Psychisches Wohlbefinden: 6 wichtige Bausteine

Psychisches Wohlbefinden wurde lange unterschätzt. Meist stand die körperliche Unversehrtheit im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gesund war, wem äußerlich nichts fehlte. Teilweise herrscht diese Meinung bis heute vor. Psychische Erkrankungen werden immer noch tabuisiert. Dabei ist längst bekannt, dass erst körperliches und psychisches Wohlbefinden etwas über die Gesamtverfassung eines Menschen aussagen. Beides ist untrennbar miteinander verbunden und trägt dazu bei, dass Menschen nicht nur irgendwie ihren Arbeitsalltag bewältigen, sondern Lebensqualität empfinden können. Wie Sie Ihr psychisches Wohlbefinden steigern können…

Psychisches Wohlbefinden: 6 wichtige Bausteine

Psychisches Wohlbefinden Definition: Was verstehen wir darunter?

Psychisches Wohlbefinden Definition mentale GesundheitPsychisches Wohlbefinden wird je nach Kontext auch als psychische Gesundheit bezeichnet. Gemäß einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist psychische Gesundheit der…

Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.

So erstrebenswert der Zustand der psychischen Gesundheit und des psychischen Wohlbefindens auch ist: Ein weniger stark ausgeprägtes Wohlbefinden sollte nicht automatisch mit Krankheit beziehungsweise einer Depression gleichgesetzt werden.

Jeder erlebt mal Tage, an denen er nur mäßig gelaunt ist und dass weniger schöne Erlebnisse oder Umstände dazu führen, die wirklich wichtigen Dinge im Leben wieder schätzen zu lernen, ist eine Binsenweisheit.

Um psychisches Wohlbefinden besser verstehen zu können, müssen wir uns dem Begriff Wohlbefinden (englisch = well-being) allgemein nähern. Häufig wird er mit Glück gleichgesetzt. Aber was genau bedeutet Glück?

Die Forschung unterscheidet zwischen zwei Formen des Glücks beziehungsweise Wohlbefindens:

  • Hedonistisches Wohlbefinden

    Nach dem amerikanischen Psychologen Ed Diener bezeichnet das hedonistische (oder auch subjektive) Wohlbefinden eine Ansammlung positiver Gefühle bei möglichst wenigen negativen Gefühlen und Zufriedenheit mit dem Leben. Das hedonistische Wohlbefinden setzt sich aus der subjektiven, affektiven und kognitiven Bewertung des eigenen Lebens zusammen. In diese Bewertung fließen die Arbeitssituation, das soziale Umfeld, Gesundheit und persönlicher Besitz mit ein.

  • Psychisches Wohlbefinden

    Diese Stimmung wird auch als eudämonisches Wohlbefinden bezeichnet. Gemäß Aristoteles‘ Vorstellung zählte zur Eudämonia, dass jemand seine Potenziale verwirklichen kann. Nach der amerikanischen Psychologin Carol Ryff erlangen Menschen ein hohes psychisches Wohlbefinden, wenn sie ihr Leben selbst bestimmen können und einen Sinn darin erkennen. Hier geht es um Wohlbefinden durch Selbstverwirklichung.

Bedeutung psychischen Wohlbefindens

Psychisches Wohlbefinden ist nicht nur einfach erstrebenswert, weil es ein angenehmes Gefühl ist. Es trägt zur psychischen Gesundheit bei und hat insgesamt Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Wer generell mit seinem Leben zufrieden und optimistisch eingestellt ist,…

  • hat eine bessere Gesundheit
  • hat eine höhere Lebenswartung
  • hat ein vermindertes Risiko bestimmten Krankheiten gegenüber
  • heiratet mit größerer Wahrscheinlichkeit
  • verhält sich häufiger selbstlos
  • spendet eher an gemeinnützige Organisationen
  • ist meist ein Menschenfreund
  • wirkt auf andere Menschen sympathisch
  • hat häufig ein höheres Einkommen
  • ist seltener von Arbeitslosigkeit bedroht
  • ist leistungsfähiger und produktiver bei der Arbeit

Messbarkeit von mentaler Gesundheit

Was zum Wohlbefinden beiträgt, ist zwar einerseits recht individuell, wenn es um konkrete Dinge geht. Andererseits geht es gar nicht so sehr darum, dem ewigen Glück hinterherzujagen, sondern ein erfülltes Leben zu haben. Carol Ryff entwickelte einen Fragebogen, anhand dessen sich das psychische Wohlbefinden messen lässt.

Dafür ermittelte Ryff sechs Einflussfaktoren, die sich auf die Zufriedenheit eines jeden Menschen auswirken:

  • Selbstakzeptanz
  • Persönliches Wachstum
  • Sinn im Leben
  • Gestaltung der eigenen Umgebung
  • Autonomie
  • Positive Beziehungen zu anderen

Der erste Blick auf diese Einflussfaktoren zeigt direkt, dass psychisches Wohlbefinden sowohl von der eigenen Person als auch von der Umgebung und der Interaktion mit anderen Menschen abhängt. Ryffs Fragebogen liegt in zwei Versionen vor, in der einen werden 54, in der anderen Version 84 Items (Einzelaufgaben) abgefragt.

Die Befragten können auf einer Skala zwischen eins und sechs wählen, wobei eins starke Ablehnung und sechs starke Zustimmung bedeutet. Die mithilfe des Fragebogens durchgeführten Studien belegen: Je höher die Ergebnisse in der Summe ausfallen, desto größer ist das psychische Wohlbefinden.

6 wichtige Bausteine des psychischen Wohlbefindens

Die sechs Bausteine psychischen Wohlbefindens im Detail:

  • Selbstakzeptanz

    Ein Punkt, der vor allem Frauen oft schwerfällt. Nämlich sich so zu akzeptieren, wie man ist, mit den Marotten, aber vor allem den liebenswürdigen Seiten. Selbstakzeptanz (oder auch Selbstannahme) bezieht sich auf die Eigenarten einer Person, auf das Äußere und ebenso auf die eigene Biographie.

    Dazu gehört, die eigenen Entscheidungen und Fehler zu akzeptieren und sich nicht ständig selbst dafür zu geißeln. Wer mit sich im Reinen ist, kann wesentlich entspannter auf andere Menschen zugehen und deren Unzulänglichkeiten verzeihen.

    Dabei bedeutet Selbstannahme nicht, dass jemand perfekt wäre oder keinerlei Verbesserungen notwendig wären. Aber der defizitorientierte Blick wird zu einem realistischeren Blick auf die eigene Person geändert. So kann jemand automatisch ein größeres Selbstbewusstsein ausstrahlen.

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  • Persönliches Wachstum

    Ermöglicht wird es durch eine grundsätzliche Offenheit neuen Dingen gegenüber. Wer sich auch im Erwachsenenleben eine Neugier bewahrt, zeigt ein hohes Maß an Flexibilität und lernt ständig dazu. Dieser Baustein psychischen Wohlbefindens hängt eng mit der Gestaltung der eigenen Umgebung zusammen.

    Denn mit dem Erwerb neuer Kompetenzen können Sie ganz anders Einfluss nehmen auf Bereiche, die Sie verändern möchten. Gleichzeitig trägt das Gegenteil davon dazu bei, dass Menschen in ihrer gegenwärtigen Situation verharren und eine Opferrolle annehmen.

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  • Sinn des Lebens

    Die Frage nach dem Sinn des Lebens gehört zu den existenziellen Fragen im Leben eines jeden Menschen. Um so klarer, dass das psychische Wohlbefinden deutlich gemindert ist, wenn jemand sein Leben als sinnlos empfindet. Wer keinen Sinn sieht, setzt keine Ziele und resigniert schließlich.

    Dabei gibt es nicht den einen Sinn, sondern jeder Mensch muss das für sich selbst definieren. Das erklärt schließlich auch, wie völlig unterschiedliche Lebensmodelle zustandekommen. Für die Zielorientierung wichtig ist immer, dass die anvisierten Ziele realistisch sind. Letzteres ist ein typisches Zeichen für psychische Reife.

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  • Gestaltung der eigenen Umgebung

    Hierbei geht es darum, auf die Umgebung Einfluss nehmen zu können. Dazu gehört nicht zwangsläufig, Dinge nach eigenem Gutdünken ändern zu können. Die wenigsten Arbeitnehmer haben völlige Gestaltungsfreiheit in allen Belangen.

    Es geht vielmehr um aktive Mitgestaltung der Lebensbedingungen. Dies setzt ein bestimmtes Mindset voraus. Es hilft dabei, auch schwierige Situationen zu meistern und sich anpassen zu können.

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  • Autonomie

    Gemeint ist die Fähigkeit, autonom bleiben zu können. Die Aussagen anderer Menschen haben kein absolutes Gewicht, da eine autonome Persönlichkeit sich und den eigenen Werten treu bleibt. Dabei geht es nicht um Rigidität, sondern darum, dass jemand sich aufgrund seiner eigenen Überzeugungen und seines eigenen Wissens eine Meinung bilden kann. Diese Fähigkeit ist vor allem in Situationen wichtig, in denen leicht aufgrund von Stimmungsmache ein gewisser Druck seitens anderer ausgeübt wird.

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  • Positive Beziehungen zu anderen

    Das Gefühl, sich auf andere Menschen verlassen zu können, vertrauensvolle Beziehungen zu führen, trägt stark zum psychischen Wohlbefinden bei. Es zeigt, dass die Person über ein wichtiges Maß an Bindungsfähigkeit und Empathie verfügt. Gute Beziehungen zu anderen Menschen tragen zu Freude und Abwechslung bei und stärken vor allem in schwierigen Zeiten den Rücken.

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[Bildnachweis: Blazej Lyjak by Shutterstock.com]
17. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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