Flugzeug-Knigge: Benimm-Regeln an Bord
Sofern Sie nicht mit dem Privatjet fliegen, teilen Sie sich die Kabine mit anderen Passagieren. Deshalb lauten die obersten Knigge-Regeln an Bord: Bleiben Sie ruhig, drängeln Sie nicht, nehmen Sie Rücksicht und setzen Sie sich so schnell wie möglich hin. Das klingt trivial, aber kennen wir nicht alle Passagiere, die erstmal ewig Ihre viel zu großen Koffer im Handgepäckfach verstauen oder sofort mit den Stewards ein Upgrade für die erste Reihe verhandeln?
Um das Betragen an Bord zu verbessern und Turbulenzen in der Maschine zu reduzieren, haben wir hier die wichtigsten Flugzeug-Knigge-Regeln zusammengestellt:
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Nicht drängeln
Drängeln bringt gar nichts. Die Sitzplätze stehen seit dem Check-In fest. Wer beim Ein- oder Ausstieg drängelt, kommt deshalb nicht früher an. Bleiben Sie also entspannt und halten Sie sich an die Boarding-Regeln des Bodenpersonals.
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Platz finden
Suchen Sie zügig Ihren Sitzplatz auf. Die Plätze ABC sind meist rechts, DEF links. Falls Sie mit dem Mantel länger brauchen, ziehen Sie ihn entweder schon auf der Gangway aus oder lassen Sie erstmal andere Reisende passieren. Sie verzögern sonst nur das Boarding und ziehen – zurecht – einigen Zorn auf sich.
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Handgepäck verstauen
Handgepäck muss nicht sofort verstaut werden, wenn sich hinter Ihnen bereits Schlangen bilden. Auch hierbei lassen Sie Mitreisende erst einmal vorbei. Leichtes Gepäck gehört nach oben, schweres unter den Vordersitz. Versuchen Sie dabei so wenig Platz wie möglich zu beanspruchen. Im Zweifel bitten Sie die Flugbegleiter um Hilfe.
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Fußraum nutzen
Größere und schwere Gepäckstücke an Board gehören unter den Sitz, nicht in die oberen Gepäckfächer. Darauf werden Sie schon vom Kabinenpersonal hingewiesen. Allerdings gilt in jedem Fall: Nutzen Sie stets nur den persönlichen Fußraum, nicht den von Mitreisenden und Sitznachbarn! Diese wollen die ohnehin knappe Beinfreiheit nicht noch durch Ihre Gepäck verlieren.
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Nachbarn begrüßen
Wenn Sie Ihren Platz gefunden haben, begrüßen Sie Ihre Sitznachbarn freundlich. Falls Sie an diesen vorbei müssen, fragen Sie höflich, ob er oder sie kurz aufstehen kann, um Sie etwa an den Fensterplatz zu lassen.
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Armlehne hochklappen
Profis machen das schon länger: Zum Boarden klappen sie die Armlehnen in den Sitzreihen hoch. So können alle Passagiere noch zügiger einsteigen. Erst wenn alle sitzen, werden diese zum Anschnallen wieder heruntergeklappt.
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Parfüm sparen
Düfte aller Art haben in der Enge der Kabine eine besonders intensive Wirkung. Das gilt leider auch für mangelnde Körperhygiene oder Döner. Auch wenn Sie im Duty-Free einen neuen Duft gefunden haben, überschütten Sie sich bitte nicht vor dem Flug damit. Gleiches gilt für Fluggäste, die sich an Bord gerne mal die Schuhe ausziehen: Bitte nur machen, wenn Sie sicher sind, dass Füße und Socken frisch riechen!
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Armlehne teilen
Wem gehört die Armlehne? Die Frage ist einer der häufigsten Streitpunkte an Bord. Wem die Armlehnen in der Mitte zustehen, ist zwar ein Arrangement unter Nachbarn. Die Knigge-Regel lautet aber: Der Mittelplatz hat Anspruch auf beide Lehnen, weil die Nachbarn entweder zum Fenster oder Gang ausweichen können. Weil aber alle mal die Position wechseln wollen, ist das Beste, sich kurz abzusprechen.
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Rückenlehne ausrichten
Am Laptop arbeiten oder ein Nickerchen machen: Wenn Sie hierfür die Rückenlehne zurückklappen wollen, kündigen Sie das vorher dem Passagier hinter Ihnen an. Niemals ruckartig nach hinten schnallen – wenn dem Hintermann deshalb der heiße Kaffee vom Klapptisch in den Schoß kippt, kann das teuer werden! Etwaige Kosten oder Schmerzensgeld zahlt der Verursacher, nicht die Airline.
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Zeitung lesen
Die meisten Zeitschriften haben ein angenehmes Flugformat oder Sie lesen direkt auf Handy oder Tablet. Falls nicht, falten Sie die Zeitung beim Umblättern stets so, dass Sie mit den Seiten andere nicht belästigen. Ihr Nachbar freut sich sicher nicht darüber, dass Sie ihm die halbe Zeitung ins Gesicht reichen.
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Leise sprechen
Wenn Sie sich im Flieger mit einem Nachbarn unterhalten, dann möglichst leise. Idealerweise kann der unmittelbare Nachbar dabei noch ein Nickerchen machen und andere nicht mithören. Wichtig: Nennen Sie keine Namen und lästern Sie nicht über Kunden oder Firmen. Man weiß nie, wer mitfliegt und mithört!
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Kopfhörer verwenden
Viele Passagiere nutzen heute auf Kurzstrecken ihr Smartphone, um darauf Filme oder Serien zu schauen. Völlig okay, erst recht wenn es kein Unterhaltsprogramm an Bord gibt. Bleiben Sie aber auch hierbei und bei der Lautstärke rücksichtsvoll: Geschaut wird natürlich nur mit Kopfhörer und nur so laut, dass andere im Flieger sich bei Explosionen im Film nicht erschrecken.
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Essen zerkleinern
Sobald das Essen an Bord ausgeteilt wird, wird es richtig eng. Der Trick ist: Die Speisen möglichst zu Beginn in mundgerechte Stücke zu zerteilen und dann nur noch mit der Gabel zu essen. Das spart Platz. Sobald Sie fertig gegessen haben und sich samt Rückenlehne zurücklehnen wollen, vergewissern Sie sich wieder, dass der Passagier hinter Ihnen auch schon aufgegessen hat.
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Richtig entschuldigen
Pannen können passieren: Beim Aufreißen der Aluschale bekleckern Sie den Sitznachbarn… In dem Fall sollten Sie sich umgehend entschuldigen und – falls nötig – die Übernahme der Reinigungskosten anbieten. Profis spendieren noch ein Getränk, falls diese nicht ohnehin gratis sind.
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Alkohol sparen
In luftiger Höhe und über den Wolken wirkt Alkohol schneller und stärker als am Boden. Die Folge: Während die Maschine steigt, sinkt die Hemmschwelle. Das kann turbulent bis peinlich werden. Wer jedoch aggressiv oder ausfallend wird, riskiert ein Flugverbot bei der Airline. Trinken Sie Alkohol deshalb nur in Maßen (nicht die bayerischen Krüge!): 1-2 Drinks sollten selbst für längere Flüge reichen.
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Schnarcher wecken
Ein Nachtflug – und alle versuchen etwas zu schlafen. Wer dann leider einen lauten Schnarcher direkt neben sich hat, darf diesen – wie zufällig – leicht anstubsen. Das gilt auch bei aufdringlichen Schulter-Lehnern. Mehr aber nicht. Gibt der Schnarcher keine Ruhe, bitten Sie das Bordpersonal um Hilfe. Selbstjustiz ist tabu.
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Toilette benutzen
Wer unter einer schwachen Blase leidet, sollte von vornherein einen Gangplatz buchen oder seinen Nachbarn fragen, ob Sie aus dem Grund die Plätze tauschen können. Niemand ist amüsiert, wenn er oder sie wegen Ihnen ständig aufstehen muss. Und falls der Nachbar schläft, versuchen Sie bitte zunächst vorsichtig über ihn hinweg zu steigen. Gelingt das nicht, wecken Sie ihn sanft auf. Schminken oder Haare machen, ist auf der Bordtoilette übrigens tabu – das blockiert diese gegenüber Menschen mit dringenderen Bedürfnissen.
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Nicht umsetzen
Wenn noch genug Plätze in der Maschine frei sind, können sich Passagiere schon mal umsetzen. Aber bitte nie eigenmächtig. Das ist verboten. Hierfür müssen Sie stets vorab die Flugbegleiter fragen. Das gilt auch für den Fall, dass Sie einen Bekannten an Bord getroffen haben und nun gerne tauschen und neben ihm oder ihr sitzen möchten.
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Richtig aufstehen
Ein Klassiker: Beim Aufstehen zieht sich der Hintermann am Vordersitz hoch und lässt die Rücklehne anschließend flitschen, sobald er steht. Rücksichtsloser geht es nicht! Richtig ist allein, sich an den Armlehnen hochzudrücken. Sollten Sie am Fenster sitzen, versteht es sich von selbst, dass Sie warten, bis die Nachbar-Passagiere aufstehen und im Gang sind.
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Nicht drängeln
Die Knigge-Regel gab es schon beim Einsteigen, jetzt gilt sie wieder. Auch hier bringt Drängeln nichts, man steht nur länger am Gepäckband. Selbst mit Handgepäck stürmen Sie nicht aus dem Flugzeug, als würde es brennen. Die Regel: Zuerst gehen die Inhaber der Gangplätze und der ersten Reihe von Bord, dann die Mittelsitzer, zum Schluss die Fenstersitzer. Danach ist die zweite Reihe an der Reihe. Und so weiter. Wenn die Hinterbänkler Glück haben, steht auch an der hinteren Tür eine Gangway. Falls nicht, haben Sie bitte Geduld.
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Höflich verabschieden
Es ist nur konsequent: Wer seine Sitznachbarn begrüßt, verabschiedet sich nach der Landung auch wieder von ihnen und wünscht noch einen schönen Tag oder eine gute Weiterreise. Das gilt auch dann, wenn Sie während des Fluges nach der kurzen Begrüßung kein weiteres Wort miteinander gesprochen haben.
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Kurz bedanken
Waren Sie mit der Kabinencrew und dem Service an Bord zufrieden? Dann bedanken Sie sich bitte noch bei den Flugbegleitern. Die hören das viel zu selten!
Flugzeug-Knigge: Regeln beim Einsteigen
Nonstop- oder Direktflug?
Kennen Sie den Unterschied? Ein „Nonstop-Flug“ bringt Sie direkt zum Zielort ohne Zwischenstopps. Sie starten am Abflugort und landen am Zielort. Beim „Direktflug“ kann die Maschine noch eine Zwischenlandung machen. Sie müssen aber nicht wie beim „Gabelflug“ umsteigen. Beim Direktflug steigen nach der Zwischenlandung nur manche Passagiere aus, andere ein. Sie bleiben sitzen.
Flugzeug-Regeln während des Fluges
Warum gibt es die Sicherheitshinweise an Bord?
Warum müssen zu Start und Landung die Rückenlehnen und Tische hochgeklappt sowie die Fensterblenden geöffnet werden? Was mancher als Schikane empfindet, hat einen ernsten Hintergrund: Im Notfall muss jede Maschine – egal, wie groß – binnen 90 Sekunden geräumt werden können. Tische und Rückenlehnen behindern und verzögern den Alarmausstieg. Das Aufklappen der Sonnenblenden und Abdunkeln der Kabine hat wiederum den Sinn, die Augen an das Umgebungslicht draußen zu gewöhnen. Aus der Maschine stürmende Passagiere könnten sonst geblendet sein oder im Dunkeln umherstolpern. Beides ein zu hohes Risiko.
Knigge-Regeln beim Ausstieg
Ist Klatschen nach der Landung erlaubt?
Eine eindeutige Regel dazu gibt es nicht. Ein Vielflieger wird wohl kaum jedes Mal eine gelungene Landung beklatschen. Der Pilot macht schließlich nur seinen Job. Wer beklatscht schon den Busfahrer oder Lokführer jedes Mal, wenn die Tür aufgeht? Eben. Anders sieht das bei Ferienfliegern aus: Die lockere Urlaubsstimmung und Freude über eine sanfte Landung am Ferienziel dürfen Sie natürlich mit Applaus zelebrieren. In manchen Kulturkreisen ist es sogar üblich, sich bei Start oder Landung zu bekreuzigen. Lassen Sie den Leuten also ihren Spaß, Sie müssen ja nicht mitmachen. Darüber verächtlich die Nase zu rümpfen, wäre indes kein Zeichen guter Manieren. Eher von Intoleranz und Arroganz.
6 Passagier-Typen, neben denen keiner sitzen will – Was tun?
Der Geschichtenerzähler
Es beginnt schon, bevor er sich überhaupt gesetzt hat: Der Geschichtenerzähler wird sich mit Ihnen unterhalten – ob Sie wollen oder nicht. Er erzählt etwa von seinen unzähligen Reisen oder gibt Ihnen ungefragt Tipps zum Reiseziel. Einige davon sind vielleicht wirklich interessant. Gerade auf längeren Flügen kann die pausenlose Unterhaltung jedoch anstrengend werden. Bleiben Sie gegenüber diesen Flugzeug-Typen höflich, aber erklären Sie, dass Sie den Flug gerne nutzen möchten, um bei etwas Musik zu entspannen.
Der Partyurlauber
Dieser Flugzeugtyp tritt meist nicht allein auf, sondern hat Freunde im Schlepptau. Gemeinsam verhalten sie sich bereits im Flugzeug wie am Ballermann: Gut zu erkennen ist der Partyurlauber meist an seiner extravaganten Kopfbedeckung, beispielsweise einem schwarz-rot-goldenen Cowboyhut, den er gerne mit einer bunten Blumenkette kombiniert. In diesem Fall sind Sie leider in der Unterzahl – und jeden einzelnen zur Vernunft zu bringen, ist nahezu unmöglich. Versuchen Sie sich bestmöglich abzulenken. Sollte es zu bunt werden, können Sie sich an das Kabinenpersonal wenden, die bei zu viel Party im Flieger ohnehin einschreiten müssen
Der Workaholic
Für ihn ist das Flugzeug nur ein mobiles Büro in 10 Kilometer Höhe. Schon kurz nach dem Start packt er seinen Laptop auf den Klapptisch und arbeitet los. Wenn dann derart laut in die Tasten haut, dass andere dazu schon im Gangnam Style tanzen, sollte höflich aber bestimmt in die Grenzen seiner Armlehnen verwiesen werden. Bitten Sie die Person, etwas leiser zu tippen und zu arbeiten und Ihnen auch eine Armlehne zu überlassen.
Das Kind
Gerade Kindern gegenüber sollte jeder Passagier nachsichtiger sein. Ein langer Flug ist für Kinder eine besondere Herausforderung: Langes Stillsitzen oder die Aufregung beim Flug können die wenigsten aushalten. Viele klettern dann auf dem Sitz herum, streiten mit den Eltern, schreien oder treten gegen die Sitzlehne. Erster Tipp: Zeigen Sie Verständnis für Kind und Eltern! Diese geben sich in den meisten Fällen große Mühe mit den Sprösslingen. Zweiter Tipp: Bitten Sie die Eltern behutsam, ob Sie den Platz mit dem Kind tauschen können – Sie würde gerne 30 Minuten schlafen…
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