Wahrhaftig bleiben: Wie kann es gelingen?

Viele Menschen wollen wahrhaftig bleiben. Ein guter Vorsatz, der jedoch zunächst einmal nur ein Lippenbekenntnis ist, das häufig auf die Probe gestellt wird. Wahrhaftigkeit ist keine Leichtigkeit und kaum jemandem gelingt es, zu jedem Zeitpunkt wahrhaftig bleiben zu können. Der scheinbar simple Grund: Es ist in vielen Situation schlichtweg einfacher, der Wahrhaftigkeit zumindest für eine gewisse Zeit abzuschwören, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Doch wenn Sie nicht wahrhaftig bleiben und sich ständig verstellen, verleugnen Sie sich selbst und schlüpfen in eine Rolle, der Sie selbst nicht entsprechen. Wahrhaftig bleiben ist deshalb immer eine Einzelfallentscheidung – für die wir einige Tipps für Sie zusammengestellt haben…

Wahrhaftig bleiben: Wie kann es gelingen?

Wahrhaftig bleiben: Was bedeutet das eigentlich?

Wahrhaftig bleiben Definition Wahrhaftigkeit Einstellung ErklärungWahrhaftig bleiben wird häufig mit absoluter Ehrlichkeit gleichgesetzt und bedeutet für viele zunächst einmal, dass wahrhaftige Menschen die Wahrheit sagen und nicht auf Lügen oder zumindest verdrehte Wahrheiten zurückgreifen. Dies ist jedoch nur ein Teil der Wahrhaftigkeit, die deshalb nicht vollkommen synonym verwendet, sondern von der Ehrlichkeit differenziert betrachtet werden sollte.

Eher ist es eine Kombination von Ehrlichkeit und Authentizität, die Wahrhaftigkeit auszeichnet. Wahrhaftige Menschen sagen nicht nur die Wahrheit, sie stehen in erster Linie zu dem, was sie wirklich sind.

Wahrhaftig bleiben kann dabei in mehrere Grundsätze gegliedert werden. Dazu zählt beispielsweise, dass Ihre Aussagen Ihr Denken und Ihre Einstellungen widerspiegeln und das auch Ihre Handlungen das repräsentieren, wofür Sie stehen und worin Sie sich selbst erkennen.

Wahrhaftig bleiben: Darum fällt es vielen Menschen so schwer

Wahrhaftigkeit ist eine der leichtesten Übungen – schließlich müssen Sie nur genau die Person sein, die Sie ohnehin sind. Klingt einleuchtend, ist jedoch nicht mehr als ein verbreiteter Irrglaube. Wahrhaftigkeit ist nicht leicht und schon gar keine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich haben die meisten Menschen große Probleme damit, wenn Sie wahrhaftig bleiben sollen.

Der Grund ist dabei oft gleich: Wahrhaftig bleiben führt zu Konflikten, denen Sie aus dem Weg gehen können, wenn Sie sich stattdessen ein wenig verstellen und anpassen. Das zeigt sich schon an einem einfachen Beispiel aus dem alltäglichen Berufsleben. Stellen Sie sich vor, ein Kollege kommt zu Ihnen und erzählt Ihnen voller Freude von seiner Idee für sein aktuelles Projekt, an der er seit Tagen getüftelt hat.

Sie sind jedoch recht schnell der Meinung, dass der Einfall die Zeit nicht wert ist und das Konzept wenig überzeugt. Werden Sie wahrhaftig bleiben, dem Kollegen unverblümt die Meinung sagen und damit einen Streit am Arbeitsplatz riskieren? Manch einer sagt an dieser Stelle vielleicht Ja, würde ich, um zu seinen Überzeugungen zu stehen. Wie wäre es aber, wenn nicht Ihr Kollege, sondern der Chef von seinem neuen Konzept berichtet. Könnten Sie dann immer noch wahrhaftig bleiben – und es sich mit der Führungskraft verscherzen?

Dabei zeigen sich recht schnell die Kernprobleme der Wahrhaftigkeit:

  • Wie bin ich wahrhaftig?

    Sind Sie nur dann wahrhaftig, wenn Sie zu 100 Prozent dazu stehen, keine einzige Ausnahme machen? Fraglich ist auch, wie es sich verhält, wenn Sie nichts Falsches sagen, aber beispielsweise lieber schweigen oder etwas auslassen. Ist das bereits nicht mehr wahrhaftig?

  • Ist es wirklich sinnvoll, wahrhaftig bleiben zu wollen?

    Es gibt wohl keine hitzigen Diskussionen, dass es gut ist, im Großen und Ganzen wahrhaftig bleiben zu wollen. Aber gilt dies wirklich immer oder ist es manchmal vielleicht sogar besser, die Wahrhaftigkeit für eine gewisse Zeit beiseite zu schieben?

  • Wo wird die Grenze gezogen?

    Dies wird am obigen Beispiel besonders deutlich: Dem Kollegen gegenüber wahrhaftig bleiben ist das eine, dem Vorgesetzten gegenüber ist es jedoch noch einmal etwas ganz anderes – hier steht schließlich im schlimmsten Fall das berufliche Vorankommen auf dem Spiel. So muss jeder für sich selbst entscheiden, an welchem Punkt er die Grenze der Wahrhaftigkeit zieht und wo das Risiko den Nutzen übersteigt.

Ist wahrhaftig bleiben überhaupt immer sinnvoll?

Wahrhaftig bleiben Wahrhaftigkeit Definition Vorteile NachteileBeim Thema Wahrhaftigkeit wird meist nur über die Vorteile gesprochen. Diese sind natürlich durchaus vorhanden und Sie schaden sich selbst, wenn Sie sich immerzu als jemand geben, der Sie eigentlich gar nicht sind. Unbeachtet bleibt dabei aber der Aspekt, dass es vielleicht gar nicht sinnvoll ist, immer wahrhaftig bleiben zu wollen – nicht unbedingt für Sie, aber schon gar nicht für Ihr direktes Umfeld.

Dr. Angelika Weinländer-Mölders – Mentorin und Unterstützerin von jungen Frauen auf deren beruflichem Weg – erklärt dies eindrucksvoll an einem Beispiel aus dem Berufsleben: Authentizität gilt als wichtigste Eigenschaft eines Managers, der etwas auf sich hält und sie wird von der Mitarbeiterschaft meistens höherwertig als Fachkompetenz oder Belastbarkeit eingestuft. Dabei entbehrt das nicht eines gewissen Trugschlusses.

Denn wer braucht schon einen immerzu authentischen Choleriker als Vorgesetzten?

Gleichwohl der Choleriker an sich sehr viele angenehme Eigenschaften hat, so sind diese doch weniger auf seine Mitmenschen ausgelegt. Einen Chef, der sich auf Kosten anderer auslebt und sein Innerstes ohne Filter rauslässt, egal ob cholerisch polternd, phlegmatisch lamentierend oder melancholisch quengelnd? Den braucht niemand.

So ist wahrhaftig bleiben eben nicht zwangsläufig die beste Option für zwischenmenschliche Beziehungen. Es kann dazu führen, dass ein Filter fehlt, der zwischengeschaltet wird und für eine bessere Regulierung und Vereinbarkeit sorgt. Dr. Weinländer-Mölders empfiehlt deshalb, sich die Frage Wie viel Wahrhaftigkeit verträgt mein Umfeld? zu stellen – wobei gerade Führungspersönlichkeiten auf mehrere Aspekte achten sollten:

  • Kann ich mir das eigentlich leisten, in meiner Rolle als Führungskraft?
  • Ist es nicht vielmehr eine Schwäche mich transparent zu zeigen, denn hilfreich?
  • Mache ich mich damit nicht vielleicht sogar angreifbar?

Wahrhaftig bleiben: Zwischen Wahrhaftigkeit und Verstellung

Um es an dieser Stelle noch einmal deutlich zu sagen: Natürlich empfehlen wir nicht, dass Sie sich rund um die Uhr eine Maske aufsetzen, immer nur das sagen, was andere hören wollen und die Wahrhaftigkeit ein für alle Mal in den Wind schießen. Das sorgt auf Dauer nur für Unzufriedenheit und Selbstzweifel, da Sie nie Ihre eigene Persönlichkeit zeigen können und somit der Eindruck entsteht, Sie selbst seien nicht gut genug.

Der Impuls sollte sein, wahrhaftig bleiben zu wollen, sich dabei aber einen gewissen Spielraum zu bewahren – und diesen genauer auszuloten. Dr. Weinländer-Mölders beschreibt das folgendermaßen:

So hat es denn auch nichts damit zu tun, zu wenig Rückgrat zu beweisen oder nicht wahrhaftig zu sein, wenn ich nicht stetig und standhaft auf meiner Art die Dinge zu sehen und anzugehen beharre, im Gegenteil: Es kommt darauf an, mein Gegenüber da abzuholen, wo er steht – obwohl ich selbst vielleicht einen ganz anderen Standpunkt vertrete – und ihm auf diesem Empfängerhorizont zu begegnen. Dort kann ich kommunizieren und auch agieren – ohne mich zu verbiegen oder mir selbst untreu zu werden.

Wahrhaftig bleiben bedeutet nicht zwangsläufig stur zu sein oder anderen die eigene Meinung vorzugeben und zu verlangen, dass das Umfeld diese übernimmt. Wenn Sie wahrhaftig bleiben wollen, können Sie gleichzeitig durchaus zum Dialog bereit sein, andere Perspektiven verstehen und auch Ihren eigenen Blickwinkel hinterfragen. Wahrhaftigkeit heißt schließlich nicht, dass Sie die Weisheit für sich allein beanspruchen.

Will heißen: Sie können durchaus wahrhaftig bleiben, wenn Sie Ihre Sicht der Dinge verändern, Neues dazulernen oder Ihre Meinung überdenken. Vielmehr wäre es nicht wahrhaftig, wenn Sie trotz besseren Wissens auf einem aus Ihrer Sicht falschen Standpunkt beharren, weil Sie dies einmal geglaubt haben.

Zum Abschluss noch einen Ratschlag von Dr. Weinländer-Mölders: Mein Tipp für die Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrhaftigkeit: Stellen Sie sich folgende Fragen beziehungsweise, behalten Sie diese im Hinterkopf und holen Sie sie immer mal wieder hervor, um Ihr Handeln mit Ihrem Inneren abzugleichen:

  • Welche Wertmaßstäbe sind für mich in meinem Leben am wichtigsten und wie haben sich diese Werte im Laufe der Zeit verändert?
  • Welche Schwierigkeiten muss ich überwinden, um diese Werte umzusetzen beziehungsweise was bin ich bereit aufzugeben, um nach diesen Wertvorstellungen zu leben?
  • Welche Eindrücke oder Anreize von außen und aus meinem Inneren heraus, beeinflussen mich am meisten?

[Bildnachweis: plprod by Shutterstock.com]
10. April 2016 Autor: Redaktion

Dieser Artikel wurde von der Redaktion lediglich bearbeitet und minimal redigiert, um ihm dem Redaktionssystem anzupassen. Verantwortlich für den Inhalt und die Richtigkeit der darin gemachten Aussagen und Links ist allein der genannte (Gast)Autor.

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