Glückwünsche: So gratulieren Sie richtig

Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim, erkannte schon der französische Dramatiker Molière. Nun geht es bei Glückwünschen sicher nicht um Manipulation. Schließlich will man dem Jubilar, dem Geburtstagskind, dem Erfolgreichen in erster Linie eine Freude machen, seine Leistung anerkennen, sich ehrlich mit ihm freuen und die Beziehung pflegen. Glückwünsche überbringen bleibt dennoch eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Egal, wem Sie gratulieren wollen – dem Chef, dem Kollegen, dem Kunden –, wichtig ist, dass Sie dabei ein paar Grundregeln beachten. So kommen Glückwünsche besonders gut an…

Glückwünsche: So gratulieren Sie richtig

Glückwünsche sind ein Zeichen der Wertschätzung

Glückwünsche oder Gratulationen sind eine positive Anteilnahme bezeichnet, die anlässlich eines besonderen Ereignisses (meist verbunden mit einer Feier) ausgedrückt wird. Wir wollen dem Gegenüber zeigen, dass wir uns mit ihm freuen, an ihn gedacht haben, stolz auf ihn sind oder ihn einfach als Person gern haben.

Das Wort Gratulation stammt aus dem Lateinischen von gratulatio, gratus für willkommen und gratia für Gunst, Dank, Anmut. Der Begriff Gratulant für diejenige Person, die die Glückwünsche überbringt, ist seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Zu besonderen Anlässen sind Glückwünsche heutzutage leider zum Automatismus verkommen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, anderen zu besonderen Leistungen oder Terminen zu gratulieren und Glückwünsche zu überbringen – und von diesen Gelegenheiten gibt es viele:

  • Geburtstage
  • Erfolgreiche Abschlüsse oder Prüfungen
  • Jobzusagen
  • Einstandsfeiern
  • Firmenjubiläen
  • Beförderungen
  • Renteneintritt
  • Verlobung oder Hochzeit
  • Schwangerschaft
  • Erfolge und Leistungen
  • Erfüllte Wünsche und Träume

Wird nur gratuliert, weil es sich eben so gehört, geht dabei leider der Kern der Glückwünsche verloren: Die ehrliche Wertschätzung. Die steht nur im Vordergrund, wenn die Glückwünsche authentisch und ernst gemeint sind – also von Herzen kommen.

Ein runtergeleiertes Ja, herzlichen Glückwunsch auch von mir… kann man sich genauso gut sparen. Empfänger haben meist ein gutes Gespür und erkennen, ob es sich um ehrliche Glückwünsche handelt oder nur um einen Pflichtkommentar, der lediglich aus leeren Worthülsen besteht.

Glückwünsche im Büro: Wie wird Kollegen gratuliert?

Glückwünsche GeburtstagPrivat bei Freunden oder innerhalb der Familie sind Glückwünsche kein Problem, Sie wissen genau, wie Sie mit dem jeweils anderen umzugehen haben und wie Sie die Glückwünsche am besten rüberbringen. Im Job ist die Situation allerdings eine völlig andere. Der Kontakt zu Kollegen ist nicht so end, wie zu privaten Freunden und Sie wollen weiterhin einen professionellen Eindruck machen. Bei Glückwünschen im Job sind deshalb viele Arbeitnehmer eher unsicher.

Zunächst einmal gilt: Glückwünsche sind auch im Job angebracht. Egal ob Geburtstag, Jubiläum oder beruflicher Erfolg – sie dürfen und sollten Ihren Kollegen gratulieren. Das stärkt den Zusammenhalt im Team, lässt Sie sympathisch wirken und zeigt auch, dass Sie nicht neidisch auf die Leistungen des anderen sind, sondern sich ehrlich mit ihm freuen können.

Allerdings gibt es auch im Job keine Pflicht für Glückwünsche. Dies gilt beispielsweise bei Geburtstagen von Kollegen aus anderen Abteilungen, mit denen Sie bisher kaum ein Wort gewechselt haben. Natürlich können Sie die Gelegenheit nutzen, Ihre Glückwünsche überbringen und so den Kontakt vertiefen, doch erwartet wird dies nicht.

Zu beachten ist zudem die Art und Weise der Glückwünsche im Job. Unter Freunden geht es dabei oft locker zu, es werden Späße auf Kosten des anderen gemacht und das Alter dient als Vorlage für Neckereien und Witze. Im Job kann das auch möglich sein, doch sollten Sie sicher sein, dass der Empfänger den Spaß auch als solchen versteht. Bei einem sehr guten Verhältnis zum Kollegen ist das kein Problem, sollten Sie unsicher sein, ist es besser auf eher zurückhaltende Glückwünsche zu setzen.

Sonderfall: Glückwünsche für den Chef

Das Verhältnis zum Chef ist noch einmal ein anderes, als zu den Kollegen. Einfacher Grund: Die unterschiedliche Hierarchieebene, es handelt sich eben nicht um einen gleichgestellten Mitarbeiter, sondern um den eigenen Vorgesetzten.

Für Ihre Glückwünsche sollten Sie dies zwar im Hinterkopf behalten, aber sich nicht abschrecken lassen. Auch Ihr Chef freut sich über gute Wünsche, freundliche Worte und Zuspruch. Noch mehr als bei Kollegen gilt, dass Sie es mit lustig gemeinten Glückwünschen nicht übertreiben sollten. Nur wenn der Chef wirklich humorvoll, locker und umgänglich ist, sollte sich dies in der Gratulation zeigen. Ansonsten ist Professionalität der sichere Weg.

Ein wenig Vorsicht ist außerdem geboten, um nicht als Schleimer abgestempelt zu werden. Glückwünsche sind völlig in Ordnung, doch sollten diese nicht in eine Lobhymne auf die tolle Arbeit und Persönlichkeit des Vorgesetzten ausarten. Das wirkt nur anbiedernd und gefällt weder dem Chef noch den Kollegen. Sinnvoll kann es hingegen sein, sich mit ein paar Kollegen zusammenzutun. So verteilen Sie nicht nur die Verantwortung auf mehrere Personen, sondern stärken auch den Teamgeist.

Tipps: So überbringen Sie Glückwünsche richtig

Glückwünsche sind wahrlich eine Kunst für sich und nicht jeder schafft es, aufrichtige Glückwünsche zu überbringen. Dabei ist die Gratulation keine Raketenwissenschaft, wenn Sie einige Tipps beherzigen und die wichtigsten Grundregeln beachten:

  1. Überbringen Sie Glückwünsche möglichst persönlich

    Für Glückwünsche gilt: Lieber persönlich überbringen als schriftlich, lieber handschriftlich als per E-Mail, lieber E-Mail als SMS. Je persönlicher Sie Glückwünsche weitergeben, desto besser. Gratulieren ist wie Grüßen: eine Botschaft. Und die sagt zweierlei: etwas über den Sender und etwas darüber, was der vom Empfänger hält. Eine kurze Mail sagt beispielsweise Ja, hab‘ dran gedacht – wirklich wichtig war es aber nicht. Eine handgeschriebene Karte mit individuellen Worten hingegen zeigt, dass Sie sich wirklich Gedanken gemacht haben.

  2. Investieren Sie Zeit

    Neben der persönlichen Note zählt vor allem ein Gedanke bei Glückwünschen: Die Lebenszeit, die Sie investiert haben. Ein einfaches Beispiel: Vorgedruckte „Happy Birthday“-Geburtstagskarten oder solche mit pseudowitzigen Sprüchen wirken phantasielos. Besser: Sie wählen eine schlichte Karte und denken sich einen kurzen Zweizeiler aus, den Sie von Hand eintragen und unterschreiben.

    Das dauert nur ein paar Minuten, wirkt aber gleich viel herzlicher. Auch geht es nicht darum, einen brillanten Text zu verfassen. Die Geste zählt, weil darin etwas Wertvolles steckt: Ihre Zeit und Mühe.

  3. Fassen Sie sich kurz

    Ob nun schriftlich oder bei mündlichen Glückwünschen: Sie sollten weder einen Roman schreiben noch wird von Ihnen erwartet, eine Rede zu halten. Besser ist es, wenn Sie sich kurz fassen und auf den Punkt kommen. Ewig langes Geschwafel bei Glückwünschen kann eher unangenehm werden und der Empfänger schaut irgendwann peinlich berührt zu Boden. Ob nun Freunde, Chef, Kollegen oder Kunden – prägnante Glückwünsche sind empfehlenswert.

  4. Übertreiben Sie nicht mit Komplimenten

    Du bist der Beste… oder Du siehst mindestens 25 Jahre jünger aus… oder auch Solch eine Leistung ist wirklich unnachahmlich… Komplimente sind nett gemeint und sollen Glückwünsche ergänzen und abrunden – allerdings können diese auch nach hinten losgehen. Übertriebene Komplimente wirken selten ehrlich.

    Hinzu kommt das Risiko, dass die nett gemeinten Worte falsch ankommen. Wer einer Frau zum Geburtstag Komplimente zu ihrem Aussehen machen will, läuft Gefahr, dass das missverstanden wird. Und gegenüber dem Chef sehen Sie anschließend womöglich wie ein Schleimer aus.

  5. Passen Sie Ihre Glückwünsche individuell an

    Die meisten Menschen haben eine Art Routine entwickelt, wenn es um Glückwünsche geht. Es werden die immer gleichen Worte aneinander gereiht, eine Glückwunschkarte ähnelt der nächsten. Beim 15. Geburtstag eines Kollegen mag das verständlich sein, doch den besten Eindruck machen immer noch individuelle Glückwünsche.

    Passen Sie Ihre Gratulation an, nicht nur an die jeweilige Situation und den Anlass, sondern vor allem an den Empfänger. Fragen Sie sich vor jedem Glückwunsch: Was wollen Sie besonders hervorheben?

Beispiele, Sprüche und Formulierungen für Glückwünsche

Glückwünsche sollten von Herzen kommen, doch fehlt vielen die Inspiration oder schlichtweg die passende Idee, wenn es um die Formulierungen geht. Um Ihrer Kreativität ein wenig auf die Sprünge zu helfen, haben wir deshalb einige Beispiele und Formulierungen zusammengestellt, an denen Sie sich orientieren können.

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Individuelle Glückwünsche kommen immer besser an, nutzen Sie die Beispiele daher als Anreiz und verfeinern Sie die Formulierungen, um der Gratulation eine persönlichere Note zu geben.

  • Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Ich hoffe, du wirst reich beschenkt, hast einen wundervollen Tag und bleibst auch im kommenden Jahr so fröhlich und gesund!
  • Zu deinem Erfolg möchte ich dir von Herzen gratulieren. Deine harte Arbeit und Ausdauer hat sich bezahlt gemacht und du hast es dir wirklich verdient.
  • Wir freuen uns riesig mit dir und wünschen dir von Herzen alles Gute!
  • Lass es dir an deinem heutigen Ehrentag besonders gut gehen. Auf das alle deine Wünsche erfüllt werden.
  • Nach diesem tollen Jahr, wird das nächste bestimmt noch besser. Herzlichen Glückwunsch!
  • Ich bin dankbar für all das, was wir bereits zusammen erleben durften und freue mich noch viel mehr auf das, was in den nächsten Jahren kommt!
  • Das Geheimnis des Glücks ist, statt der Geburtstage die Höhepunkte des Lebens zu zählen – Mark Twain
  • Mit der Beförderung hast du den wohlverdienten Lohn für deine Leistungen bekommen. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg auf der neuen Position.
  • Gesundheit und Zufriedenheit, nebst allem, was dich sonst erfreut, ein langes Leben obendrein, soll alles dir bescheret sein.
[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]
8. März 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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