Bundesurlaubsgesetz: Was Sie darüber wissen müssen

Das Bundesurlaubsgesetz meint es gut mit den Arbeitnehmern in Deutschland. Es gewährt jedem Beschäftigten einen Mindestanspruch auf bezahlten Urlaub und stellt sogar seine persönliche Präferenzen in den Vordergrund. Für Mitarbeiter ist das Bundesurlaubsgesetz somit eine wichtige Grundlage für Rechte im Arbeitsverhältnis.

Vollkommen einseitig ist es aber nicht, denn im Bundesurlaubsgesetz sind durchaus auch Pflichten und Einschränkungen für Arbeitnehmer geregelt. Auch können mit dem Bundesurlaubsgesetz nicht immer alle Wünsche für die freie Zeit eines Mitarbeiters erfüllt werden.

Was ist beispielsweise, wenn sich gleich mehrere Angestellte gleichzeitig in den Urlaub verabschieden wollen? Muss der Arbeitgeber diesen Forderungen entsprechen? Nicht selten gibt es in einem solchen Fall Diskussionen und auch Frust. Aber darf der Arbeitgeber mir meine bevorzugte Urlaubszeit verwehren oder sieht das Bundesurlaubsgesetz etwas anderes vor? Hier beantworten wir für Sie die wichtigsten Fragen und zeigen Ihnen, was Sie zum Bundesurlaubsgesetz wissen müssen

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Bundesurlaubsgesetz: Was Sie darüber wissen müssen

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Bundesurlaubsgesetz: Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte

Das Bundesurlaubsgesetz – offiziell: Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer – trat zum 1. Januar 1963 in Kraft und besteht bis heute in nahezu unveränderter Form fort. Es handelt sich dabei um einen der wichtigsten Gesetzestexte im Arbeitsrecht.

In erster Linie dient das Bundesurlaubsgesetz dabei dem Arbeitnehmerschutz. Es verhindert, dass Angestellte von Arbeitgebern ausgenutzt werden können und sichert genügend Zeit für eine körperliche und mentale Erholung vom stressigen Arbeitsalltag.

Die Hauptaussage des Bundesurlaubsgesetzes findet sich dabei direkt in Paragraph 1:


§ 1 Bundesurlaubsgesetz: Urlaubsanspruch

Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.


Wer in Deutschland beschäftigt ist, hat somit einen gesetzlichen Anspruch darauf, jährlich Urlaub nehmen zu dürfen und für diesen Zeitraum weiterhin bezahlt zu werden.

Auch für wen genau das Bundesurlaubsgesetz gilt, wird festgelegt. Laut Gesetzestext fallen die folgenden Gruppen in den Geltungsbereich des Bundesurlaubsgesetzes:

  • Arbeiter
  • Angestellte
  • Auszubildende
  • Arbeitnehmerähnliche Personen

Mit „arbeitnehmerähnliche Personen“ sind in der Regel selbstständige Unternehmer gemeint, die von einem Auftraggeber wirtschaftlich abhängig, aber in ihren Entscheidungen nicht weisungsgebunden sind. Hier liegt also – auch rechtlich betrachtet – kein Fall von Scheinselbstständigkeit vor.

Auf der anderen Seite gibt es mehrere Personengruppen, für die das Bundesurlaubsgesetz keine Anwendung findet. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub haben – die entsprechenden Regelungen sind in anderen Gesetzen festgehalten.

Das Bundesurlaubsgesetz gilt demnach nicht nicht für…

  • Minderjährige
  • Schwerbehinderte Menschen
  • Beamte
  • Soldaten
  • Richter

Auf Sonderregelungen für jugendliche Arbeitnehmer und Menschen mit Behinderung gehen wir weiter unten im Artikel noch einmal im Detail ein.

Bei Beamten und Richtern ist der Jahresurlaub in den „Erholungsurlaubsverordnungen des Bundes und der Länder“ geregelt, für Soldaten der Bundeswehr finden sich die Regelungen zum Urlaub in der „Soldatinnen- und Soldatenurlaubsverordnung“.

Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten Paragraphen und Inhalte aus dem Bundesurlaubsgesetz in einer kurzen Zusammenfassung vor.


§ 3 Bundesurlaubsgesetz: Dauer des Urlaubs

Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.


Sehr wichtig ist bei diesem Paragraphen aus dem Bundesurlaubsgesetz der Zusatz aus dem zweiten Absatz. Hier heißt es: Werktage sind alle Tage, die keine Sonntage oder gesetzlichen Feiertage sind, also auch Samstage. Die Dauer des Urlaubsanspruches beträgt somit 24 Tage bei einer Sechs-Tage-Woche.

Viele Arbeitnehmer arbeiten aber in einer Fünf-Tage-Woche von Montag bis Freitag. Darauf muss die Dauer des Urlaubs angepasst werden, wobei gilt: Jedem Arbeitnehmer stehen vier Arbeitswochen Urlaub zu – bei fünf Arbeitstagen pro Woche macht das einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von 20 Tagen.

Das ist wohlgemerkt nur der Mindesturlaub laut Bundesurlaubsgesetz. Jedem Arbeitnehmer steht es frei, eine höhere Zahl an Urlaubstagen zu verhandeln und vertraglich zu vereinbaren. Oftmals sind in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen vom Bundesurlaubsgesetz abweichende Vereinbarungen getroffen – sofern dies zugunsten des Arbeitnehmers geschieht, ist das zulässig. 30 Tage Urlaub sind in Deutschland durchaus üblich.


§ 4 Bundesurlaubsgesetz: Wartezeit

Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben.


§ 4 Bundesurlaubsgesetz regelt die sogenannte Wartezeit. Demnach haben Arbeitnehmer erst dann einen vollen Urlaubsanspruch, wenn das Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen sechs Monate lang Bestand hat.

Sie können also nicht gleich in der zweiten Woche nachdem Sie bei einem Arbeitgeber begonnen haben Ihren gesamten Jahresurlaub am Stück nehmen. Es ist aber durchaus auch möglich, bereits zu einem früheren Zeitpunkt, bevor die Wartezeit vorbei ist, Urlaub zu nehmen.

Dies wird wiederum im nächsten Paragraphen des Bundesurlaubsgesetzes geregelt.


§ 5 Bundesurlaubsgesetz: Teilurlaub

Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses hat der Arbeitnehmer…

a) für Zeiten eines Kalenderjahrs, für die er wegen Nichterfüllung der Wartezeit in diesem Kalenderjahr keinen vollen Urlaubsanspruch erwirbt; […]


Mit jedem Monat der Zusammenarbeit haben Sie laut Bundesurlaubsgesetz Anspruch auf ein Zwölftes Ihres Jahresurlaubs. Bei beispielsweise 24 Urlaubstagen im Jahr könnten Sie nach einem Monat zwei Tage Urlaub nehmen.

Ergibt sich aus dieser Rechnung ein Bruchteil, werden halbe Urlaubstage aufgerundet. Ein einfaches Beispiel: Max Mustermann beginnt das Arbeitsverhältnis am 1. Januar und hat laut Arbeitsvertrag 30 Urlaubstage pro Jahr. Ende März scheidet er jedoch schon wieder aus dem Unternehmen aus. Dabei ergibt sich ein Urlaubsanspruch von 8 Tagen – drei Zwölftel von 30 ergibt einen Anspruch von 7,5 Tagen, wobei der halbe Tag aufgerundet wird.


§ 7 Bundesurlaubsgesetz: Zeitpunkt des Urlaubs

Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen. […]


Natürlich möchte jeder Arbeitnehmer den eigenen Urlaub so nehmen, wie es ihm am besten auskommt. Grundsätzlich stimmt das Bundesurlaubsgesetz diesem Punkt auch zu, allerdings gibt es zwei wichtige Einschränkungen: Betriebliche Belange und die Wünsche der Kollegen.

Bei den betrieblichen Belangen muss es sich aber um erhebliche Beeinträchtigungen im Betriebsablauf handeln, eine einfache Störung reicht nicht aus. Konkret können das drohende Produktionsausfälle sein oder Personalengpässe in der Hochsaison. Droht der Betrieb zusammenzubrechen, kann der Chef den Urlaub für diesen Zeitpunkt somit ablehnen.

Am besten ist es deshalb immer, Ihren Urlaub möglichst frühzeitig mit dem Arbeitgeber abzuklären. Oft kann bereits lange im Vorfeld abgeschätzt werden, ob in einem geplanten Zeitraum großer Personalbedarf besteht oder ein Urlaub ohne weiteres möglich ist. Auch kann der Chef so besser den Urlaub aller Mitarbeiter planen – und genau das ist wichtig.

Manche Zeiten sind bei allen Kollegen sehr beliebt, so dass oftmals mehrere Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub nehmen wollen. Die Schulferien sind hier das klassische Beispiel. Viele Betriebe können nicht allen gleichzeitig frei geben, weil sonst das gesamte Team gleichzeitig im Urlaub wäre. In diesem Fall findet eine Interessenabwägung statt, wobei nach Bundesurlaubsgesetz soziale Gesichtspunkte den Ausschlag geben.

Dazu zählen die folgenden Faktoren:

  • Alter
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Zahl und Schulpflicht der Kinder
  • Berufstätigkeit des Ehegatten

Sprich: Dem langjährigen Mitarbeiter mit drei schulpflichtigen Kindern wird der Urlaub während der Sommerferien eher gewährt als dem kinderlosen Single.

Bei alledem muss trotzdem gewährleistet sein, dass Sie als auf Wunsch einen zusammenhängenden Urlaub von mindestens zwölf aufeinanderfolgenden Werktagen nehmen können. Das Bundesurlaubsgesetz verbietet Arbeitgebern, den Urlaub in viele Mini-Einheiten zu zerstückeln.

Trotz möglichem Stress und dem Abschlagen Ihres Wunschtermines für den Urlaub sollten Sie nicht einfach Ihren Urlaub durchdrücken wollen. Ein Recht zur Selbstbeurlaubung haben Arbeitnehmer schließlich nicht. Das wäre ein Grund für eine fristlose Kündigung – sogar ohne vorherige Abmahnung.


Habe ich ein Recht auf Urlaub an Brückentagen?
Besonders beliebt bei der Urlaubsplanung sind Brückentage: Hier lässt sich unter Einsatz möglichst weniger Urlaubstage bei geschickter Planung viel Urlaub herausholen.

Aber auch hier gilt: Wenn der Arbeitgeber kein grünes Licht gibt, müssen Sie arbeiten. Es gibt kein Recht auf Urlaub an strategisch günstigen Tagen. Hier gilt wie im Übrigen, dass der Arbeitgeber den Urlaub verweigern kann, wenn betriebliche Interessen dem entgegenstehen.

Und eben auch, weil bereits andere Kollegen frühzeitig Urlaub eingereicht haben und ohne Ihren Einsatz der Betriebsablauf nicht aufrecht erhalten werden könnte



§ 8 Bundesurlaubsgesetz: Erwerbstätigkeit im Urlaub

Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten.


Den eigenen Urlaub nutzen, um einer anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen? Das ist in den meisten Fällen schwierig und damit verboten.

Der im Bundesurlaubsgesetz genannte Urlaubszweck ist die Erholung und die Wiederherstellung der Arbeitskraft. Mitarbeiter dürfen also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben, die der Erholung im Wege steht. Sie dürfen sich nicht bei einem anderen Job völlig verausgaben, großen Stress haben und nach dem Urlaub erschöpfter sein als vorher. Gewerbliche Tätigkeiten sind demnach in der Regel untersagt. Wer doch arbeiten will, muss nachweisen, dass die Arbeit der Erholung nicht im Weg steht.

Erlaubt sind aber beispielsweise gemeinnützige und ehrenamtliche Tätigkeiten. Auch darf der Chef Ihnen nicht verbieten, beispielsweise das Haus zu renovieren, auch wenn dies nicht gerade erholsam ist.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass eine Krankheit im Urlaub nicht auf den Jahresurlaub angerechnet wird. Wenn Sie krank sind, können Sie sich schließlich auch nicht erholen und der Zweck laut Bundesurlaubsgesetz ist nicht erfüllt.

Wer krank im Urlaub ist, sollte deshalb umgehend zum Arzt gehen und seine Krankheit durch ein ärztliches Attest nachweisen. Anderenfalls darf der Arbeitgeber alle eingereichten Urlaubstage auch als genommen verbuchen.


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Urlaub Checkliste:
Daran vor der Reise denken

Unsere Checkliste für den Urlaub enthält 50 Dinge, an die Sie vor der Abreise denken sollten. Am besten noch vor der Urlaubsreise herunterladen, ausdrucken, abhaken.

Beachten Sie, dass dies die Basis-Checkliste für Urlaube im Allgemeinen ist. Je nach Urlaubsziel müssen Sie diese anpassen – etwa für Reisen mit Babys oder für exotische Länder. Spezielle Checklisten hierfür finden Sie bei uns HIER.

Download der Urlaubs-Checkliste


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Bundesurlaubsgesetz: Was gilt bei Teilzeit?

Das Bundesurlaubsgesetz greift grundsätzlich für alle Arbeitnehmer – unabhängig davon, ob diese in Teilzeit oder in Vollzeit angestellt sind.

Allerdings herrscht hier regelmäßig Unsicherheit bei der Frage, wie hoch der Urlaubsanspruch bei Teilzeitkräften ist. Genauer gesagt: Bekommt ein Mitarbeiter in Teilzeit genauso viel Urlaub wie ein Angestellter in Vollzeit?

Zunächst einmal gilt: Grundsätzlich haben auch Arbeitnehmer in Teilzeit den vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Entscheidend für den Anspruch nach Bundesurlaubsgesetz ist lediglich, an wie vielen Tagen die Woche gearbeitet wird.

Die Stunden spielen bei der Beurteilung keine Rolle. So kann sich etwa für einen Mitarbeiter mit 38 Stunden und einen Kollegen mit 20 Stunden pro Woche derselbe Anspruch nach Bundesurlaubsgesetz ergeben. Gemäß dem Bundesurlaubsgesetz bemisst sich der Anspruch nach wöchentlichen Arbeits- beziehungsweise Werktagen, nicht den geleisteten Arbeitsstunden.


Bundesurlaubsgesetz: Anspruch in Teilzeit

Laut Bundesurlaubsgesetz haben Mitarbeiter in Teilzeit Anspruch auf den vollen gesetzlichen Urlaub, wenn sie jeden Wochentag arbeiten. Bei weniger Arbeitstagen pro Woche bekommt ein Arbeitnehmer in Teilzeit einen anteiligen Urlaubsanspruch abhängig vom regulären, vollen Urlaubsanspruch und seinen wöchentlichen Arbeitstagen.


Ein Mitarbeiter in Teilzeit hat also nur dann Anspruch auf den vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch, wenn er trotzdem jeden Tag arbeitet und die Teilzeit auf fünf Arbeitstage verteilt ist. Wird an weniger Tagen gearbeitet, reduziert sich der Urlaub entsprechend.

Zur Verdeutlichung und zum besseren Verständnis ein einfaches Beispiel: Der reguläre Urlaubsanspruch in einem Unternehmen beträgt 30 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche. Sie arbeiten als Teilzeitkraft an drei Tagen in der Woche. Die simple Rechnung: 30 reguläre Urlaubstage multipliziert mit drei 3 Arbeitstagen in Teilzeit und geteilt durch 5 Werktage = 18 Urlaubstage.

Sie können auch rechnen, dass jeder Tag, den Sie wöchentlich in Teilzeit arbeiten, Ihnen ein Fünftel des Urlaubsanspruchs eines Vollzeitstelle sichert.

Sonderregelungen für Schwerbehinderte und Jugendliche

Keine Regel ohne Ausnahme. Das Bundesurlaubsgesetz gilt für die eingangs genannten Personengruppen. Sobald es jedoch um jugendliche Arbeitnehmer unter 18 Jahren oder schwerbehinderte Arbeitnehmer geht, finden Sonderregelungen Anwendung.

Jugendliche fallen unter das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArschG), § 19. Hier wird der Urlaubsanspruch nach Alter gestaffelt. Demnach beträgt der Urlaub jährlich…

AlterAnspruch
Noch nicht 16 Jahre alt mindestens 30 Tage
Noch nicht 17 Jahre alt mindestens 27 Tage
Noch nicht 18 Jahre alt mindestens 25 Tage


Der Urlaubsanspruch von Menschen mit Behinderung ist im Sozialgesetzbuch IX § 208 geregelt.

Auch Schwerbehinderte haben dabei Anspruch auf Zusatzurlaub. Das heißt konkret: Bei anerkannter körperlicher oder geistiger Behinderung stehen Arbeitnehmern zusätzlich zum im Arbeitsvertrag geregelten Grundurlaub fünf weitere Tage nach § 208 zu.

Der Zusatzurlaub orientiert sich dabei an den regelmäßigen Arbeitstagen pro Woche. Soll heißen: Ein Arbeitnehmer mit Behinderung, der in Teilzeit weniger Tage pro Woche arbeitet, erhält auch weniger Zusatzurlaub. Wer beispielsweise drei Tage die Woche arbeitet, erhält drei zusätzliche Urlaubstage, wer aber eine Sechs-Tage-Woche hat, erhält ebenfalls sechs zusätzliche Urlaubstage.


Wann bekomme ich laut Bundesurlaubsgesetz Sonderurlaub?

Das Bundesurlaubsgesetz regelt keinen Sonderurlaub. Vielmehr ist dieser im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) § 616 geregelt. Demnach hat ein Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch auf die vorübergehende bezahlte Freistellung von seiner Tätigkeit, sofern er…

für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird.

Das heißt, der Anspruch auf Sonderurlaub an ist drei Bedingungen gekoppelt:

  • Die Dauer der Verhinderung ist nicht erheblich.
  • Der Grund liegt in der Person des Arbeitnehmers.
  • Die Situation wurde nicht selbst verschuldet.

Typische Gründe für Sonderurlaub sind:

  • Hochzeit
  • Geburt
  • Todesfall
  • Umzug

Eine weitere Form des Sonderurlaubs stellt das Sabbatical dar. Dabei handelt es sich um eine längere Auszeit, die meist mehrere Monate dauert.

Diese kann in Form von unbezahltem Sonderurlaub mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Es sind aber auch andere Varianten möglich, etwa durch Gehaltsverzicht oder ein langfristiges aufgebautes Arbeitszeitkonto.

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Was passiert mit dem Resturlaub bei Kündigung?

Ein häufiger Streitpunkt ist der Urlaub, der einem Mitarbeiter zum Ende des Arbeitsverhältnisses noch zusteht.

Ein Beispiel: Dem Arbeitnehmer wird zum Ende der sechsmonatigen Probezeit gekündigt, bisher hat er noch keinen Urlaub genommen. Was passiert mit seinem Resturlaub, auf den er laut Bundesurlaubsgesetz bereits einen Anspruch hat?

Sofern möglich, muss der Arbeitnehmer seinen Resturlaub noch nehmen. Ist das nicht mehr möglich, muss ihm der Arbeitgeber ein Urlaubsentgelt zahlen.

Als Grundlage für die Berechnung des Urlaubsentgelts gilt der Verdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat. Und auch, wenn der Arbeitnehmer von sich aus kündigt, gibt er damit seinen Anspruch auf einen möglichen Resturlaub nicht auf.

Es ist aber auch das genau andere Szenario denkbar: Ein Mitarbeiter hat zu Beginn des Jahres, bis Ende Februar, bereits den vollen Jahres Urlaub in Anspruch genommen – dann kündigt er und fängt drei Monate später bei einem anderen Unternehmen an. Für das laufende Jahr hat der Arbeitnehmer dann keinerlei Urlaubsansprüche mehr.


§ 6 Bundesurlaubsgesetz: Keine Doppelansprüche

Der Anspruch auf Urlaub besteht nicht, soweit dem Arbeitnehmer für das laufende Kalenderjahr bereits von einem früheren Arbeitgeber Urlaub gewährt worden ist.


Durch einen Jobwechsel können Angestellte somit den Urlaubsanspruch nicht doppelt nutzen. Ehemalige Arbeitgeber sind sogar dazu verpflichtet, bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Bescheinigung über die im laufenden Kalenderjahr bereits gewährten Urlaubstage zu erstellen.


Kann ich Urlaub ins nächste Jahr mitnehmen?

Eine Übertragung des Urlaubs ins nächste Jahr sieht das Bundesurlaubsgesetz eigentlich nicht vor. Sie ist aber „statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.“

Erfahrungsgemäß liegt diese Hürde nicht sehr hoch. Typische Fälle sind, wenn der Arbeitgeber aufgrund eines hohen Krankenstands Ihnen keinen Urlaub gewähren kann oder wenn Sie krankheitsbedingt selbst nicht in der Lage sind, Ihren Urlaub wahrzunehmen. In den meisten Fällen kann der Urlaub also sehr wohl mit ins neue Jahr rutschen.

Im Fall der Übertragung muss der Urlaub aber zwingend in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden. Sie können ihn nicht beliebig nach hinten schieben.


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Alle Tipps rund um den Urlaub

Sie suchen noch mehr Informationen rund um Bundesurlaubsgesetz und dem perfekten Urlaub im Allgemeinen?

Dann haben wir zum Abschluss noch eine umfangreiche Liste mit Informationen und Tipps, von denen Sie jeweils zu den detaillierten Dossiers der einzelnen Bereiche weitergeleitet werden.

  • Das Erholungsbedürfnis sehen
    Sind Sie urlaubsreif? Wann fahren Sie in den Urlaub? Immer im Sommer? Oder eher im Winter? Die meisten Menschen haben einen relativ gleichbleibenden Rhythmus. Wer Kinder hat, muss sich an die Schulferien halten und da bieten sich die langen Sommerferien an. Allerdings sollten Sie auch darauf achten, ob Sie vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt urlaubsreif sind.

    Wenn Sie bereits im Frühjahr dringend eine Pause benötigen, weil Sie kaum noch Kraft haben und vollkommen lustlos zur Arbeit gehen, können es noch sehr lange Monate werden. Achten Sie auf die Signale, die Ihr Körper Ihnen sendet und versuchen Sie Ihren Urlaub entsprechend zu planen.

    Mehr Anzeichen, dass Sie urlaubsreif sind, finden Sie HIER (PDF).

  • Den Urlaubsantrag bedenken
    Das Bundesurlaubsgesetzt sichert Ihnen den Urlaubsanspruch – um diesen nehmen zu können, müssen Sie aber zunächst einmal bei Ihrem Arbeitgeber Urlaub einreichen. Sie können sich nicht einfach selbst beurlauben, Bescheid geben, dass Sie in zwei Wochen wiederkommen und dann der Arbeit fernbleiben.

    In vielen Unternehmen ist ein schriftlicher Urlaubsantrag notwendig, in kleineren Betrieben reicht es manchmal aus, mit dem Chef über den Zeitpunkt des Urlaubs zu sprechen und auf eine mündliche Bestätigung zu warten. Damit der Arbeitgeber Zeit zur Planung hat, empfiehlt es sich, bereits frühzeitig einen Urlaubsantrag einzureichen.

    Mehr zum Urlaubsantrag finden Sie HIER.

  • Die Urlaubsvertretung sichern
    In Ihrem Urlaub soll nicht einfach alles liegen und unerledigt bleiben. Kunden wollen weiterhin einen Ansprechpartner haben, dringende Aufgaben müssen auch in Ihrer Abwesenheit bearbeitet werden und natürlich wollen auch Sie nicht zurückkommen und einen Berg von Arbeit vorfinden, für den Sie erst einmal Wochen benötigen.

    Vor Ihrem Urlaubsantritt sollten Sie deshalb eine Urlaubsvertretung planen und alle wichtigen Fragen und Punkte mit den Kollegen klären. Denken Sie unbedingt auch daran, Zugang zu allen wichtigen Dokumenten, Informationen und Projekten zu gewähren, damit die anderen keine Probleme bekommen.

    Mehr zur Urlaubsvertretung finden Sie HIER.


    Vergessen Sie die Abwesenheitsnotiz nicht

    Sollte jemand versuchen, Sie während Ihres Urlaubs zu erreichen, hilft eine Abwesenheitsnotiz für klare Informationen.

    Erstellen Sie in Ihrem E-Mail Postfach eine automatische Antwort, die kurz und präzise erklärt, dass Sie im Urlaub sind, wie lange Sie voraussichtlich nicht erreichbar sind und an welchen Kollegen (inklusive Kontaktmöglichkeiten) man sich in dieser Zeit wenden kann.

    Hier finden Sie weitere Informationen und Tipps zur Abwesenheitsnotiz!


  • Den Urlaub vorbereiten
    Ein gelungener Urlaub ist nicht von heute auf morgen geplant und vorbereitet. Online oder im Reisebüro lässt sich natürlich in relativ kurzer Zeit ein Reiseziel und ein Hotel finden und buchen, doch für die eigentliche Urlaubsvorbereitung sollten Sie sich dennoch genügend Zeit nehmen, um später keine bösen Überraschungen zu erleben.

    Das beginnt bereits bei Ihrem Reisepass. Falls Sie bisher keinen benötigt haben, müssen Sie möglicherweise einen neuen beantragen, was mehrere Wochen dauern kann. Einen vorhandenen Reisepass müssen Sie unbedingt auf seine Gültigkeitsdauer überprüfen. Informieren Sie sich auch, ob Sie ein Visum für Ihr Reiseland brauchen oder ob bestimmte Impfungen empfohlen oder vorgeschrieben sind.

    Mehr zur Urlaubsvorbereitung finden Sie HIER.

  • Die Koffer packen
    Es ist der Teil des Urlaubs, den kaum jemand mag: das lästige Kofferpacken. Unterwäsche, Shirts, Hosen, Schuhe, Kosmetik – unzählige Dinge wollen verstaut werden, während der Koffer mit jedem weiteren Kleidungsstück zu schrumpfen scheint. Niemand will zu wenig packen und ohne frische Klamotten im Urlaub stehen, also wird gestopft und gedrückt, bis die Nähte platzen.

    Der wichtigste Tipp dabei: Schreiben Sie unbedingt eine Packliste. Wer einfach alles in den Koffer wirft, hat am Ende volle Taschen und vergisst trotzdem die Hälfte. Wenn Sie ein Strandtuch einpacken, sollten Sie sich außerdem überlegen, was dieses über Sie aussagt – in diesem PDF haben wir (mit einem Augenzwinkern) eine Typologie der Strandtuch-Typen aufgelistet.

    Mehr Tipps zum Koffer packen finden Sie HIER.

  • Das Trinkgeld kennen
    Andere Länder, andere Sitten – das gilt auch in Restaurants oder Bars, wenn es ums Trinkgeld geht. Als Tourist sind Sie dann oft unsicher, wie viel Sie einem Kellner für den Service geben sollten. Oder ist es vielleicht gar nicht angebracht, Trinkgeld zu geben?

    Manchmal wird bereits auf die Rechnung eine Service-Gebühr aufgeschlagen, wodurch ein zusätzliches Trinkgeld überflüssig werden kann. Am besten informieren Sie sich im Vorfeld über die Gepflogenheiten in Ihrem Urlaubsland, damit Sie beim Bezahlen nicht in Verlegenheit geraten.

    Mehr Tipps zum Trinkgeld finden Sie HIER.

Hier haben wir noch einmal ein umfangreiches FAQ zu allen Fragen und Themen rund um das Bundesurlaubsgesetz und Ihren Urlaub als kostenlosen Download (PDF) bereitgestellt.

[Bildnachweis: Stockforlife by Shutterstock.com]
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3. Juli 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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