Werkvertrag: Definition, Abgrenzung, FAQ

Im Geschäftsleben werden zahlreiche Verträge abgeschlossen. Eine häufige Form ist der sogenannte Werkvertrag. Dabei vereinbaren die beiden Vertragsparteien die Erbringung einer Leistung bei entsprechender Gegenleistung. Allerdings müssen beim Werkvertrag einige Punkte beachtet werden, um Missverständnisse oder Streitigkeiten zu vermeiden. Besonders, wenn eine Seite den Werkvertrag vorzeitig kündigen will. Wir erklären, was genau ein Werkvertrag eigentlich ist und beantworten die wichtigsten und häufigsten Fragen rund um das Thema…

Werkvertrag: Definition, Abgrenzung, FAQ

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Definition: Was ist ein Werkvertrag in Deutschland?

Vor dem Gesetz zählt der Werkvertrag zu den privatrechtlichen Verträgen. Seine Geschichte reicht bis ins Römische Recht zurück und wird in Deutschland im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 631 ff.) genauer geregelt.

Hier findet sich auch eine einfache Definition, die ein besseres Verständnis ermöglicht, worum es bei einem Werkvertrag geht:

Durch den Werkvertrag wird der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes, der Besteller zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

Im Grunde vereinbart ein Werkvertrag somit die Leistung eines Unternehmers (Hersteller) im Gegenzug zur im Dokument vereinbarten Bezahlung, dem sogenannten Werklohn. Eine Besonderheit beim Werkvertrag liegt darin, dass der Hersteller dem Kunden (Besteller) einen festgelegten Erfolg schuldet.

Genauer wird dies in § 631 Absatz 2 definiert, wo es heißt: „Gegenstand des Werkvertrags kann sowohl die Herstellung oder Veränderung einer Sache als auch ein anderer durch Arbeit oder Dienstleistung herbeizuführender Erfolg sein.“

Dies unterscheidet den Werkvertrag von einem sogenannten Dienstvertrag, bei dem zwar die Leistung verschiedener Dienste vereinbart wird, der Erfolg jedoch nicht Teil des Vertrags ist. In der Praxis können die Grenzen jedoch verschwimmen und eine klare Einteilung schwierig machen.

Grundsätzlich gilt bei einem Werkvertrag, dass der Hersteller bei der Gestaltung seiner Arbeit unternehmerische Freiheit genießt. Welcher Mitarbeiter den Auftrag erledigt, welche Werkzeuge oder Arbeitsmittel eingesetzt werden und welcher zeitliche Aufwand für die Erstellung benötigt wird, liegt in der Entscheidung des Unternehmers. Dafür haftet der Hersteller aber allein für das präsentierte Ergebnis und hat für Fehlerfreiheit zu sorgen.

Für welche Leistungen gilt ein Werkvertrag?

Ein Werkvertrag gehört in vielen Bereichen zu den typischen und damit häufigen Vereinbarungen zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Was ist unter einem Werk zu verstehen?

Je nach Branche und Tätigkeit können die unterschiedlichsten Leistungen Inhalt eines Werkvertrages sein, ein Werk kann sowohl materiell als auch immateriell sein. Damit Sie sich ein besseres Bild davon machen können, haben wir einige Beispiele von vereinbarten Leistungen aufgelistet:

  • Bauarbeiten oder -maßnahmen
  • Chemische Untersuchungen
  • Reparaturen
  • Handwerkliche Leistungen (Elektroinstallation, Maßanfertigungen, Bilder oder ähnliches)
  • Transportdienste
  • Gutachten
  • Programmierung von Software
  • Erstellen einer Website

Dies ist nur eine kleine Auswahl ein Beispielen, in der Praxis finden sich zahlreiche mehr. Muster für einen Werkvertrag finden Sie im Übrigen hier:

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Sonderform: Der Werkvertrag für Arbeitnehmer

Freie Mitarbeiter gelten als selbständige Personen, die häufig auf Basis eines Werkvertrages oder Dienstvertrages beschäftigt werden. Wenn Sie eine Reparatur Ihrer Waschmaschine durchführen lassen, schließen Sie mit dem beauftragten Handwerker ebenfalls einen Werkvertrag.

Daneben gibt es den Werkvertrag für Arbeitnehmer. Immer häufiger lagern Firmen Kernbereiche aus ihrem Unternehmen aus und vergeben Aufträge an Werkvertragsfirmen. Hierbei handelt es sich genau genommen um eine Sonderform des Werkvertrages, die noch unter anderen Namen bekannt ist:

Praktiziert wird das in allen möglichen Branchen – so werden etwa Dienstleistungen wie die ehemals firmeneigene Kantine von einer Werkvertragsfirma betrieben. Ebenso gut können weite Teile der Produktion – beispielsweise in der Automobilindustrie – im Rahmen von Outsourcing von einer Werkvertragsfirma übernommen werden.

Bei manchen Werkverträgen handelt es sich in Wirklichkeit jedoch um einen Scheinwerkvertrag: Zwar wurde ein Werkvertrag offiziell vereinbart. Allerdings weist die Vertragsgestaltung mehr Ähnlichkeiten mit einer Arbeitnehmerüberlassung auf oder die tägliche Praxis entspricht dieser.

Manche Unternehmen versuchen so einen normalen Arbeitsvertrag zu umgehen, der dem Arbeitnehmer mehr Rechte und meist eine bessere Bezahlung zugestehen würde.

In der Vergangenheit waren bestimmte Personengruppen (Frauen, Migranten, Geringqualifizierte) besonders betroffen von Werkverträgen, da diese dem Arbeitgeber die Möglichkeit eröffneten, deutlich geringere Löhne als die bundesdeutschen Tariflöhne zu zahlen.

Mittlerweile wird im Zuge diverser Arbeitsmarktreformen versucht, Lohndumping zu verhindern. Beispielsweise, indem Zeitarbeitnehmer Anspruch auf „Equal Pay“ haben, also gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit. Auch der vor einigen Jahren eingeführte Mindestlohn soll hier entgegensteuern.

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FAQ: Fragen und Antworten zum Werkvertrag

Ein Werkvertrag ist an bestimmte Bedingungen und Regeln geknüpft. Beide Vertragspartner haben Ansprüche und Rechte, die gewahrt werden müssen. Leider kommt es immer wieder zu Ärger und Konflikten, wenn die Meinungen in verschiedenen Bereichen auseinander gehen. Oft herrscht zudem Unsicherheit und Unwissenheit, wenn es um die Vorgaben eines Werkvertrags geht.

Um mit den häufigsten Fragen aufzuräumen, haben wir ein kleines FAQ erstellt. Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zum Werkvertrag, die vor dem Abschluss geklärt sein sollten:

Welche Punkte müssen im Werkvertrag geregelt werden?

Um Missverständnisse zu vermeiden und von Anfang an ein klares Verständnis der Zusammenarbeit zu haben, sollten alle wichtigen Absprachen im Werkvertrag festgehalten werden. So haben beide Vertragspartner die Möglichkeit, die Abmachung im Vorfeld noch einmal zu prüfen – und im Zweifelsfall gibt es ein schriftliches Dokument, um bei Unklarheiten nachschlagen zu können.

Die wichtigsten Punkte, die es im Werkvertrag zu regeln gilt, sind:

  • Genaue Beschreibung des Werks

    Dies ist besonders wichtig, um Streitigkeiten zu vermeiden. Wird im Werkvertrag nicht genau geregelt, wie das Ergebnis auszusehen hat und welche Erwartungen erfüllt sein müssen, droht Streit, wenn der Besteller mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden ist. Eine detaillierte Beschreibung ist somit unerlässlich.

  • Zeitplan

    Im Kern geht es hier um die Frage: An welchem Tag ist die Abgabe fällig? So ist klar, in welchem Zeitrahmen die Leistung erbracht werden muss. Abhängig von der individuellen Vereinbarung und der Tätigkeit kann es sinnvoll sein, in regelmäßigen Abschnitten Zwischenabnahmen zu vereinbaren. Hier werden die bisher erledigten Zwischenergebnisse präsentiert.

  • Zahlung

    Ein grundlegender Punkt im Werkvertrag ist die Vereinbarung zur Bezahlung der Leistung. Allen voran muss die Höhe des Honorars festgehalten werden, das der Besteller nach der Abnahme zu zahlen hat. Dabei sollte angegeben werden, ob die Mehrwertsteuer und Zusatzleistungen wie Fahrtkosten oder Recherche bereits enthalten sind.

  • Kündigungsmodalitäten

    Beide Vertragspartner haben die Möglichkeit (unter bestimmten Umständen) einen Werkvertrag zu kündigen. Die Regelungen dazu können noch einmal im Werkvertrag vereinbart werden.

  • Abnahmeregelungen

    Zu diesem Punkt zählen zum einen Vereinbarungen über die Art und Weise, wie das erstellte Werk übermittelt wird. Je nach Produkt kann eine Lieferung mit einem Paketdienst, eine Übergabe eines schriftlichen Dokuments oder das Senden einer digitalen Datei möglich sein. Zudem sollte vereinbart werden, wann die Zahlung durch den Besteller zu erfolgen hat. Das Gesetz sieht hier eine Frist von 30 Tagen vor, innerhalb der das Honorar bezahlt werden muss.

Wann kann ein Werkvertrag gekündigt werden?

Wie bereits angesprochen, gibt es für beide Vertragspartner die Möglichkeit, einen Werkvertrag vorzeitig zu kündigen. Die Bedingungen sind dabei zwischen Besteller und Hersteller sehr unterschiedlich.

Der Besteller und Auftraggeber hat ein Recht zur sogenannten freien Kündigung. Er kann bis zur Fertigstellung des Werkes jederzeit den Werkvertrag kündigen – unabhängig davon, ob es einen wichtigen Grund für diese Entscheidung gibt. Allerdings kann das Unternehmen in diesem Fall das volle Honorar abzüglich der durch die Kündigung ersparten Aufwendungen verlangen.

Für den Hersteller und Auftragnehmer ist es schwieriger, einen Werkvertrag vorzeitig zu kündigen. Dies ist beispielsweise möglich, wenn ihm die Fortsetzung unmöglich und unzumutbar ist oder wenn der Besteller seinen Mitwirkungspflichten nicht nachkommt.

Wann liegt ein Mangel vor?

Der Hersteller ist grundsätzlich dafür verantwortlich, die vereinbarte Leistung frei von Sach- und Rechtsmängeln zu erbringen. Gemeint damit ist, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung so sein muss, wie im Werkvertrag vereinbart. Im Gesetzestext heißt es: „Das Werk ist frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat.“

Wurde keine genaue Beschaffenheit vereinbart, muss es sich für die gewöhnliche Verwendung eignen und eine Qualität aufweisen, die bei Werken der gleichen Art als üblich betrachtet wird.

Ein Rechtsmangel kann vorliegen, wenn der Unternehmer dem Kunden ein Werk zur Verfügung stellt, für das ein Dritter Rechte geltend machen kann. Dies ist beispielsweise möglich, wenn urheberrechtlich geschützte Inhalte verwendet werden, deren Verwendung nicht erlaubt ist. Erst wenn Außenstehende an dem Werk keine Rechte geltend machen können, ist dies frei von Rechtsmängeln.

Welche Rechte gibt es bei einem Mangel?

Sachmängel sind die wohl häufigste Ursache für Streitigkeiten bei einem Werkvertrag. Die Qualität stimmt nicht, es gibt Fehler bei der Umsetzung oder das Ergebnis entspricht einfach nicht den vereinbarten Kriterien. Das Gesetz sieht für diesen Fall mehrere Möglichkeiten vor, wie Auftraggeber sich gegen Mängel wehren können.

Besonders wichtig ist dabei das Recht auf Nacherfüllung. Besteller können dadurch vom Unternehmer verlangen, einen bestehenden Mangel zu beheben, bevor das Werk abgenommen und bezahlt wird. Weigert sich der Hersteller oder bleibt der Mangel weiterhin bestehen, kann der Kunde den Mangel selbst beheben oder von einem anderen Anbieter beheben lassen – und die entstehenden Kosten vom ursprünglichen Hersteller zurückverlangen.

Zuletzt kann auch vom Vertrag zurückgetreten oder die Vergütung entsprechend gemindert werden. Tritt ein Besteller vom Werkvertrag zurück, hat der Werkunternehmer das Recht, das Material zurückzufordern oder anderenfalls einen entsprechenden Wertersatz zu erhalten.

Welche Arten von Werkverträgen gibt es?

Es existieren einige Sonderformen des Werkvertrags, die teilweise bereits im BGB festgehalten sind oder sich im Wirtschaftsleben im Laufe der Jahre entwickelt haben. Dazu zählen:

  • Bauvertrag
  • Beförderungsvertrag
  • Frachtvertrag
  • Planungsvertrag
  • Reisevertrag

Gilt ein urheberrechtlicher Schutz des Werks durch ein Copyright, wird der Werkvertrag zusätzlich mit einem Urheberrechtsvertrag verbunden. So wird das Nutzungsrecht durch den Besteller gewährleistet.

Eine weitere abweichende Form vom Werkvertrag ist der Werklieferungsvertrag. Er unterscheidet sich vom Vorgenannten dadurch, dass er ausschließlich bewegliche Werke beinhaltet. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Kaufvertrag und Werkvertrag, bei dem festgehalten wird, dass das Werk zu liefern ist.

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Vergütungsformen bei Werkverträgen

Die Bezahlung für das Werk wird wahlweise als Werklohn (in Wirtschaftszusammenhängen) oder als Vergütung (in juristischen Zusammenhängen, so im BGB) bezeichnet. § 641 des Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt vor, dass die Vergütung des Werkes nach Fertigstellung, genauer nach Abnahme, zu erfolgen hat.

Üblicherweise tritt der Hersteller also in Vorleistung. Abweichend davon kann jedoch vertraglich etwas anderes vereinbart werden oder sich eine Abschlagszahlung ergeben. Allerdings muss eine Vergütung nicht bei Abschluss eines Werkvertrages ausdrücklich vereinbart werden.

Vielmehr legt § 632 BGB fest, dass eine Vergütung stillschweigend vereinbart ist, wenn die Herstellung des Werks entsprechend der Umstände nur gegen eine Vergütung üblich ist. Dabei richtet sich der Werklohn dann nach branchenspezifischen Preisen, wie sie beispielsweise in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) festgelegt ist.

Der Werklohn kann auf dreierlei Arten erbracht werden:

  • Einheitspreis

    Hierfür werden im Vertrag bestimmte Positionen mit Leistungen aufgelistet, die festgelegten Preisen folgen. Beispiel: Ein Besteller gibt einen Einbauschrank in Auftrag. Ihm wird nicht nur der Schrank als solches in Rechnung gestellt, sondern die Kosten für Material, Lieferung und Aufbau.

  • Stundenlohn

    Ein Werklohn auf Basis eines festen Stundenlohns bedeutet, dass der Hersteller exakt die aufgewandte Zeit in Rechnung stellt. Die exakten Stundensätze regelt der Werkvertrag, ebenfalls kann festgehalten werden, ob Fahrzeiten, Fahrtkosten und ähnliches berechnet werden.

  • Pauschalpreis

    Ebenfalls möglich ist eine pauschale Vergütung, bei der beide Vertragsparteien einen Festpreis für das Werk vereinbaren. Vorteil für den Besteller: Er kennt den exakten Preis. Für den Hersteller birgt diese Vereinbarung das Risiko, dass er einen größeren Aufwand oder mehr Material benötigt, als vorab geschätzt.

[Bildnachweis: Nito by Shutterstock.com]
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17. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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