Professionalität: Ansprüche im Job umsetzen

Im Job ist Professionalität gefragt. Dass ein anderes Verhalten als im Privatleben gefordert ist, leuchtet ein. Wodurch genau sich professionelles Handeln auszeichnet, ist jedoch nicht ganz klar. Klar ist lediglich, dass mit gerümpfter Nase vom Gegenteil gesprochen wird. Wie lässt sich Professionalität erwerben? Ist das etwas, das in der Ausbildung vermittelt wird? Was es bedeutet und wie sich professionell handeln lässt…

Professionalität: Ansprüche im Job umsetzen

Professionalität Bedeutung: Was ist darunter zu verstehen?

Professionalität Bedeutung Definition Duden im BerufWie definiert man Professionalität? Auf der Suche nach einer griffigen Erklärung kommt man im Duden nur bedingt weiter – dort wird der Begriff lediglich mit „das Professionellsein“ übersetzt.

Sowohl professionell als auch Professionalität leiten sich vom lateinischen Begriff professio ab, was so viel wie Bekenntnis, Gewerbe oder Beruf bedeutet – daher heutzutage auch noch „die Profession“.

Professionalität bezeichnet allerdings mehr als einfach nur einen Beruf. Sonst würden eine Ausbildung oder ein Studium ausreichen und automatisch wäre jeder nach Bestehen der Abschlussprüfung ein Profi. Vielmehr ist Professionalität durch fundiertes Wissen und die erfolgreiche Anwendung dessen gekennzeichnet.

Von Lehrern wird beispielsweise eine pädagogische Professionalität erwartet, die eine Kombination aus wissenschaftlichem (meist akademischen) Wissen, sowie Erfahrungswissen und Alltagswissen darstellt. Professionalität ist somit nichts, das sich automatisch mit irgendwelchen Zertifikaten belegen ließe.

Dennoch wird in der Unterscheidung von Laien, Amateuren oder Dilettanten deutlich, dass jemand, der als Profi gilt, über bestimmte Qualifikationen verfügt, die sich aus Fachwissen speisen. Damit steigen natürlich auch die Ansprüche an diese Person.

Wer von sich selbst als Profi spricht, muss sich an seinen Fähigkeiten messen lassen.

Professionelles Handeln im Beruf

Professionalität ist ein Verhalten und zeigt es sich unter anderem in der erfolgreichen Bewältigung von Krisensituationen. Der Berater Stefan Wachtel hat in der Vergangenheit Piloten gecoacht und gibt in diesem Zusammenhang Beispiele für gutes und weniger gutes Verhalten in solchen Krisensituationen.

Angenommen, ein Flugzeug ist in der Luft, es kommt zu Turbulenzen: Wieviel Wahrheit (Wachtel spricht von Authentizität) vertragen die Passagiere? Wachtel vertritt hier die These, dass es oftmals weniger Authentizität bedarf, um Professionalität zu beweisen.

Denn die Passagiere vollumfänglich über die derzeitige Situation und mögliche Gefahren (egal wie unwahrscheinlich) zu informieren, wäre verantwortungslos. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass es bei Professionalität weniger um Faktenwissen, sondern um eine Verhaltensnorm geht.

Nun geht es im Berufsalltag für gewöhnlich nicht gleich um Leben oder Tod. Dennoch sind zu viele Emotionen in den meisten Jobs verpönt. Nicht umsonst wird die Trennung von Beruflichem und Privaten hochgehalten, da emotionale Verstrickungen anderenfalls den Verdacht der Bevorzugung nähren.

Und Chefs Liebling ist ebenso verpönt wie Vetternwirtschaft. Professionalität fordert von einem Profi häufig, sich emotional zurückzunehmen, sachlich und rational zu bleiben. Professionelles Verhalten steht daher häufig für einen kühlen Kopf und die Fähigkeit, die eigene Impulsivität unterdrücken.

Das Wissen darum, dass die Passagiere im Falle einer restlosen Schilderung der Situation in Panik ausbrechen würden, lässt einen professionellen Piloten nur die notwendigsten Informationen verkünden und diese so aufbereitet, dass Laien damit umgehen können. Damit ist letztlich allen gedient.

Gleiches lässt sich auch in anderen Fällen beobachten, etwa wenn ein Unternehmen vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Der verantwortungsvolle Umgang mit Informationen schützt vor größerem Schaden. Denn wer nicht bis ins kleinste Detail in der Materie drinsteckt, kommt womöglich zu falschen Schlüssen.

Die scheinbar nahende Kündigung vor Augen, lässt die Motivation bei den Mitarbeitern womöglich rapide nach. Das wiederum bestärkt die vorhandene Krise und kann schlimmstenfalls den Ausgang bewirken, der bei einem professionelleren Umgang mit Informationen hätte verhindert werden können.

Professionalität und Authentizität sind möglich

Wer dem Gedanken von Wachtel folgt, könnte zu dem Ergebnis kommen, dass Professionalität und Authentizität sich ausschließen. Das Gegenteil ist der Fall. Und es geht auch viel weniger darum, dass Menschen sich nicht authentisch verhalten sollen.

Vielmehr geht es darum, erst den Kopf einzuschalten und dann sich zu bestimmten Sachverhalten zu äußern. Vor dem Hintergrund des angesammelten (Erfahrungs-)Wissens soll reflektiert werden: Welche Aktion ist als nächstes sinnvoll? Wie kann ich mich gemäß meiner Stelle oder Position verantwortungsvoll verhalten?

Ruft beispielsweise ein verärgerter Kunde an, möchte er eine Lösung seines Problems. Professionelles Verhalten bedeutet, dass jemand schaut, wie er dem Kunden behilflich sein kann. Das Verbinden mit einem Mitarbeiter, der sich fachlich besser auskennt, kann Teil der Lösung sein – wenn klar ist, dass dem Kunden geholfen werden kann.

Anders wenn die Zuständigkeiten unklar sind und der Kunde einfach nur intern ständig weitergereicht wird, ohne dass sich jemand der Lösung des Problems wirklich annimmt. Dann entsteht beim Kunden mit Sicherheit Ärger, aber kaum der Eindruck, dass sich die Mitarbeiter durch Professionalität auszeichnen.

Denn offenbar wird keine Verantwortung übernommen. Das hat aber nichts mit zu großer Authentizität, sondern eher mit Unwillen und mangelnder Kompetenz zu tun. Dahinter können tatsächlich strukturelle Probleme wie mangelnder Entscheidungs- und Handlungsspielraum stehen oder aber eine geringe Mitarbeiterzufriedenheit, die dazu führt, dass das notwendige Engagement an den entscheidenden Stellen fehlt.

Ärger stellt Verhalten auf die Probe

Unprofessionelles, impulsives, emotionales Verhalten ist aus vielen Situationen bekannt, in denen es menschlich nicht mehr passt, die Werte offenbar voneinander abweichen. Trennungen, egal ob im zwischenmenschlichen oder beruflichen Bereich, sind ein guter Beleg dafür.

Wenn beispielsweise eine Kooperation mit einem Geschäftspartner beendet wird, ein Unternehmen sich von seinem langjährigen Mitarbeiter trennt. Die Frage ist hier ebenso: Wie geht diese Trennung über die Bühne? Lässt sich sachlich feststellen, dass Vorstellungen und Inhalte sich verändert haben, Ziele nicht erreicht wurden?

Oder geht es darum, der anderen Seite „eins auszuwischen“? Wer beispielsweise bei der letzten Beförderung übergangen wurde und daraufhin enttäuscht kündigt, mag versucht sein, die letzten Tage im Unternehmen nur noch auf Sparflamme zu arbeiten, Motto: Wie du mir, so ich dir.

Professionalität würde sich darin zeigen, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen und zu ergründen, woran die Beförderung gescheitert ist. Und selbst wenn die Gründe nicht nachvollziehbar oder gar willkürlich erscheinen:

Wer professionell handelt, verhält sich so, dass er sich nichts zuschulden kommen lässt und seinerseits den Arbeitsvertrag erfüllt. Das beinhaltet die ordnungsgemäße Arbeitsleistung bis zum letzten Tag, ohne den persönlichen Rachegefühlen freien Lauf zu lassen.

Tipps für mehr Professionalität: Das brauchen Sie

Da es um eine Verhaltensnorm geht, sind es vor allem bestimmte Werte, die Professionalität auszeichnen. Aus den obigen Beispielen zeigt sich, dass dazu folgende Fähigkeiten gehören:

  • Analysefähigkeit

    Um sich angemessen verhalten zu können, müssen Sie analytisch denken können. Sie erkennen ein Problem und können die Situation entsprechend einordnen und bewerten. Dann erst werden entsprechende Entscheidungen gefällt.

  • Impulskontrolle

    In brenzlichen Situationen würde so mancher sicherlich seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Wenn aber bereits der Chef beim Gedanken an bestimmte Probleme bibbert, macht sich auch in der Belegschaft Nervosität breit. Wer Professionalität besitzt, wird die nötige Portion Zuversicht oder zumindest Gelassenheit ausstrahlen.

  • Verantwortung

    Besonders bei Führungspersonen geht es darum, Verantwortung nicht nur für das eigene Handeln zu übernehmen, sondern auch für die Mitarbeiter. Professionelles Verhalten beinhaltet die Überlegung, welche Entscheidungen welche Konsequenzen nach sich ziehen, die sich auf die Mitarbeiter auswirken.

  • Haltung

    Professionalität hängt eng mit Arbeitsmoral zusammen. Wer beispielsweise auf seinen Arbeitgeber wütend ist, weil er sich unfair behandelt fühlt, kann das sofort als Retourkutsche ummünzen oder aber versuchen, die Emotionen aus der Sache herauszunehmen.

  • Zuverlässigkeit

    Gleiches gilt für die Zuverlässigkeit. Beispielsweise wenn ein Unternehmen eine schlechte Auftragslage hat. Nur weil es einmal eng wird, sollte nicht gleich das Handtuch geworfen werden. Hier ist Loyalität und der Wille zu kämpfen gefragt.

  • Konfliktfähigkeit

    Professionalität schließt Konfliktfähigkeit ein. Eine Vogel-Strauß-Politik mag kurzfristig erfolgsversprechender sein, aber langfristig ist sie Gift. Dann lieber Konflikte direkt ansprechen, bevor sie lange schwelen und erst zu etwas Großem werden können.

[Bildnachweis: by Shutterstock.com]
30. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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