Krank in der Probezeit: Das müssen Sie wissen

Sie wollen im neuen Job durchstarten, einen guten Eindruck machen und den Chef überzeugen – doch dann werden Sie krank in der Probezeit. Niemand sucht sich aus, wann er krank wird, doch bleibt es ein unglücklicher Zeitpunkt, da Zuverlässigkeit und Leistung auf dem Prüfstand stehen. Mitarbeiter sorgen sich deshalb: Kann ich gekündigt werden, wenn ich in der Probezeit krank werde? Aus Angst gehen viele sogar krank in der Probezeit zur Arbeit. Wie schlimm ist eine Krankheit in der Probezeit wirklich? Wir zeigen, was Sie wissen und beachten müssen…

Krank in der Probezeit: Das müssen Sie wissen

Krank in der Probezeit: Droht die Kündigung?

Die dringlichste und häufigste Frage, die Arbeitnehmer beschäftigt: Kann mein Arbeitgeber mich aufgrund einer Krankheit in der Probezeit entlassen? Die Antwort darauf findet sich in § 622 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Hier heißt es:

Während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von sechs Monaten, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Diese Regelung gilt für Sie und das Unternehmen. Soll heißen: Der Arbeitsvertrag kann innerhalb der Probezeit mit einer Frist von zwei Wochen ohne jede Begründung gekündigt werden. Mit dem gelockerten Kündigungsschutz soll beiden Seiten ermöglicht werden, die Zusammenarbeit auszutesten. Besonderer Kündigungsschutz besteht nur während einer Schwangerschaft, Elternzeit oder bei einer Betriebsratsmitgliedschaft.

Wer in der Probezeit krank wird, kann während dieser Zeit also grundsätzlich gekündigt werden, da kein spezieller Kündigungsschutz für diesen Fall besteht.

Wann ist die Kündigung nicht rechtens?

Krank in der Probezeit: Wann darf der Arbeitgeber kündigenEine Krankheit in der Probezeit kann dem Unternehmen als Grund dienen, die Zusammenarbeit zu beenden. Doch der gelockerte Kündigungsschutz ist weiterhin an einige Regeln und Vorgaben gebunden, die Arbeitgeber einhalten müssen, um eine rechtskräftige Kündigung auszusprechen.

Immer wieder landen solche Streitigkeiten vor dem Arbeitsgericht, die dann entscheiden müssen, ob das Arbeitsverhältnis wirklich beendet wurde oder ob die Anstellung über die Dauer der Probezeit fortgeführt wird.

Werden Sie in der Probezeit gekündigt werden – egal, ob aufgrund einer Krankheit oder anderer Gründe – können mehrere Faktoren entscheiden , ob die Kündigung rechtens ist:

  • Zeitpunkt der Kündigung

    Ist die Probezeit abgelaufen, hat der Arbeitgeber auch keine Möglichkeit mehr, den fehlenden Kündigungsschutz während dieser Zeit als Grundlage für eine Kündigung zu nutzen. Dies kommt vor allem dann vor, wenn Unternehmen ganz am Ende der Probezeit kündigen wollen – wird die Frist hier verpasst, ist die Kündigung nicht rechtens.

    Wichtig ist daher ein genauer Blick in Ihren Arbeitsvertrag, da hier festgehalten wurde, bis wann die Probezeit läuft.

  • Regelungen im Arbeitsvertrag

    Auch sonst sollten Sie die Regelungen in Ihrem Arbeitsvertrag kennen und diesen nicht einfach unterschreiben und vergessen. Zunächst einmal muss die Probezeit hier überhaupt explizit geregelt sein, damit diese auch greift. Ansonsten gilt auch nicht die Regelung eines verringerten Kündigungsschutzes.

    Allerdings spielt auch die Größe des Unternehmens eine Rolle, da das Kündigungsschutzgesetz auf Kleinbetriebe weitgehend nicht anwendbar ist.

  • Formfehler beim Kündigungsschreiben

    Auch während der Probezeit muss sich die Kündigung eines Mitarbeiters an einige Vorschriften halten, wobei einige Unternehmen immer wieder unachtsam vorgehen und den Angestellten somit Möglichkeiten geben, rechtlich gegen die erteilte Kündigung vorzugehen.

  • Kündigung ist sittenwidrig

    Trotz geringem Kündigungsschutz darf die Entlassung des Mitarbeiters in der Probezeit nicht sittenwidrig sein. In der Praxis bedeutet diese Regelung, dass ein Arbeitgeber nicht willkürlich oder aus sehr abwegigen und nicht nachvollziehbaren Gründen kündigen darf.

    Ob Sittenwidrigkeit vorliegt, muss im Einzelfall das Arbeitsgericht entscheiden, allerdings kann es schwierig sein, dass Verhalten und die Aussagen des Unternehmens nachzuweisen. Zu sittenwidrigen Kündigungen zählt beispielsweise das bewusst schädigende Verhalten eines Arbeitgebers, eine Entlassung aus Rache, Mobbing, aber auch widersprüchliches Verhalten des Arbeitgeber, wenn diese beispielsweise aus einem Grund kündigt, der bereits vor Vertragsabschluss bekannt war.

Krank in der Probezeit: Sollte ich zur Arbeit gehen?

Aus Angst, dass die Krankheit in der Probezeit zum Problem wird, schleppen sich zahlreiche Arbeitnehmer selbst bei gesundheitlichen Schwierigkeiten zum Job. Fehler! Es ist verständlich, dass Sie eine mögliche Kündigung im Hinterkopf haben. Trotzdem lautet die Antwort, auf die Frage Sollte ich bei Krankheit in der Probezeit zur Arbeit gehen? in jedem Fall Nein!

Wer krank ist, sollte einen Arztbesuch machen und anschließend zum Auskurieren nach Hause. Es mag heroisch wirken, sich krank in der Probezeit ins Büro zu zwingen, schadet aber sowohl Ihnen und dem Betrieb – aus mehreren Gründen:

  • Leistung: Mit Schnupfen sowie Kopf- und Gliederschmerzen ist keiner wirklich leistungsfähig. Ihre wahrgenommene Leistung ist also gar nicht überzeugend.
  • Verbreitung: Erkältungen (und andere Krankheiten) sind ansteckend. Wer Kontakt mit vielen Menschen hat, fungiert als Virenschleuder und steckt so am Ende nur alle Kollegen an. Ihr Chef wird Ihnen den Einsatz sicherlich nicht danken, wenn im Anschluss das gesamte Team krank ausfällt.
  • Genesung: Ein kranker Körper signalisiert das Bedürfnis nach Ruhe. Oft sind Stress und andere Belastungen Auslöser. Der Körper verschafft sich selbst eine dringend benötigte Pause. Die sollten man ihm auch gönnen, sonst dauert die Krankheit nur länger.
  • Langzeitfolgen: Wer sich nicht ordentlich auskuriert, die Krankheit verschleppt, riskiert Rückfälle oder gar eine chronische Erkrankung. Der Körper wird nachhaltig geschwächt. Das kann im schlimmsten Fall die inneren Organe schädigen.

Und man sollte das ganze auch so sehen: Selbst wenn Sie eine ganze Woche ausfallen, vergehen dabei nur knapp vier Prozent Ihrer Probezeit. Auch wenn Sie dann noch Ihren Urlaubsanspruch abziehen, bleiben Ihnen mehr als hundert Tage, um Ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Wenn das nicht reicht, kommt es auf die eine Woche meist auch nicht mehr an…

Fraglich ist außerdem, wie groß das Risiko einer Kündigung tatsächlich ist: Falls Sie nicht längerfristig ausfallen oder Abschlusstermine in Gefahr sind, können Sie Ihr Pensum nacharbeiten. So stellen Sie Ihre Flexibilität und Einsatzbereitschaft erst Recht unter Beweis. Weil das die meisten Arbeitgeber genauso sehen, bleibt das Kündigungsrisiko marginal.

Wer dennoch unsicher ist, ob der Arbeitgeber, sagen wir, einen schwierigen Umgang mit Erkrankungen der Belegschaft hat, fragt am besten vorher und bei voller Gesundheit die Kollegen, wie die hiesige Kultur aussieht – und bitte nicht erst, sobald sich das erste Kratzen im Hals bemerkbar macht.

Wenn Sie allerdings einen Arbeitgeber erwischt haben, der schon bei einer kurzen Krankmeldung das Arbeitsverhältnis in Frage stellt, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, bei einem solchen unmenschlichen Laden weiterarbeiten zu wollen. Schließlich wird jeder mal krank. Und wenn schon dafür kein Verständnis herrscht, wie soll das dann erst bei Pleiten, Pech und Pannen weitergehen?

Ein Chef, der so kurzfristig denkt, wird vermutlich auch sonst keine klugen Entscheidungen treffen – oder nur solche, die auf Ausbeutung Dritter beruhen.

PS: In dem Fall schauen Sie sich doch mal in unserer Jobbörse um!

Regeln und Pflichten bei Krankheit in der Probezeit

Selbst wenn Sie auf Ihre Gesundheit achten, können Sie nicht ausschließen, in der Probezeit krank zu werden. In der Regel stellt dies kein großes Problem dar. Um mögliche Irritationen von vornherein zu vermeiden und von Ihrer Seite alles richtig zu machen, haben wir einige Regeln und Tipps, die Sie beachten sollten, wenn Sie in der Probezeit krank werden:

  • Krank melden

    Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EZFG) schreibt vor, dass Sie sich unverzüglich und in angemessener Form krank melden müssen. Wenn Sie merken, dass Sie nicht zur Arbeit gehen können, sollten Sie Ihren Chef so früh wie möglich darüber informieren. Am besten rufen Sie Ihren Vorgesetzten gleich zum offiziellen Arbeitsbeginn an, damit er umdisponieren kann. Ist er telefonisch nicht zu erreichen, schreiben Sie eine Mail und versuchen Sie es später noch einmal am Telefon.

  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen

    Achten Sie außerdem bitte darauf, ab welchem Tag Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen (Das Original mit der Diagnose geht an die Krankenkasse, der Durchschlag ohne Diagnose an den Arbeitgeber). Die Regelung dazu finden Sie in Ihrem Arbeitsvertrag: Einige Unternehmen verlangen bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vom Arzt, andere lassen Mitarbeitern drei Tage Zeit. Also Arbeitsvertrag bitte genau lesen und danach handeln, Sie riskieren sonst einen echten Kündigungsgrund.

  • Lückenlosigkeit sichern

    Erst die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Diese muss allerdings lückenlos sein. Heißt: Dauert die Genesung länger als bei der ersten Diagnose vom Arzt vermutet, muss noch am selben Tag, an dem die vorhergehende Krankschreibung endet, eine erneute erfolgen. Auch am Wochenende! Besorgen Sie sich also rechtzeitig die neue Krankschreibung für die Folgewoche spätestens am Freitag, eine Rückdatierung wird nicht anerkannt.

  • Genesung fördern

    Verpflichtet sind Arbeitnehmer außerdem, alles zu unternehmen, um schnellstmöglich wieder gesund zu werden – und alles zu unterlassen, was den Heilungsprozess verzögert. Dazu zählt auch eine verfrühte Arbeitsaufnahme. Wer gegen eine dieser Pflichten verstößt, riskiert eine Abmahnung – in der Probezeit sogar die sofortige Kündigung.

    Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie zwangsläufig die ganze Zeit im Bett liegen müssen. Bei einer Erkältung ist durchaus gestattet, an die frische Luft zu gehen und einen Spaziergang zu machen.

Neben dem Arbeitsrecht gibt es natürlich auch noch ein paar psychologische Tricks, die Sie nutzen sollten, um einen Verlust des Arbeitsplatzes in der Probezeit zu vermeiden. Dazu gehören:

  • Engagement zeigen

    Machen Sie dem Chef mit der telefonischen Krankmeldung gleich einen Vorschlag, wie Sie Ihr Pensum nach der Genesung nacharbeiten wollen. Ein netter Chef wird zwar sagen: „Jetzt werden Sie doch bitte erst mal wieder gesund!“ – aber die Botschaft hat er trotzdem vernommen.

    Und im Subtext haben Sie ihm gezeigt, dass Sie Ihren Job ernst nehmen und ans Wohl des Unternehmens denken.

  • Gespräch suchen

    Auch nach der Rückkehr in den Job sollten Sie immer das Gespräch suchen – erst recht bei einer längeren Erkrankung und wenn Sie sich nicht sicher sind, wie das auf Ihr Arbeitsverhältnis wirken könnte. Reden hilft immer und ist allemal besser als spekulieren oder erwarten.

Insbesondere wer länger ausgefallen ist, kann im persönlichen Gespräch (und wenn Sie das Gefühl haben, es wäre ein guter Schachzug) auch die Verlängerung der Probezeit anbieten. Das geht allerdings nur, wenn diese Option nicht im Arbeits- oder Tarifvertrag ausgeschlossen ist. Aber schon die Geste hat meist ihre Wirkung.

Und: Die Verlängerung der Probezeit über sechs Monate hinaus führt nicht dazu, dass auch der Kündigungsschutz erst später greift. Der gilt immer nach sechs Monaten – unabhängig davon, was für eine Probezeit vereinbart wurde oder wie lange man krank war.

Bekomme ich Lohnfortzahlung bei Krankheit in der Probezeit?

Krank in der Probezeit: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ArbeitsrechtGrundsätzlich muss der Arbeitgeber Sie auch während einer Krankheit bezahlen (§ 3 Abs. 3 EFZG). Diese Verpflichtung besteht auch dann noch fort, wenn er Ihnen in dieser Zeit kündigt – also auch über den Ablauf der Probezeit hinaus.

Allerdings gibt es hierbei ein paar Ausnahmen:

  • Die Pflicht zur Lohnfortzahlung setzt erst ein, wenn Sie länger als vier Wochen ununterbrochen im Unternehmen arbeiten. Erkranken Sie vorher, springt Ihre Krankenkasse ein.
  • Außerdem kann Ihr Arbeitgeber Ihren Lohn zurückbehalten, wenn Sie ihm keine Krankmeldung vorlegen.
  • Gänzlich verweigern kann er die Lohnfortzahlung sogar, wenn Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit selbst verursacht haben. Zum Beispiel, weil Sie betrunken Auto gefahren sind und dann einen Unfall hatten.

Insgesamt ist das Unternehmen längstens sechs Wochen lang verpflichtet, Ihren Lohn weiter zu zahlen. Danach übernimmt die Krankenversicherung das – unabhängig vom Fortbestand des Arbeitsvertrags. Damit sind Sie also zumindest während der Krankheit finanziell abgesichert, wenn die Kündigung kommt.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

11. Juni 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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