Pragmatismus: So bringt er Sie weiter

Wer ein gesundes Maß an Pragmatismus besitzt, dem sagt man nach, sich auf das konzentrieren zu können, was gerade ansteht und entsprechend zu handeln. Das klingt im ersten Moment sehr nüchtern und langweilig, so als ob alles Schöne, Unterhaltende ausgeblendet werden müsste. Pragmatismus ist allerdings ein wertvolles Wesensmerkmal, das sich als Schlüssel zum Glück erweisen kann. Was es bedeutet und wie es Sie beruflich und privat weiterbringen kann…

Pragmatismus: So bringt er Sie weiter

Definition: Was ist Pragmatismus?

Definition Pragmatismus Philosophie PsychologieBeim Pragmatismus wird das menschliche Handeln ins Zentrum gestellt. Pragmatisch ist, wenn das Handeln einen Nutzen hat. Dafür muss gar nicht im Detail darüber nachgedacht oder es begründet werden. Es wird das getan, was gerade anliegt und selbsterklärend ist.

Häufig wird im Pragmatismus die Praxis, das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt. Vertreter des philosophischen Pragmatismus bewerten den Erfolg eines Handelns als Bestätigung der zuvor aufgestellten Theorie. Diese erweist sich dann als Wahrheit.

Neben der Philosophie wirkt sich der Pragmatismus in vielen anderen Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Religionswissenschaft und Politische Theorie aus. Als philosophische Richtung ist er im 19. Jahrhundert entstanden und gilt als erste genuin amerikanische Philosophie, die gerade im angelsächsischen Raum stark rezipiert wird.

Wichtige Vertreter sind die amerikanischen Philosophen William James, Charles Sanders Peirce und John Dewey, sowie der Brite Ferdinand Canning Scott Schiller, die praktische Kriterien über die Theorie erhoben. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie der Theorie grundsätzlich feindlich gegenüber standen (wäre als Philosoph ohnehin eher kontraproduktiv).

Vielmehr vertreten die Pragmatiker die Ansicht, dass jegliche Vernunft und Erkenntnis auf Praxis basieren. Sämtliche theoretischen Erkenntnisse haben einen (und sei es noch so entfernten) praktischen Ursprung.

Neben Pragmatismus als Strömung in der Philosophie gibt es einen allgemeinen Ansatz, den das Gabler Wirtschaftslexikon folgendermaßen beschreibt:

Pragmatismus ist im weiteren Sinne eine weltanschauliche, im engeren Sinne erkenntnistheoretische Position, die den Wert von Handlungen oder Erkenntnissen ausschließlich anhand ihres praktischen Nutzens bemisst. Im erkenntnistheoretischen Bereich läuft der Pragmatismus auf eine Reduzierung von Wahrheit auf (momentane) Nützlichkeit hinaus.

Mit anderen Worten: Eine Überzeugung ist wahr, wenn sie für denjenigen nützlich oder gewinnbringend ist, der sie hat.

Pragmatismus Pragmatiker Spruch

Pragmatische Herangehensweise wirkt oft kühl

Tun, was getan werden muss – so lässt sich Pragmatismus im Alltag beschreiben. Das klingt schon nach Routine und Dienst nach Vorschrift. Das Gegenteil dessen, was Menschen mit Leidenschaft und Emotionen verbinden.

Je nach Persönlichkeitstyp kann das Gefühl von Routine belastend empfunden werden. Den einen geben feste Abläufe im Arbeitsleben Sicherheit, andere brauchen viel häufiger Abwechslung. Für kreativ veranlagte Menschen ist die Arbeit in einer Behörde eher ein Graus. Nun ist sicherlich nicht jeder Beruf fünf Tage die Woche das pure Glück.

Andererseits mag kaum einer die Vorstellung, sich Tag für Tag auf die Arbeit zu quälen, nur um etwas zu erledigen. Die meisten Menschen brauchen das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ein sinnloser Job kann daher dazu führen, dass jemand in ein emotionales Loch fällt.

Und genau hier kommt der Pragmatiker ins Spiel: Er weiß, dass es in jedem Job Tätigkeiten gibt, die erledigt werden müssen, obwohl sie nicht besonders spannend sind. Das ist im Privatleben nicht anders: Bügeln oder putzen liegt nicht jedem, aber den Luxus einer Haushaltshilfe kann sich trotzdem nicht jeder leisten – also muss es irgendwann erledigt werden.

Stärke des Pragmatismus

Eine pragmatische Herangehensweise ist ein Erfolgsfaktor und in gewisser Hinsicht ein Garant für Glück. Das kann für völlig unterschiedliche Bereiche gelten, im Privaten wie im Beruflichen. Angenommen, Sie wollen einen neuen Job, Gewicht verlieren oder eine andere Wohnung: Natürlich können Sie immer das Maximum anpeilen, also:

  • einen Job als Prokurist in einem internationalen Großkonzern
  • die Idealmaße eines Modells/Bodybuilders
  • das schicke Loft

Die Frage ist nur: Wie realistisch ist das? Zumal nicht nur Ihre individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen eine Rolle spielen, sondern auch Rahmenbedingungen, die sich nur schwer ändern lassen. Selbst wenn Sie über eine hervorragende Ausbildung verfügen, ist ein Job wie der als Prokurist abhängig von der Entscheidung anderer, Sie zu ernennen.

Wer von der Statur her eher klein und knubbelig ist, wird selbst bei Normalgewicht nie eine Heidi Klum oder ein Arnold Schwarzenegger. Und wer arbeitsbedingt auf dem Land wohnt, wird schwerlich an ein Loft kommen, auch wenn er die Miete dafür aufbringen könnte.

Pragmatismus heißt nicht, dass Sie sich diese Träume alle abschminken sollten. Vielmehr führt er dazu, dass Sie sich fragen, was Sie wirklich wollen und genau hinschauen, wie Sie es erreichen können. Dass Sie gucken, wie Sie mit dem vorhandenen Material und den gegenwärtigen Bedingungen arbeiten können. Pragmatismus bewirkt, dass Sie abwägen:

  • Was ist mir wichtiger – der Job als Prokurist oder reicht auch Topmanager?
  • Muss es ein internationaler Großkonzern sein oder geht auch ein kleines oder mittelständisches Unternehmen, bei dem die Aufstiegschancen oft besser sind?

So können Sie Pragmatismus lernen

Pragmatisches Denken können Sie auch ganz konkret auf verschiedene Lern- und Arbeitssituationen beziehen und so Ihren Stress reduzieren. Beispielsweise wenn Sie zu Prokrastination neigen: Tun du musst, sagte einst Meister Yoda, die Kultfigur aus dem Science-Fiction-Film Star Wars.

Und genau das ist ja das Problem bei der Aufschieberitis, der oft eine unselige Kombination aus Minderwertigkeitsgefühl und Perfektionismus zugrunde liegt. Das Denken ins Handeln umsetzen, das ist die Stärke des Pragmatismus.

Nicht einfach nur etwas vorhaben und dann an völlig überhöhten Ansprüchen scheitern, sondern machen. Und so hilft Pragmatismus:

  • Stellen Sie eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf

    Pragmatismus ist die Haltung, die sich in dem Spruch „Mut zur Lücke“ zeigt. Und diese Haltung ist besonders wichtig für Menschen, die sich aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls nicht trauen, Dinge anzupacken. Dahinter steckt meist die Angst zu Scheitern. Zu wissen: Ja, es gibt immer noch etwas, das besser gemacht werden kann.

    Aber stehen Aufwand und Nutzen noch im Verhältnis zueinander? Oder läuft hier gerade etwas aus dem Ruder? Natürlich kann einen Tag vor der Prüfung noch ein neues Buch gelesen werden – aber verspricht das tatsächlich noch großen Erkenntnisgewinn? Pragmatisch hingegen ist, sich gewissermaßen wieder „einzunorden“, nüchtern zu schauen, was bisher gelernt wurde und wie mit geringem Aufwand das größtmögliche Ergebnis erzielt werden kann.

  • Machen Sie sich mit Methoden vertraut

    Es wundert daher wenig, dass Pragmatismus zahlreichen Methoden aus dem Selbstmanagement zugrunde liegt. Ganz gleich, ob es dabei um das Pareto-Prinzip geht oder der Überlegung, wie sich Zeitfresser minimieren lassen. Entscheidend ist, dass der Fokus wieder auf das Wesentliche gerichtet wird, da Sie anderenfalls Ihrem Ziel nicht näher kommen.

    Diese Herangehensweise eignet sich besonders, wenn es um konkrete berufliche Tätigkeiten geht. Pragmatismus zeigt sich natürlich auch in Überlegungen, wie Sie für sich gut sorgen und Ihre Leistungsfähigkeit erhalten können – etwa durch verschiedene Methoden zur Entspannung.

[Bildnachweis: Leremy by Shutterstock.com]
7. Februar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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