Warum Sie nicht alles überdenken sollten

Auf dem Flur unterhalten sich zwei Kollegen miteinander. Ihr Chef verschiebt das geplante Meeting mit Ihnen. Und ein guter Freund hat sich seit zwei Wochen nicht mehr bei Ihnen gemeldet… Auf den ersten Blick alles keine großen Sachen. Das ändert sich aber, sobald Sie anfangen, das alles zu überdenken: Lästern die beiden Kollegen vielleicht hinter Ihrem Rücken? Ist der Chef unzufrieden mit Ihrer Arbeit? Und ist der Freund vielleicht sauer auf Sie? Sie sehen, wo das hinführt. Grübeln nährt regelmäßig Zweifel. Und Dinge zu überdenken – immer wieder – erzeugt die wildesten Spekulationen. Was Sie dagegen tun können…

Warum Sie nicht alles überdenken sollten

Wer neigt besonders dazu, alles zu überdenken?

Jeder hat sich wahrscheinlich schon einmal dabei ertappt, wie er sich den Kopf über etwas zerbrochen hat. Manchmal aus gutem Grund, manchmal aber auch bei den unnötigsten Kleinigkeiten.

In diesen Situationen scheint das Gehirn sich selbstständig zu machen. Zweifel keimen und das Gedankenkarussell fährt Extrarunden. Mit zunehmendem Tempo.

Wie häufig wir die Dinge überdenken, hängt von letztlich von unserer Persönlichkeit ab. Manche Menschen neigen besonders stark dazu, sich über alles Gedanken zu machen. Vor allem diese zwei Typen zählen dazu:

  • Unsichere Menschen

    Wer zum Beispiel ein schwaches Selbstvertrauen besitzt, bezieht Vieles gerne auf sich: Etwas klappt nicht? Klar, ich bin ja auch ein Versager! Jemand kritisiert Sie? Kein Wunder, mich mag ja keiner! Kurzum: Jede Kritik, jedes Missgeschick wird sofort als Angriff gewertet – und kratzt noch mehr am ohnehin leidenden Ego.

  • Schüchterne Menschen

    Anstatt eine Situation anzusprechen und damit aus der Welt zu schaffen, machen Schüchterne die Dinge lieber mit sich selbst aus. Dabei aber lassen die eigenen Gedanken leider viel Spielraum für Interpretationen.

Beide Haltungen sind letztlich gelernte Verhaltensmuster. Gefährlich sind sie dazu. Aber – und das ist die gute Nachricht: Was man gelernt hat, lässt sich ebenso auch wieder verlernen. Also abtrainieren. Dazu kommen wir gleich…

4 Gründe, warum Sie nicht alles überdenken sollten

Wenn wir scheinbar einfache Situationen endlos überdenken, geraten unser Gedanken leicht auf Abwege, die mit der Realität soviel zu tun haben, wie Marschmusik mit Heiterkeit. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen: Sie fühlen sich schlechter als zuvor. Und Mücken mutieren zu Elefanten.

Um sich vor einer solchen Abwärtsspirale zu bewahren, sollten Sie sich immer wieder bewusst machen, warum Sie nicht alles und ständig überdenken sollten. Vieles wissen Sie vermutlich schon. Aber es ist wie immer: Wenn man es sich nicht regelmäßig bewusst macht, vergessen wir es gerne.

Deshalb, daher und darum: 4 Gründe, warum sich ständiges Überdenken nicht lohnt…

  1. Sie stellen nur Vermutungen an.

    Wenn Sie sich über das Verhalten von Kollegen oder Chef den Kopf zerbrechen, stellen Sie letztlich nur Vermutungen an. Tatsächlich wissen Sie gar nicht, ob ein Verhalten wirklich so gemeint war, wie Sie es gerade deuten. Diese Vermutungen sind das größte Problem und der Hauptgrund, warum Sie nicht alles überdenken sollten: Eine Vermutung führt schnell zur nächsten. Schon haben Sie sich eine Geschichte ersponnen, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Halten Sie sich stattdessen rein an die Fakten. Falls Sie diese nicht kennen, fragen Sie nach!

  2. Sie gehen vom Worst-Case-Szenario aus.

    Haben Sie bei zwei tuschelnden Kollegen im Büroflur jemals gedacht: Vielleicht loben Sie gerade meine neue Frisur, trauen sich aber nicht, es direkt zu sagen? Wohl kaum. Beim Überdenken wird fast immer das Worst-Case-Szenario angenommen. Dabei könnte dahinter auch eine positive Wendung stecken. Wenn Sie schon in Grübeln geraten – denken Sie zumindest an beide Alternativen! Vor allem an die positive.

  3. Sie liegen öfter falsch als richtig.

    Denken Sie jetzt bitte einmal an all die Gelegenheiten zurück, an denen Sie solche Vermutungen angestellt haben. Wie viele Male, lagen Sie mit Ihrer Einschätzung richtig? Eben. Wenn Sie nicht gerade ein veritabler Hellseher sind, dann lagen Sie meistens falsch. Wie wir alle. Denn erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt! Es bringt also genau genommen gar nichts, stunden- oder gar tagelang den eigenen Spekulationen nachzuhängen. Sie werden dadurch nicht richtiger. Sparen Sie sich lieber diese Lebenszeit.

  4. Sie gehen sich selbst auf die Nerven.

    Das klingt hart, trifft es aber auf den Kopf: Wie denken Sie selbst über Kollegen oder Bekannte, die ständig nörgeln, über Schwarzseher und ewige Pessimisten? Genau: sie nerven. Das machen Sie mit sich selbst genauso. Effekt: Sie nerven sich nicht nur, sie finden sich selbst immer unausstehlicher. Und das ist pure Selbstsabotage. Gegen diese Art von Unsicherheit hilft nur, das Gedankenkarussell bewusst stoppen und sich selber zwingen, damit aufzuhören. Oft gelingt das, indem Sie für Ablenkung sorgen und Ihr Gehirn zwingen, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Wie es Ihnen gelingt, nicht alles zu überdenken

Wie es Ihnen gelingt, nicht alles zu überdenkenSie kennen sich selbst am besten und wissen daher auch in welchen Situationen Sie besonders leicht dazu tendieren, alles zu überdenken. Ebenso wissen Sie bis hierhin, warum es nicht lohnt die Dinge immer und immer wieder zu überdenken. Was Sie (vielleicht) noch nicht wissen aber ist: Wie lässt sich das Grübeln stoppen?

Hierzu drei einfache Tipps, um das unnötige Überdenken aufgeben zu können:

  • Schaffen Sie Fakten. Verrennen Sie sich nicht in wilden Vermutungen, sondern fragen Sie nach.
  • Bleiben Sie positiv. Es geht nicht immer um Sie. Und es ist auch nicht alles schlecht.
  • Lassen Sie es gut sein. Sie können nicht alles kontrollieren, also versuchen Sie es auch erst gar nicht.
    Denken limitiert Spruch

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3. Oktober 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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