Definition: Was ist ein Einzelassessment?
Ein Einzelassessment ist ein diagnostisches Verfahren zur Personalauswahl, bei dem eine Person individuell beurteilt. Ziel ist, persönliche Eigenschaften, Kompetenzen, Verhaltensweisen sowie Entwicklungsstufen systematisch zu erfassen und so die Eignung für eine spezifische Position zu ermitteln.
Je nach Kontext werden im Einzelassessment unterschiedliche Methoden eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel:
Im Gegensatz zu einem Gruppeninterview mit 5-8 Teilnehmern steht beim Einzelassessment der einzelne Kandidat oder die Führungskraft im Mittelpunkt. Eingesetzt wird die Sonderform entweder zur Personalauswahl, zur fundierten pädagogischen Diagnostik oder zur gezielten Personalentwicklung.
Welche Fähigkeiten werden im Einzelassessment getestet?
Weil das Verfahren recht zeitintensiv und aufwendig ist, werden im Einzelassessment vor allem Führungskräfte beobachtet und beurteilt. Dann spricht man synonym auch von einem Management Audit. Inhaltlich geht es darin in der Regel um Fähigkeiten und Kompetenzen, die für zukünftige (Management-)Aufgaben besonders relevant sind. Dazu zählen zum Beispiel:
- Analytisches Denken
- Logisches Denken
- Strategisches Denken
- Kommunikationsstärke
- Empathie & Einfühlungsvermögen
- Motivationsfähigkeit
- Überzeugungskraft
- Kompromissfähigkeit
- Selbstreflexion
- Leistungsmotivation
- Zielorientierung
- Verantwortungsbewusstsein
- Selbstorganisation
- Werte & Integrität
- Belastbarkeit & Resilienz
Kognitive Kompetenzen
Soziale Kompetenzen
Persönliche Kompetenzen
Was erwartet mich im Einzelassessment?
Das Einzelassessment kann zwischen einem halben und ganzen Tag dauern, seltener bis zu 3 Tage. Entweder wird das Assessment von den Personalentscheidern und Top-Führungskräften des Unternehmens organisiert, oder es kommt eine spezialisierte, externe Beratungsfirma zum Einsatz. In diesem Fall übernimmt ein externer Berater die Moderation des Audits. Rechnen sollten Sie jedoch immer damit, dass auch hochrangige Vertreter des Unternehmens mindestens anwesend sind.
Wer sich bei einem internationalen Unternehmen bewirbt, muss zudem damit rechnen, dass das Einzelassessment auf Englisch stattfindet. Am Ende erhält der oder die Teilnehmerin ein erstes kurzes mündliches Feedback. Ein ausführlicheres schriftliches Feedback folgt in der Regel ein paar Tage nach dem Einzelassessment.
Wie läuft ein Einzelassessment ab?
Der Ablauf eines typischen Einzelassessments besteht aus drei klassischen Phasen:
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Auftragsklärung
Zu Beginn werden Ziel, Anlass und Rahmenbedingungen des Assessments erklärt, etwa ob es sich um ein Auswahlverfahren oder einen Entwicklungsplan samt Förderbedarf handelt. Anschließend wird die zu beurteilende Person über Ablauf, Methoden und Datenschutz informiert.
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Durchführungsphase
Danach folgt das eigentliche Assessment – mitsamt verschiedenen diagnostische Elementen, wie zum Beispiel strukturierte Interviews, standardisierte Tests oder Simulationen, die genau beobachtet werden.
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Feedbackphase
Den Abschluss bildet meist ein Feedbackgespräch, in dem die Ergebnisse und Erkenntnisse besprochen werden. Dabei muss meist auch die Führungskraft eine Selbsteinschätzung abgeben. Schließlich werden daraus Empfehlungen oder Entwicklungsmaßnahmen abgeleitet.
Was sind typische Aufgaben im Einzelassessment?
Die diskrete Einzelprüfung für Führungskräfte kann unterschiedliche Formen und Aufgaben haben. Eine genaue Reihenfolge ist nicht vorgeschrieben und kann daher variieren. Rechnen sollten Sie als Teilnehmer aber immer mit folgenden Tests und Prüfungen:
1. Selbstpräsentation
Das Einzelassessment beginnt häufig mit einer Selbstpräsentation in 3-5 Minuten. Hierdurch wollen die Prüfer mehr über den Kandidaten und dessen Persönlichkeit erfahren: Was ist Ihre Motivation? Warum sind Sie besonders geeignet? Was zeichnet Sie aus? Welche relevanten Erfahrungen und einschlägigen Erfolge können Sie vorweisen? Erklären Sie also unbedingt, wie das Unternehmen von Ihnen profitiert, ohne jedoch den Lebenslauf nachzuerzählen. Entscheidend ist, dass Führungskräfte hierbei Ihre Stärken und Schwächen selbstkritisch und konstruktiv reflektieren und stets passend zu den Anforderungen der angestrebten Position argumentieren.
Gleich hier weiterlesen: Selbstpräsentation im Assessment Center
2. Übungen & Simulationen
Unverzichtbar im Einzelassessment sind jobrelevante Simulationen, Übungen und Tests, wie zum Beispiel Intelligenztests oder die klassische Postkorbübung: Darin müssen Bewerber innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine komplexe Aufgabe lösen und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Meist ist die Zeit bewusst zu knapp bemessen. Personaler prüfen in dem Fall, wie Kandidaten mit Druck umgehen. Für Bewerber heißt das: Sie müssen Prioritäten setzen und Stressresistenz beweisen sowie schnelle Entscheidungen treffen. Tipps zur Postkorbübung finden Sie überdies in diesem kostenlosen PDF.
3. Rollenspiele
Auch im Einzel-Assessment kann es Rollenspiele geben. Auf die können Sie sich jedoch nur schwer vorbereiten. Meist wird ein Dilemma oder eine Situationen aus dem Berufsleben simuliert. Das kann ein Konfliktgespräch oder Mitarbeitergespräch sein. Hierbei übernimmt der Personaler die Rolle des Gegenspielers, die weiteren Assessoren beobachten dabei das Verhalten und die Kommunikation.
Beim Rollenspiel achten Prüfer vor allem auf diese Punkte:
- Wie eröffnen und strukturieren Sie das Gespräch?
- Welche Atmosphäre schaffen Sie im Gespräch?
- Begegnen Sie Ihrem Gesprächspartner auf Augenhöhe?
- Bleiben Sie freundlich und souverän – auch unter Druck?
- Nennen und verfolgen Sie die Gesprächsziele?
- Wie drücken Sie sich aus?
- Wie gehen Sie auf Ihr Gegenüber ein?
- Beweisen Sie Fingerspitzengefühl bei sensiblen Themen?
- Können Sie das Problem, den Konflikt lösen?
- Steht am Ende eine einvernehmliche Vereinbarung?
Mehr Tipps zum Rollenspiel erhalten Sie in diesem kostenlosen PDF.
4. Fallstudie (Case Study)
Die Fallstudie gehört ebenfalls zum festen Repertoire im Einzelassessment. Hierbei erhalten Sie einen konkreten Fall aus dem Unternehmenskontext sowie Material und sollen im Anschluss eine Lösung entwickeln und präsentieren. Bei diesem Test stehen vor allem das Fachwissen und die Problemlösungskompetenz auf dem Prüfstand. Kandidaten müssen für die Case Study in kurzer Zeit einen komplexen Sachverhalt analysieren und passende Strategien erarbeiten sowie die Zielsetzung im Auge behalten.
Mehr Tipps zur Fallstudie erhalten Sie in diesem kostenlosen PDF.
5. Gruppendiskussion
Eine typische Gruppendiskussion gibt es im Einzelassessment natürlich nicht. Es kann aber vorkommen, dass mehrere Assessoren Sie bitten, mit ihnen über ein bestimmtes Thema kontrovers zu diskutieren. In dem Fall sollten Sie darauf achten, den Sachverhalt wirklich zu verstehen. Voreilige Schlüsse ziehen, wäre tödlich! Im zweiten Schritt müssen Sie sich eine Meinung bilden und Ihren Standpunkt mit einer klugen Argumentation vertreten. Entscheidend hierbei: Wie verhalten Sie sich in der Diskussion? Werden Sie polemisch oder bleiben Sie sachlich? Treten Sie zu forsch und direkt oder zu zurückhaltend auf? Auch Ihre Rhetorik und Körpersprache sowie Kooperationsbereitschaft werden hierbei getestet.
6. Feedback
Beendet wird ein Einzelassessment stets mit einem Feedbackgespräch zwischen Teilnehmer und Beobachtern. Dabei werden Sie fast immer zuerst um eine Selbsteinschätzung gebeten und sollen Ihr eigenes Verhalten und Abschneiden analysieren und reflektieren. In diesem Teil kommt es auf eine gesunde Balance zwischen Eigenlob und Selbstkritik an. Im Idealfall konnten Sie kritische Anmerkungen der Beobachter bereits während der einzelnen Übungen umsetzen. Die anschließende Kritik der Assessoren sollten Sie wiederum unbedingt immer dankbar und lernwillig aufnehmen. Betrachten Sie das Assessment als Gelegenheit, relevante Erfahrungen zu sammeln und mehr über sich zu erfahren!
Wie kann ich mich auf das Einzelassessment vorbereiten? – Tipps
Sie kennen bereits Ablauf und potenzielle Aufgaben. Sich darauf mindestens mental vorzubereiten, ist schon die halbe Miete. Darüber hinaus können Sie mit den folgenden Tipps das Einzelassessment vorbereiten und so Ihre Bewerbungschancen erhöhen:
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Setting klären
Sobald Sie eine Einladung zum Einzelassessment erhalten, sollten Sie die Details klären: Erkundigen Sie sich nach dem Setting – also Ort, Dauer, Anzahl der Teilnehmer und Sprache in der das Einzelassessment durchgeführt wird. An der Länge des Auswahltages lässt sich oft schon ablesen, wie viele Aufgaben und Übungen auf Sie zukommen. Fragen Sie zusätzlich nach dem Anforderungsprofil der Stelle oder ob Sie bestimmte Unterlagen mitbringen sollen. Auch hier stecken nützliche Informationen zwischen den Zeilen der Antwort.
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Selbstmarketing trainieren
Im Audit erwarten Sie zu 99 Prozent eine Selbstpräsentation sowie diverse Gesprächsübungen und Präsentationstests. Diese lassen sich im Vorfeld perfekt trainieren – vor dem Spiegel, vor der Handykamera oder vor Freunden. Kommen Sie dabei möglichst schnell auf den Punkt. Labern disqualifiziert. Auch sollten Sie Ihre Körperhaltung kritisch prüfen: Langsame Bewegungen lassen Sie souveräner wirken, anhaltender Blickkontakt zeigt Selbstbewusstsein.
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Einstellung optimieren
Niemand mag Prüfungen. Auch Führungskräfte nicht. Manche sehen darin einen potenziellen Angriff auf ihre Kompetenz. Alles wird auf den Prüfstein gestellt oder in Zweifel gezogen. Das verunsichert. Entsprechend sehen viele Kandidaten in den Assessoren einen Gegner. Fehler! Das Denken spiegelt sich später im Verhalten. Betrachten Sie das Einzelassessment vielmehr als Chance: Sie sind in der engeren Wahl! Jetzt können Sie zeigen, was Sie drauf haben. Sehen Sie das sportlich. Mit der Einstellung wirken Sie wesentlich mehr wie ein Sieger.
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Authentisch bleiben
Der wichtigste Grundsatz in jedem Assessment Center (AC) lautet: Verstellen Sie sich nicht! Erstens sind gute AC darauf ausgelegt, genau das zu entlarven. Zweitens verlieren Sie immer an Glaubwürdigkeit. Wer versucht, anderen etwas vorzuspielen, wird früher oder später aus der Rolle fallen. Das Einzelassessment dient ja gerade dazu, Sie konsistentes Verhalten zu prüfen und Sie als Person besser kennenzulernen. Nur wenn es für beide Seiten passt, haben Sie auch später Erfolg im Job. Daher: Bleiben Sie immer authentisch.
Ziel der Vorbereitung sollte vor allem sein, Selbstsicherheit zu gewinnen. Je unterschiedlicher die Aufgaben, die Sie sich anschauen oder üben, desto weniger können Sie davon überrascht werden. Während des Einzelssessments sollten Sie jedenfalls nicht mehr groß darüber nachdenken müssen, wie Sie reagieren oder wie jetzt eine richtige Antwort aussehen könnte. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es sowieso nicht. Solange Sie ganz Sie selbst und Profi bleiben, haben Sie die besten Chancen!
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