Krankschreiben lassen: Was Sie beachten müssen

Wer krank ist, sollte sich krankschreiben lassen. Spätestens nach drei Tagen. Wenn der Schädel brummt, der Hals kratzt und die Nase läuft, ist an Arbeiten nicht zu denken. Je nach Arbeitsvertrag können Sie auch zu mehr verpflichtet sein. Wir klären die wichtigsten Fragen rund ums Krankschreiben lassen: Geht das auch per Telefon? Wie sieht es nach einer Kündigung aus? Das und welche Besonderheiten es gibt, wenn Sie gerade im Urlaub sind, lesen Sie hier…

Krankschreiben lassen: Was Sie beachten müssen

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Krankschreiben lassen: Wegen Krankheit

Arbeitnehmer, die länger als drei Tage krank sind, müssen sich krankschreiben lassen. Nachweisen müssen sie ihre Erkrankung mit einem ärztlichen Attest, das sie spätestens am darauffolgenden Tag dem Arbeitgeber vorzulegen haben. Festgehalten ist dies in § 5, Absatz 1 im sogenannten Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG). Das garantiert Ihnen als Arbeitnehmer die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Gesetzlich könnten Sie drei Tage lang krank sein und am vierten Tag wieder zur Arbeit erscheinen, ohne sich krankschreiben lassen zu müssen. Das reicht für kurze Unpässlichkeiten wie Kopfschmerzen oder in Kombination mit dem Wochenende meist aus. Ist aber abzusehen, dass Sie länger ausfallen, müssen Sie sich sofort krankmelden. Sie sind verpflichtet Ihrem Arbeitgeber mitzuteilen, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden.

Abweichende Regelungen im Arbeitsvertrag möglich

Das Entgeltfortzahlungsgesetz erlaubt unabhängig davon, wie lange Ihre Erkrankung dauert, eine abweichende Regelung. Diese findet sich im Arbeitsvertrag. Manche Arbeitgeber verlangen ausnahmslos für jede Erkrankung vom ersten Tag an ein Attest. Das ist zulässig. Arbeitnehmer müssen sich dann daran halten.

Corona: Krankschreiben lassen per Telefon

Üblicherweise ist der Arzt verpflichtet, seine Patienten persönlich in Augenschein zu nehmen. Seit Corona ist alles anders. Bereits während der ersten Welle gab es die Möglichkeit, sich per Telefon krankschreiben zu lassen. Nun gilt erneut:

Bei leichten Atemwegserkrankungen darf der Arzt bis zu einer Woche krankschreiben. Er muss sich am Telefon anhand von Fragen einen persönlichen Eindruck verschaffen. Sollten Sie mit Ablauf der Woche nach wie vor krank sein, ist per Telefon eine einmalige Verlängerung um eine weitere Woche möglich. Diese Sonderregelung gilt vorläufig bis zum 31. März nächsten Jahres.

Kann man sich wegen Corona krankschreiben lassen?

Im ersten Moment eine irritierende Frage, schließlich handelt es sich bei Corona um eine hochinfektiöse Krankheit. Wurden Sie getestet und weisen Sie typische Symptome auf, erhalten Sie eine Krankschreibung. Aber: Wer trotz positivem Corona-Test symptomfrei ist, kann sich nicht automatisch krankschreiben lassen.

Die Krankschreibung ist an entsprechende Beschwerden gebunden. Die Lohnfortzahlung bleibt dennoch gewährt. Bei einem positiven Corona-Bescheid greift das Infektionsschutzgesetz. Das bedeutet, Sie müssen sich auf Anordnung des Gesundheitsamtes in Quarantäne begeben. In dem Fall reichen Sie den behördlichen Bescheid bei Ihrem Chef ein.


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Krankschreiben lassen: Nach Kündigung

Erhält ein Arbeitnehmer die Kündigung, ist das zunächst ein Schock. Wollen Sie sich nach einer Kündigung krankschreiben lassen, ist das aus ärztlicher Sicht problemlos zu begründen. Zumal Arbeitnehmer die Zeit der Krankschreibung sinnvoll nutzen können: Sie müssen sich binnen drei Tagen arbeitslos melden. Auch wenn Sie Widerspruch einlegen und eine Kündigungsschutzklage anstreben, haben Sie eine Frist von drei Wochen zu beachten.

Die Gesundheit geht natürlich in jedem Fall vor. Allerdings sollten Sie sich gut überlegen, ob und vor allem wie lange Sie sich nach einer Kündigung krankschreiben lassen: Wer eine Krankheit vortäuscht, begeht Betrug. Hinzu kommt, dass Sie mit dem Arbeitsvertrag bis zu seiner Beendigung eine Verpflichtung eingegangen sind. Zwei wichtige Aspekte sollten Sie daher bedenken:

  • Arbeitszeugnis
    Sie wollen am Ende mit einem guten Arbeitszeugnis aus diesem Job scheiden. Das ist Ihre Visitenkarte für die nächste Tätigkeit.
  • Kündigungsschutzklage
    Auch im Falle einer Kündigungsschutzklage sieht eine schwindende Arbeitsmoral nicht gut aus. Sie schwächt Ihre Verhandlungsposition.
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Gesund krankschreiben lassen?

Wer nicht schon am ersten Tag ein Attest vorlegen muss, kann den Begriff krankfeiern wörtlich nehmen und sich drei freie Tage erschwindeln. Sich gesund zwei Wochen krankschreiben zu lassen, ist ein anderes Kaliber. Auch wenn derzeit Sonderregelungen existieren. Normalerweise darf Ihr Arzt Ihnen nur nach persönlicher Untersuchung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen.

Rückwirkend ausgestellte Krankschreibungen sind nicht möglich. Wie Sie sich eine Woche zuvor gefühlt haben, kann der Arzt nicht im Nachhinein feststellen. Damit soll Missbrauch vorgebeugt werden. Allerdings können Krankenkassen bei gewissenhafter Prüfung eine Ausnahme von bis zu drei Tagen geben.

Kann man sich also lange krankschreiben lassen, ohne dass es auffliegt?

Prinzipiell ist das möglich. Einige Krankheiten lassen sich simulieren. Entsprechend sind von ärztlicher Seite nur schwer oder gar nicht zu überprüfen:

Vorsicht beim Blaumachen

Wer vorhat, sich freie Tage zu erschwindeln, sollte Folgendes bedenken:

  • Sie untergraben die Moral
    Sie lassen Ihren Arbeitgeber, aber vor allem Ihre Kollegen im Stich. Ihre Arbeit muss im Zweifelsfall jemand anderer machen.
  • Es handelt sich um Betrug
    Mutwillig zuhause bleiben oder sich vom Arzt länger krankschreiben lassen, obwohl Sie eigentlich gesund sind, kommt einer Arbeitsverweigerung gleich. Das kann die fristlose Kündigung zur Folge haben. Zwar ist Schmerzempfinden individuell. Aber spätestens, wenn der Mitarbeiter, der wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben ist, dabei entdeckt wird, wie er anderen beim Umzug hilft, dürfte der in Erklärungsnot geraten.
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Krankschreiben wegen Rückenschmerzen, Stress, Mobbing

Sich krankschreiben lassen wegen Rückenschmerzen – das weckt wenig Misstrauen. Gemäß DAK-Gesundheitsreport ist dies direkt nach Atemwegsinfekten die zweithäufigste Ursache. Letzteres lässt sich vom Arzt mittels Abhören der Bronchien feststellen. Bei Rückenschmerzen hingegen können je nach Tätigkeit bereits die Arbeitsbedingungen ausreichen, um sie einem Arzt plausibel erklären zu können.

Psychische Belastungen

Burnout, Depressionen sowie psychische Erkrankungen generell werden nicht innerhalb weniger Tage auskuriert. Es gibt allerdings keine allgemein verbindlichen Vorgaben dafür. Bedeutet: Es dauert so lange, wie es dauert. Wer daran erkrankt, wird vom Arzt auf längere Sicht zu einem Psychiater überwiesen. Eine Therapie ist meist die Folge.

Ähnliches gilt für Mobbing. Das zählt zwar nicht als Krankheit, weswegen Sie sich nicht „wegen Mobbings“ krankschreiben lassen können. Wer aber unter psychischen Belastungen infolge von massiven Stress auf der Arbeit leidet, kann damit zum Arzt gehen. Sich wegen den daraus resultierenden Beschwerden krankschreiben lassen – das sollten Sie auch bei einer Eigenkündigung. Das verhindert eine spätere Arbeitsamt Sperre beim Arbeitslosengeld.

Auch bei längerem Arbeitsausfall müssen Sie keine Angst haben: Die ersten sechs Wochen sind durch die Entgeltfortzahlung gedeckt. Sollten Sie darüber hinaus krankgeschrieben sein, springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.

Krankschreiben lassen Tipps: So verhalten Sie sich korrekt

Wir geben Ihnen hier Tipps, was Sie beachten sollten, wenn Sie sich zu Beginn Ihres Arbeitstages nicht wohl fühlen:

  • Arbeitgeber benachrichtigen
    An erster Stelle müssen Sie Ihren Arbeitgeber – am besten persönlich am Telefon – darüber informieren, dass Sie krankheitsbedingt ausfallen.
  • Krankschreiben lassen
    Lassen Sie sich vom Arzt krankschreiben und reichen sie das Attest ein. Selbst wenn Sie erst am vierten Tag dazu verpflichtet sind – auf der sicheren Seite sind Sie so.
  • Krankheitsdauer mitteilen
    Rufen Sie erneut auf der Arbeit an, um Ihren Chef wissen zu lassen, wie lange Sie ausfallen werden und wann wieder mit Ihrem Einsatz zu rechnen ist.
  • Bedingungen ermitteln
    Vergewissern Sie sich, dass Sie rechtzeitig die Krankmeldung vorlegen – wer direkt am ersten Tag einen Attest braucht, ist am dritten Tag bei längerem Ausfall definitiv zu spät: Das ist ein Kündigungsgrund!
  • Daten kontrollieren
    Wer sich nur drei Tage hat krankschreiben lassen und danach krank ist, braucht eine Folgebescheinigung. Denken Sie auch hier daran, diese rechtzeitig ausstellen zu lassen und einzureichen.

Sonderfall: Im Urlaub krankschreiben lassen

Urlaub dient der Erholung und nicht dem Auskurieren von Krankheiten. Einen Arzt aufsuchen, müssen Sie trotzdem. Auch im Ausland. Wer im Urlaub erkrankt, muss sich bereits am ersten Tag krankschreiben lassen – ganz gleich, ob sonst der dritte Tag zur Mitteilung reicht. Suchen Sie also sofort einen Arzt auf und lassen Sie sich schriftlich belegen, dass Sie arbeitsunfähig sind.

Überdies müssen Sie Ihren Arbeitgeber umgehend benachrichtigen und ihm das Attest zuzuschicken. Ebenso müssen Sie Ihre Adresse und Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie am Urlaubsort erreichbar sind. Wer nicht sofort zum Arzt geht und sich die Krankheit bestätigen lässt, büßt seinen Urlaub ein. Gemäß Bundesurlaubsgesetz § 9 steht Ihnen der nur weiterhin zu, wenn Sie krankgeschrieben sind. Denken Sie außerdem daran, sich keineswegs selbst zu beurlauben, indem Sie etwa die Krankheitstage an den Urlaub dranhängen: Auch das wäre ein Kündigungsgrund.

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[Bildnachweis: leedsn by Shutterstock.com]

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7. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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