Minimalismus: 8 Tipps für Job & Arbeitsplatz

Weniger ist mehr: Das ist die Idee hinter dem Minimalismus. Laut Definition handelt es sich dabei um eine „bewusste Beschränkung auf ein Minimum“, eben gerade auf das Nötigste. Das Konzept findet sich im Privaten – zum Beispiel in Form von Konsumverzicht – sowie in zahlreichen öffentlichen Bereichen wie der Kunst, der Architektur und der Musik. Längst hat sich Minimalismus als eigener Lebensstil etabliert (siehe auch „einfaches Leben“ oder „simple living“). Und er macht auch vor dem Job nicht halt. Wie aber funktioniert Minimalismus am Arbeitsplatz – und ist weniger wirklich mehr?

Minimalismus: 8 Tipps für Job & Arbeitsplatz

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Was bedeutet es, minimalistisch zu leben?

Minimalismus bedeutet, sich und sein Leben von unnötigem Ballast zu befreien. Wer minimalistisch lebt, konzentriert sich auf das Leben selbst – und weniger auf Besitz, Reichtum oder gesellschaftlichen Status. Das befreit, spart Zeit, Geld und Energie für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Freizeit und Muße, um sich dem zu widmen, was einem selbst wichtig ist.

Nicht selten verbirgt sich hinter dem Minimalismus eine Kritik am Konsum. Vor allem an einem Konsum, der sich an Prestige und sozialem Status orientiert. Ein solcher Konsum wird als „Materialismus“ angesehen. Minimalistisch leben, ist der Gegenentwurf dazu: Ziel ist, eine Reizüberflutung zu vermeiden und die Lebensqualität zu steigern.

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Was braucht man wirklich zum Leben?

Letztlich stecht hinter dem Minimalismus die Kernfrage: „Was brauche ich wirklich zu leben?“ Jeder Mensch brauch Nahrung, Wasser, Luft zum Leben. Ein Dach über dem Kopf und Kleidung. Aber wie viel davon brauchen wir wirklich? Der Wohnungsbedarf lässt sich so um etliche Quadratmeter zusammenschrumpfen, wenn man für sich beschließt, nicht viel mehr als ein Bett, einen Schrank, Tisch und Stuhl zu brauchen. Natürlich muss das jeder Mensch individuell für sich entscheiden. Die Bedürfnisse der Menschen sind so vielschichtig wie Erdsediment. Hinzu kommen die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten: Auf dem Land lässt sich vielleicht noch mit mit 1000 Euro im Monat auskommen. Aber in der Stadt?

Minimalismus beginnt meist mit radikalem Entrümpeln und Wegschmeißen. Weg mit dem Kabinett aus Schrott und Sinnlosigkeiten! Wer sich für ein minimalistisches Leben interessiert, sollte sich jedoch laut der japanischen Minimalismus-Expertin Marie Kondo davor jedes Mal eine Frage stellen: „Macht es mich glücklich?“ beziehungsweise „Fühlt es sich gut an, es in der Hand zu haben?“ Lautet die Antwort „Ja“, sollten Sie es noch aufheben. Weniger geht später immer noch.

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Vorteile: Ist Minimalismus sinnvoll?

Minimalismus ist ein Gegenkonzept zum ewigen Wachstum und Diktat des Höher, Schneller, Weiter, Reicher. Er ist eine bewusste Entscheidung zur Einfachheit, zu bewussterem Konsum und einem nachhaltigeren Leben. Auch wenn Kritiker dabei oft nur auf das Entrümpeln und Wegschmeißen fokussieren und betonen, dass Besitz nicht nur Ballast ist, geht es den Vertretern des Minimalismus meist um mehr Achtsamkeit und das Hinterfragen, was wir wirklich benötigen. Das ist durchaus sinnvoll und hat auch zahlreiche Vorteile:

  • Ordnung: Ein aufgeräumtes Umfeld trägt erheblich zur Übersichtlichkeit bei. Wir finden auf Anhieb, was wir brauchen oder suchen und müssen weniger aufräumen, weil wir weniger besitzen.
  • Finanzen: Weil Minimalisten weniger kaufen und besitzen, müssen sie auch weniger pflegen, reparieren oder neu anschaffen. Die Reduzierung auf dass Essenzielle gibt diesem zugleich einen Mehrwert. Das Geld ist gut und nachhaltig investiert. Man braucht weniger und hat mehr in der Tasche oder zum Sparen.
  • Zeitgewinn: Die eingesparte Zeit lässt sich wiederum für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens einsetzen: für Beziehungen, Hobbys, eine bewusstere Ernährung, die Persönlichkeitsentwicklung.
  • Kreativität: Minimalismus sorgt zugleich dafür, dass wir uns weniger ablenken lassen. Wir müssen uns weniger mit anderen vergleichen. Das setzt ungeheure Kreativkräfte frei. Unsere Gedanken kreisen nicht mehr um Materielles und werden frei.
  • Freiheit: Wer sich frei von unnötigem Besitz macht, bekommt insgesamt mehr Freiheit und Flexibilität. Das leben verändern, umziehen, auswandern? Alles kein Problem. In einem minimalistischen Haushalt sind die Kisten schnell gepackt.

Ganz so wie es die Band „Silbermond“ im Songtext beschreibt: „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“ Nicht wenige Anhänger empfinden den Minimalismus deswegen als Privileg.

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Minimalismus im Job: Wie geht das?

Auch im Job hat der Minimalismus längst Einzug gehalten. Allerdings geht es dabei nicht nur um Arbeitsplatzgestaltung oder das Ausmisten des Schreibtischs. Minimalismus im Job kann genauso gut bedeuten, seine Prioritäten neu und anders zu setzen. Die essenziellen Dinge sollen wieder im Vordergrund stehen: Qualität vor Quantität, mehr Sinn in der Arbeit, eine Lebenskarriere statt eines schnellen Aufstiegs, einer Beförderung oder Gehaltserhöhung.

Mehr Minimalismus im Job hat das Ziel – durch Genügsamkeit – mehr Raum, Bewegungsspielraum und Freiheit zu gewinnen – und so letztlich glücklicher zu werden. Nicht weniger Arbeitnehmer verfolgen heute zunehmend einen horizontalen Karriereplan statt der früheren „Kaminkarriere“ mit möglichst hoher Führungsverantwortung und Position in der Organisationshierarchie. Einige entschließen sich sogar bewusst zum sogenannten Downshifting – also dem Abschied vom Aufstieg für mehr Lebensqualität.

Minimalismus heißt in diesem Fall: weniger Verantwortung, weniger Einkommen, aber auch weniger Überstunden und weniger Stress. Konzepte wie Jobsharing oder Sabbaticals gehen ebenfalls auf den Gedanken zurück.

Das beugt nicht nur einem Burnout vor. Die Besinnung auf eigene Lebensziele dient auch der Selbstverwirklichung.

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Minimalismus Tipps: 8 Tricks für den Arbeitsplatz

Natürlich lässt sich das Minimalismus-Konzept auch ganz praktisch im Arbeitsalltag ein- und umsetzen. Indem Sie auf Überflüssiges verzichten, können Sie den Arbeitsplatz und Arbeitstag wesentlich angenehmer und effektiver gestalten. Wie das geht? Die folgenden Tipps geben Ihnen dazu ein paar Anregungen…

1. Inbox Zero

Minimalisten lieben ihn: den leeren E-Mail-Posteingang. Dazu wird zunächst die Fülle der Postfächer minimiert. Alle eingehenden Mails werden in EINEM Postfach gesammelt. Mails, die nur einen geringen Zeitaufwand erfordern, werden umgehend beantwortet. Für alle anderen werden feste Zeitfenster eingeplant, um Ablenkungen zu reduzieren. Überflüssige Newsletter, Feeds, Alerts und Ähnliches werden überdies konsequent abbestellt. Unnützes als Spam markiert und gelöscht. Ziel ist, jeden Abend Null „offene“ Mails im Postfach zu haben – die Inbox wieder auf Zero zu stellen. Soweit es eben geht.

2. Digital Detox

Digitale Entgiftung am Arbeitsplatz – geht das? Sicher: Zum Beispiel indem Sie sich feste Zeitfenster einrichten, in denen Sie buchstäblich abschalten oder die digitalen Helferlein konsequent ignorieren. Beispiel: Praktizieren Sie täglich zwischen 13 und 15 Uhr digitalen Minimalismus. Kein Social Media, keine E-Mails lesen oder beantworten (wenn der Job das zulässt), vielleicht sogar das Handy ausschalten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie in dieser Zeit produktiver und effektiver arbeiten.

3. Social Media

Hand aufs Herz: Wie viele Social Media Accounts haben Sie? Und welche davon pflegen Sie wirklich? Meist reduziert es sich ohnehin nur auf ein Business-Profil (bei Linkedin oder Xing) und ein privates Netzwerk. Dabei sollten Sie es auch belassen. Man kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Das meiste davon ist ohnehin pure Lebenszeitverschwendung oder basiert auf FOMO – der Angst, etwas zu verpassen. Es gibt sogar Studien, die darauf hindeuten, dass uns soziale Netzwerke unglücklich machen oder das Selbstwertgefühl zerstören, weil wir meinen, das Leben der anderen sei so viel schöner und schillernder. Dabei handelt es sich dabei oft nur um Scheinwelten.

4. Technik

Es gibt Menschen, die lieben Gadgets. Immer die neuste Technik, das neuste Smartphone, ein neues hippes Tool. Manches davon vereinfacht und hilft wirklich. Ganz oft aber reicht das alte und bewährte völlig. Vor allem das Wesentliche davon. Heißt konkret: Kaum genutzte Apps auf dem Smartphone entfernen. Technik-Spielzeuge reduzieren: Braucht noch eine Spiegelreflexkamera, wenn das Smartphone eine annähernd gleiche Qualität bietet? Wie viele Powerbanks, Fitness-Tracker und anderen Krempel benötigen wir wirklich? Minimieren!

5. Decluttering

Decluttering bedeutet nichts weiter als: „Entrümpeln“. Am Arbeitsplatz kommt einem hier als Erstes der zugemüllte Schreibtisch in den Sinn. Dinge, die sich aussortieren lassen: Entwürfe von alten Projekten. Alte Kalender in der Schublade. Das grauslige Werbegeschenk eines Kunden von vor fünf Jahren. Alte Magazine. Memorabilia wie die alte Eintrittskarten oder Konferenz-Badgets: Weg damit! Beliebter Hack: Den Krempel zunächst in eine Kiste stecken. Wenn man nach einem Monat nichts davon vermisst hat: Kiste wegschmeißen – ohne sie nochmal zu öffnen!

6. Kleidung

Mark Zuckerberg und Steve Jobs haben es vorgemacht: Erfolg ist keine Frage der Garderobe. Zuckerberg kennt man nur in grauen T-Shirts und blauen Kapuzenpullis, Jobs sah man nur im schwarzen Rollkragenpulli. Erfolgsmenschen mit Mini-Garderobe. Natürlich ist das leichter im Startup umzusetzen als in der Bank. Aber der Gedanke ist richtig: Misten Sie Ihre Garderobe regelmäßig aus. Womöglich wird der minimalistische Look gar zu Ihrem Markenzeichen. Überdies stehen Sie morgens nicht mehr vor der Frage: Was soll ich bloß anziehen? Das spart Zeit, setzt Energie frei und gibt Ihnen wieder den Blick auf Wesentliche im Job zurück: die Aufgaben.

7. To-do-Liste

Eines der nützlichsten Werkzeuge zur Priorisierung ist zugleich das älteste und einfachste: die To-do-Liste. Sie hilft uns dabei, Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sortieren sowie Kräfte zu fokussieren. Zur Minimalismus-Strategie gehört aber zwingend eine überschaubare To-do-Liste. Am Anfang des Tages nur die Aufgaben notieren, die unbedingt heute erledigt werden müssen, minimalen Zeitaufwand erfordern oder zügig abgehakt werden können. Alles, was nicht in diese Kategorie fällt, wird delegiert oder verschoben. Am Ende des Tages sollte die To-do-Liste abgehakt sein, sonst geht man mit einem unguten Gefühl nach Hause.

8. Rituale

Mit einem Gefühl der Abgeschlossenheit aus dem Arbeitstag gehen – das ist die Kirsche auf der minimalistischen Sahnetorte. Was Sie tun sollten, bevor Sie sich in den Feierabend verabschieden: Schreibtisch aufräumen, To-do-Liste abhaken und Mail-Postfach auf Null stellen, PC herunterfahren. Den Arbeitsplatz nochmal kurz entschlacken – schon fühlen Sie sich besser.

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
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5. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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