Buch schreiben: Anleitung, Tipps, Ghostwriter

Ein eigenes Buch schreiben: Das scheint offenbar der Traum vieler Menschen zu sein. Unzählige Zeitschriftenrückseiten und Litfasssäulen werben damit, wie jeder – auch Sie – ein Buch schreiben kann. In der Praxis ist das Ganze aber dennoch leichter gesagt, als getan. Nicht nur eine zündende Idee für einen interessanten Plot brauchen Sie. Auch das Handwerk des Schreibens versteht längst nicht jeder. Angefangen beim Storytelling über die Rechtschreibung bis hin zu formalen Feinheiten. Wie Sie ein Buch schreiben können und was Sie dabei beachten sollten…

Buch schreiben: Anleitung, Tipps, Ghostwriter

Von der Idee zum Konzept

Aller Anfang ist schwer. Das fängt bereits damit an, dass nicht immer eine konkrete Vorstellung davon existiert, worüber überhaupt geschrieben werden soll. Es reicht eben nicht, die Literaturgattung, die Epoche oder womöglich einen Charakterzug im Hinterkopf zu haben.

Die Themen liegen auf der Straße, heißt es gerne. Das setzt allerdings eine genaue Beobachtungsgabe voraus – ganz gleich, ob Sie sich durch andere Bücher, Menschen in Ihrer Umgebung oder politische Entwicklungen inspirieren lassen.

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen sind erkennbar? Inwieweit sind die Themen momentan anders als noch vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren? Welche Konflikte, welche Neuerungen nehmen Sie wahr? Welche Aspekte davon können zu Ihren Interessen oder einem groben Thema passen?

Was deutlich sein sollte: Selbst wenn die Themen vermeintlich im Überfluss vorhanden sind, so passt längst nicht alles zu jedem. Darüber hinaus verlangt es ein bewusstes Vorgehen, um Ideen für neue oder weitere Themen zu finden.

Tragen Sie am besten immer ein Notizbuch mit sich herum, in das Sie wichtige Gedanken aufschreiben. So überfrachten Sie sich selbst nicht völlig mit Eindrücken und stellen sicher, dass Sie bemerkenswerte Aspekte nicht vergessen. Darin können Sie beispielsweise eine Mindmap anlegen, die jederzeit ergänzt werden kann.

Planung verhindert Schreibblockaden

So mancher, der ein Buch schreiben möchte, sieht sich selbst gerne als leicht chaotischen, aber kreativen Künstler, der sich nicht die Fesseln einer Planung anlegen will. Wäre da nicht die Angst vor dem weißen Blatt Papier – denn Schreibblockaden treffen einen immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Eine solide Vorbereitung, Vorstellungen zum Aufbau hingegen können dabei helfen, solche Blockaden abzubauen. Das mag auf manche eher spießig wirken und einige namhafte Schriftsteller wie Stephen King gelten eher als sogenannte Bauchschreiber (auch discovery writer oder zu Deutsch: entdeckender Schreiber genannt).

Der Mehrzahl der Schriftsteller tut ein Gerüst jedoch ganz gut. Gerade wer am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere ist, sollte es so zumindest versuchen, um frustrierende Momente gering zu halten. Dazu gehört, dass Sie sich für den Anfang wie bei einem Elevator Pitch eine kurze Zusammenfassung Ihres Plots überlegen.

Als Outliner (zu Deutsch: Planer) müssen Sie sich Gedanken über Handlungen und Charaktere im Vorfeld machen. Dabei helfen die bekannten W-Fragen, also: Wer, was, wann, wie, wo und warum? Dabei reicht es für gewöhnlich nicht, ein paar Figuren vorzustellen, die sich treffen und alles ist in bester Ordnung.

Sie wollen Spannung erzeugen, also brauchen Sie – ganz gleich, ob für ein Sachbuch oder einen Roman – ein Problem, einen Konflikt. Denn der Leser liest weiter, weil er sich ein Nutzversprechen von Ihrem Buch erhofft: Die Lösung des Problems beziehungsweise Konflikts.

Es bietet sich folgender Aufbau an:

  1. Im ersten Teil führen Sie den Leser an Ihre Geschichte und die Figuren heran. Dafür gehen Sie noch nicht zu sehr in die Tiefe, sondern soweit, wie es zu diesem Zeitpunkt notwendig ist. Hier können Sie auf Hintergrundinformationen zurückgreifen, die zum späteren Zeitpunkt eine Rolle spielen werden, aber nicht unmittelbar mit der eigentlichen Geschichte zusammenhängen.
  2. Im Hauptteil kommt es zum Konflikt. Ganz gleich, ob Sie die Auswirkungen der gegenwärtigen Klimapolitik (nebst möglichen Zukunftsszenarien) beschreiben oder die Hauptfigur Ihres Mittelalterromans plötzlich der Hexerei angeklagt wird: Während die Einleitung das Setting liefert, kommt es im zweiten Akt zum Turning Point, Wendepunkt.
  3. Es folgt eine Reihe von dramatischen Ereignissen, möglicherweise sogar mehreren Problemen, die im Schluss münden. Wichtig ist hierbei das Kausalitätsprinzip, das heißt, die Ereignisse ergeben sich aus vorangegangenen. Das sichert einerseits den Unterhaltungswert, gleichzeitig ist es eine Frage der Logik. Das Ende muss nicht zwangsläufig einem Happy End entsprechen, allerdings muss der geschilderte Konflikt aufgelöst werden. Wenn es sich um ein Sachbuch handelt, das weit reichende Probleme schildert, ist eine allgemeingültige Lösung ohnehin nicht zu leisten. Es sollten in diesem Fall allerdings Lösungsvorschläge beziehungsweise Ansätze erkennbar sein.

Ghostwriter: Buch schreiben lassen

Oder doch vielleicht von einem Ghostwriter das Buch schreiben lassen? Ghostwriting weckt Assoziationen vom Schreiben von Geisterhand: Ohne eigenes Zutun entsteht ein formvollendeter Text und die Lorbeeren dafür heimst nicht der Verfasser ein, sondern derjenige, unter dessen Namen das Ganze publiziert wird.

Und das funktioniert so: Ein Ghostwriter verfasst im Namen einer anderen Person eine schriftliche Arbeit. Gegen Zahlung eines Honorars tritt er sämtliche Urheber- und Nutzungsrechte der selbst verfassten Arbeit an seinen Auftraggeber ab.

Selbst wenn die Idee vorhanden ist, kann es Gründe geben, die dagegen sprechen, selbst ein Buch zu schreiben:

  • Der eigentliche Autor hat keine Zeit, um den Text zu verfassen.
  • Er ist mit dem handwerklichen Vorgehen nicht vertraut, das heißt: Recherche, Stilistik und Struktur bereiten ihm Schwierigkeiten.
  • Schreibblockaden erschweren den Einstieg in den Text.

Und ein Buch schreiben zu lassen ist nichts Ehrenrühriges: Ghostwriter schreiben für eine Vielzahl an Menschen, die mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehen: Politiker, Fernsehmoderatoren, Kabarettstars – sie alle publizieren und oftmals landen ihre Bücher in den Bestsellerlisten.

Aber auch in der Wirtschaft gilt: „Wer als Keynote-Speaker, Unternehmensberater oder Trainer zur Spitzengruppe gehören will, beeindruckt potenzielle Kunden mit einem eigenen Buch zum Thema“, so Petra Begemann, selbst Autorin zahlreicher Bücher, langjährige Verlagsdirektorin und Ghostwriterin.

Und als Insiderin weiß sie, wie die Arbeit zwischen Ghostwriter und Auftraggeber zustande kommt:

Oft sind es die Buchverlage selbst, die dem Autor die Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter nahe legen. In den Lektoraten weiß man, dass begnadete Redner nicht automatisch gute Schreiber sind und dass exzellente Fachleute ihr Wissen nicht immer lesbar zu Papier bringen. Also bringt man den Inhaltsprofi mit einem Schreibprofi zusammen.

Ist Ghostwriting juristisch unbedenklich?

Ghostwriter Erfahrungen Agentur Preise gesucht günstig deutsch Definition legalGanz grundsätzlich ist Ghostwriting eine legale Dienstleistung, deren Rechtmäßigkeit unabhängig davon gilt, in welchem Bereich sie erbracht wird.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt stellte dies in seinem Grundsatzurteil am 01.09.2009 fest (Aktenzeichen: 11 U 51/08). Nun folgt das große Aber:

Academic Ghostwriting stellt stellt eine Ausnahme dar. Der Ghostwriter an sich macht sich mit seiner Arbeit zwar nicht strafbar. Jedoch der Auftraggeber, wenn er die Arbeit seines Ghostwriters komplett als die eigene ausgibt. Grund dafür ist die eidesstattliche Erklärung, die jeder Studierende unterschreiben muss.

Die gibt ihn als den alleinigen Verfasser seines Textes aus. Findet die Hochschule heraus, dass dies nachweislich nicht der Fall ist, kann er gemäß § 156 Strafgesetzbuch (StGB) wegen einer falschen Versicherung an Eides statt belangt werden. Dies kann zur Zahlung eines Bußgeldes oder schlimmstenfalls sogar Exmatrikulation führen.

Der legale Teil einer akademischen Arbeit, die von einem Ghostwriter angefertigt wurde, erstreckt sich auf drei Bereiche:

  • Zur Inspiration, wenn beispielsweise die Gliederung unklar ist.
  • Zur Unterstützung, wenn inhaltliche Zweifel oder Unsicherheiten bestehen.
  • Zur Korrektur, wenn Korrektorats- und Lektoratsaufgaben übernommen werden.

Wissensaneignung durch gewissenhafte Recherche

Nicht jeder ist Experte für alles. Wer ein Fachbuch über die Herausforderungen des Handwerks im 21. Jahrhundert schreiben will, braucht anderes Wissen als bei einem Roman über die Medizingeschichte im Mittelalter. Vieles lässt sich durch genaue Recherche anlesen. Aber längst nicht alles.

Gerade bei Fachbüchern gilt: Wer ein Buch schreiben will, um sich einen Namen zu machen, muss entsprechende Expertise vorweisen können, um ernst genommen zu werden. Niemand würde einem selbsternannten Klimaforscher Gehör schenken, der sich zwar sehr für Wetterphänomene interessiert, nachweislich aber weder Meteorologie, Geophysik, Mathematik, Informatik oder sonst ein mit der Klimatologie zusammenhängendes Fach studiert hat.

Aber auch wenn Sie im Selbstverlag publizieren, werden Ihre Bücher sich nicht verkaufen, wenn der Eindruck entsteht, dass der Verfasser keine Ahnung hat, wovon er schreibt. Ein solides Fachwissen ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Inhalt glaubwürdig und nachvollziehbar für den Leser wird.

Das gilt natürlich auch für einen fiktiven Roman. Um beim Beispiel der Medizingeschichte im Mittelalter zu bleiben: Ein Nichtmediziner kann Figuren, Situationen und Handlungen mühelos erfinden. Geht es um die Details einer Operation, welche Muskeln und Sehnen an welcher Stelle erkennbar sind, braucht er das Fachwissen eines Chirurgen.

Bibliotheken und das Internet liefern in jedem Fall genügend Stoff für einen Anfang. In einigen Fällen kann es notwendig sein, den Rat von Experten hinzuzuziehen. Je mehr Details Sie im Buch schreiben können, desto seriöser, nachvollziehbarer und lesenswerter wird es für den Leser.

Das eigene Buch: Liebhaberlektüre hat wenig Chancen

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Hobbyautoren kontinuierlich an: Ein Buch zu schreiben scheint offenbar en vogue. Die inhaltliche Bandbreite dieser selbstverlegten Literaturerzeugnisse ist allerdings enorm:

  • Die Hausfrau, die Lyrik verfasst, ist ebenso vertreten,
  • wie der Industriekaufmann, der glaubt, Einstein widerlegen zu können oder
  • der Oberstudienrat, der sich mithilfe eines frivolen Romans um unerfüllte Phantasien erleichtert.

Der Marktanteil dieser Liebhaberlektüre beträgt jedoch allenfalls 25 Prozent. Und der Erfolg der Titel hält nur selten mit dem Ego ihrer Autoren Schritt: Das meiste davon endet als unverkäuflicher Serverhüter.

Deutlich besser verkaufen sich Fachbücher, die eine gefragte Nische besetzen. Solche Spezialthemen sind für Publikumsverlage meist finanziell uninteressant, Ausfallrisiko und Lagerkosten sind zu hoch. Das heißt aber nicht, dass es dafür keine Zielgruppe gäbe.

Entsprechend hoch ist der Anteil der Fach- und Nischenbuchautoren bei den Bestellverlagen. Sie machen etwa die Hälfte der Urheber aus. Im Schnitt erreichen ihre Werke verkaufte Auflagen von bis zu 1000 Exemplaren.

Kein schlechtes Ergebnis für ein Fachbuch – und ein Spitzenwert für ein selbstverlegtes. Bei den großen Verlagen gehören schon Bücher mit einer verkauften Auflage von 5000 Stück zu den Topsellern. Und selbst das gelingt nur wenigen.

„Wir sind immer wieder überrascht, was sich am Ende gut verkauft und was nicht“, sagt Moritz Hagenmüller, Geschäftsführer der Self-Publishing-Plattform „Books on Demand“ (BOD). So sei zwar Lyrik generell unverkäuflich. Darüber hinaus aber ließen sich keine klare Trends ausmachen.

Mehr noch: Ob ein Buch ein Bestseller wird, hängt weniger von dessen sprachlicher Qualität ab als vielmehr davon, was der Autor daraus macht. Also, ob er zum Beispiel Lesungen und Events rund um sein Thema organisiert, eine Webseite dazu betreibt und Pressearbeit macht.

Erfolgsaussichten beim Buch schreiben

Tatsächlich ist der Impetus, einen literarischen Meilenstein abzuliefern, gar nicht mal der Hauptmotor für das Gros der Bestellbuchautoren. Was im Fachjargon „Vanity publishing“ genannt wird, habe nur geringe Bedeutung, sagt BOD-Chef Hagenmüller.

Die Mehrheit der Autoren sucht entweder die inhaltliche Unabhängigkeit oder hofft über das Sprungbrett Bestellbuch später doch noch bei einem der großen Verlage unterzukommen.

Ganz abwegig ist das nicht. So gibt es inzwischen einige Autoren, deren Erfolg ihnen Verlagstüren geöffnet hat:

  • Markolf H. Niemz zum Beispiel gelangte mit seinem Wissenschaftsroman „Lucy mit c“ als erster BOD-Autor auf die Taschenbuch-Bestsellerliste der Zeitschrift Gong. Die Fortsetzung „Lucy im Licht“ erscheint nun bei Droemer Knaur.
  • Guido Keller wiederum produzierte mit den Samurai-Weisheiten „Hagakure“ und über 28.000 verkauften Exemplaren einen der erfolgreichsten BOD-Titel und wechselt nun zum Piper-Verlag.
  • Und John Punisher wurde vom Eichborn-Verlag abgeworben, nachdem der Spiegel sein selbstverlegtes „Schwarzbuch der Rache“ vorgestellt hatte.

Schätzungen zufolge liegen etwa 300.000 unveröffentlichte Manuskripte in deutschen Schubladen. Und Verlage wie Campus erhalten jährlich rund 1000 unverlangt eingesandte Manuskripte, von denen im Schnitt nur eins im Jahr angenommen wird. Auch bei anderen Verlagen dasselbe Bild: Von den zugeschickten Manuskripten hat allenfalls jedes 300. eine Chance, genommen zu werden.

Die Chancen steigert allerdings, wer einen Agenten einschaltet. Die Dienstleister filtern schon im Voraus, welche Manuskripte für die Publikumsverlage attraktiv sind und sprechen diese entsprechend gezielt an. Die Wahrscheinlichkeit einen Vertrag zu bekommen, steigert sich so immerhin auf 1 zu 20. Hier eine kleine Auswahl namhafter Buchagenturen:

Eines muss einem Autoren allerdings immer klar sein: Reich wird man mit kaum einem Buch. Allenfalls eine nettes Zubrot ist drin. So bestimmen sich die Stückkosten der Bestellbücher aus Seitenumfang und Auflage: Ein Taschenbuch mit 160 Seiten kostet den Autor etwa rund neun Euro pro Stück, bei einer Auflage von 100 Exemplaren sind es nur noch knapp fünf Euro.

Da Books-on-demand-Autoren den späteren Ladenpreis ihres Werkes bestimmen können, legen sie damit gleichzeitig die Marge fest, die sie daran verdienen wollen. Das können pro Buch durchaus auch mal zehn Euro sein – vorausgesetzt, es wird auch bestellt.

Wie wird man eigentlich Romanautor?

Oliver Pötzsch hat das geschafft, wovon viele Hobby-Schriftsteller träumen. Er hat das Schreiben zum Beruf gemacht – zum Hauptberuf. Seit 2008 hat der 44-jährige Münchener einen Vertrag beim altehrwürdigen Ullstein-Verlag in der Tasche, seine Historienromane haben es seitdem auf Millionen Nachttische in aller Welt geschafft. Aber wie kommt man da hin? Wie wird man eigentlich Romanautor? Wir haben ihn ganz einfach gefragt – und einige ernüchternde, aber auch motivierende Antworten erhalten.

„Man kann ein Buch nicht planen wie eine Suppe“

Herr Pötzsch, ich habe eine tolle Idee für eine Geschichte, will sie einem Verlag vorstellen und daraus unbedingt einen Roman machen. Wie stell’ ich das an?

Ich würde zunächst mal jedem davon abraten, ein ganzes Manuskript aufzusetzen, was ja im Übrigen auch ein halbes Jahr oder länger dauert, und es dann an zehn Verlage gleichzeitig zu mailen und zu glauben, dass sich irgendwer dafür begeistert. Das klappt in den allerseltensten Fällen und ist vemutlich noch unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Man sollte sich besser an einen seriösen Literaturagenten wenden. Den findet man recht schnell, wenn man im Internet ein wenig googelt.

Aber da findet man doch bestimmt nicht nur ehrenwerte Herrschaften.

Natürlich tummeln sich da auch viele sinistre Gestalten, auf die man nicht hereinfallen sollte. Wenn jemand zum Beispiel eine Vorauszahlung von 3.000 Euro verlangt, dann ist er unseriös. Seriöse Agenturen arbeiten immer mit Provisionen, die meist zwischen 15 und 20 Prozent betragen. Der Agent bekommt also erst Geld, wenn Sie selbst welches bekommen. Man erkennt einen seriösen Agenten auch daran, dass er einem nicht das Blaue vom Himmel verspricht, das fängt schon mit der Gestaltung seiner Homepage an. Das wichtigste Merkmal ist aber eindeutig die Provisionsbasis.

Und über die Agenten komm ich dann ganz leicht an die Verlage ran, oder wie?

Naja, mittlerweile sind auch die Agenturen sehr wählerisch geworden, weil es einfach so viele Menschen gibt, die Schriftsteller werden wollen. Denen empfehle ich dann: Nerven Sie weiter! Allerdings wollen viele Agenturen heute erstmal 30 bis 40 Seiten Textproben sehen, eine gute Idee alleine reicht jedenfalls bei Weitem nicht.

Und wenn mich partout keiner haben will, was mach ich dann? Kann ich meinen Plan in Zeiten von E-Books nicht auch auf eigene Faust durchziehen?

Absolut. Ich selbst musste diesen Weg zwar nicht gehen, halte Selbst-Publishing aber für eine ganz tolle Sache. Und empfehle auch immer wieder, das zu versuchen. Verlieren kann man dabei ja nichts. Vor zehn, 20 Jahren musste man sein Buch noch im Eigenverlag drucken, wenn einen alle Verlage abgelehnt hatten. Das hatte zur Folge, dass die Bücher wahnsinnig teuer waren. Es gab Autoren, die 100 oder 200 Bücher von sich haben drucken lassen und sie dann für 30 Euro an irgendeinem Stand verkauft haben. Heute habe ich durch Amazon und Books-on-Demand die Möglichkeit, E-Books bzw. Bücher herstellen zu lassen. Ich muss vorher noch nicht mal eine Stückzahl angeben. Meine Bücher werden quasi on demand gedruckt bzw. sind als E-Book jederzeit erhältlich, das macht sie natürlich weitaus billiger. Ja, es ist also möglich, das heute ganz alleine zu machen und damit auch Geld zu verdienen.

Und das lohnt sich?

Sehen Sie: Wenn man zum Beispiel über Amazon ein E-Book verkauft, dann nimmt sich Amazon 30 Prozent und 70 Prozent bleiben beim Autor. Wenn ich dagegen bei einem normalen Verlag ein Taschenbuch rausbringe, dann bleiben bei mir vielleicht sieben Prozent hängen, wenn ich gut verhandelt habe. Das ist also schon eine verlockende Option.

Warum machen es dann nicht alle?

Man muss natürlich auch bedenken, dass das Internet ein Riesen-Meer ist. Wenn ich da mein Buch reinwerfe, dann muss es erstmal jemand finden. Die Leute stellen sich das zu einfach vor. Ein Verlag nimmt ja nicht umsonst Geld. Der hat einen Vertrieb, der macht die Presse, gestaltet das Cover und lektoriert. Das ist übrigens ganz wichtig und mehr als ein simples Rechtschreibprogramm. Ein Lektor ist ein professioneller Partner, der einen berät, auf den richtigen Weg bringt. Das sehen viele Leute nicht. Wenn man aber als Unternehmer denkt, seine eigenen Social Media-Auftritte professionell managed, sich um alles kümmert, auch einen Lektor mit ins Boot holt, einen Marketing-Plan macht und und und, dann ist man als Self-Publisher auf dem richtigen Weg.

Warum waren Sie doch gleich KEIN Self-Publisher und machen das ganz klassisch über einen Vertrag mit Ullstein?

Ich musste das schlicht und einfach nicht selbst machen. Ich hatte das Glück, dass ich sofort mit meinem ersten Buch einen Verlag gefunden habe. Ich glaube, Ken Follett hat zehn Bücher geschrieben, bevor er einen Verlag gefunden hat. Man soll aber nicht glauben, dass man seinen normalen Job mir nichts dir nichts kündigen und sich einen Porsche kaufen kann, wenn man einen Vertrag in der Tasche hat. Ich hab damals noch beim Fernsehen gearbeitet und kann ja mal eine Zahl nennen. Man bekommt in der Regel eine Vorauszahlung von 10.000 bis 15.000 Euro für ein Taschenbuch, die hat man also sicher. Wohlgemerkt für ein Buch, an dem man ein ganzes Jahr lang geschrieben hat. Jetzt muss aber nicht unbedingt viel mehr reinkommen. Je mehr Sie verkaufen, desto mehr bekommen Sie obendrauf. Sagen wir mal, Sie bekommen laut Vertrag 70 Cent für ein 10-Euro-Buch und verkaufen 20.000 Exemplare, dann sind Sie bei 14.000 Euro. Aber 20.000 Bücher müssen Sie erstmal verkaufen. Die wenigsten Autoren in Deutschland können vom Schreiben leben, für die meisten ist es ein sehr schlecht bezahltes Hobby.

Ich sehe schon, eine Karriere als Schriftsteller ist in keinster Weise planbar.

Nein, natürlich nicht. Das wäre ja auch eine schlimme Vorstellung, wenn man ein Buch planen könnte wie eine Suppe. Die wirklich großen Bücher waren immer die, bei denen die Verlage am Anfang abgewunken haben. Wer hätte gedacht, dass ein Buch über einen Jungen, der an eine Zauberschule geht, so ein Erfolg wird? Oder ein Buch über die SM-Praktiken einer Frau? Oder ein Buch über Vampirismus und erste Liebe? Das war alles nicht planbar. Das gilt auch für mich. Ein bayerischer Scharfrichter als Hauptfigur, da haben alle mit dem Kopf geschüttelt. Mittlerweile lesen das Menschen in China, den USA und Russland.

Und worin besteht das Geheimnis literarischen Erfolgs?

Ich glaube, dass ein erfolgreiches Buch nur zu 40 Prozent aus Können und Talent besteht, aber zu 60 Prozent aus Disziplin, Disziplin, Disziplin. Ich saß zum Beispiel schon oft in meinem Schreibstübchen und hab von meinem Fenster aus die anderen Familienväter beobachtet, wie sie mit ihrem Mégane zur Arbeit gefahren sind, und mir gedacht: ‚Wie alt bist du eigentlich – 14?‘ ‚Welchem Traum hängst du hier eigentlich nach?‘ Das Entscheidende ist aber, diesen Willen zu haben, zu brennen, das wirklich zu wollen. Diesen Willen haben alle großen Autoren, das zeichnet sie aus.

Wie sieht eigentlich der typische Tagesablauf eines Romanautoren aus?

Es ist wichtig, dass man sich selbst einen festen Arbeitsrhythmus vorgibt. Mein Glück ist, dass ich eine sehr protestantische Arbeitsethik habe. Ich sitze auch immer rasiert und angezogen in meinem Büro und nicht im Morgenmantel, aber das muss jeder selbst wissen. Um spätestens 9 oder 10 Uhr sitz’ ich am Schreibtisch und schreibe so drei bis vier Stunden, danach erledige ich noch meinen ganzen Bürokram bis 16 Uhr. Sechs Tage in der Woche arbeite ich, ein Tag ist für die Familie reserviert. Ich könnte auch nicht länger als drei, vier Stunden am Tag schreiben. Andererseits ist es als Schriftsteller so, dass man eigentlich immer arbeitet und irgendwelche Ideen ausbrütet.

Und wenn Sie mal keine mehr haben?

Das passiert nicht. Wenn ich Blockaden habe, dann hol ich mich da irgendwie raus. Ich geh laufen, ich geh spazieren, hab immer meinen Notizblock und mein iPhone dabei. Ideen finde ich am besten im Gehen. Und wenn gar nichts geht, dann leg ich mich in die Badewanne. Ich hab jeden Tag mindestens eine Idee.

Träumen Sie denn davon, Ihre Filme auch mal à la Harry Potter auf der großen Leinwand zu sehen?

Die Filmrechte sind verkauft. Aber historische Verfilmungen sind immer wahnsinnig teuer. Schauen Sie sich den Medicus an, der ist noch aus den 80ern von Noah Gordon und wurde kürzlich erst verfilmt. Das dauert immer ewig. Klar wünscht man sich das, aber das ist jetzt auch nicht der ganz große Traum von mir. Wenn ich es schaffe, mein Leben so durchzuziehen, dass ich vom Schreiben bis zu meinem hoffentlich noch weit entfernten Lebensende leben und nebenbei noch ein bisschen Geld für meine Kinder zur Seite legen kann, dann bin ich schon happy. Weil ich dann viel mehr geschafft hätte als die meisten anderen, die vom Schreiben geträumt haben.

Letztes Frage: Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Ich empfehle jetzt mal keinen Roman, sondern ein Anleitungsbuch. Und zwar „Save the Cat“ von Blake Synder. Das lesen zur Zeit alle in Hollywood, weil es ein Rezept für erfolgreiche Verfilmungen ist. Jeder, der sich gerne Filme anguckt oder auch Bücher schreibt, kann daraus was mitnehmen.

Herr Pötzsch, danke für das Gespräch.

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[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
26. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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