Humor im Vorstellungsgespräch: Eine ernste Sache?

So ein Vorstellungsgespräch ist für viele eine ernste Angelegenheit. Erst recht, wenn es um den einzigartigen Traumjob geht oder dem aktuellen Jobinterview schon viele gescheiterte vorausgegangen sind. Da hilft dann nur noch Galgenhumor, oder? Kommt drauf an! Wir glauben, Humor ist ein erstklassiger Eisbrecher und ein wirkungsvolles Werkzeug im Vorstellungsgespräch – für Bewerber wie Arbeitgeber…

Humor im Vorstellungsgespräch: Eine ernste Sache?

Humor im Vorstellungsgespräch

Die These ist – zugegeben – provokant. Humor ist schließlich, wenn man trotzdem lacht – und überhaupt: Humor hat man oder hat man nicht; und oft wird er gar nicht – oder schlimmer – falsch verstanden. Stimmt. Doch lassen Sie uns zunächst auf ein paar gut erforschte und weithin als gesichert geltende Fakten über Humor und das Lächeln als dessen Folge hinweisen…

Die Vorzüge von Humor und dessen Wirkung

  • Lächeln verbessert die Jobchancen.

    Oder negativ ausgedrückt: Fehlt es, katapultieren sich Kandidaten im Vorstellungsgespräch ins Aus. Als CareerBuilder dazu 2500 Personalmanager befragte, sagten 38 Prozent: Ein fehlendes Lächeln lässt Bewerber durchfallen.

  • Humor steigert das Ansehen.

    Mehr noch: Humorvolle Menschen werden sogar besser erinnert und weiterempfohlen. Das haben zum Beispiel Untersuchungen aus dem Jahr 2007 von Christopher Robert, einem Management-Professor an der Universität von Missouri-Columbia, gezeigt.

  • Wer lächelt, wird besser erinnert.

    Nicht etwa unsere Nase, ein Muttermal oder der Schwung unserer Lippen machen uns markant – es ist vor allem unser Lächeln. Oder anders formuliert: Wenn Sie möchten, dass man sich an Sie erinnert, lächeln Sie! Wissenschaftler um Arnaud D’Argembeau und Martial Van der Linden haben das genauer untersucht und konnten das in mehreren Versuchen bestätigen. Obwohl die Probanden die Gesichter nur für ein paar Sekunden sahen, blieben die Lächler am stärksten haften.

  • Lächeln macht sofort gute Laune.

    Forscher konnten zeigen: Unserem Gehirn ist es egal, ob wir aus Freude oder grundlos lächeln. Die daran beteiligten Muskeln (Für ein Lächeln benötigen wir übrigens weit weniger Muskeln als für eine missmutige Miene) signalisieren den grauen Zellen so oder so, dass gegrinst wird, woraufhin diese Glückshormone freisetzen. Diese wirken wiederum Angst lösend und verbessern die Wahrnehmung. Man könnte auch sagen: Sie führen danach ein besseres Gespräch.

Humor verbessert das Einkommen

Humor im Vorstellungsgespräch verbessert das EinkommenDen Schluss legen Studien von Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York nahe. Sie zeigte, Gutgelaunte und humorvolle Kollegen sind beliebter und populärer und werden von ihren Vorgesetzten oft besser bewertet und öfter befördert. Das Gros erzielte am Ende höhere Einkommen.

Humor im Vorstellungsgespräch

Aber wie ist das nun speziell im Vorstellungsgespräch? Natürlich geht es nicht darum, dass Sie im Jobinterview plötzlich kalauern oder anfangen, Witze zu erzählen, Motto: Sagt der Personalchef: „Bezahlt wird bei uns nach Leistung.“ Darauf der Bewerber: „Sorry, davon kann ich nicht leben.“ Humor und Witzeerzählen sind keine Synonyme!

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Wo Witze (insbesondere die schlechten und die auf Kosten Dritter) polarisieren, wirkt Humor eher entkrampfend und verbindend. Vor allem wer über sich selbst lachen kann und dabei noch Optimismus ausstrahlt, sammelt nicht nur wertvolle Sympathiepunkte. Er gilt auch als verträglicher, empathischer Kollege – kurz: als Stimmungsmacher im positiven Sinn.

Die beiden Wissenschaftler Adrian Gostick und Scott Christopher haben zum Beispiel vor einiger Zeit über eine Million Angestellte befragt, was diese motiviert oder was einen Arbeitgeber attraktiv macht. Die Ergebnisse hat das Duo in dem Buch The Levity Effect: Why it Pays to Lighten Up zusammengefasst, ihre Haupteinsicht: Die Menschen mögen Betriebe und Büros umso mehr, wenn in diesen häufig gelacht wird.

Mehr noch: Gutgelaunte Kollegen bringen im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, so eine Untersuchung des IFAK-Instituts. Miesepeter dagegen kamen nur auf 8,4 Vorschläge. Humor kann also auch ein Indiz für größere Kreativität und Produktivität sein. Und selbst wenn Personalern das so gar nicht bewusst ist – instinktiv spüren sie: So jemand kann nicht schlecht fürs Team sein.

Sicher kann Humor im Jobinterview auch heikel werden, gerade wenn einem jemand gegenüber sitzt, der zum Lachen allenfalls in den Keller geht. Aber mal ehrlich: Ist das dann auch der richtige Laden?

Und auch der anderen Sorge würde ich vehement widersprechen: Es ist aber überhaupt nichts Unprofessionelles oder Unseriöses daran, hier und da mal eine Bemerkung mit einem Augenzwinkern zu machen oder eine schwierige Frage zunächst mit Selbstironie zu beantworten – solange Sie dabei nicht zum Possenreißer mutieren oder erkennen lassen, dass Sie weder den Termin noch Ihr Gegenüber ernst nehmen.

Paracelsus würde schlicht sagen: Die Dosis macht das Gift.

Und richtig dosiert lässt Sie Humor nur menschlicher erscheinen. Er nimmt der Vorstellung die formelle und offizielle Schwere und formt aus dem vermeintlichen Test ein echtes Gespräch.

Gute Laune steckt an – sogar stärker als schlechte

Schon auf die Frage, wie denn die Anreise war, könnten Sie beispielsweise antworten: „Der Regen war in der Tat so stark, dass ich kurz überlegt habe, ob ich mit dem Bus oder mit dem Boot komme…“

Am Ende ist Humor eine Form von emotionaler Intelligenz. Jedenfalls haben wir noch nie einen humorvollen Menschen kennengelernt, der selbst schlimmen Zeiten nicht doch noch etwas Positives abringen konnte und damit andere und sich selbst motiviert hat. Solche Menschen sind häufig Pragmatiker; intelligent und kreativ, aber nicht zu verkopft. Und passen in fast jedes existierende Team, weil sie gerade auch über den Humor Beziehungen bauen können und andere erheitern.

Das alles geht womöglich auch ohne Humor, gewiss. Aber mit Humor gibt es ein Lächeln gratis dazu.

Daher die kurze Antwort auf die Eingangsfrage: Ja, Humor passt perfekt in ein Jobinterview.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

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23. Juli 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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