Messie im Büro: So gehen Sie damit um

Benutzte Kaffeetassen von letzter Woche, Stapel loser Blattsammlungen in schwindelerregender Höhe, angefressene Müsliriegel und irgendwo mitten im Chaos der Computer: Ein Messie im Büro stellt die Geduld anderer oftmals auf die Probe. Da ist das Ordnungsempfinden der anderen Mitarbeiter auf der einen Seite. So ein Schreibtisch sieht nicht besonders repräsentativ aus. Auf der anderen Seite erschwert es das Arbeiten, wenn andere Kollegen den Arbeitsplatz nutzen wollen oder müssen. Eine Lösung muss her – wie die aussehen kann…

Messie im Büro: So gehen Sie damit um

Ordnung ist das halbe Leben…

Spricht ein unordentlicher Schreibtisch schon fürs Messie-Syndrom? Im Laufe seines Lebens entwickelt jeder Mensch eine eigene Vorstellung davon, was Ordnung ist. Maßgeblich geprägt werden wir in unserem Ordnungsverhalten von unseren Eltern.

Da gibt es auf der einen Seite die Minimalisten, die nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ leben. Andere hingegen haben kein Problem damit, wenn auch Gegenstände im Büro stehen, die nicht unmittelbar mit der Arbeit zu tun haben oder gerade nicht dafür benötigt werden.

Je nachdem haben Branchen unterschiedliche Vorgehensweisen und ein entsprechend abweichendes Verständnis davon, was ordentlich ist. Wie werden beispielsweise Unterlagen sortiert?

  • Kaufmännische Heftung: Das jeweils aktuellste Schreiben liegt obenauf.
  • Amts- oder Behördenheftung: Das neuste Schreiben liegt jeweils zu unterst.

Entscheidend ist hier, dass eine Ordnung existiert. Sie mag im Einzelfall abweichen, aber es gibt Vorgaben, nach welchen die Unterlagen abgeheftet werden. Und diese orientieren sich meist nach praktischen Erwägungen. Akten werden beispielsweise alphabetisch oder nach aufsteigenden Nummern sortiert.

Auch wenn jedes Büro seine eigene Systematik hat, ist der zugrundeliegende Gedanke, dass die Auffindbarkeit erleichtert wird. Untersuchungen zufolge werden pro Tag und Arbeitnehmer allein zweieinhalb Stunden mit Suchen verschwendet. Schneller Zugriff auf die benötigten Materialien ermöglicht effizientes Arbeiten.

Definition: Was ist überhaupt ein Messie?

Der Begriff Messie geht auf die amerikanische Sonderschulpädagogin Sandra Felton zurück, die aufgrund ihrer eigenen Betroffenheit ein Bewältigungskonzept entwickelte und anschließend in Ratgebern publizierte. Schätzungen zufolge sind 2,8 Millionen Menschen davon in Deutschland betroffen.

Messie stammt von englisch mess, was so viel wie Unordnung, Chaos oder Durcheinander bedeutet. Im Deutschen wird dieser Begriff umgangssprachlich mitunter abwertend benutzt, hat sich allerdings auch im fachlichen Diskurs durchgesetzt. Im Englischen existiert auch sprachlich die Vorstellung von einer Zwangserkrankung, die sich in den Begriffen hoarding oder compulsive hoarding, also „zwanghaftes Horten“ niederschlägt.

In Deutschland ist daher auch vom Messie-Syndrom die Rede, wenn die Handlung bezeichnet wird. Ein Messie ist nicht in der Lage, zwischen wertlosen Gegenständen und solchen, die tatsächlichen Nutzen haben, zu trennen. Infolgedessen wird alles gehortet, es entstehen wie bei Nagetieren regelrechte Gänge in den Räumen, zwischen denen sich der Messie bewegt.

Betroffene sind offenbar überwiegend Frauen (nach Schätzungen etwa 80 Prozent) im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Messies leiden unter Entscheidungsblockaden, die sie regelrecht lähmen. Sie registrieren ihr eigenes Unvermögen, fühlen sich inkompetent und leiden unter großem Stress.

Große Anspannung und psychosomatische Beschwerden sind die Folge. In Extremfällen führt dieses Verhalten zur Vermüllung und Verwahrlosung. Gleichzeitig ist die Scham sehr groß, anderen davon zu berichten, da sie sich mit ihrem Problem allein glauben. Das kann in sozialer Isolation münden.

Spiegelt der äußere Zustand das Innere?

Das Problem: Vom äußeren wird auf den inneren Zustand geschlossen. Auf der einen Seite existiert zwar das Klischee vom kreativen Chaoten. Ein gewisses Maß an Unordnung wird toleriert, denn das Nutzenversprechen überwiegt. Der Vorgesetzte erkennt nach wie vor die Leistungen.

Häufig heißt es, das Genie beherrsche das Chaos. Wenn allerdings nach vorherrschender Meinung der betreffende Mitarbeiter nicht mehr als Chaot, sondern als Messie eingestuft wird, ist die Bewertung nicht mehr so positiv. In diesem Fall erscheint es den Kollegen so, dass das Chaos eher den Messie beherrsche.

Und wie Unordnung Genialität erwecken soll, ist für viele fraglich. Was es in jedem Fall fördert, ist Dreck. Mangelnde Bürohygiene killt nicht nur den Wohlfühlfaktor, sondern begünstigt tatsächlich Erkrankungen. Denn von Zeit zu Zeit sollten nicht nur Tastatur und Maus, sondern generell die Ablageflächen gesäubert werden. Nur wie, wenn kein Herankommen daran ist?

Gleichzeitig beschleicht die anderen der Verdacht, dass die Unordnung auf dem Schreibtisch jemanden repräsentiert, der völlig zerfasert und unstrukturiert in seiner Arbeit ist. Von einem Messie wird angenommen, dass er nicht nur seinen Schreibtisch, sondern auch sein Leben und vor allem seine Arbeit nicht im Griff hat.

Dabei deckt sich diese Vorstellung von einem Messie nicht mit der Realität. Denn der „typische“ Messie, also jemand, der wirklich am Messie-Syndrom leidet, hat zwar in der Tat ein Problem mit seiner Wohnung. Und diese ist Ausdruck von Problemen, die sich häufig im geringen Selbstwertgefühl widerspiegeln.

Im Arbeitsleben jedoch können sie ausgesprochen kreativ und erfolgreich sein. Nicht wenige Messies sind Akademiker und wirken im Beruf selbstbewusst. Häufig zeigen sie ein großes Interesse an allem Neuen. Das Chaos der eigenen vier Wände muss sich also keineswegs am Arbeitsplatz zeigen. Der Büro-Messie ist ein anderes Kaliber.

Gründe für Messieverhalten

Die Ursachen dafür, zum Messie zu werden, sind ganz unterschiedlich. Begünstigt wird so ein Verhalten durch eine lieblose Kindheit oder das andere Extrem, wenn Kinder überbehütet werden. In beiden Fällen traut sich das Kind nichts zu, hält sich für wenig liebenswert.

Kompensiert wird dieses Verlusterlebnis mit der Sammelwut. Daneben können psychische Erkrankungen, Süchte und Zwangsstörungen dazu führen, dass jemand zum Messie wird. Manche leiden unter ADHS, auch schwere Depressionen und die Borderline-Störung können das Messie-Syndrom hervorrufen.

  • Prokrastination

    Hat sich erst einmal die absolute Unordnung entwickelt, ist es gar nicht so leicht, dem ein Ende zu bereiten. Zumal irgendwann ein kritischer Punkt erreicht ist, an dem der Messie erkennt: Mit zehn Minuten ist es nicht getan. Aber niemand wird fürs Aufräumen bezahlt, die anderen Arbeiten müssen ebenfalls erledigt werden. Also wird die erforderliche Aufräumaktion ständig hinausgezögert.

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  • Aufmerksamkeitssucht

    Seht her, ich habe viel Arbeit! Auf diese kurze Formel könnte der überquellende Schreibtisch so manches Messies gebracht werden. Während manche Kollegen sich davon vielleicht blenden lassen und in Mitleid verfallen, sehen andere dies eher als Zeichen mangelnder Selbstorganisation.

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  • Perfektionismus

    Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, kann auch Ausdruck von zu großem Perfektionismus sein. Wirkt Ihr Kollege wie ein Messie, dann liegt es womöglich daran, dass er zwar aufräumen will, aber dann im ganz großen Stil – dann ist es nicht nur eben mit oberflächlichem Wegräumen oder Entsorgen getan, dann werden gleich die Büromöbel neu arrangiert, eine neue Systematik entworfen!

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Tipps: So vermeiden Sie das Chaos

Wie erwähnt, muss sich das eigene Ordnungsempfinden nicht mit dem eines anderen decken. Ein sehr ordentlicher Kollege muss noch lange kein Ordnungsfanatiker sein. Umgekehrt ist ein unordentlicher Kollege nicht automatisch ein Messie. Ungeachtet einer psychologischen Diagnose ist Handlungsbedarf gefragt, wenn ein kritisches Maß erreicht ist.

Das zeigt sich darin, dass beispielsweise andere Kollegen an dem Schreibtisch nicht arbeiten können, weil sie entweder schlichtweg keinen Platz für ihre Unterlagen haben oder aber sich in dem Wust an Unterlagen nicht zurechtfinden. So etwas kann sich vielleicht ein Selbständiger erlauben.

Aber sobald jemand als Angestellter in einem Büro einen Arbeitsplatz hat, wird sehr wahrscheinlich in seiner Abwesenheit – im Krankheitsfall oder bei Urlaub – ein anderer Kollege dort arbeiten müssen. Erst recht in Betrieben, die ihren Mitarbeitern überhaupt keine festen Arbeitsplätze mehr zuweisen, sondern nach dem Desk Sharing agieren.

Daher hier fünf Tipps, wie Sie vermeiden können, im Büro zum Messie zu werden:

  • Listen

    Eine Vielzahl an Informationen strömt täglich auf uns ein – über Zeitungen, Anrufe und das Internet. Arbeiten Sie mit To-do-Listen, um sich entscheidende Dinge zu notieren.

  • Rituale

    Die letzten fünf oder zehn Minuten am Ende des Arbeitstages sollten genutzt werden, die Dinge in den dafür vorhergesehenen Platz zu räumen. Leere Joghurtbecher in den Müll, Geschirr in die Geschirrspülmaschine, Schreibutensilien ins Schubladenfach. Solche Handlungen sollten in Fleisch und Blut übergehen, dann entsteht gar nicht erst das Schreibtisch-Chaos.

  • Schadensbegrenzung

    Das papierlose Büro kann dazu beitragen, dass leichter Ordnung gehalten wird. Muss diese Mail wirklich ausgedruckt werden? Wichtige Internetlinks lassen sich auch in Ordnern auf dem Laptop speichern.

  • Kontrolle

    Trotzdem passiert es immer wieder, dass sich zusätzliche Unterlagen auf dem Schreibtisch ansammeln. Nehmen Sie sich einmal im Monat Zeit, Ihren Schreibtisch zu inspizieren. Stimmt das entworfene Ablagesystem noch? Oder haben sich überflüssige Dinge hineingeschlichen, die entsorgt werden können? Falls nicht: Was davon kann zumindest archiviert und damit in einen anderen Raum oder Dateiordner verschoben werden?

  • Unmittelbarkeit

    Wenden Sie Trick 17 an, die 2-Minuten-Regel. Die besagt: Erledigen Sie alles Wichtige, das Sie innerhalb von zwei Minuten erledigen können, sofort. Damit vermeiden Sie, Dinge unnötig aufzuschieben. In zwei Minuten kann der Kaffeebecher weggeräumt, eine Mail entsprechend weitergeleitet und Unterlagen abgeheftet werden.

[Bildnachweis: Lia Koltyrina by Shutterstock.com]
10. Dezember 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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