Urlaubssperre: Wann ist sie erlaubt?

Sie wollen Ihren Urlaub planen? Doch dann kommt alles ganz anders: Urlaubssperre. Für den gewünschten Zeitraum will Ihnen der Chef keine freien Tage geben. Frust ist jetzt programmiert. Doch halt! Ist die Urlaubssperre vom Arbeitgeber überhaupt erlaubt und zulässig? Als Mitarbeiter haben Sie schließlich einen Anspruch auf Erholungsurlaub. Hier erfahren Sie, was eine Urlaubssperre bedeutet, wann sie erlaubt ist und was Sie dazu wissen sollten…

Urlaubssperre: Wann ist sie erlaubt?

Definition: Was ist eine Urlaubssperre?

Urlaubssperre Definition rechtens erlaubtAls Urlaubssperre wird allgemein das Verbot für Mitarbeiter verstanden, in einem bestimmten Zeitraum Urlaub zu nehmen. Wann genau eine solche Urlaubssperre verhängt wird, variiert je nach Unternehmen. Manche Arbeitgeber schreiben vor, dass in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten alle Mitarbeiter im Betrieb sein sollen, andere genehmigen im Frühjahr keine Freizeit.

Für Arbeitnehmer kann eine Urlaubssperre gleich mehrere Probleme mitbringen. Eine gewünschte Reise ist nicht möglich, die gewünschte Erholung muss verschoben werden oder der eigene Urlaub lässt sich nicht mit den freien Tagen des Partners vereinbaren. Kaum verwunderlich, dass eine Urlaubssperre für Streit im Betrieb sorgen kann.

Bei einer Auseinandersetzung haben Mitarbeiter durchaus Chancen, denn eine Urlaubssperre ist nicht leicht zu rechtfertigen. Im Klartext: Ohne guten Grund darf ein Arbeitgeber den Urlaubswunsch von Mitarbeitern nicht ablehnen. In § 7 des Bundesurlaubsgesetzes heißt es dazu:

Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, dass ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer […] entgegenstehen.

An eine Urlaubssperre werden vom Gesetz hohe Ansprüche gestellt. So ist es legitim, dass ein Arbeitgeber einen Urlaubsantrag verwehrt, wenn bereits mehrere andere Kollege für denselben Zeitraum frei genommen haben. Hier muss unter sozialen Gesichtspunkten eine Entscheidung getroffen werden. Arbeitnehmer mit Kindern haben beispielsweise ein größeres Interesse auf Urlaub in den Schulferien als kinderlose Kollegen. Einen festen Anspruch auf Urlaub in den Ferien haben berufstätige Eltern hingegen nicht.

Weitere triftige Gründe, die eine Urlaubssperre rechtfertigen können, sind:

  • Besonders hoher Personalbedarf zu bestimmten Zeiten: Im Einzelhandel ist das Vorweihnachtsgeschäft oftmals die wichtigste Zeit des Jahres, in der ein Großteil des Umsatzes gemacht wird. Hier kann es rechtens sein, eine Urlaubssperre zu verhängen, um den großen Personalbedarf in dieser Zeit stemmen zu können.
  • Einhaltung von wichtigen Deadlines: Müssen in der Buchhaltung beispielsweise die Jahresabschlüsse fertiggestellt werden, kann ein wichtiger betrieblicher Grund vorliegen.
  • Krankheitswelle unter den Mitarbeitern: Fallen aufgrund einer Krankheit mehrere Mitarbeiter gleichzeitig aus, kann der Chef einen kurzfristigen Urlaubsantrag für diese Zeit ablehnen.
  • Große und unerwartete Auftragslage: Viele Aufträge sind wünschenswert. Kommt in kurzer Zeit und überraschend sehr viele Aufträge auf einmal, die kaum bewältigt werden können, kann dies dazu führen, dass kurzfristig eine Urlaubssperre ausgesprochen wird.

Als Gegenteil einer Urlaubssperre können Betriebsferien dazu führen, dass Sie einen Teil Ihres Urlaubs zu einer vom Unternehmen vorgegebenen Zeit nehmen müssen. Nimmt ein Arzt mit eigener Praxis beispielsweise Urlaub, können die angestellten Arzthelfer in dieser Zeit nicht arbeiten – wie bei der Urlaubssperre müssen auch hier dringende betriebliche Gründe vorliegen.

Urlaubssperre einhalten: Sonst droht die Kündigung

Urlaubssperre rechtens einhalten KonsequenzenVerweigert der Chef den Urlaub, ist Ihr Ärger verständlich. Gerade wenn der Urlaub mit dem Partner abgestimmt werden soll, ist es schwierig genug, gemeinsame Termine zu finden. Schießt der Arbeitgeber dann quer, bleiben Diskussionen selten aus.

Sollten keine wichtigen betrieblichen Gründe vorliegen, können Sie sich gegen eine Urlaubssperre wehren. Wurde diese hingegen rechtmäßig verhängt, müssen Sie sich daran halten. Falls Ihnen der Gedanke kommt, sich über die Sperre hinwegzusetzen, sollten Sie diesen gleich wieder verwerfen: Wer ohne ausdrückliche Erlaubnis vom Chef in den Urlaub geht, riskiert ernste arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung. Selbstbeurlaubung ist kein Kavaliersdelikt. Da kennen die meisten Arbeitsrichter keine Gnade.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten rund um die Urlaubssperre

Zur Urlaubssperre und damit verbundenen Problemen gibt es immer wieder Streitigkeiten und auf Seiten von Arbeitnehmern viele offene Fragen. Wir beantworten in unserem kleinen FAQ die häufigsten und wichtigsten Fragen rund um die Urlaubssperre:

  • Kann genehmigter Urlaub zurückgenommen werden?

    Sie haben bereits vor einigen Monaten Urlaub eingereicht, der Chef hat diesen genehmigt – doch kurz vor Ihrem Urlaub wird eine Urlaubssperre verhängt. Und jetzt? Erst einmal gilt: Kein Grund zur Sorge! Hat der Chef Ihrem Urlaub bereits zugestimmt, gilt dies auch weiterhin. Genehmigter Urlaub kann in der Regel nicht zurückgenommen werden, daran ändert auch eine kurzfristig auftretende Urlaubssperre nichts.

    Einzige Ausnahme sind absolute Notfälle im Unternehmen. Droht beispielsweise der gesamte Betrieb zum Erliegen zu kommen und es gibt keine Alternative, auf die der Arbeitgeber zurückgreifen kann, ist es möglich, Urlaub zu widerrufen. Hierbei handelt es sich um seltene Einzelfälle.

  • Muss ich im Urlaub erreichbar sein?

    Im Urlaub kommt eine Mail vom Chef, der Sie dringend im Betrieb braucht und fragt, ob Sie Ihre freie Zeit verkürzen können. Erholung und Entspannung sieht anders aus. Grundsätzlich gilt jedoch: Sie müssen in Ihrem Urlaub nicht erreichbar sein. Wenn Ihr Chef Sie während der Urlaubszeit nicht erreichen kann, brauchen Sie keine Konsequenzen zu fürchten. Auch sind Sie nicht verpflichtet, vor dem Urlaub Kontaktmöglichkeiten wie eine Telefonnummer oder die Adresse Ihres Hotels anzugeben.

    Daran ändert eine Urlaubssperre nichts. Sollten Sie trotzdem erreichbar sein, müssen Sie zudem bei einer kurzfristig auftretenden Urlaubssperre nicht vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehren. Sollten Sie es doch tun, handeln Sie freiwillig. Wer sich zu diesem Schritt entscheidet, sollte darauf bestehen, dass der Arbeitgeber entstehende Kosten (früherer Rückflug, Stornierungskosten…) übernimmt.

  • Wie lang kann eine Urlaubssperre sein?

    In der Praxis beschränkt sich eine Urlaubssperre meist auf einen überschaubaren Zeitraum. So werden im Einzelhandel oft zwei oder drei Wochen vor Weihnachten zur urlaubsfreien Zeit erklärt. Eine Regelung, um die Dauer der Urlaubssperre zu begrenzen, gibt es allerdings nicht.

    Entscheidend ist, wie lange die dringenden betrieblichen Gründe andauern, die zur Urlaubssperre führen. Haben diese langfristig Bestand, kann auch die Urlaubssperre über einen langen Zeitraum andauern. Dies kann gerade in Saisonbetrieben vorkommen.

  • Besteht in der Probezeit Urlaubssperre?

    Viele Arbeitnehmer gehen davon aus, dass sie in der Probezeit einer Urlaubssperre unterliegen. Das ist ein verbreiteter Irrtum! Ab dem ersten Monat steht Ihnen ein anteiliger Urlaubsanspruch zu, egal ob Probezeit oder nicht.

    Mit jedem Monat in der Probezeit steht Ihnen ein Zwölftel Ihres Jahresurlaubs zu, bei einem Gesamtanspruch von 24 Tagen macht das zwei freie Tage pro Monat.

[Bildnachweis: Dima Sidelnikov by Shutterstock.com]
21. Mai 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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