigkeit ab. Pausen sind ein wichtiger Aspekt der Slow Work, sorgen automatisch für Entschleunigung und helfen dabei, neue Kraft und Konzentration zu sammeln.
  • Abschalten
    Die Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens – durch Slow Work muss sich das nicht unbedingt ändern. Trotzdem ist es wichtig, dass Sie den Job auch hinter sich lassen können. Sie sollten nicht 24 Stunden am Tag mit der Arbeit beschäftigt sein. Wenn Sie dauerhaft Überstunden machen und dann auch noch Arbeit mit nach Hause nehmen, kommt nie zur Ruhe. Beim Slow Work ist eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben wichtig, um Zeit zur Erholung und für Hobbys zu haben.
  • Geduld
    Üben Sie sich häufiger in Geduld; sich und anderen gegenüber. Ungeduld führt zu schlechter Laune. Slow Work ist eher auf Nachhaltigkeit ausgelegt, das heißt, nur weil jetzt im Moment etwas nicht funktioniert, kann es durchaus in nächster Zeit klappen. Geben Sie sich selbst die Zeit, die manche Dinge benötigen.
  • Umgestaltung
    Slow Work kann aber auch eine Umgestaltung Ihrer Arbeit bedeuten. Wer den Eindruck hat, von der Arbeit aufgefressen zu werden, für den kann eine Reduzierung der Stunden zu einer Teilzeitarbeit sinnvoll sein. Oder der Arbeitgeber räumt die Möglichkeit ein, an bestimmten Tagen im Homeoffice zu arbeiten. Slow Work ist also nicht nur unbedingt das Konzept auf der Arbeit selbst, sondern betrifft auch die Arbeitsvorbereitung: Wer bereits morgens gestresst im Stau steht, rennt den ganzen Tag der verlorenen Zeit hinterher.
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Ist Slow Work realistisch?

Dem Chef vorschlagen, dass man in Zukunft langsamer arbeiten möchte, ist wohl wenig erfolgsversprechend. Trotzdem ist Slow Work durchaus realistisch und lässt sich in die Praxis umsetzen. Mitarbeiter zeigen dem Chef am besten, dass Slow Work funktioniert, indem sie mit weiterhin guten Ergebnissen überzeugen. Versuchen Sie sich Ihre Arbeit nach den Prinzipien der Slow Work besser einzuteilen, schalten Sie hin und wieder einen Gang zurück – ohne dass Ihre Leistung drastisch zurückgeht.

Noch besser wäre es jedoch, wenn Unternehmen und Vorgesetzte umdenken und erkennen, dass es kein langfristiges Konzept ist, die eigenen Mitarbeiter dauerhaft auf Höchstgeschwindigkeit rennen zu lassen. Viele Führungskräfte wären wohl überrascht, wie positiv die Einführung von Slow Work das Betriebsklima beeinflussen kann. Und wie trotz Verringerung des Tempos die Ergebnisse stimmen.

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[Bildnachweis: Lightspring by Shutterstock.com]
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29. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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