Scherzfrage: Können Sie einen Witz erzählen?

Können Sie einen guten Witz erzählen? Gemeint sind nicht diese zweifelhaften Schnellschusspointen vom Typ Kommt ne Frau beim Arzt…, sondern ein wirklicher Witz, der zugleich eine kleine Geschichte erzählt. Warum überhaupt diese Frage? Witze erzählen zu können, hat viel damit zu tun, ob man auch eine spannende und pointierte Geschichte erzählen kann. Und das wiederum ist eine ganz wesentliche Erfolgseigenschaft…

Scherzfrage: Können Sie einen Witz erzählen?

Witz erzählen: Was soll das?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, heißt es so schön. Tatsächlich erhält Galgenhumor nachweislich die Gesundheit. Humor kann aber weitaus mehr: Humor…

  • deeskaliert
  • entkrampft
  • kann Kritik abschwächen
  • Denkblockaden lösen
  • steigert das Erinnerungsvermögen

1977 fanden die Psychologen Robert M. Kaplan und Gregory C. Pascoe heraus, dass Personen sich eher an die Inhalte einer Rede erinnern, wenn diese mit Humor gewürzt war. Forscher der Universität Michigan wiederum untersuchten 1986 über 1000 Anzeigen und kamen zum Ergebnis: Humorige Werbung wird in 17 Prozent der Fälle öfter erinnert als normale.

Und in einer Studie zum Thema Kündigung stellten die Wissenschaftler 1985 fest, dass nur 15 Prozent der Mitarbeiter wegen Inkompetenz gefeuert worden waren. Die anderen hatten den Job verloren, weil sie mit den Kollegen nicht zurechtkamen und kommunikative Schwächen aufwiesen. Die später dazu befragten Personaler hielten indes Humor für einen wesentlichen Kitt für Teams.

Für Sigmund Freud war Humor eine „seelische Grundhaltung, die in den Missständen des Lebens menschliche Unzulänglichkeiten erkennt und lachend verzeiht“. Man könnte auch sagen: Humor ist die Kunst, sich selbst und seine Probleme nicht so wichtig zu nehmen. Deshalb verleiht er humorvollen Menschen Größe: Sie stehen über den Dingen.

Witz erzählen: Worüber lachen wir?

Humor verbindet, sogar über Generationen und Kulturen hinweg. Schon die alten Ägypter hatten einen Humor, der erstaunliche Parallelen zu unseren heutigen Lachgewohnheiten aufweist. Die Ägypter standen auf Schadenfreude, groteske Übertreibungen und Verdrehungen. Das lässt sich aus alten Inschriften und Bildnissen ihrer Reliefs, Papyri und Tonscherben herauslesen. Archäologen der Universität Bonn haben das vor einigen Jahren getan.

Mit Wonne haben die Altägypter demnach ihre Feinde verspottet. So zeigt eine Tonscherbe etwa einen Nubier, der mit erhobenen Händen vor einer Katze und einer Maus um Gnade fleht. Auch einzelne Berufe wurden schon damals aufs Korn genommen. Auf einem Relief aus einem Grab beispielsweise war ein schlafender Türhüter abgebildet.

Heute müssen wir unsere komischen Botschaften nicht mehr in Reliefs ritzen. Wir können einfach einen Witz erzählen. Aber was für einen?

Antwort: Bitte lassen Sie Flachwitze mit Ostfriesen oder Blondinen in der Mottenkiste der Humorgeschichte. Aber erzählen Sie auch keine Witze, die zu kompliziert sind. Wissenschaftler der Uni Oxford haben 2015 untersucht, was einen guten Witz ausmacht. Er spielt demnach mit den Erwartungen der Zuhörer und endet mit einer überraschenden Pointe. In Komiker-Sprache gesprochen: Das Setup muss stimmen, die Punchline sitzen.

Was einen guten Witz ausmacht

Oft ist es so, dass man als Zuhörer zwischen den Zeilen lesen, die Erwartungen des Erzählers bedenken, seine Intention erkennen muss. Menschen können aber maximal fünf Gedankensprüngen folgen, bevor sie entnervt aufgeben und das Interesse verlieren. Das kennen die meisten vermutlich aus Filmen. Ist der Plot zu kompliziert, sind die Twists zu zahlreich, schaltet man gedanklich irgendwann ab.

Die Wissenschaftler aus Oxford hatten im Rahmen ihrer Studie 55 Studenten der London School of Economics zum Scherz-Test gebeten. Sie sollten 65 Witze auf einer Skala von eins (gar nicht lustig) bis vier (sehr lustig) bewerten. Nun fanden sie vor allem die Gags lustig, bei denen zwei Charaktere einen Dialog hielten und bei denen es nicht mehr als fünf Gedankensprünge gab. War der Witz dagegen länger, hatten die Studenten mitunter das Gefühl, die Pointe verpasst zu haben.

Ergo: Ein guter Witz ist intelligent aufgebaut und beinhaltet eine überraschende Wendung. Ist er aber zu verschachtelt und verkopft, dann wird er von den Zuhörern nicht mehr als witzig empfunden. Der Vielflieger-Witz kommt dem Optimum schon sehr nahe. Oder was meinen Sie?

Witze erzählen: Der Vielflieger-Witz

Witze erzählen: Der Vielflieger-WitzZwei Männer sitzen in einem Flugzeug auf dem Weg von Los Angeles nach New York. Nach einer Stunde Flugzeit meldet sich der Kapitän: Eine Turbine hat den Geist aufgegeben, es bestünde aber kein Grund zur Panik. Auch mit drei verbleibenden Triebwerken käme man sicher an, nur würde sich die Flugzeit auf sieben Stunden verlängern.

Nach einiger Zeit meldet sich der Pilot erneut: Noch eine Düse ausgefallen, keine Panik, allerdings dauere der Flug nun zehn Stunden.

Noch später: Auch die dritte Düse streikt. Das Flugzeug kann jedoch mit einer Turbine in New York landen – in 18 Stunden. „Verdammt“, sagt da der eine Passagier zum anderen, „ich hoffe, die letzte Düse fällt nicht auch noch aus, sonst bleiben wir ewig hier oben.“

Witze erzählen: Humor verbindet und hebt die Stimmung

Denken Sie nur an eine gute Party, einen Kongress… Die Leute stehen beisammen, plaudern, smalltalken. Ob Sie nun einen guten Witz erzählen, eine amüsante Anekdote oder eine kleine Geschichte zum Besten geben – der Effekt ist derselbe: Sie strahlen etwas Positives aus – und stellen eine Verbindung zu Ihrem Gegenüber her.

Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Es geht nicht darum, ein paar Scherze zu machen, wenn Sie sich das nächste Mal um einen Job bewerben, Kunden akquirieren oder Leute kennenlernen wollen.

Es geht um das Prinzip dahinter: Eine fesselnde Kurzgeschichte zu erzählen, genauso wie einen Witz, spiegelt immer auch einen Teil Ihrer Persönlichkeit.

Der Psychologe William Ruch etwa gilt als einer der führenden Humorforscher und untersucht seit mehr als 15 Jahren den Zusammenhang von Charaktereigenschaften und Witzvorlieben.

Ergebnis:

  • Wer Nonsens-Gags bevorzugt, ist eher kreativ und abenteuerlustig, aber auch exzentrisch bis chaotisch.
  • Logikwitze-Liebhaber dagegen sind meist gewissenhaft und zuverlässig, aber auch intolerant und dogmatisch.

Ob man diesen Stereotypen nun folgt oder nicht: Es ist bezeichnend, was und wie Sie etwas erzählen. Es offenbart kommunikative Stärken, ob Sie andere fesseln, begeistern, motivieren können. Und nicht zuletzt, ob Sie mit Ihrem Humor ausgrenzen oder eher verbinden. Im Subtext verrät es aber auch, wie wichtig Sie sich selbst nehmen, wenn Sie beispielsweise über sich selbst lachen und amüsieren können.

Studien aus der Hirnforschung zeigen, dass wir Informationen besonders bereitwillig aufnehmen, wenn dabei mehrere Sinne einbezogen werden. Eine bildhafte Sprache, ein lebhafter Erzähler, viele eindrückliche Emotionen – all das begünstigt, dass wir uns noch lange und gerne an das Gehörte erinnern. Und an den Erzähler eben auch.

Vorstellungsgespräch: Witz erzählen oder nicht?

Apropos Witze erzählen bei der Bewerbung um einen Job: Niemand käme vermutlich auf so eine Idee – die meisten wollen als Bewerber durch Ihre Fachlichkeit und Seriosität wahrgenommen werden. Denn das ist üblicherweise der Grund, warum eine Firma einen neuen Mitarbeiter einstellen will.

Sinnloses Herumalbern fällt daher weg. Aber: Ein humorvolles Wesen bringt Sympathien ein. Und das ist wiederum etwas, worauf Sie im Vorstellungsgespräch nicht verzichten können.

Humor im Vorstellungsgespräch zu zeigen bedeutet, dass Sie mit einer positiven, offenen Grundhaltung ins Gespräch gehen. Das hilft Ihnen beispielsweise bei außergewöhnlichen Fragen im Vorstellungsgespräch wie dieser:

Wie viele Golfbälle passen in ein U-Boot?

Eine exakte Antwort lässt sich darauf einfach nicht geben. Müssen Sie aber auch nicht – Personaler wollen einfach nur sehen, wie Sie mit Stress umgehen können und wie kreativ Ihre Herangehensweise ist. In so einem Fall können Sie natürlich Berechnungen anstellen und anhand des Durchmessers eines Golfballs, der Größe eines durchschnittlichen U-Bootes sich an eine sinnvolle Antwort herantasten.

Ebenso gut können Sie antworten:

  • Mehr als in ein Tretboot.
  • Ich spiele gar kein Golf.
  • Also ich persönlich fahre ja mit dem Auto und nicht mit dem U-Boot zum Golfplatz…

Im Rahmen von Fangfragen im Bewerbungsgespräch kann es Ihnen tatsächlich passieren, dass Sie vom Personaler aufgefordert werden:

Erzählen Sie mir einen Witz.

Im Idealfall haben Sie tatsächlich einen Lieblingswitz parat, der geeignet ist. Absolute No-gos:

  • Witze, die unter die Gürtellinie gehen,
  • rassistische oder anderweitig diskriminierende Witze,
  • verletztende Witze,
  • Schwarzer Humor.

Völlig harmlos und daher unbedenklich sind Wortspiele à la:

Was macht ein Clown im Büro? – Faxen.

Witz erzählen: Was tun, wenn der Witz schlecht war?

Der Punkt, an dem auf einer Weihnachtsfeier oder beim geselligen Bierchen auf dem Betriebsausflug ein Witz erzählt wird, signalisiert eigentlich schon: Ok, der Zenit ist überschritten. Die Stimmung ist bereits ziemlich mau – sie jetzt noch zu retten, ist riskant.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Humor etwas Individuelles ist. Manche Menschen haben ein Faible für Kalauer, andere eher für hintersinnigen Humor. Klar ist, dass Sie im beruflichen Umfeld verschiedenen Tretminen aus dem Weg gehen müssen, die im Privaten kein Problem wären.

Und da kann es passieren, dass ein Witz in bester Absicht erzählt wird, aber leider völlig nach hinten los geht: Keiner lacht, betretenes Schweigen. Wie kommen Sie aus der Situation wieder heraus? Sie haben im Prinzip diese drei Möglichkeiten:

  • Sie halten das Schweigen aus.

    Wenn die Veranstaltung eh schon in der Auflösung begriffen ist, werden Sie nicht besonders lange leiden müssen. Und bei nächster Gelegenheit, wenn Sie sich über den Weg laufen, wird Ihr Gegenüber die miese Pointe bereits vergessen haben.

  • Sie entschuldigen sich.

    Manch einer hat womöglich bestimmte Entwicklungen nicht mitbekommen und greift daher daneben. Zum Beispiel bei Witzen, die vor einigen Jahren noch unbedenklich schienen, in einem anderen Rahmen aber unangebracht sein und Anwesende vor den Kopf stoßen können. Ein Beispiel hierfür sind die früher recht beliebten Ostfriesen- und Blondinenwitze. Ist Ihr Chef gebürtiger Ostfriese, die Personalerin von Haus aus blond, könnten sie sich auf die Füße getreten fühlen. Nicht jeder kann über sich selbst lachen. Eine Entschuldigung ist daher angebracht.

  • Sie zeigen Selbstironie.

    Dies ist die eleganteste Lösung: Zeigen Sie humorvoll, dass Sie sich Ihrer „Glanzleistung“ bewusst sind und ergänzen die unglückliche Pointe Ihres Witzes mit einem Kommentar wie: Das war übrigens der schlechteste Witz – jetzt haben alle Ruhe! Oder: Hab ich schon einmal erzählt, dass ich für Sympathien nichts übrig habe?

Witz erzählen: Diese passen ins Büro

Unter drei Kaffee fang ich nicht an zu arbeiten!“
„Wieviel trinkst du so am Tag?“
„Zwei.“

Atemlos stürzt Herr Müller ins Büro: „Entschuldigen Sie, Chef, ich habe verschlafen!“
Der Vorgesetzte: „Ja wie? Zuhause schlafen Sie auch noch?“

Chef: „Beginnen Sie Ihre Präsentation doch mal mit einem Witz!“
Ich: „Geht auch mein Gehaltszettel?“

Und Ihr Hobby?“
„Fußball.“
„Welche Position?“
„Couch.“

Tschüss Chef. Man soll ja gehen, wenn es am Schönsten ist.“
„Was? Sie sind doch gerade erst gekommen?“
„Ja, aber schöner wird’s bestimmt nicht mehr…“

Chef: „Beim Arbeiten wird kein Alkohol getrunken!“
Mitarbeiter: „Sehen Sie mich arbeiten?“

Personaler: „In Ihrer Bewerbung stand, Überstunden machen Ihnen nichts aus…“
Bewerber: „In Ihrer Stellenanzeige stand auch: ‚Wir zahlen faire Gehälter‘.“

Chef, mein Gehalt steht in keinem Verhältnis zu meinen Leistungen!“
„Das stimmt, aber wir können Sie doch nicht verhungern lassen.“

Witze erzählen: Wem erzähle ich sie?

Natürlich Ihren Freunden und Kollegen. In der Mittagspause, im Meeting oder beim Feierabendbierchen – ein Witz kann die Stimmung heben. Aber auch diese zwei Gruppen sind für Witze (erstaunlich) dankbar…

  • Herzpatienten

    Menschen mit Herzproblemen dürfte eigentlich nicht zum Lachen zumute sein. Körperliche und seelische Erkrankungen hängen nirgends so eng zusammen wie beim Herzen, sagen Mediziner. Herzkranke entwickeln häufig Angststörungen, wirken feindselig oder sind depressiv.

    Stressabbau könnte präventiv gegen Herzleiden helfen. Und was hilft gegen Stress? Richtig, Humor. Eine Pilotstudie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Kooperation mit der Fliedner Klinik in Stuttgart untersuchte 2016, wie Humortraining – zum Beispiel Witzesammeln – auf die Patienten wirkt.

    Ergebnis: Die Patienten waren tatsächlich weniger depressiv, auch die Auswertung des Stresshormons Kortisol in den Haarproben ergab Hinweise auf eine positive Veränderung.

  • Schüler

    Lehrer, die Humor im Unterricht einsetzen, könnten ihre Schüler besser machen. In einem Experiment an einem Gymnasium in Ellwangen stellten Augsburger Psychologen 2017 fest, dass die Schüler mit mehr Freude, weniger Langeweile und weniger Ärger bei der Sache sind, wenn die Lehrkraft zwischendurch für Lacher sorgt.

    Aber es gibt Einschränkungen: Zum Einen muss der Humor auf den Lerngegenstand bezogen sein. Und auch aggressiven Humor sollten sich Lehrer sparen. Er verkehrt den Effekt sogar ins Gegenteil.

    Das gelte auch auf höherer Ebene. Ein humorvoller Lehrer verbessert demnach das Verhältnis zu seinen Schülern, sorgt dafür, dass der Unterricht als interessanter und klarer wahrgenommen wird – so lange sein Humor nicht aggressiv ist.

    Darum auch der Rat für Pädagogen: Erzählen Sie ruhig mal einen Witz! Aber nicht irgendeinen…

Witze erzählen: Der beste Witz der Welt

Witze erzählen: Der beste Witz der WeltDer beste Witz der Welt kommt aus Schweden. 30 Witze aus aller Welt standen zur Wahl, das Magazin Readers’ Digest ließ seine Leser abstimmen. Zugegeben, die Umfrage stammt aus dem Jahr 2009 und ist damit nicht mehr ganz taufrisch. Aber Humor ist ja zeitlos…

Ein Einwohner aus Stockholm fährt zur Entenjagd aufs Land. Als er eine Ente sieht, zielt er und schießt. Doch der Vogel fällt auf den Hof eines Bauern, und der rückt die Beute nicht heraus.

„Das ist mein Vogel“, besteht der Städter auf seinem Recht. Der Bauer schlägt vor, den Streit, wie auf dem Land üblich, mit einem Tritt in den Unterleib beizulegen. „Wer weniger schreit, kriegt den Vogel.“

Der Städter ist einverstanden. Der Bauer holt aus und landet einen gewaltigen Tritt in den Weichteilen des Mannes. Der bricht zusammen und bleibt 20 Minuten am Boden liegen. Als er wieder aufstehen kann, keucht er: „Okay, jetzt bin ich dran.“ „Nee“, sagt der Bauer im Weggehen. „Hier, nehmen Sie die Ente.“

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
24. März 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!