Krankschreiben lassen: Was Sie beachten müssen

Als Arbeitnehmer sind Sie per Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, mit vollem Einsatz auf der Arbeit Ihre Leistung zu erbringen. Wer jedoch krank ist, ist dazu nicht in der Lage. Sind Sie vorübergehend stark eingeschränkt, müssen Sie sich krankschreiben lassen. Für Arbeitnehmer gibt es hierbei diverse Unterschiede zu beachten, die je nach Arbeitsvertrag greifen. Was Sie wissen müssen, wenn Sie krank werden, welche Besonderheiten es gibt, wenn Sie gerade im Urlaub sind, lesen Sie hier…

Krankschreiben lassen: Was Sie beachten müssen

Krankschreiben lassen: Notwendig oder nicht?

Wer krank ist, sollte Zuhause und – falls nötig – im Bett bleiben. Je nach Art und Dauer Ihrer Erkrankung müssen Sie sich krankschreiben lassen. Festgehalten ist dies im sogenannten Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG), das Ihnen als Arbeitgeber garantiert, dass Sie auch im Krankheitsfall Ihr Gehalt weiterhin bezahlt bekommen.

Dort heißt es in § 5, Absatz 1:

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. (…)

Das heißt, von gesetzlicher Seite aus könnten Sie drei Tage lang krank sein und am vierten Tag wieder zur Arbeit erscheinen, ohne sich krankschreiben lassen zu müssen.

Bei kurzen Unpässlichkeiten wie Kopfschmerzen oder plötzlichen Rückenschmerzen kann das ausreichen. Ebenso, wenn Sie beispielsweise bereits am Wochenende eine Erkältung hatten, könnten Sie Mittwoch fit genug für eine Rückkehr zum Arbeitsplatz sein.

Ist aber für Sie abzusehen, dass Sie sich lange krankschreiben lassen müssen, weil Sie sich etwa beim Sturz die Hand gebrochen haben, müssen Sie sich sofort krankmelden und Ihrem Arbeitgeber mitteilen, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden.

Unabhängig davon, ob eine Erkrankung nur von kurzer Dauer ist oder nicht, kann der Arbeitsvertrag allerdings eine vom Gesetz abweichende Regelung vorsehen. Denn weiter heißt es im Entgeldfortzahlungsgesetz:

Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

Manche Arbeitgeber verlangen ausnahmslos für jede Erkrankung vom ersten Tag an ein Attest. Das ist für den Arbeitnehmer lästig, wenn er selbst am besten einschätzen kann, ob und wie lange er ausfallen wird, denn bei einer Erkältung bessern sich die Symptome oftmals binnen weniger Tage.

Andererseits zeugt es natürlich nicht gerade von einem tollen Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter, wenn letzterer sich gleich für jedes Bisschen krankschreiben lassen muss. Und Betrug (dazu weiter unten) wird damit auch nicht wirklich vorgebeugt.

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2 Wochen krank melden: Geht das überhaupt?

Den Begriff krankfeiern wörtlich zu verstehen und einfach mal drei Tage die Arbeit sein zu lassen, ist also möglich, sofern Sie nicht bereits am ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen müssen.

Dafür brauchen Sie lediglich einen Anfall akuter Unlust und ein möglichst gering ausgeprägtes schlechtes Gewissen – voilà, schon können Sie Zuhause bleiben. Sich gesund 2 Wochen krankschreiben zu lassen, ist schon ein anderes Kaliber. Denn dafür müssen Sie nicht nur am Telefon etwas röcheln und niesen, sondern beim Arzt vorstellig werden.

Der ist dazu verpflichtet, Ihren gesundheitlichen Zustand persönlich festzustellen und kann Ihnen dann erst das gewünschte Attest, also eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, ausstellen.

Somit sind übrigens auch keine rückwirkend ausgestellten Krankschreibungen möglich, denn wie Sie sich eine Woche zuvor gefühlt haben, kann der Arzt natürlich nicht im Nachhinein feststellen. Damit soll Missbrauch vorgebeugt werden, wenngleich es gemäß der Arbeitsunfähigkeitsrichtlinien (PDF) der Krankenkassen bei gewissenhafter Prüfung eine Ausnahme von bis zu drei Tagen geben kann.

Stellt sich die Frage: Kann man sich wirklich lange krankschreiben lassen, ohne dass es auffliegt? Tatsächlich geht das offenbar gar nicht so schwer, denn einige Krankheiten lassen sich entsprechend simulieren und sind von ärztlicher Seite nur schwer oder gar nicht zu überprüfen:

  • Bauchschmerzen,
  • Burnout-Symptome,
  • Depressionen,
  • Ermüdungserscheinungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Magenschleimhautentzündungen,
  • Rückenschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • Schwindel und
  • Übelkeit.

Krankschreiben wegen… Rückenschmerzen, Stress, Psyche

Gerade krankschreiben lassen wegen Rückenschmerzen dürfte wenig Misstrauen erwecken: Gemäß DAK-Gesundheitsreport 2018 (PDF) ist dies direkt nach Atemwegsinfekten die zweithäufigste Ursache.

Letzteres lässt sich vom Arzt mittels Abhören der Bronchien zumeist feststellen, kein besonders großer Aufwand, einen Atemwegsinfekt wie etwa eine Bronchitis, zu diagnostizieren. Bei Rückenschmerzen hingegen können je nach Tätigkeit bereits die Arbeitsbedingungen ausreichen, um sie einem Arzt plausibel erklären zu können.

Allerdings lassen sich Rückenschmerzen – sofern nicht tatsächlich ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wird – ähnlich leicht wie Schnupfen in den Griff kriegen, so dass viele Arbeitnehmer mit Ruhe und Wärme bereits die Symptome lindern können. Inwieweit Sie sich hierfür lange krankschreiben lassen können, dürfte vom Arzt abhängen.

Burnout, Depressionen sowie psychische Erkrankungen generell werden üblicherweise nicht innerhalb weniger Tage auskuriert. Es gibt allerdings keine allgemein verbindlichen Vorgaben dafür: Es dauert so lange, wie es dauert. Wer also daran erkrankt ist, wird vom Arzt auf längere Sicht zu einem Psychiater überwiesen werden und eine Therapie verordnet bekommen.

Betroffene müssen bei längerem Arbeitsausfall keine Befürchtungen in finanzieller Hinsicht haben: Die ersten sechs Wochen sind durch die Lohnfortzahlung gedeckt. Sollten Sie darüber hinaus krankgeschrieben sein, springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.

Krankschreiben lassen Tipps: So verhalten Sie sich korrekt

Krankschreiben lassen Tipps 2 Wochen Stress Rückenschmerzen beste Ausreden lange PsycheWir geben Ihnen hier Tipps, was Sie beachten sollten, wenn Sie sich zu Beginn Ihres Arbeitstages nicht wohl fühlen:

  • Arbeitgeber benachrichtigen

    An erster Stelle müssen Sie Ihren Arbeitgeber – am besten persönlich am Telefon – darüber informieren, dass Sie krankheitsbedingt ausfallen.

  • Krankschreiben lassen

    Lassen Sie sich vom Arzt krankschreiben und reichen sie das Attest ein. Selbst wenn Sie erst am vierten Tag dazu verpflichtet sind – auf der sicheren Seite sind Sie so.

  • Krankheitsdauer mitteilen

    Rufen Sie erneut auf der Arbeit an, um Ihren Chef wissen zu lassen, wie lange Sie ausfallen werden und wann wieder mit Ihrem Einsatz zu rechnen ist.

  • Bedingungen ermitteln

    Vergewissern Sie sich, dass Sie rechtzeitig die Krankmeldung vorlegen – wer direkt am ersten Tag einen Attest braucht, ist am dritten Tag bei längerem Ausfall definitiv zu spät: Das ist ein Kündigungsgrund!

  • Daten kontrollieren

    Wer sich nur drei Tage hat krankschreiben lassen und dennoch danach krank fühlt, braucht eine Folgebescheinigung. Denken Sie auch hier daran, diese rechtzeitig ausstellen zu lassen und einzureichen.

Krankschreiben lassen: Sonderfall im Urlaub

Wer im Urlaub krank wird, hat richtig Pech gehabt, denn natürlich dient der Urlaub der Erholung und nicht dem Auskurieren von Krankheiten. Darüber hinaus haben Sie vermutlich wenig Lust, sich auch noch auf die Suche nach einem Arzt zu begeben. Allerdings werden Sie nicht daran vorbeikommen, selbst im Ausland nicht.

Denn wer im Urlaub erkrankt, muss sich bereits am ersten Tag krankschreiben lassen – ganz gleich, ob sonst der dritte Tag zur Mitteilung reicht. Suchen Sie also einen Arzt auf und lassen Sie sich schriftlich belegen, dass Sie arbeitsunfähig sind.

Außerdem haben Sie Ihren Arbeitgeber sofort zu benachrichtigen und ihm das Attest zuzuschicken. Darüber hinaus müssen Sie Ihre Adresse und Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie am Urlaubsort erreichbar sind. Wer nicht sofort zum Arzt geht und sich seine Krankheit bestätigen lässt, büßt seinen Urlaub ein.

Gemäß Bundesurlaubsgesetz § 9 steht der Ihnen aber nach wie vor zu. Denken Sie außerdem daran, sich keineswegs selbst zu beurlauben, indem Sie etwa die Krankheitstage an den Urlaub dranhängen: Auch das wäre ein Kündigungsgrund.

Krank? Beste Ausreden

Sich möglichst lange krankschreiben lassen, das ist das erklärte Ziel etlicher Suchanfragen bei Google. Das wirft einige Fragen auf. Hinsichtlich der Arbeitsmoral, aber auch der Arbeitsbedingungen.

Es scheint offenbar ein großer Bedarf an freier Zeit zu existieren oder andersherum: Eine Vielzahl von Arbeitnehmern scheint ihren Job nicht sonderlich zu mögen. Anders ist es schwerlich zu erklären, dass Menschen sich informieren, wie sie sich zwei Wochen krankschreiben lassen können.

Ausreden wie die obigen dürften kaum ernsthaft als Krankmeldung durchgehen, daher taugen sie bestenfalls als Scherz. Wer vorhat, sich freie Tage zu erschwindeln, sollte allerdings Folgendes bedenken:

  • Sie untergraben die Moral.

    Sie lassen Ihren Arbeitgeber, aber vor allem Ihre Kollegen im Stich – denn Ihre Arbeit muss im Zweifelsfall jemand anderer machen.

  • Es handelt sich um Betrug.

    Denn mutwillig zuhause bleiben oder sich durch einen Arzt länger krankschreiben lassen, obwohl Sie eigentlich gesund sind, kommt einer Arbeitsverweigerung gleich und kann die fristlose Kündigung zur Folge haben. Zwar ist Schmerzempfinden individuell, aber spätestens, wenn der Mitarbeiter, der wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben ist, dabei entdeckt wird, wie er anderem beim Umzug hilft, dürfte er in Erklärungsnot geraten.

[Bildnachweis: sirtravelalot by Shutterstock.com]
28. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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