Mal eben das Treppenhaus neu streichen? Kein Problem. Oder dem Bekannten das Dach neu eindecken, der Nachbarin das Haar schneiden oder eine Haushaltshilfe aus Osteuropa beschäftigen: Die Beispielliste ließe sich mühelos weiterführen, solche Tätigkeiten werden häufig als Schwarzarbeit ausgeführt. Das schädigt nicht nur den Staat: Dem gehen Steuern durch die Lappen, die anderswo sinnvoll eingesetzt werden könnten. Aber langfristig haben auch diejenigen das Nachsehen, die der Schwarzarbeit nachgehen. Warum Sie sich selbst schaden...

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Schwarzarbeit Definition: Was ist das?

Schwarzarbeit Definition Schwarzarbeit Strafen Schwarzarbeit suchen Schwarzarbeit meldenUnter Schwarzarbeit versteht man die Ausübung von Tätigkeiten, die gegen das Steuerrecht oder das Sozialversicherungsrecht verstoßen. Ebenso, wenn ein Gewerbe oder Handwerk ausgeübt wird, ohne dass die Mitteilungspflicht eingehalten worden wäre.

Häufig wird sie auch als (illegale) Schattenwirtschaft bezeichnet, obwohl Schattenwirtschaft auch legale Bereiche wie die Selbstversorgungswirtschaft umfassen kann. Damit Gelder an Behörden vorbei gezahlt werden können, werden Vereinbarungen über die auszuübende Arbeit mündlich getroffen und das Entgeld bar ausgezahlt.

Etymologisch gesehen kommt der Begriff aus dem Rotwelschen. Dort bedeutete schwarzen oder schwerzen "etwas bei Nacht tun", etwas "illegal tun oder kaufen". In der Allgemeinsprache wurde er aus dem Handwerk entnommen. Dort bezog er sich ursprünglich auf Tätigkeiten, für die der schwarz Arbeitende nicht gesetzlich qualifiziert war (wenn beispielsweise ein Meistertitel erforderlich ist).

Das zuletzt im März 2017 aktualisierte "Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz" (SchwarzArbG) (PDF) definiert Schwarzarbeit nach § 1 I so:

Schwarzarbeit leistet, wer Dienst- oder Werkleistungen erbringt oder ausführen lässt und dabei...

  • als Arbeitgeber, Unternehmer oder versicherungspflichtiger Selbstständiger seine sich aufgrund der Dienst- oder Werkleistungen ergebenden sozialversicherungsrechtlichen Melde-, Beitrags- oder Aufzeichnungspflichten nicht erfüllt,
  • als Steuerpflichtiger seine sich aufgrund der Dienst- oder Werkleistungen ergebenden steuerlichen Pflichten nicht erfüllt,
  • als Empfänger von Sozialleistungen seine sich aufgrund der Dienst- oder Werkleistungen ergebenden Mitteilungspflichten gegenüber dem Sozialleistungsträger nicht erfüllt,
  • als Erbringer von Dienst- oder Werkleistungen seiner sich daraus ergebenden Verpflichtung zur Anzeige vom Beginn des selbstständigen Betriebes eines stehenden Gewerbes (§ 14 der Gewerbeordnung) nicht nachgekommen ist oder die erforderliche Reisegewerbekarte (§ 55 der Gewerbeordnung) nicht erworben hat,
  • als Erbringer von Dienst- oder Werkleistungen ein zulassungspflichtiges Handwerk als stehendes Gewerbe selbstständig betreibt, ohne in der Handwerksrolle eingetragen zu sein (§ 1 der Handwerksordnung).

Verfolgt wird die Schwarzarbeit durch die Zollverwaltung mit dem Hauptzollamt als örtlicher Behörde. Da keine offiziellen Daten vorliegen, beruhen die Zahlen zur Schwarzarbeit in Deutschland auf Schätzungen; hierzulande soll der Anteil bei zehn bis fünfzehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen.

Gefälligkeit und Nachbarschaftshilfe: Was ist Schwarzarbeit und was nicht?

Wenn Angehörige aus Gefälligkeit oder Personen im Zuge der Nachbarschaftshilfe oder Selbsthilfe tatkräftig unterstützen, ist das für gewöhnlich keine Schwarzarbeit, sofern diese Hilfe nicht nachhaltig auf Gewinn ausgerichtet ist. Unter Angehörige sind hierbei zu verstehen:

  • Verlobte und Ehegatten
  • Verwandte und Verschwägerte gerader Linie
  • Geschwister und Kinder der Geschwister
  • Ehegatten der Geschwister und Geschwister der Ehegatten
  • Geschwister der Eltern
  • sowie Pflegeeltern und Pflegekinder

Sofern der Schwiegersohn also Installateur ist, darf er natürlich einen neuen Wasserhahn anbringen ohne sich gleich des Verdachts der Schwarzarbeit auszusetzen. Voraussetzung dafür ist, dass er allerdings kein oder nur wenig Geld dafür erhält.

Gefälligkeit bedeutet hier, dass jemand eine Dienstleistung im Rahmen eines persönlichen Entgegenkommens erbringt, es sich um gesellschaftliche Gepflogenheiten handelt oder aber in Notfällen, wenn beispielsweise eine Autopanne passiert ist.

Absolut unverdächtig macht sich also jemand, bei dem klar erkennbar die Hilfsbereitschaft im Vordergrund steht. Da dürften natürlich auch Freunde beim Umzug oder Renovieren helfen und später einen Gutschein fürs Restaurant oder etwas Geld bekommen.

Schwarzarbeit Gesetz: Risiken bei Schwarzarbeit

Schwarzarbeit melden Schwarzarbeit Strafen Schwarzarbeit suchenSchwarzarbeit betrifft drei Parteien: Den Staat als Geschädigten, den Auftraggeber und den Schwarzarbeiter. Auf den Auftraggeber kommt einiges zu, wenn er erwischt wird: Er muss Sozialabgaben zahlen, Steuern zahlen und eine Geldbuße bis 300.000 Euro ist möglich. Steuerrechtlich wird Schwarzarbeit nach § 370 AO als Steuerhinterziehung bewertet.

Aber das ist längst nicht alles. Viel teurer wird die Sache, wenn Menschen zu Schaden kommen: Die schwarz beschäftigte Putzfrau fällt von der Leiter und verletzt sich ernsthaft. Wenn nachweislich Schwarzarbeit vorliegt, können die gesetzlichen Krankenkassen die Leistung verweigern beziehungsweise den Auftraggeber zur Kasse bitten. Das kann im Ernstfall sogar bedeuten, dass der für Rehabilitationskosten oder eine lebenslange Rente aufkommen muss.

Aber selbst, wenn es nicht zum äußersten kommt und lediglich Sachschaden entsteht: Wer Leute schwarz beschäftigt, hat auch im Falle von Pfusch das Nachsehen. Denn weil Schwarzarbeit illegal ist, existiert kein gültiger Vertrag und somit können keine Ansprüche auf die Beseitigung von Mängeln geltend gemacht werden (Aktenzeichen VII ZR 6/13).

Für den Schwarzarbeiter gibt es natürlich auch einiges an Ärger einzuhandeln: Wer beispielsweise als arbeitsloser ALG-II-Empfänger Schwarzarbeit leistet, begeht Sozialbetrug. Wer neben dem Job schwarzarbeitet, riskiert übrigens auch die Kündigung seines Arbeitsverhältnisses:

So hatte sich in diesem Fall ein Arbeitnehmer während der Kündigungsfrist arbeitsunfähig gemeldet. Der Arbeitgeber setzte einen Detektiv auf ihn an, der sich als Auftraggeber für Malerarbeiten ausgab. Der Arbeitnehmer erklärte sich sofort bereit, diese Tätigkeit zu übernehmen, da er krank sei und zur Verfügung stünde.

Es folgte die fristlose Kündigung, die vom Gericht ebenfalls bestätigt wurde (Aktenzeichen 6 Sa 1593/08).

Wo ist die Grenze zwischen Gefälligkeit und Schwarzarbeit?

Ab wann beginnt Schwarzarbeit? Tatsächlich sind die Grenzen fließend. Als grobe Richtschnur gilt: Sobald eine Tätigkeit regelmäßig, etwa jedes Wochenende, ausgeführt wird und nennenswerte Summen gezahlt werden. Damit ist auch klar, dass es keine konkrete Grenze gibt.

Eher unverdächtig ist, wenn das Entgeld für eine Leistung deutlich unter dem tatsächlichen wirtschaftlichen Wert der Arbeit liegt. Das macht eher den Eindruck einer Gefälligkeit und steht gegen die Absicht, Gewinn erzielen zu wollen.

Beispiel: Wer gelegentlich den Rasen des betagten Nachbarn gegen Bezahlung mäht, wird nichts zu befürchten haben, sofern die Bezahlung nicht annähernd dem Betrag entspricht, den ein Gärtner erhalten würde. Wenn allerdings im regelmäßigen Turnus das Rasenmähen wiederholt und mit 30 Euro entlohnt wird, sieht das nach Schwarzarbeit aus.

Harter Kampf: Gründe für Schwarzarbeit

Bereits seit 60 Jahren versucht der deutsche Staat mithilfe des SchwarzArbG gegen die Schwarzarbeit vorzugehen - bisher allerdings mit eher geringem Erfolg, wie eine 2017 veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln offenbart. Dazu wurden Minijobs eingeführt, Steuerbegünstigungen, die Kontrollen wurden intensiviert und Strafen verschärft.

Dennoch sind 75 bis 83 Prozent aller Haushaltshilfen nicht angemeldet. Von den bis zu drei Millionen Schwarzarbeitern, die häufig als Putzkraft, Babysitter oder Gartenhelfer tätig sind, arbeiten nur knapp 350.000 in Minijobs beziehungsweise sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Zumeist sind es Menschen mit eher geringem Einkommen, die sich etwas hinzuverdienen wollen, um den Lebensstandard anzuheben. Besonders häufig trifft das auf Renter und Auszubildende oder Studenten zu. In anderen EU-Ländern sichert Schwarzarbeit hingegen den Lebensunterhalt ganzer Familien.

Klassische Bereiche für Schwarzarbeit sind:

  • in der Privatwohnung (die Putzfrau oder Altenpflegerin)
  • auf dem Bau
  • in der Landwirtschaft
  • in der Gastronomie

Bei guter Wirtschaftslage weniger Schwarzarbeit

Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet ist die Schwarzarbeit jedoch hierzulande um 20 Prozent gesunken. Grund dafür sind unter anderem besagte Minijobs, deren Zahl sich im selben Zeitraum verdreifacht hat.

Auch die gute Konjunktur trägt dazu bei, dass Schwarzarbeit in Deutschland zuletzt rückläufig war. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie (PDF) des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz.

Allerdings rechnet Friedrich Schneider, Professor für VWL an der Universität Linz, dass durch die Flüchtlinge dieser Rückgang wieder gebremst werden könne. Er und Co-Autor Bernhard Boockmann gehen von bis zu 300.000 illegal beschäftigten Flüchtlingen auf dem Bau oder als Putzkraft aus. Das würde einem Schaden von 2,16 Milliarden Euro entsprechen.

Grund dafür seien die häufig fehlenden Deutschkenntnisse, die es den Migranten erschweren würden, qualifizierte Jobs zu ergreifen. Gleichzeitig sei das Warten und Nichtstun in den Unterkünften derart belastend, dass es nachvollziehbar sei, wenn sie sich auf diesem Wege Arbeit suchten.

Dominik H. Enste macht hohe Abgaben und Regulierungen hauptsächlich für Schwarzarbeit verantwortlich. Er empfiehlt in seiner Studie fürs IW daher folgende Maßnahmen:

  • Geringere Anreize für Schwarzarbeit, indem eine legale Selbständigkeit für Anbieter vereinfacht wird und
  • klarere Kommunikation des Staates, wofür Steuern (sinnvoll!) eingesetzt werden, um die Moral der Mitbürger zu stärken.
[Bildnachweis: Bildagentur Zoonar GmbH by Shutterstock.com]

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