6 Signale, dass Sie zu hart zu sich sind

„Quäl dich, du Sau“. Unvergessen, wie Radprofi Udo Bölts seinen Teamkollegen Jan Ullrich 1997 den Berg hochschrie. Mit Erfolg, Ullrich gewann die Tour de France (das böse Ende folgte erst später). Härte gegen sich selbst – das zeichnet wahre Champions aus. So steht es im großen Buch der Weisheiten. Was dort aber auch steht: Wenn Sie mit sich selbst stets zu hart ins Gericht gehen, kann das ebenfalls zum Leistungseinbruch führen. Und unglücklich wird man obendrein. Wir haben 6 Tipps für Sie, damit Sie die richtige Balance finden und nicht zu hart zu sich sind…

6 Signale, dass Sie zu hart zu sich sind

Sei nicht so hart zu dir!

„Sei nicht so hart zu dir.“ Der Rat taugt nicht nur als Wiederaufbauprogramm für Deprimierte. Sondern auch als veritables Lebens- und Überlebensmotto, speziell für Studenten.

So ist laut Wissenschaftlern der University of British Columbia ein intaktes Selbstmitgefühl das Erfolgsrezept schlechthin für Akademiker. Wer mit sich selbst nicht zu hart umspringt, schafft es mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit durch das erste Studienjahr, haben sie festgestellt. Selbstmitgefühl ist demnach mit mehr Energie, Lebensfreude und Optimismus verbunden.

Wie man das anstellt? Dazu gehöre die Erkenntnis, dass Versagen ein universelles Phänomen ist. Die Kultur des Scheiterns verinnerlichen. Jeder versagt mal, jeder scheitert mal, jeder macht mal Fehler. Ganz normal!

Diese Erkenntnis sei gerade für Erstsemester wichtig, sagen die Studienautoren. Wer mit guten Noten von der Schule kommt und wieder bei Null anfängt, nicht mehr den sozialen Support hat und zum ersten Mal alleine lebt, lässt sich womöglich schnell aus der Bahn werfen.

Eine schlechte Klausur? Nicht tragisch. Mund abputzen und beim nächsten Mal besser machen…

Zu hart zu sich sein: Was hat Facebook damit zu tun?

Gewicht, Aussehen, Job, Fitnesslevel, Wohlstand – die sozialen Netzwerke sind Messstationen. Allerorten wird sich verglichen. Das verleitet uns dazu, noch härter mit uns selbst zu sein.

„Wir sind als Menschen soziale Wesen und hängen davon ab, von unseren Artgenossen wertgeschätzt und geliebt zu werden“, sagt Psychotherapeutin Christine Brähler in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. „Es ist eine Art sozialer Überlebensmechanismus.“

Wer nicht mithalten kann, der nimmt sein soziales Leben irgendwann als bedroht wahr – und bekämpft sich selbst. „Das tut uns nicht gut“, so Brähler. Dabei müsse man gar nicht immer hart zu sich sein, um sich zu verbessern. „Menschen, die mehr Selbstmitgefühl haben, können sich besser in andere hineinversetzen„, so Brähler. Wer in Selbstmitleid oder Selbsthass versinkt, hat dagegen keine Kapazitäten mehr für andere.

Selbstmitgefühl hilft also allen…

6 Signale, dass Sie zu hart zu sich sind

  1. Komplimente nicht annehmen

    „Gute Arbeit, Meyer!“ – „Ach was, nicht der Rede wert. Das hätte doch jeder hingekriegt.“ Bescheiden und ehrenwert, aber wohl dennoch die falsche Reaktion. Komplimente nicht annehmen können – das zeugt mitunter von mangelnder Selbstachtung und die ist ein echtes Hindernis.

    Wenn wir ein Kompliment hören, wird der Striatum im Großhirn aktiviert. Das ist beispielsweise auch dann der Fall, wenn jemand uns Bargeld in die Hand drückt (die Oma etwa). Es löst ein Glücksgefühl aus.

    Japanische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es damit nicht aufhört. Ist der Striatum erst einmal angetriggert, motiviert er uns, spornt uns zu noch besseren Leistungen an. Das erklärt auch, warum wir alle so nach Anerkennung lechzen – und warum Vorgesetzte häufiger Komplimente machen sollten.

    Komplimente beflügeln. Darum sollte man sie auch annehmen.

  2. Schuldgefühle haben

    Dauergrübeln kann ein Zeichen von Intelligenz sein. Aber es macht unglücklich. Wer permanent auf kleinen und größeren Verfehlungen herumkaut, stresst sich, neigt zu Bluthochdruck, schlechter Laune, Herzrasen, Angstzuständen, Schlaflosigkeit. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.

    Wer viel grübelt, verschreckt sogar Kollegen und verkauft weniger. Besser, man könnte Schlussstriche viel schneller ziehen. Nach dem verpatzen Vorstellungsgespräch oder dem miserablen Tag im Büro etwa.

    Helfen kann der Zwei-Minuten-Test, der besagt: Grübeln sie ruhig, aber stellen Sie sich nach zwei Minuten folgende Fragen. Haben mich die Gedanken einer Lösung näher gebracht? Fühle ich mich jetzt besser? Lautet die Antwort jeweils Nein, dann stellen Sie das Grübeln ein – zur Not zwingen Sie sich dazu.

  3. Eigene Ideen schlechtreden

    Das Ideenmanagement vieler Unternehmen trägt einen Januskopf. Vorgesetzte ermuntern fortwährend dazu, kreativ zu sein. Aber legen die Mitarbeiter ihre Ergüsse dann auf den Tisch, bauen sich unzählige Hindernisse auf. Ignoranz, Einwände, enge Budgets, skeptische Gremien – unterwegs sterben die meisten Ideen den Hungertod.

    Auch gibt es da noch das Not invented here-Syndrom. Menschen bügeln die Ideen Anderer gerne ab, weil es nicht die eigenen sind – unabhängig von ihrer Qualität.

    All das soll sagen: Ob sich eine Idee durchsetzt oder nicht, hängt nicht ausschließlich davon ab, ob sie gut oder schlecht ist. Wenn Sie mit ihren schon mehrfach gegen die Wand gelaufen sind, kann das tausend Gründe haben. Dies sollte man sich klar machen – und keinesfalls zu hart zu sich sein.

  4. Unter Wert verkaufen

    Verhandlungsgeschick ist eine Kunst, die nur sehr wenigen in die Wiege gelegt wird. Viele aber wollen sie nicht einmal erlernen.

    Sie bewerten sich vor der Gehaltsverhandlung zu kritisch, stellen eigene Fehler und Unzulänglichkeiten in den Vordergrund – und sich damit selbst ein Bein. Und ja – glaubt man Wissenschaftlern, Personalern und sogar Verhandlungstrainern – dann handelt es sich dabei sehr oft um Frauen.

    Die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstreflexion ist gut, kann sich aber auch ins Gegenteil verkehren. Und wer reflektiert, müsste auch zu dieser Schlussfolgerung kommen: Sogar der Kollege mit dem Top-Gehalt macht immer und ständig Fehler. Sein gutes Gehalt verdient er (wahrscheinlich) trotzdem zu Recht.

    Darum gilt auch vor dem Geld-Poker: Nicht zu hart zu sich sein, sondern lieber die Stärken und erbrachten Leistungen in die Waagschale werfen…

  5. Zu viel arbeiten

    Menschen arbeiten viel und hart, weil sie etwas erreichen oder gar die Welt verändern wollen. Oder weil sie auf das Geld aus dem Nebenjob angewiesen sind oder ein Haus abbezahlen müssen.

    Es soll aber auch Menschen geben, die Überstunde um Überstunde abreißen, weil sie glauben, das tun zu müssen. Etwas kompensieren zu müssen. Aus übertriebenem Pflichtbewusstsein oder gar Schuldgefühlen. Oder Mitarbeiter, die sich nicht krank melden, obwohl ihnen der Kopf platzt. Ein Fehler!

    Zu viele Arbeitsstunden machen müde, unproduktiv und unglücklich. Damit helfen sie letztlich niemandem. In Wahrheit schaden mehr als 25 Stunden Arbeit pro Woche sogar dem Gehirn, sagen australische Wissenschaftler.

    Also: Seien Sie nicht immer so hart zu sich, sondern auch mal samtweich. Wir haben zu diesem Zweck sogar eine eigene Rubrik eingerichtet: Habenwill. Kleine und große Kostbarkeiten, mit denen Sie sich belohnen können.

  6. Nie innehalten

    Im Englischen gibt es das schöne Sprichwort: „The grass is always greener on the other side of the fence“. Frei übersetzt: Der Mensch ist ein Getriebener, niemals zufrieden mit sich und dem Status quo. Selbstverständlich auch im Job nicht.

    Wir vergleichen uns nicht nur ständig mit denen, die besser dastehen. Wir grübeln auch darüber, was hätte sein können, aber nicht ist. Eine bessere Abschlussnote als die, die auf dem Zeugnis steht. Eine bessere Uni, ein besserer Job, ein höheres Gehalt… So hart geht man mit Fremden und Freunden meist nicht ins Gericht.

    „Das ist der Unterschied zwischen den Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, und den Erwartungen, die wir an die anderen haben“, so Christine Brähler. Tipp: Innehalten und sich regelmäßig eigenen Leistungen vor Augen führen. Auch das bewahrt davor, zu hart zu sich zu sein…

[Bildnachweis: LightField Studios by Shutterstock.com]
25. April 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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