Entschleunigung: So finden Sie wieder zu sich selbst

Höher, weiter, schneller – das Denken in Superlativen treibt manche Menschen bis zur Verzweiflung. Sie versuchen im Job das Beste zu geben, versuchen Familie, Hobbys, Verein unter einen Hut zu bringen und fühlen sich nur noch gestresst? Wie wäre es mal mit einem Tempolimit für Ihr Leben? Entschleunigung ist das Zauberwort, das Ihnen dabei helfen kann, wieder Relevantes wahrzunehmen. Damit Sie nicht nur hin und wieder am Wochenende, sondern auch im Alltag wieder zu sich selbst finden. Wie das funktionieren kann…

Entschleunigung: So finden Sie wieder zu sich selbst

Entschleunigung Definition: Was ist das?

Entschleunigung Duden Definition der Zeit Tipps Soziologie entschleunigen synonymDer Duden beschreibt Entschleunigung als „gezielte Verlangsamung einer (sich bisher ständig beschleunigenden) Entwicklung, einer Tätigkeit oder Ähnlichem“.

Der Begriff steht damit im direkten Gegensatz zu Beschleunigung, bei der die Geschwindigkeit erhöht wird. Dabei denken wir beispielsweise an einen Fahrer, der aufs Gaspedal tritt, obwohl er bereits schnell fährt. Übertragen auf den Alltag heißt das, einfach mal einen Gang zurückzuschalten.

Synonym zu entschleunigen könnte man also von verlangsamen, Geschwindigkeit drosseln sprechen. Dabei geht es bei Entschleunigung nicht zwangsläufig darum, bei einzelnen Abläufen langsamer zu werden. Es bedeutet vielmehr, ein Bewusstsein zu wecken für die Abläufe im Lebens- und Berufsalltag und genau hinzuschauen, inwieweit sie einem gut tun.

Wer sich dauerhaft gehetzt und gestresst fühlt, wird krank. Burnout und das Gefühl der Fremdbestimmung können die Folge sein. Entschleunigung hilft Ihnen dabei, die Ursachen dieser Gefühle auszumachen.

Entschleunigung der Zeit: Warum brauchen wir das?

Eigentlich sind wir heutzutage mit einer Reihe von technischen Errungenschaften ausgestattet, die uns das Leben erleichtern könnten. Noch vor weniger als 100 Jahren musste die Wäsche von Frauen von Hand gewaschen werden. Alles dauerte länger, auch das Reisen mit dem Zug. An ein eigenes Auto oder regelmäßige Reisen mit dem Flugzeug war nicht zu denken.

Heutzutage gibt es Autos, Waschmaschinen, Spülmaschinen. Statt langwieriger Briefe können schnelle (!) E-Mails geschrieben oder Telefonate geführt werden. Theoretisch könnte dies zu mehr Zeit führen. Praktisch ist alles komplexer geworden, wir haben mehr Verpflichtungen, aber wir bürden uns auch mehr auf.

Zeit ist Geld und so werden noch mehr Aktivitäten in die vorhandene Freizeit hineingepropft, der Tag durchgetaktet. Längst nicht alles davon, was Stress auslöst, wird durch den Job hervorgerufen. Freizeitstress entsteht beispielsweise durch die Angst, etwas zu verpassen.

Sie wird zum ständigen Motor, der von einer Party zur nächsten treibt. Jede freie Minute wird zum Surfen auf sämtlichen Kanälen in den sozialen Netzwerken genutzt und nebenbei werden noch Fernsehsendungen geschaut. Es ist der Versuch des Multitaskings ohne dass wirklich eine Notwendigkeit dazu bestünde.

Der Gedanke der Entschleunigung tritt dem entgegen. Es geht dabei um mehr Lebensqualität, um hochwertige Zeit, in der Sie sich bewusst auf sich konzentrieren.

Entschleunigung Tipps: So funktioniert es

Zeit für sich selbst – ist das was anderes als Freizeit? Zumindest kann es was anderes sein. Abhängig davon, wie Sie Ihre Freizeit gestalten. Entschleunigung beinhaltet zudem Tipps, die Sie gut auf Ihren Arbeitsalltag anwenden können:

  • Achtsamkeit

    Bewusst im Hier und Jetzt. Entschleunigung bedeutet, den Fokus wegzulenken von stressauslösenden Faktoren und stattdessen wieder mit allen Sinnen erfassen. Achtsamkeit ist wohl einer der wichtigsten Tipps für die Entschleunigung und gleichzeitig ganz leicht anzuwenden.

    Ob morgens unter der Dusche, auf der Arbeit, auf Dienstreise oder beim Essen in der Mittagspause: Was sehe ich, wenn ich mich umschaue? Was rieche ich? Wie fühlt sich die Luft um mich herum an, streicht mir der Wind durch die Haare?

    Kitzelt die Sonne mein Gesicht? Oder plätschert der Regen aufs Vordach, während ich wohlig mit einer warmen Tasse Tee im Trockenen sitze? Wie fühlt sich der Boden oder der Stuhl unter mir an? Achtsamkeit lehrt uns, wieder stärker auf die eigene Körperwahrnehmung zu achten und so im wahrsten Sinne des Wortes herunterzukommen. Sie lenken so die Aufmerksamkeit bewusst auf etwas anderes und können dadurch den Kopf wieder freibekommen.

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  • Reframing

    Manche Menschen versuchen sich zu schützen, indem sie sämtliche möglichen Folgen einkalkulieren. Das kann dazu führen, in ein Katastrophendenken zu verfallen. Die Folgen des eigenen Handelns zu berücksichtigen ist natürlich wichtig.

    Gleichzeitig braucht es eine Balance zwischen vorausschauendem Handeln und sich über Kleinigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Manche Dinge können wir schlicht und ergreifend nicht beeinflussen. Positiv denken und Reframing sind zwei Methoden, mit denen Sie Ihre Entschleunigung bewirken können.

    Zum einen, indem Sie eine grundsätzlich positivere Haltung zu sich und Ihrem Leben einnehmen, Dinge nicht automatisch negativ sehen. Zum anderen, indem Sie die Vorteile einer Situation erkennen, die Ihnen im gegenwärtigen Moment eher unschön erscheint.

    Beispiel: Sie haben sich auf eine Verabredung mit Ihrer Freundin gefreut, nun kommt kurzfristig eine Absage. Sie sind enttäuscht. Aber Sie könnten auch sagen: Fein, mehr Zeit für mich. Viele Dinge im Leben haben zwei Seiten, sich nur auf die negativen Aspekte zu konzentrieren, macht unglücklich und trägt dazu bei, sich gestresst zu fühlen.

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  • Selbstmanagement

    Wodurch entsteht eigentlich Stress? Meistens, weil etwas Ungeplantes uns dazwischen kommt. Sie wollten nach der Arbeit noch schnell ins Sportstudio, bevor Sie abends verabredet sind. Blöderweise ruft Ihr Mann Sie an, ob Sie das Kind vom Verein abholen können, weil sein Kundentermin länger dauert.

    So etwas kann natürlich passieren und die Planung durcheinanderwerfen. Der Trick ist hierbei, insgesamt etwas großzügiger zu planen, Zeitpuffer einzubauen. Das mag je nach Größenordnung der ungeplanten Zwischenfälle nicht immer klappen, aber sicherlich gibt es genügend Beispiele, in denen genau das funktioniert.

    Diese Zeitpuffer helfen Ihnen dabei, Deadlines einzuhalten, ohne dass Sie die Nacht zuvor noch durcharbeiten müssen – ein Klassiker, den viele Studenten aus eigener leidvoller Erfahrung kennen dürften. Ebenso trägt es zur Entschleunigung bei, wenn Sie Zeitfresser identifizieren und limitieren. Sie entscheiden selbst: Schnell bei Facebook surfen oder lieber zehn Minuten vor die Tür gehen, langsam durchatmen und dann wieder frisch ans Werk?

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  • Detox

    Detox steht für Entgiftung. Das lässt sich in mehrerlei Hinsicht interpretieren. Sie können es beispielsweise so auffassen, dass Sie sich ab sofort mehr Zeit für Ihre Ernährung nehmen. Sie stellen Ihr bisheriges Ernährungsverhalten um, bei dem Sie Fast Food in sich hineingestopft haben.

    Fast Food – das steht nicht nur für die schnelle Herstellung von Speisen, sondern auch für die schnelle Aufnahme von Kalorien, die ganz schnell auf der Hüfte landen. Nicht umsonst umfasst Entschleunigung auch die Gegenbewegung, nämlich Slow Food.

    Detox kann zu einem bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln und Zubereitungsmethoden führen. Ebenso können Sie es als digital detox auffassen. So wie manche in der Fastenzeit auf Alkohol, Süßigkeiten und/oder feste Nahrungsmittel verzichten, verzichten andere bewusst auf das Smartphone.

    Die ständige Erreichbarkeit stresst viele. Im Urlaub und am Wochenende wird das Smartphone einfach abgestellt. Oder auch in der Woche wird es nur zu festen Zeiten eingeschaltet. Einfach mal nicht sofort springen, wenn es klingelt.

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  • Auszeit

    Ganz klar: Am Ende der Woche oder wenn der letzte Erholungsurlaub schon Monate her ist, verwundert es niemanden, wenn die Luft ein wenig raus ist. Eine Auszeit können Sie aber auch nehmen, ohne gleich den Jakobsweg wandern zu müssen.

    Planen Sie wie für einen Termin eine feste Zeit in Ihrem Kalender ein, in der Sie sich einer Sache widmen, die Ihnen gut tut. Das kann ein Ausflug zum Meer sein. Genauso gut finden viele Menschen aber Entspannung in der Gartenarbeit oder beim Nähen. Andere nutzen die Zeit für eine Meditation.

    Wenn Sie wirklich den Eindruck haben, dass Sie beruflich im Hamsterrad stecken, kann auch ein Sabbatical eine gute Gelegenheit sein, die Perspektive zu ändern.

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  • Bewegung

    Bewegung klingt erst einmal wie das Gegenteil von Entschleunigung. Tatsächlich ist die richtige Bewegung ein wichtiges Mittel zum Stressabbau. Richtig heißt hier, dass Sie nicht einfach schnell irgendwo hinrennen, sondern Sport treiben. Viele Menschen schwören auf Joggen.

    Ausdauersportarten sind ideal, um innerhalb kürzester Zeit Erfolge zu sehen und sehr gesund. Je nach körperlicher Konstitution kann Joggen allerdings die Gelenke belasten, weshalb Schwimmen oder Yoga gute Alternativen sein können. Fakt ist: Durch die Bewegung tragen Sie zum Stressabbau bei. Der Kopf wird frei, Sie können wieder neue Ideen entwickeln.

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[Bildnachweis: pathdoc by Shutterstock.com]
8. Januar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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