Einzelassessment: Tipps für Führungskräfte

Unter einem Assessment Center können die meisten Menschen sich etwas vorstellen – aber was genau unterscheidet das von einem Einzelassessment? Mit welchen Übungen muss eine Führungskraft rechnen, wenn sie zum Einzelassessment eingeladen wird? Und was ist überhaupt der Sinn dieser Prüfungsform? Wir geben Ihnen Antworten auf diese Fragen und erläutern, wie Sie sich auf ein Einzelassessment vorbereiten können…

Einzelassessment: Tipps für Führungskräfte

Einzelassessment Definition: Prüfung für Führungskräfte

Einzel Assessment Center VW für Führungskräfte die wichtigsten Übungen Training die häufigsten AufgabenVon der Geschichte des Assessment Centers her betrachtet ist Einzelassessment eigentlich „doppelt gemoppelt“: Assessment Center gehen auf Prüfungsverfahren der deutschen Reichswehr im Ersten Weltkrieg zurück und dienten der Auswahl von Offiziersanwärtern. Auch heute noch wählt die Bundeswehr Ihre Führungskräfte per Assessment Center aus.

Seit den siebziger Jahren erfreut sich das Assessment Center zunehmender Beliebtheit. Längst wird es nicht mehr ausschließlich für Führungskräfte eingesetzt, sondern ist ein populäres Mittel der Personalauswahl. Das Einzelassessment konnte sich so zur Unterform des Assessment Centers entwickeln.

Assessment stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Beurteilung“. Einzelassessments, also Prüfungen einzelner Personen, sind für verschiedene Zielgruppen möglich, in der Regel kommen Sie aber vor allem für das mittlere und obere Management zum Einsatz.

Ein aussichtsreicher Kandidat wird also unter Ausschluss anderer Bewerber getestet. Dieses Einzelassessment kann zwischen einem halben Tag bis zu drei Tagen dauern. Für die Durchführung gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Das Unternehmen selbst hält das Einzelassessment mit Beobachtern, die sich aus Human Resources Personal und den relevanten Führungskräften zusammensetzen.
  • Eine externe Beratungsfirma übernimmt das Einzelassessment, auch hier kommen Vertreter des Unternehmens häufig dazu. Sind hochrangige Managementposten zu besetzen, spricht man auch von Management Audit.

Wer sich bei einem international ausgerichteten Unternehmen beworben hat, muss damit rechnen, dass das Einzelassessment auf Englisch stattfindet. Die Teilnehmer erhalten zeitnah ein erstes kurzes mündliches Feedback und mitunter auch ein ausführlicheres schriftliches Feedback zu einem späteren Zeitpunkt.

Einzelassessment: Systematische Vorbereitung

Eigentlich bedarf es keiner besonderen Betonung, dass für Prüfungssituationen eine Vorbereitung notwendig ist. Das gilt für das simple Vorstellungsgespräch für einen Ausbildungsplatz ebenso wie bei Positionen für gestandene Führungskräfte.

Dennoch weiß Heidemarie Meißnitzer, Beraterin, Trainerin und Coach für Karriere und Kommunikation, zu berichten, dass so mancher Bewerber auf seine Frage, wie er sich denn vorbereiten könne zu hören bekommt: „Kommen Sie einfach so wie Sie sind.“

Wer das allerdings wörtlich nimmt, geht zu gutgläubig an die Sache heran und schießt sich selbst ins Aus.

  1. Informieren Sie sich zum Setting.

    Sobald Sie von dem Einzelassessment erfahren, klären Sie die Details zur Vorbereitung. Fragen Sie nach dem Setting, also Dauer, Teilnehmende, Ort. Gibt es ein Kompetenzmodell beziehungsweise Anforderungsprofil, an dem Sie sich orientieren können? In welcher Sprache wird durchgeführt?

  2. Überprüfen Sie Ihre Einstellung.

    Ein erster Impuls mag Abwehr sein, da Einzelassessments noch nicht so verbreitet sind. Manch eine Führungskraft ist vielleicht genervt, da sie denkt, ihr Lebenslauf spreche für sich. Sie sollten daher für sich klären, ob Sie überhaupt daran teilnehmen wollen und was Sie sich von der Teilnahme versprechen.

    Unterschätzen Sie auch nicht den Lerneffekt durch so ein Einzelassessment, selbst wenn Sie zunächst skeptisch sind. Am Ende steht vielleicht nicht die ursprünglich erhoffte Stelle, aber Sie sind um einige Erkenntnisse reicher. Haben Sie sich für die Teilnahme entschieden, zeigen Ihnen die nächsten Punkte, wie Sie sich gezielt vorbereiten.

  3. Erarbeiten Sie Ihr Selbstmarketing.

    Entscheidend für den Erfolg eines Einzelassessments wie bei allen Bewerbungsgesprächen ist der Abgleich der eigenen Vorstellungen und Werten mit denen des Unternehmens. Prüfen Sie Ihre Fähigkeiten, Stärken und Kenntnisse daraufhin, ob sie das sind, was vom Unternehmen erwartet wird.

    Decken sich Ihr Führungsverständnis und die dortige Unternehmenskultur? Klären Sie Ihre Stärken und Schwächen und definieren Sie für sich Ihre Grenzen. Vielleicht müssen Sie an der einen oder anderen Stelle Kompromisse eingehen. Dennoch bedeutet so eine Einzelauswahl nicht, dass Sie sich verbiegen sollten.

    Meißnitzer dazu: „Das sollten Sie möglichst gar nicht in Erwägung ziehen. Es geht nicht um Anpassung. Es geht um den Abgleich der Übereinstimmungen – für beide Seiten.“ Ihr Tipp: „Machen Sie eine Soll/Ist Liste. Sammeln Sie stimmige, passgenaue Argumente und Beispiele auf die Frage, warum Sie für diese Stelle besonders geeignet sind. Fragen Sie sich, wie Sie sich präsentieren wollen und welche Botschaft Sie herüberbringen wollen.“

  4. Kennen Sie die wichtigsten Einzelassessment Center Formate.

    Dazu ist zu sagen, dass die Formate im Einzelassessment denen von Assessment Centern stark ähneln. Der Hauptunterschied ist, dass ein typischer Bestandteil mangels anderer Teilnehmer wegfällt, nämlich die Gruppendiskussion im Assessment.

    Allerdings kann es vorkommen, dass so eine Situation mit Personalern oder Consultants aus einer Beratungsfirma nachgestellt wird. Daher ist es sinnvoll, sich geistig und inhaltlich auf Diskussionen als auch auf die folgenden Formate einzustellen:

    • Strukturiertes Interview

      Üblicherweise gibt es eine längere Interviewphase, die unterschiedliche Schwerpunkte haben kann. Manche strukturierten Interviews legen den Fokus auf die Biographie des Bewerbers, andere sind situativ angelegt.


      In jedem fall sollten Sie schnell auf den Punkt kommen, denn es liegt an Ihnen in der knappen Zeit das zu sagen, was den potenziellen Arbeitgeber überzeugt – nicht mehr und nicht weniger. Bereiten Sie sich auf Fragen zu Ihrem beruflichen Werdegang, Ihren Erfolgen und Misserfolgen, Ihrem Führungsverständnis sowie dem Umgang mit schwierigen Situationen vor. Denken Sie auch über Ihre Werte, Motivationen und Einstellungen nach. Untermauern Sie Ihre Aussagen jeweils mit passenden Beispielen dazu.

    • Fallstudie

      Die Fallstudie (auch Case Study genannt) im Einzelassessment hat in der Regel mit dem zu tun, was in der neuen Position auf Sie zukommen kann. Sie bekommen umfangreiches Material zu einer komplexen Aufgabe und einer klaren Aufgabenstellung. Meist geht es um eine herausfordernde Situation, in der sich das Unternehmen befindet und zu der Sie ein Lösungskonzept entwickeln sollen.

      In der sehr knapp bemessenen Zeit ist es an Ihnen, die Ausgangslage zu erfassen, das Problem zu analysieren und eine Entscheidung zu treffen. Üblicherweise wird anschließend an die Fallstudie das Ergebnis in einer Präsentation den Entscheidungsträgern vorgestellt, die sich kritisch dazu äußern werden.

      Wichtig: Vorrangig geht es hier darum, die Aufgabe zu erfüllen und zu einem Ergebnis zu kommen, nicht allein, das Problem darzustellen. Da die vollumfassende Erarbeitung eines Lösungskonzepts angesichts des Zeitfensters völlig unrealistisch ist, ist diese Aufgabe einerseits bewusst so angelegt, um die Stresstoleranz des Bewerbers zu testen.

      Ihrerseits geht es darum, Prioritäten zu setzen; in einer ersten Sichtung müssen Sie wichtige Informationen von unwichtigen trennen. Perfektionismus kann sich bei dieser Aufgabe niemand leisten, stattdessen sollten Sie eher Mut zur Lücke haben.

      Setzen Sie dazu gezielt geeignete Tools ein, Meißnitzer empfiehlt beispielsweise solche wie SWOT-Analyse, Szenariotechnik, Delphinstrategie, Projekt-Management oder auch Eisenhower-Prinzip.

    • Präsentation

      Wenn Sie eine Fallstudie bearbeiten müssen, werden Sie anschließend Ihr Ergebnis präsentieren müssen. Dabei geht es aus Personalersicht nicht allein um das Ergebnis, sondern auch, wie Sie Ihre Präsentation aufgebaut haben und darstellen. Achten Sie daher darauf, dass Sie Ihr Konzept übersichtlich und lesbar darstellen, wenn Sie beispielsweise mit Flip-Charts arbeiten.

    • Rollenspiele

      In Rollenspielen haben die Entscheider die Möglichkeit, das Verhalten des Bewerbers in nachgestellten Gesprächssituationen zu beurteilen. Für diese Aufgabe im Einzelassessment bietet sich das Mitarbeitergespräch an, in dem Sie sich meist einem Personaler oder teilweise Schauspieler in der Rolle eines Mitarbeiters gegenübersehen.

      Hier kann es um kritische Situationen wie das Überbringen schlechter Nachrichten oder ein Feedbackgespräch gehen. Denkbar sind ebenfalls Gesprächssituationen wie ein Kundengespräch oder die Moderation eines Teammeetings, je nachdem, wie passend es zu Ihrer Zielposition ist.

      Meißnitzer berichtet aus ihrer Erfahrung: „Beobachtet werden in der Regel zwei Aspekte, nämlich Ihre Art der Begegnung und der Beziehungsaufbau einerseits und Ihr Know-how in der Anwendung rhetorischer Strukturen andererseits.“ Zur Vorbereitung sollten Sie sich daher fragen, was für Ihre Zielposition Sinn ergibt. Beschäftigen Sie sich mit Themen wie Gesprächsführung, Gesprächsstrukturen, Argumentation, Fragetechniken sowie konstruktiver Kritik.

  5. Bleiben Sie authentisch.

    Eine große Rolle spielt bei alledem Ihre Selbstpräsentation. Eine gute Vorbereitung und die Selbstreflexion vorab spielen dabei eine zentrale Rolle.

    Hierbei geht es allerdings nicht darum, dem Unternehmen etwas vorzuspielen, sondern sich der Eigenschaften und Stärken bewusst zu werden, die in Ihnen stecken und die Sie für dieses Unternehmen qualifizieren. Sollte am Ende des Einzelassessments herauskommen, dass die Vorstellungen voneinander abweichen und eine Zusammenarbeit nicht gewünscht sein, ist das völlig in Ordnung.

    Denn das Einzelassessment ist die Gelegenheit, genau dies zu überprüfen. Selbst wenn auf fachlicher Ebene alles passt, muss es auf menschlicher Ebene noch längst nicht harmonieren.

Allgemeine Tipps zum Einzelassessment

Letztlich ist die Vorbereitung auch typabhängig: Wie viel Vorbereitung tut Ihnen gut und ab wann wird es zu viel? Manch einer muss bis ins letzte Detail durchgeplant haben, andere improvisieren lieber. Das ist individuell sehr unterschiedlich und Sie sollten für sich die richtige Mischung erkennen.

Meißnitzer rät auch zur strikten Trennung der Vorbereitungphase und Umsetzungsphase, da sie energetisch völlig verschieden seien:

Durch die Vorbereitung sind Sie automatisch klarer, sicherer und pro-aktiver. Sie wissen warum Sie hier sind und was Ihr Ziel ist. Sie kennen Ihre Strategien und wissen was Sie transportieren wollen. Dadurch gestalten Sie das was da passiert pro-aktiv mit. Sie sind ein Partner auf Augenhöhe. Während des Einzelssessments sollten Sie nicht mehr nachdenken über das was Sie vorbereitet haben. Damit würden Sie an Echtheit verlieren. Lassen Sie einfach los. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Unbewusstes die ganze Vorbereitung automatisch ins Hier und Jetzt integriert. Seien Sie wach und präsent, folgen Sie Ihrer Intuition, gehen Sie in Kontakt und zeigen Sie sich von Ihrer besten, professionellen Seite.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com, Heidemarie Meißnitzer]
15. Oktober 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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