Bauernschläue: Das Geheimnis smarter Gemüter

Mit Bauernschläue kommt man weiter – so ärgerlich das vielleicht auch ist. Der Eine müht sich redlich, investiert in seine Qualifikationen, ist fleißig, diszipliniert, hängt sich richtig rein – und kommt doch nicht recht vom Fleck. Und dann ist da irgend so ein Vollexperte für Halbwissen, der eigentlich gar nicht weiß, was er macht und wird mit Erfolg geradezu überschüttet. Wie kann das sein? Wie geht das, dass so einer im Job ständig von einer Beförderung in die nächste Gehaltserhöhung stolpert oder als Selbstständiger gar nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld, während man selbst auf der Stelle tritt? Die eine Erklärung – ein simples, aber deftiges Bonmot: „Scheiße schwimmt oben.“ Die etwas vornehmere Begründung: Diese Typen verfügen über Bauernschläue

Bauernschläue: Das Geheimnis smarter Gemüter

Bauernschläue ist eine Art Instinkt

Was bedeutet das überhaupt: bauernschlau sein?

Der Begriff ist – zugegeben – ein wenig wolkig. Unter den Synonymen für Bauernschläue findet man Begriffe, wie:

  • Ausgekochtheit
  • Gewieftheit
  • Pfiffigkeit
  • Gewitztheit
  • Findigkeit
  • Klugheit
  • Raffinesse
  • Scharfsinn
  • Geschäftstüchtigkeit
  • Verschlagenheit

So richtig erhellend ist das nicht. Dabei handelt es sich bei der Bauernschläue ursprünglich mal um eine redensartliche Umschreibung für eine schulisch wenig gebildete Person, die aber aufgrund ihrer instinktiven Cleverness trotzdem immer die richtigen und damit erfolgreichen Entscheidungen trifft.

Vielleicht ist das noch die beste Definition: Mit Bildung und hoher Intelligenz im Sinne eines hohen IQ hat Bauernschläue oder Mutterwitz, wie dieses Talent auch genannt wird, nicht zwangsläufig etwas zu tun. Sicher, ganz dumm darf man auch nicht sein. Mehr aber noch zeichnet die bauernschlauen Menschen aus, dass sie eine Art Lebensklugheit und natürlichen Erfolgs-Instinkt besitzen.

Man könnte auch sagen: Sie haben den richtigen Riecher für…

  • ein lukratives Geschäft.
  • eine lohnende Beziehung.
  • eine pragmatische Lösung.
  • das richtige Timing.

Also allesamt keine schlechten Eigenschaften, die aber – und das ist typisch für die Bauernschlauen – eben nicht mit hoher Qualifikation und einem komplexen Geist zusammenfallen müssen.

Der große Unterschied zu den hochqualifizierten, im klassischen Sinn hochintelligenten Menschen ist, dass sich diese Pfiffikusse nicht lange mit wohldurchdachten Plänen, Konzepten und Strategien aufhalten, sondern unmittelbar Handeln, wenn sie eine Chance erkennen, aus der sich Profit schlagen lässt.

Bauernschlau: Einfach machen – im doppelten Wortsinn

Tatsächlich kann Intelligenz manchmal enorm blockieren. Wissen ist Macht; zuviel zu wissen, macht jedoch meist nur noch mehr Probleme. Das Prinzip KISSKeep It Simple, Stupid! ist ja nicht grundlos als Erfolgsformel so populär.

Auch wenn es der Bauernschläue gerne nachgesagt wird: Mit List und Gerissenheit müssen derart begabte Gemüter gar nicht mal zum Ziel gelangen. Keine Frage, das kommt auch vor, dass so jemand ein ausgefuchstes Schlitzohr ist.

Viel entscheidender aber ist das Handeln selbst: Während die vermeintlich klugen noch abwägen und zögern, machen die Bauernschlauen einfach und ergreifen die Chance, die sich ihnen bietet – und zwar unabhängig davon…

  • was andere darüber denken.
  • was andere über sie denken.
  • ob es die Idee schon gab.
  • ob die Idee als verrückt oder gar unmöglich gilt.

Gewiss, Bauernschläue ist ein wenig in Verruf geraten. Wem sie nachgesagt wird, dem begegnen mehr Skepsis als Sympathie, mehr Argwohn als Applaus. Und doch muss man anerkennen, dass hinter der ausgebufften Klugheit trotzdem eine Leistung steckt.

Und ein Erfolgsrezept von dem sich in jedem Fall etwas lernen lässt: Weniger, wie man andere schlitzohrig und ausgekocht über den Tisch zieht, sondern vielmehr weniger Bedenken zu pflegen, zu analysieren, zu abstrahieren und theoretisieren.

Instinktiver Pragmatismus bringt einen manchmal wesentlich weiter.

[Bildnachweis: Vasili Shabanau by Shutterstock.com]
4. März 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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