Digital Detox
Smartphones, Tablets, Laptop, Computer oder sogar E-Book Reader - all diese Dinge sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Eine kurze Frage reicht aus, um diese Omnipräsenz zu verdeutlichen: Wann haben Sie das letzte Mal einen gesamten Tag verbracht, ohne zu telefonieren, ihre E-Mails zu lesen, Facebook-Updates zu checken oder auch nur im Internet zu surfen? Vermutlich geht es Ihnen dabei wie den meisten anderen auch und Sie können sich nicht einmal mehr daran erinnern. Genau hier kommt digital Detox ins Spiel. Das Prinzip dahinter ist verblüffend simpel. Einfach für eine Zeit jeglicher Vernetzung den Rücken kehren. Viele Menschen schwören mittlerweile auf diesen Trend. Aber ist digital Detox wirklich nützlich und wie lässt es sich überhaupt ins Leben integrieren?

Digital Detox Definition: Was ist damit gemeint?

Wie so viele Trends gerade im Online-Bereich kommt digital Detox ursprünglich aus den USA, genauer aus dem Silicon Valley. Fast scheint es widersprüchlich, dass ausgerechnet aus dem Mekka der Computerindustrie keine neue Software oder die nächste große App kommt, sondern der Trend, für längere Zeit einfach abzuschalten - und zwar wortwörtlich.

Detox kommt aus dem Englischen und bedeutet Entgiftung. Häufig wird dieser Begriff auch in der Ernährung verwendet, wenn es darum geht, den Körper zu entgiften und für einen längeren Zeitraum komplett auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Zusätzlich wird der reinigende Effekt durch andere, gesunde Lebensmittel gefördert.

Das Grundprinzip des Verzichts macht sich auch das digital Detox zunutze und setzt auf völlige Abstinenz von allen digitalen Medien, mit denen Sie sich normalerweise täglich oder sogar stündlich umgeben. Konkret bedeutet das: Kein Internet, keine E-Mails, kein Smartphone, nicht kurz einen Blick auf Facebook werfen und am besten auch völlig auf den Fernseher verzichten.

Nun wird auch deutlich, weshalb es keinen anderen Ort geben könnte, an dem digital Detox hätte entstehen können, außer dem Silicon Valley, dem Ort, an dem jeder rund um die Uhr mit dem Internet und Computern zu tun hat. Man könnte also sagen, dass sich die digitale Entgiftung als eine Art Gegenbewegung zur ständigen Vernetzung und Erreichbarkeit entwickelt hat, die genau für die Menschen gemacht ist, die besonders viel damit zu tun haben.

Digital Detox: Was bringt es?

Eugenio Marongiu/shutterstock.comDie erste und vielleicht auch wichtigste Frage, die vielen in den Sinn kommt: Was bringt digital Detox? Oder bringt es überhaupt etwas, auf all die Technik zu verzichten, die das Leben einfacher machen soll? Die Skepsis hat wohl vor allem einen Grund: Es ist für viele kaum noch vorstellbar, das Telefon und den Laptop links liegen zu lassen. Das Smartphone ist heutzutage zum ständigen Begleiter geworden und wer nicht regelmäßig einen Blick in die E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten werfen kann, fühlt sich gleich vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Wer sich aber auf die Entgiftung einlässt, wird von den positiven Effekten überrascht sein.

  • Der Stress nimmt spürbar ab. Ein großer Stressfaktor, über den viele Arbeitnehmer klagen, ist die ständige Erreichbarkeit und das Gefühl, auch lange nach Feierabend noch berufliche E-Mails und Telefonate beantworten zu müssen. Digital Detox nimmt diesen Stress mit einem Schlag weg.
  • Die Produktivität steigt. Ohne die ständige Ablenkung von E-Mails oder Social Media wird die Konzentrationsfähigkeit deutlich gesteigert. Endlich kann man sich vollkommen einer Aufgabe widmen. Auch nach der Phase der digitalen Enthaltsamkeit bleibt dieser positive Effekt weiter erhalten.
  • Die Kreativität erhöht sich. Viele Erfahrungsberichte sprechen von deutlich gestiegener Kreativität während des digital Detox. Eine mögliche Erklärung hierfür ist die Gelegenheit, endlich den eigenen Ideen nachzugehen, ohne durch Nachrichten und Unterbrechungen auf andere Gedanken gebracht zu werden.
  • Die Motivation wird größer. Die Auszeit und der Abstand zur ständigen Reizüberflutung wirken sich auch positiv auf die Motivation aus. Wer also häufig entkräftet und antriebslos nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, sollte sich ernsthaft Gedanken über die digitale Entgiftung machen.

Was viele beim digital Detox abschreckt

Bei so vielen Vorteilen sollte man fast meinen, dass sich inzwischen jeder regelmäßig eine digitale Auszeit gönnt, um dem ganzen Stress zu entkommen und einfach mal die Freizeit zu genießen, die durch das Ausschalten von Smartphone und Computer entsteht. Zwar findet digital Detox immer mehr Anhänger, doch viele haben auch Zweifel und trauen sich nicht, für einen längeren Zeitraum auf ihre digitalen Begleiter zu verzichten.

Der häufigste Grund: Die Angst, etwas zu verpassen. Immer sind wir auf dem aktuellen Stand, erhalten Nachrichten in Echtzeit und wissen, was gerade in der Welt, aber auch bei unseren Freunden und in der Familie los ist. Whatsapp-Gruppen, Facebook-Timeslines, Online-Nachrichten-Portale... Darauf zu verzichten, fällt vielen unheimlich schwer. Sie befürchten, einerseits nicht mehr auf dem Laufenden zu sein und andererseits, nicht mehr mithalten zu können. Ein Fehler, denn genau das bewusste Aussteigen und konzentrieren auf die eigene Person steigert das Selbstbewusstsein, nimmt den Druck von den Schultern und beendet das ständige digitale Vergleichen mit den sozialen Kontakten im Netz.

Das mag anfangs schwer fallen und ist sicherlich auch ungewohnt, nicht mehr ständig das Smartphone zur Hand zu haben, doch Sie werden sehen, dass der Versuch sich lohnt.

Digital Detox: So gehen Sie es richtig an

soft_light/shutterstock.comNachdem die Vorteile und positiven Auswirkungen des digital Detox bekannt sind, kommt jedoch die zweite entscheidende Frage: Wie kann man die Entgiftung umsetzen? Es klingt zwar sehr leicht, einfach das Smartphone auszuschalten und den Computer für eine Woche unbeachtet zu lassen, doch oft wird die Reichweite dieser Entscheidung erst nach einiger Zeit bemerkbar. Mehr als je zuvor sind wir von den technischen Errungenschaften abhängig und in höchster Weise daran gewohnt, sie jeden Tag zu nutzen. Damit Ihre Erfahrung mit digital Detox möglichst positiv wird, haben wir einige Tipps zusammengestellt, wie Sie es richtig angehen sollten.

  1. Machen Sie einen Plan

    Spontan zu entscheiden, eine Woche für digital Detox einzulegen, wird nicht funktionieren. Rufen Sie sich immer in Erinnerung, dass damit ein größerer Aufwand verbunden ist, als Ihnen im ersten Moment vielleicht bewusst ist. Wenn Sie es richtig machen, werden Sie in dieser Zeit nur durch persönlichen Kontakt erreichbar sein. Familie und Freude sollten daher informiert werden, dass Ihr Telefon und auch Ihre E-Mails in nächster Zeit unbeachtet bleiben. Auch sollten Sie natürlich selbst so planen, dass keine wichtigen Angelegenheiten in diese Zeit fallen, die nur telefonisch zu klären sind.

  2. Nehmen Sie Urlaub

    In der heutigen Zeit ist die Arbeit ohne Computer und Smartphones in nahezu allen Bereichen unmöglich. Teil Ihrer Planung muss es daher unbedingt sein, dass Sie sich für den Zeitraum Urlaub nehmen. Dabei müssen Sie Ihren Arbeitgeber natürlich nicht zwangsläufig informieren, wozu Sie den Urlaub nutzen, doch sollten Sie erwähnen, dass Sie die gesamte Zeit nicht zu erreichen sind. So kommt Ihr Chef erst gar nicht auf die Idee, Sie anzurufen und auch Sie verspüren weniger den Drang, doch noch einen Blick in die beruflichen E-Mails zu werfen.

  3. Verreisen Sie für die Zeit

    Zuhause und im Alltag ist die Gefahr bekannterweise am größten, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen. Um dieses Risiko zu umgehen, kann es ratsam sein, Ihre digital Detox Kur nicht in den eigenen vier Wänden anzugehen. Verreisen Sie am besten an einen ruhigen und entspannten Ort, an dem Sie viele Möglichkeiten haben, Ihre Zeit frei zu gestalten. So verhindern Sie zum einen Langeweile und kommen durch die Ablenkung auch gar nicht erst auf den Gedanken, zum Smartphone zu greifen.

  4. Suchen Sie Mitstreiter

    Ebenfalls aus den USA kommt die Idee, ein digital Detox Camp durchzuführen. Mittlerweile hat sich dieses Vorhaben auch in Deutschland durchgesetzt und wird in Kürze das erste Mal durchgeführt. Die Vorteile eines solchen Events sind der Erfahrungsaustausch mit den anderen Teilnehmern und natürlich auch das vorher zusammengestellte Programm.

[Bildnachweis: Rawpixel.com, Eugenio Marongiu, soft_light by Shutterstock.com]

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