Slow Work: Weniger Tempo, mehr Erfolg

Slow Baking, Slow Travel und jetzt auch Slow Work: Hieß es einerseits immer, time is money, halten andere dagegen: Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht! Der Trend ist gegenläufig. Allerdings sind Arbeit und ein gewisses Maß an Schnelligkeit scheinbar untrennbar miteinander verbunden, schließlich bezahlt der Arbeitgeber seine Angestellten nicht für die pure Anwesenheit. Und oftmals ist in der Arbeitswelt alles auf Maximierung ausgelegt: In noch kürzerer Zeit sollen noch bessere Ergebnisse erzielt werden. Wie verträgt sich das mit Slow Work, also langsamer Arbeit? Das zeigen wir Ihnen hier…

Slow Work: Weniger Tempo, mehr Erfolg

Slow Work Definition: Was verbirgt sich dahinter?

Slow Work langsame Arbeit Langsamkeit entdeckenWenn man so will, dann ist Slow Work Teil einer größeren Bewegung, die durch den Italiener Carlo Petrini in Slow Food ihren Anfang fand. Es geht darum, insgesamt das Tempo aus dem Leben zu nehmen und im Sinne der Achtsamkeit auch wieder Kleinigkeiten wahrzunehmen, die das Leben angenehm machen.

Slow Work ist der Teil der Bewegung, der sich auf den Arbeitsplatz konzentriert. Wenn Arbeit krank macht, büßt der Arbeitnehmer stark an Lebensqualität ein. Er empfindet keine Freude mehr am Arbeiten und kann seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen.

Gleichzeitig gehört eine erfüllende Arbeit hierzulande zum Selbstwertgefühl und zur Lebensqualität dazu. Der Wunsch, etwas Sinnvolles bewirkt, seinen Tag gut erfüllt zu haben, ist für viele wichtig. Der Gedanke von Slow Work besteht darin, Gesundheit und Freude mit Arbeit zu verbinden.

Es geht nicht mehr darum, einzig auf den (meist materiellen) Erfolg und die Karriere zu schielen. Wichtiger ist vielmehr, ob ein Ausgleich zwischen Freizeit und Arbeit besteht? Gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Arbeitsgestaltung, etwa flexible Arbeitszeitmodelle?

Slow Work: Warum ist es notwendig?

Gleichwohl hat Slow Work mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit Langsamkeit wird häufig Gemächlichkeit, Trödelei, aber auch Faulheit, Desinteresse und Ineffizienz verbunden. Der Mitarbeiter, der ständig zu spät kommt, der Praktikant, der unfähig ist, simpelste Aufgaben zu erledigen oder Kollegen, die null Ehrgeiz kennen.

All diese Eigenschaften passen so gar nicht zu deutschem Leistungsdenken, so lässt sich kein Unternehmen voranbringen. Zumindest war das lange Zeit die vorherrschende Meinung. So kommt es dazu, dass die moderne Arbeitswelt Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer stellt, die teilweise kaum zu bewältigen sind.

Höher, schneller, weiter – das sind die Entsprechungen zu jung, dynamisch, erfolgreich. So lauten die Glaubenssätze, denen alles untergeordnet wird. Alles muss zackig erledigt werden, selbst die Erholung: Powerfitness und Powernapping! Die Umsätze müssen steigen, gleichzeitig verdichten sich die Arbeitsabläufe bei fehlender Manpower.

Kein Wunder, dass so mancher Arbeitnehmer da kurz vor dem Burnout steht. Und Slow Work, zu deutsch: Langsame Arbeit – das soll also das Rezept sein? Dazu muss man wissen, was Slow Work nicht ist: Es bedeutet nicht, einfach alles langsam zu erledigen.

Der Effekt von Slow Work

Bei Slow Work geht es mehr darum, die Arbeit kontrolliert zu unterbrechen, um die Zeiten zu minimieren, die eher mit wenig produktiven Aufgaben gefüllt würden. Es geht also um eine sinnvolle Nutzung der Zeit, die das Wohlbefinden des Arbeitnehmers im Blick hat.

Denn in dem Moment, wo er auch mal durchatmen kann, ohne gleich Zeit- und Termindruck im Nacken zu haben, werden Glücksempfinden und Zufriedenheit gesteigert. Das kommt logischerweise direkt der Arbeit zugute, denn so jemand ist intrinsisch motiviert und kann mit erneuter Kreativität frisch ans Werk gehen.

Alles hängt irgendwie zusammen: Wer Spaß bei der Arbeit hat und entspannter seinen Aufgaben nachgehen kann, wird seltener krank. Selbst wenn er im einzelnen Moment hier und da langsamer sein mag: Auf Dauer ist Slow Work ein Weg, effizient zu arbeiten. Der Arbeitnehmer schont seine Reserven, macht weniger Fehler und kann so produktiver sein.

Slow Work: So geht’s

Die nachfolgend vorgestellten Möglichkeiten für Slow Work bedeuten meist, dass Sie in irgendeiner Form Ihre Arbeit variieren, alte Routinen aufbrechen, neue einführen müssen. Dadurch, dass Sie Ungewohntes tun, werden Sie automatisch in einigen Dingen ausgebremst.

Genau das ist es jedoch, was mit Slow Work erreicht werden soll, zumal Sie so neuen Input bekommen. Wenn Sie mehr Qualität in Ihr Arbeitsleben mit Slow Work bringen wollen, dann beachten Sie folgende Punkte:

  • To-do-Liste

    Entweder abends zuvor oder morgens zu Beginn Ihres Arbeitstages fertigen Sie eine kleine To-do-Liste an. Das hilft Ihnen den Überblick zu behalten und strukturierter zu arbeiten. Planen Sie für die zu erledigenden Aufgaben die doppelte Zeit ein. So entschleunigen Sie automatisch.


  • Monotasking

    Eins nach dem anderen zu erledigen lernen schon kleine Kinder. Dennoch ist durch permanente Erreichbarkeit irgendwann der Eindruck entstanden, dass jeder alles gleichzeitig erledigen können müsste. Dieser Gedanke des Multitasking hat sich als kontraproduktiv erwiesen.

    Konzentrieren Sie sich lieber auf eine Sache. Schalten Sie dafür das Smartphone aus und kontrollieren Sie E-Mails am besten nur noch zu festgelegten Zeiten, maximal zweimal am Tag. So werden Sie nicht ständig aus dem Arbeitsfluss herausgerissen – gleichzeitig funktioniert Slow Work wie von selbst: Steter Tropfen höhlt den Stein.


  • Pause

    Achten Sie darauf, genügend Pausen einzulegen. Ganz gleich, ob Sie mit der Pomodoro-Technik arbeiten und alle 25 Minuten eine kleine Pause einlegen, bei der Sie sich strecken oder kurz die Beine vertreten oder ob Sie eher in längeren Blöcken arbeiten: lenken Sie sich in dieser Zeit von Ihrer derzeitigen Tätigkeit ab.

    Nutzen Sie die Zeit für ein Schwätzchen in der Kaffeeküche oder pflegen Sie Kontakte in den sozialen Netzwerken wie Xing und Facebook. Das sollten Sie nach Möglichkeit nie vernachlässigen, denn das berühmte Vitamin B ist Ihr Schlüssel zum verdeckten Stellenmarkt, wenn es ums berufliche Vorankommen geht.


  • Abgrenzung

    Das kann vielgestalt aussehen. Im Endeffekt geht es darum, dass Sie nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche mit Arbeit verbringen. Dazu kann es beispielsweise notwendig sein, Kollegen gegenüber nein zu sagen, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie nur noch deren Arbeit zusätzlich übernehmen, aber für die eigene Arbeit Überstunden machen müssen.

    Abgrenzung kann aber auch bedeuten, dass Sie klare Grenzen zwischen der Arbeit einerseits und der Freizeit andererseits einführen, wenn Sie merken, dass Work-Life-Blending für Sie nicht funktioniert.

    Wer im Home Office arbeitet, sollte beispielsweise eine räumliche Trennung vornehmen, um Abstand von der Arbeit bekommen zu können. Oder Sie nehmen sich vor, am Wochenende keine dienstlichen Anrufe entgegenzunehmen.


  • Ausgleich

    Sorgen Sie für Ausgleich. Hier geht es nicht einfach nur um Freizeit, in der Sie bequem auf dem Sofa abhängen. Das ist zwar auch wichtig und hat seine Berechtigung. Allerdings baut der Körper so keinen Stress ab, stattdessen lagern sich Stress und Essen an den Hüften an.

    Denken Sie bei Ausgleich auch an den mentalen Ausgleich. Sie können sich zum Beispiel auf den Arbeitstag einstellen, indem Sie sich eine Morgenroutine zulegen. Mange beginnen den Tag mit Joggen, andere mit Yoga oder Meditation – alles trägt dazu bei, entspannt in den Tag zu starten.


  • Geduld

    Üben Sie sich häufiger in Geduld; sich und anderen gegenüber. Ungeduld führt zu schlechter Laune. Slow Work ist eher auf Nachhaltigkeit ausgelegt, das heißt, nur weil jetzt im Moment etwas nicht funktioniert, kann es durchaus in nächster Zeit funktionieren.

    Seien Sie daher auch gelassener im Umgang mit sich selbst. Das heißt nicht, dass Sie kein Interesse an Weiterentwicklung haben müssen. Wahr ist aber auch: Karriere hat ihren Preis. Oftmals stecken dahinter unzählige Überstunden und ständige Einsatzbereitschaft. Das geht vielleicht noch in jungen Jahren, hat aber auch da irgendwann ihren Preis.

    Nicht umsonst sterben jedes Jahr zahlreiche junge Menschen in Japan an Karoshi, dem Tod durch Überarbeitung. Sie müssen nicht ständig auf der Überholspur sein, Sie können langsam an Ihrem Vorankommen stricken.


  • Umgestaltung

    Slow Work kann aber auch eine Umgestaltung Ihrer Arbeit bedeuten. Wer den Eindruck hat, von der Arbeit aufgefressen zu werden, für den kann eine Reduzierung der Stunden zu einer Teilzeitarbeit sinnvoll sein. Oder der Arbeitgeber räumt die Möglichkeit ein, an bestimmten Tagen im Home Office zu arbeiten und Sie können sich so die Pendelei zur Arbeit sparen.

    Slow Work ist also nicht nur unbedingt das Konzept auf der Arbeit selbst, sondern betrifft auch die Arbeitsvorbereitung: Wer bereits morgens gestresst im Stau steht, startet garantiert nicht entspannt und fröhlich in den Tag.

    Eine andere Möglichkeit ist, sich für eine begrenzte Zeit zum Coworking Space mit anderen zusammenzutun. Durch die Zusammenarbeit mit ähnlich tickenden Personen werden neue Arbeitserfahrungen und ein Austausch neuer Perspektiven ermöglicht.

[Bildnachweis: Cookie Studio by Shutterstock.com]
6. Februar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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