Mentale Freiheit: So gewinnen Sie sie

Es gibt Zeiten, da hat der Stress uns fest im Griff. Herausforderungen auf der Arbeit, Deadlines und dann vielleicht noch unzählige Verpflichtungen im Privatleben – der Kopf schwirrt. Mentale Freiheit spielt jedoch eine entscheidende Rolle, wenn es um Regeneration geht. Wer mental ständig mit Problemen und Dingen, die erledigt werden müssen beschäftigt ist, kann sich nicht entspannen. Für eine gewisse Zeit kann das funktionieren. Wer dauerhaft unter „Strom“ steht, betreibt Raubbau mit seinem Körper. Um so wichtiger ist es, sich der Wirkung schädlicher Verhaltensweisen bewusst zu werden und sich Methoden dagegen anzueignen.

Mentale Freiheit: So gewinnen Sie sie

Wie mentale Unfreiheit schadet

Um zu verstehen, was mit mentaler Freiheit gemeint ist und wie Sie sie erlangen können, werfen wir zunächst einen Blick auf das Gegenteil. Mentale Unfreiheit zeigt sich in verschiedenen Situationen, die viele Menschen kennen. Wenn wir beispielsweise unter Stress stehen, dann kreisen die Gedanken häufig nur noch um eine Sache – oder schlimmstenfalls sogar mehrere Sachen:

Eingeleitet werden diese Gedanken oft mit „Ich muss noch“, „schnell“, „eben“ und verstärkt durch den Blick auf mögliche Konsequenzen: „Wenn ich nicht… schaffe, dann passiert…“. Das alles baut noch mehr Druck auf. Das Problem: Es entsteht ein Tunnelblick.

Bestimmte Möglichkeiten werden gar nicht mehr wahrgenommen, Menschen blockieren sich regelrecht für andere Dinge. Ein Zustand, in dem wir Druck von außen bekommen und uns selbst noch welchen machen, ist wenig erstrebenswert und führt irgendwann zu gesundheitlichen Problemen.

Daher ist mentale Freiheit so wichtig, denn sie ermöglicht Handlungsspielraum. Sie ist entscheidend dafür, dass wir gesund werden, Lebensqualität und persönlichen Erfolg empfinden. Die Schwierigkeit liegt darin, sie zu erlangen und zu bewahren.

Das hängt damit zusammen, dass jeder Mensch Teil einer Gesellschaft ist und damit bestimmten Normen und Werten unterliegt. Inwieweit wir diese allerdings für uns annehmen und befolgen, liegt in unserer eigenen Verantwortung.

Gesellschaftliche Normen und Werte prägen

Natürlich kann sich keiner so ohne Weiteres von bestimmten Überzeugungen freimachen. Wir sind in einer bestimmten Umgebung sozialisiert worden. Die Gesellschaft, Eltern, Lehrer und Menschen in unserer Nähe prägen uns und unser Denken.

Ein Beispiel: Jede Gesellschaft basiert in irgendeiner Form auf dem Senioritätsprinzip. Das bedeutet, dass das, was ältere Menschen zu sagen haben, ihre Werte und Normen, zu einem Großteil übernommen und nicht infrage gestellt werden. Sie bekommen gewissermaßen Vorschusslorbeeren dafür, dass sie älter sind, mehr Erfahrung haben.

Erkennbar ist dieses Prinzip beispielsweise anhand des Ältestenrats im Deutschen Bundestag; solche hat es bereits in antiken Gesellschaften gegeben. Niemand käme auf die Idee, Regierungsgeschäfte oder die Unternehmensführung in die Hände von Kindern ( = Unerfahrenen) zu geben.

Mentale Freiheit bedeutet hier, dass Sie zwar solche Regeln kennen, aber für sich entscheiden, ob Sie sie akzeptieren. Und zwar nicht unbedingt allgemein, sondern situationsabhängig. Sie mögen insgesamt den Ältestenrat für eine sinnvolle Institution halten, weil ältere Menschen über mehr Lebenserfahrung verfügen.

Und dennoch kann Ihnen eine ältere Person begegnen, die völlig verbohrte, realitätsfremde oder gar menschenfeindliche Ansichten vertritt, mit denen Sie nichts anfangen können. Es zählt zu unseren westlichen Errungenschaften, in solchen Momenten nicht starr irgendwelchen gesellschaftlichen Glaubenssätzen (Respekt vor dem Alter) folgen zu müssen, sondern hier frei seine Meinung vertreten zu dürfen.

Handelt es sich hierbei um Ihren Vorgesetzten, haben Sie vielleicht ein Problem. Dennoch werden Ihnen von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite aus keine Konsequenzen drohen.

Mehr Mut zu Eigenverantwortlichkeit

Raus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit – das war eine zentrale Forderung Kants. Dahinter verbirgt sich letztlich nichts anderes, als dass Menschen den Mut haben sollten, sich ihres Verstandes zu bedienen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Mentale Freiheit – das ist Minimalismus des Geistes.

Sie misten innerlich gnadenlos aus, indem Sie sich von alten Denkmustern zu verabschieden, die schädlich sind. Mentale Freiheit ist nicht nur eine Haltung sich selbst gegenüber, sondern auch anderen gegenüber.

Zu denken, man müsse bestimmte Dinge so und so erledigen, weil „alle“ das so machen (wer ist alle?), oder weil es von Ihnen erwartet wird, ist mentale Unfreiheit.

Natürlich: Hier ist nicht die Rede vom totalen Widerstand gegen sämtliche gesellschaftliche Norm, es geht nicht um Anarchie. Worum es geht ist vielmehr: Die eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen und zu überprüfen, ob sie tatsächlich die Relevanz haben, die wir ihnen zuschreiben.

Und falls ja: sind sie hilfreich? Wenn nein: warum belasten wir uns noch damit?

Wie Denkmuster Fallen stellen

Denn häufig wird unser Selbstbild dadurch verzerrt. In vielen Fällen sind es Glaubenssätze, die Menschen aus ihrer Kindheit mitgenommen haben. Sie dienten ursprünglich dazu, kritische Situationen zu vermeiden.

Ein Glaubenssatz könnte zum Beispiel lauten: Ich bin immer so ungeschickt. Vielleicht hat ein Kind häufiger etwas kaputt gemacht und wurde dafür von der Mutter zurecht gewiesen. Infolgedessen strengt es sich mehr an, solche Situationen zu vermeiden, denn als Kind ist es abhängig von der Liebe und Fürsorge seiner Eltern.

Zahllose Situationen aus der Kindheit können dazu führen, dass Menschen Denkmuster verinnerlichen, die sie im Erwachsenenleben behindern: Ich kann nichts richtig machen, ich bin so langsam, ich kann nicht logisch denken… und so weiter.

Dabei fördert dieses Denken eher selbsterfüllende Prophezeiungen, als dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht. Diese mentale Unfreiheit führt dazu, dass Menschen sich selbst der Möglichkeit berauben, sich zu entwickeln und einen neuen Weg einzuschlagen.

Damit sind unter Umständen immer wieder die gleichen frustrierenden Erfahrungen vorprogrammiert, statt dass sich etwas zum Positiven verändert.

Neue Erfahrungen zulassen und suchen

Auch wenn die Kindheit eine sehr prägende Zeit ist: Es gibt noch genügend Möglichkeiten, als Erwachsener Erfahrungen zu machen, die diese alten Denkmuster verändern.

Sie bestimmen, wie Sie mit Situationen umgehen, was Sie denken. Beispielsweise wenn Sie gerade in einer Lebenskrise stecken: Der Partner hat Sie verlassen, Sie haben eine chronische Krankheit oder Sie wurden gekündigt und müssen nun mit 50 sich erneut am Arbeitsmarkt positionieren.

Allesamt keine leichten Situationen. Und gleichzeitig nichts, dass nicht bereits jemand vor Ihnen erlebt hätte. Sie können sich nun natürlich in die Opferrolle begeben und in Selbstmitleid ertrinken. Für eine gewisse Zeit mag das helfen, sich selbst zu bedauern.

So erlangen Sie mentale Freiheit

Allerdings versklaven Sie sich selbst, wenn Sie aus diesem Loch nicht wieder herauskommen. Natürlich haben Sie nicht automatisch eine Beziehung, werden nicht gesund oder erhalten eine Jobzusage, nur weil Sie den Blickwinkel ändern. Und trotzdem: Der Umgang mit solchen Situationen ist entscheidend für Ihre Handlungsfähigkeit.

Das können Sie tun:

  • Durchbrechen Sie die Routine.

    Um mentale Freiheit zu erlangen, brauchen Sie neue Erfahrungen. Sie könnten beispielsweise bewusst neue Wege zum Arbeitsplatz wählen. Wer mit dem Auto fährt, kann das Fahrrad benutzen. Diese Routineunterbrechungen tragen dazu bei, dass sich neue Gehirnareale miteinander verknüpfen. Das kommt Ihrer Intelligenz und Denkprozessen zugute. Es hilft Ihnen in Situationen, in denen Sie bisher gedanklich feststeckten, auf neue Ideen zu kommen.

  • Misten Sie aus.

    Manche vertreten die Ansicht, dass die innere Ordnung sich im Äußeren spiegele und umgekehrt. Um mentale Freiheit zu erlangen, müssen Sie sich von alten, störenden Denkmustern und Glaubenssätzen befreien. Äußerlich können Sie diesen Prozess begleiten, indem Sie sich von unnötigem Ballast trennen. Alte Möbel und Kleider, die Ihnen längst nicht mehr gefallen, aber dennoch in der Ecke herumstehen. Bücher, die Sie längst nicht mehr lesen. Alte Dinge wegzugeben kann befreiend sein und anderen eine Freude machen. Gleichzeitig schaffen Sie Platz für Neues.

  • Wählen Sie bewusst aus.

    Übernehmen Sie neue, förderliche Glaubenssätze, beispielsweise können Sie mit Affirmationen arbeiten. Suchen Sie sich neue Erfahrungen, an denen Sie Spaß haben – lernen Sie eine neue Sprache, besuchen Sie einen Tanzkurs – eignen Sie sich bewusst neue Kenntnisse an. Neue Impulse auf verschiedenen Ebenen, körperlicher, emotionaler und geistiger, sorgen dafür, dass Sie mit alten Erfahrungen vergleichen können.

  • Hören Sie auf Ihren Bauch.

    Was signalisiert eigentlich Ihr Körper in bestimmten Situationen? Teilweise haben Menschen verlernt, die Signale ihres Körpers wahrzunehmen. Sie registrieren wohl die Erkältung, vielleicht auch die zunehmende Häufigkeit von Infekten. Aber die Verspannungen in der Magengegend und im Nacken werden ignoriert. Mehr Achtsamkeit, vor allem sich selbst gegenüber, trägt zur mentalen Freiheit bei.

[Bildnachweis: Ollyy by Shutterstock.com]
1. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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