Vernunft: Immer der beste Weg?

Fehlt es einem Menschen an Vernunft, wird dies als große Schwäche gesehen. Du bist immer so unvernünftig wird im besten Fall mit einem Ratschlag verbunden, gilt jedoch in der Regel eher als Vorwurf oder sogar als Beleidigung. Wer in den Augen anderer unvernünftig ist, muss sich regelmäßig anhören, dass er die falschen Entscheidungen treffe, nicht richtig überlege und schon gar nicht an die Zukunft denke. Allem Anschein nach ist Vernunft das Maß aller Dinge und wer sich nicht an diese Regeln hält, muss etwas falsch machen. Sich in ein solch enges Korsett aus Vernunft zu schnüren, hat jedoch einige Nachteile und kann unglücklich machen. Wir erklären, was genau es mit der Vernunft überhaupt auf sich hat und warum Unvernunft in Maßen sehr vernünftig sein kann…

Vernunft: Immer der beste Weg?

Was ist Vernunft?

Vernunft Definition Erklärung Zitate Ethik Verstand Aufklärung SynonymUVernunft wird oftmals sofort mit Intelligenz assoziiert. Auch wenn die beiden Bereiche durchaus zusammenhängen, sollten sie jedoch nicht einfach gleichgesetzt werden. Der allgemeinen Ansicht und Definition nach, geht die Vernunft über die reine Intelligenz und das Denkvermögen eines Menschen hinaus. Das Konzept der Vernunft ist komplex und umfangreich, weshalb sie nur schwer in kurze und prägnante Definitionen zu pressen ist, doch eine solche könnte lauten:

Vernunft ist die Fähigkeit eines Menschen, seine Umwelt wahrzunehmen, Verbindungen zu erkennen, Rückschlüsse zu ziehen, Urteile zu bilden und daraus rationale Entscheidungen für das eigene Handeln und Verhalten abzuleiten.

Häufige Synonyme für die Vernunft sind außerdem Ratio, Logik, Wirklichkeitssinn und der gesunde Menschenverstand, die alle dieselben Denkprozesse beschreiben.

Wenn Sie vernünftig handeln, berücksichtigen Sie also die Informationen, die Ihnen zur Verfügung stehen, blicken über den jetzigen Zeitpunkt hinaus und können so auch erste Impulse oder Wünsche kontrollieren. Dabei ist die Vernunft oftmals auf die Zukunft und die bestmögliche Handlung – für sich selbst, aber auch für andere – ausgerichtet, sie bedient sich jedoch auch Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Soll heißen: Was als vernünftig wahrgenommen und eingeschätzt wird, hängt zu großen Teilen von der persönlichen Einstellung ab. Das individuelle Weltbild wird dabei geprägt von eigenen Erfahrungen und der Gesellschaft.

Jetzt sei doch vernünftig – aber was heißt das?

Wenn Ihnen jemand sagt, dass Sie vernünftig sein sollen, fühlen Sie sich im ersten Moment vermutlich angegriffen. Schließlich impliziert der Satz, dass Sie bisher nicht der Vernunft gefolgt sind, in den Augen des anderen falsch liegen, schlechte Entscheidungen treffen und mögliche Konsequenzen nicht berücksichtigen. Nachdem Sie über den Wunsch, sich dagegen zu verteidigen, hinweggekommen sind, wird es aber nicht unbedingt leichter.

Die Frage, die sich stellt, lautet: Ist das, was Ihre Freunde, Familie und Kollegen für vernünftig halten, wirklich auch für Sie vernünftig? Solche Ratschläge kommen beispielsweise gerne von Eltern, die sich Sorgen machen, dass die Kinder sich nicht genügend um die Zukunft kümmern, einen falschen Job wählen oder ihre Zeit mit den falschen und unvernünftigen Dingen verschwenden.

So gilt es etwa als sehr vernünftig, eine gute Ausbildung zu machen oder direkt nach dem Abitur studieren zu gehen, einen Bausparvertrag abzuschließen, immer genügend Reserve auf dem Konto zu haben, um auch unerwartete Ausgaben decken zu können, den Partner fürs Leben zu finden und eine Familie zu gründen. Selbst der Vorsatz, gesund zu essen, ist der Vernunft geschuldet, da ständiges Fast Food bekanntermaßen auf die Hüften schlägt und die Gesundheit belasten kann.

Wie bereits erwähnt, ist das Empfinden und die Wahrnehmung von Vernunft jedoch individuell – und so ist das, was Ihre Eltern als unverantwortlich und vollkommen unvernünftig einstufen, für Sie vielleicht genau richtig und fühlt sich sehr vernünftig an.

Die unterschiedlichen Ansichten können zu Konflikten führen und es sei auch erwähnt, dass die Vernunft in vielen Dingen zum gleichen Ergebnis kommt und Entscheidungen aus gutem Grund als vernünftig gelten, weil sie eben alle Eventualitäten berücksichtigen.

Sprüche und Zitate zur Vernunft

  • Der Mensch ist vielerlei. Aber vernünftig ist er nicht. Oscar Wilde
  • Vielwisserei lehrt nicht Vernunft zu haben. Heraklit
  • Durch Vernunft, nicht durch Gewalt, soll man Menschen zur Wahrheit führen. Denis Diderot
  • Die Vernunft ist grausam, das Herz ist besser. Johann Wolfgang von Goethe
  • Nie kommt ein Mensch aus Vernunft zur Vernunft. Charles de Secondat
  • „Was will ich?“ fragt der Verstand. „Worauf kommt es an?“ fragt die Urteilskraft. „Was kommt heraus?“ fragt die Vernunft. Immanuel Kant
  • Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen. Johann Wolfgang von Goethe
  • Die Vernunft ist des Herzens größte Feindin. Giacomo Casanova
  • Der Mensch ist ein mit Vernunft begabtes Tier, das immer die Geduld verliert, wenn es der Vernunft gemäß handeln soll. Oscar Wilde
  • Wenn der Mensch so viel Vernunft hätte, wie Verstand, wäre vieles einfacher. Linus Pauling

Vernunft: Es kann gut tun, unvernünftig zu sein

Ein weiteres Zitat stammt vom Schriftsteller Nicolas Chamfort, der sagte Durch die Leidenschaft lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß. Damit trifft er ein Kernproblem der Vernunft auf den Kopf, denn diese führt oftmals dazu, dass Sie Impulsen widerstehen müssen, Ihre Wünsche hintenanstellen und sich stattdessen auf mögliche Konsequenzen besinnen.

Ich möchte gerne ein Jahr Auszeit nehmen, ein Sabbatical machen und die Welt bereisen. Ich will versuchen, mich selbstständig zu machen und eine eigene kleine Firma aufzubauen, wofür ich meinen unbefristeten Arbeitsvertrag kündigen muss. Ich möchte ein neues Auto kaufen und dafür einen Kredit aufnehmen. Ich will im Job eine Pause machen und ein Buch schreiben. Bei all diesen Ideen sagt die Vernunft zunächst einmal Nein, das kannst du nicht machen!

Zu groß die Risiken, es könnte die Zukunft negativ beeinflussen, wenn es nicht klappt. Die Vernunft hat solche Impulse fest im Griff, was auf der einen Seite gut ist und für Sicherheit und Beständigkeit sorgt. Niemand kann jeder Versuchung hinterherrennen und die unzähligen Impulse in die Tat umsetzen.

Es geht aber auch nicht um immer oder alle, sondern darum, vernünftig unvernünftig zu sein. Eigene Wünsche zu ignorieren, Leidenschaften fallen zu lassen und sich selbst immer zu vertrösten, dass es wahrscheinlich doch keine gute Idee wäre, macht unglücklich und führt dazu, dass Sie Ihre Ziele nicht verfolgen.

Hin und wieder unvernünftig zu sein, tut sehr gut. Sie hören auf sich selbst, folgen Ihren Passionen, gönnen sich etwas und erfüllen sich Wünsche. So ist es eine regelrechte Belohnung, nicht immer auf die Stimme der Vernunft zu hören.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie jegliche Vernunft vergessen sollten. Die Dosis macht das Gift und so sollten Sie nur in Maßen unvernünftig sein und die richtigen Momente erkennen, in denen es angebracht ist, ein Risiko in Kauf zu nehmen, um glücklicher zu werden.

[Bildnachweis: Cookie Studio by Shutterstock.com]
1. Februar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!