Welche Büroformen gibt es?
Zu den klassischen Büroformen zählen Einzelbüro, Mehrpersonenbüro, Gruppenbüro, Großraumbüro und Kombibüro. Moderne Bürokonzepte setzen zusätzlich auf offene Bürolandschaften, flexible Arbeitszonen und wechselnde Arbeitsplätze. Durch die Digitalisierung und New Work kombinieren viele Unternehmen inzwischen mehrere Büroarten.
Büroformen im Vergleich: Übersicht
Büroform |
Merkmale und Eignung |
| Einzelbüro | Eigener, abgeschlossener Raum für konzentrierte und vertrauliche Arbeiten. |
| Mehrpersonenbüro | In der Regel 2-6 Arbeitsplätze in einem Raum. Gut für kleine Teams mit engem Austausch. |
| Gruppenbüro | In der Regel bis zu 25 Arbeitsplätze, häufig durch Stellwände gegliedert. Geeignet für größere Teams. |
| Großraumbüro | Große Bürofläche ab 400 m² mit zahlreichen Arbeitsplätzen. Flexibel, aber häufig laut. |
| Kombibüro | Verbindet separate Arbeitsräume mit gemeinsamen Kommunikations- und Servicebereichen. |
| Open Space / Multispace | Offene Bürolandschaft mit unterschiedlichen Zonen für Fokusarbeit, Teamarbeit und Austausch. |
| Non-territoriales Büro | Keine fest zugewiesenen Schreibtische. Die Beschäftigten wählen ihren Arbeitsplatz nach Bedarf. |
Die Büroformen unterscheiden sich nicht allein durch die Anzahl der Arbeitsplätze. Auch die Raumaufteilung, Ausstattung und Arbeitsorganisation spielen eine Rolle. Die folgenden Vor- und Nachteile helfen Ihnen, die passende Büroform zu finden.
7 Büroformen: Vorteile und Nachteile
1. Einzelbüro
Im Einzelbüro arbeitet eine Person in einem eigenen, abgeschlossenen Raum. Häufig liegen mehrere solcher Büros entlang eines Flurs. Diese Bauweise wird auch als Zellenbüro bezeichnet. Die Tür lässt sich schließen, sodass Mitarbeiter ungestört arbeiten und vertrauliche Gespräche führen können.
Einzelbüro Vorteile
- Hohe Privatsphäre und Vertraulichkeit
- Wenig Ablenkung, gute Konzentration
- Individuelle Gestaltung von Licht, Temperatur und Einrichtung
Einzelbüro Nachteile
- Hoher Flächenbedarf und Einrichtungskosten
- Weniger spontaner Austausch mit Kollegen
- Gefahr sozialer Isolation
Einzelbüros eignen sich besonders für Führungskräfte, Personalabteilungen und Tätigkeiten mit vertraulichen Informationen. Auch für anspruchsvolle Aufgaben, die viel Konzentration verlangen, bieten sie gute Bedingungen. Mit Büropflanzen, Bildern und einer persönlichen Einrichtung lässt sich der Arbeitsplatz zusätzlich angenehmer gestalten.
2. Mehrpersonenbüro
In einem Mehrpersonenbüro teilen sich in der Regel 2-6 Beschäftigte einen abgeschlossenen Raum. Die Arbeitsplätze liegen meist nahe beieinander, sodass sich Kollegen schnell abstimmen können. Besonders sinnvoll ist diese Büroform, wenn alle ähnliche Aufgaben bearbeiten oder einander vertreten.
Mehrpersonenbüro Vorteile
- Kurze Kommunikationswege und direkte Abstimmung
- Fördert Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung
- Mehr Ruhe und Privatsphäre als in größeren Bürolandschaften
Mehrpersonenbüro Nachteile
- Telefonate und Gespräche stören die Kollegen
- Unterschiedliche Arbeitsgewohnheiten führen zu Konflikten
- Wenig Ausweichmöglichkeiten bei Spannungen im Team
Mehrpersonenbüros sind vor allem für kleine Abteilungen geeignet, deren Mitarbeiter eng zusammenarbeiten. Müssen dagegen mehrere Personen gleichzeitig telefonieren oder konzentriert schreiben, entstehen schnell gegenseitige Störungen.
3. Gruppenbüro
Das Gruppenbüro bietet in der Regel Platz für bis zu 25 Beschäftigte. Anders als im kleineren Mehrpersonenbüro werden die Arbeitsplätze häufig durch Stellwände oder flexible Raumgliederungssysteme voneinander abgegrenzt. Gruppenbüros eignen sich besonders für größere Teams und die gemeinsame Projektarbeit.
Gruppenbüro Vorteile
- Erleichtert die Zusammenarbeit größerer Teams
- Flexible Anordnung der Arbeitsplätze
- Schneller Informationsaustausch und gegenseitige Vertretung
Gruppenbüro Nachteile
- Höherer Geräuschpegel als im Mehrpersonenbüro
- Begrenzte Möglichkeiten für vertrauliche Gespräche
- Störungen durch unterschiedliche Arbeitsabläufe
Eine gute Raumaufteilung und akustische Abschirmung sind hier besonders wichtig. Je stärker die Aufgaben voneinander abweichen, desto größer wird das Konfliktpotenzial.
4. Großraumbüro
Ein Großraumbüro umfasst nach der Arbeitsstättenregel ASR A1.2 eine Bürofläche von mindestens 400 m². Darin arbeiten zahlreiche Beschäftigte, deren Arbeitsplätze teilweise durch Trennwände gegliedert sind. Unternehmen nutzen diese Büroform häufig, um Abteilungen zusammenzuführen und Flächen flexibel zu organisieren.
Großraumbüro Vorteile
- Effiziente gemeinsame Nutzung großer Büroflächen
- Direkte Kommunikation zwischen Mitarbeitern
- Arbeitsplätze lassen sich leichter umorganisieren
Großraumbüro Nachteile
- Hoher Lärmpegel und häufige Ablenkungen
- Geringe Privatsphäre und Vertraulichkeit
- Konflikte über Temperatur, Licht und Raumklima
Großraumbüros eignen sich vor allem für Tätigkeiten mit hohem Abstimmungsbedarf. Für konzentrierte Einzelarbeit sind zusätzliche Rückzugsräume sinnvoll. Eine offene Fläche allein verbessert noch keine Zusammenarbeit.
Mehr Transparenz, weniger Leistung?
Viele moderne Büros bestehen aus Glas und offenen Flächen. Das soll Silodenken verhindern und den Austausch fördern. Allerdings hat die Transparenz auch Nachteile: Mitarbeiter fühlen sich häufiger beobachtet und weichen für vertrauliche Gespräche auf andere Kommunikationswege aus. Dieses Phänomen beschreibt das sogenannte Transparenz-Paradoxon. Mehr Sichtkontakt bedeutet deshalb nicht automatisch bessere Zusammenarbeit.
5. Kombibüro
Das Kombibüro verbindet abgeschlossene Einzelarbeitsplätze mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen. Die einzelnen Arbeitsräume oder Arbeitskojen liegen häufig um eine zentrale Kommunikationszone mit Besprechungsecken, Teeküche oder Serviceeinrichtungen.
Kombibüro Vorteile
- Rückzug für konzentrierte Einzelarbeit
- Gemeinschaftsbereiche fördern spontane Gespräche
- Gute Anpassung an unterschiedliche Aufgaben
Kombibüro Nachteile
- Hoher Platzbedarf und Einrichtungskosten
- Aufwendige Planung der Raumaufteilung
- Zusätzliche Wege zwischen Einzel- und Gemeinschaftsbereichen
Kombibüros sind besonders geeignet, wenn Mitarbeiter häufig zwischen konzentrierter Einzelarbeit und Teamgesprächen wechseln. Die Büroform verbindet Rückzug und Austausch, benötigt dafür aber ausreichend Fläche.
6. Open Space und Multispace
Moderne Open-Space-Büros bestehen aus offenen Bürolandschaften mit unterschiedlichen Arbeitszonen. Dazu gehören Projekttische, Besprechungsbereiche, Lounges und ruhige Arbeitsplätze. Beim Multispace-Konzept kommen verschiedene Raumtypen hinzu, etwa separate Fokusbüros und größere Teamflächen. Mitarbeiter wählen den Bereich, der zu ihrer aktuellen Aufgabe passt.
Open Space Vorteile
- Hohe Flexibilität bei wechselnden Aufgaben
- Fördert Austausch und Teamgeist
- Unterschiedliche Arbeitszonen unterstützen verschiedene Tätigkeiten
Open Space Nachteile
- Hohe Planungs- und Ausstattungskosten
- Ohne ausreichende Rückzugsräume entstehen Störungen
- Flächen und Raumbelegung müssen gut organisiert werden
Open Space funktioniert besonders gut, wenn Unternehmen die Arbeitszonen an den tatsächlichen Aufgaben ihrer Beschäftigten ausrichten. Wer viel telefoniert, benötigt andere Bedingungen als jemand, der konzentriert Konzepte entwickelt.
7. Non-territoriales Büro und Desk Sharing
In einem non-territorialen Büro gibt es keine dauerhaft zugewiesenen Schreibtische. Stattdessen wählen Mitarbeiter täglich einen freien Arbeitsplatz. Dieses Konzept wird als Desk Sharing bezeichnet und häufig mit hybriden Arbeitsmodellen kombiniert.
Desk Sharing Vorteile
- Effiziente Flächennutzung bei wechselnder Anwesenheit
- Flexible Arbeitsplatzwahl nach Tätigkeit und Bedarf
- Erleichtert die Kombination aus Büro und Remote Work
Desk Sharing Nachteile
- Kein persönlicher, dauerhaft eingerichteter Arbeitsplatz
- Zusätzlicher Organisationsaufwand durch Buchungssysteme
- Stress und Zeitverlust bei der täglichen Platzsuche
Desk Sharing eignet sich primär für Unternehmen, in denen Beschäftigte regelmäßig zu Hause arbeiten und keine tägliche Anwesenheitspflicht besteht. Damit das Konzept funktioniert, benötigen Mitarbeiter ausreichend freie Arbeitsplätze, sichere Aufbewahrungsmöglichkeiten und klare Regeln zur Nutzung.
Moderne Büroformen: Welche Konzepte gibt es noch?
Neben den klassischen Raumformen entstehen weitere Arbeitskonzepte, die Zusammenarbeit, Kreativität und flexible Nutzung fördern. Sie ergänzen bestehende Büros, ersetzen aber nicht zwangsläufig die traditionellen Arbeitsplätze.
Maker Spaces: Räume für kreative Projekte
Maker Spaces sind gemeinschaftlich genutzte Arbeitsräume, in denen Menschen Ideen entwickeln, ausprobieren und praktisch umsetzen. Anders als in gewöhnlichen Büros stehen hier häufig Werkzeuge, technische Geräte oder spezielle Software zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem 3D-Drucker, Computer, Lasercutter und Materialien für den Prototypenbau. Unternehmen nutzen Maker Spaces insbesondere für Innovationen, Produktentwicklung und interdisziplinäre Projekte. Die Mitarbeiter lernen voneinander, experimentieren mit neuen Technologien und setzen Ideen unmittelbar um. Auch die berufliche Weiterbildung profitiert von diesem praktischen Ansatz.
Weitere flexible Arbeitskonzepte
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Coworking Spaces
Freiberufler, Startups und Unternehmen teilen sich Arbeitsräume und Infrastruktur. Das erleichtert Kontakte und reduziert feste Mietverpflichtungen.
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Activity-Based Working
Mitarbeiter wählen ihre Arbeitsumgebung passend zur Tätigkeit: ruhige Zonen für konzentrierte Aufgaben, offene Bereiche für Austausch und Projekträume für Zusammenarbeit.
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Hybride Arbeitsmodelle
Beschäftigte wechseln zwischen Büro und Homeoffice. Unternehmen benötigen dadurch flexible Flächen und funktionierende Abstimmungsregeln.
Raumpsychologie: Wie beeinflusst das Büro die Arbeit?
Die Büroform beeinflusst, wie konzentriert, kreativ und zufrieden Mitarbeiter arbeiten. Neben der Raumaufteilung spielen Licht, Geräusche, Farben, Möbel und persönliche Gegenstände eine wichtige Rolle. Die Raumpsychologie untersucht, wie Menschen Räume wahrnehmen und welche Rückschlüsse sie aus deren Gestaltung ziehen.
Der US-Psychologe Samuel Gosling zeigte in Studien, dass Menschen aus der Einrichtung fremder Büros teilweise zutreffende Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale ihrer Bewohner ziehen. Bücher, Bilder, Auszeichnungen und die Ordnung auf dem Schreibtisch vermitteln Eindrücke über Interessen, Arbeitsweise und Selbstbild.
Was die Büroeinrichtung über Sie verrät
Einrichtung |
Wirkung |
| Bücher und Fachliteratur | Vermitteln Wissen, Kompetenz und fachliches Interesse. |
| Familienfotos | Zeigen persönliche Verbundenheit und schaffen Vertrautheit. |
| Auszeichnungen | Signalisieren berufliche Leistungen und Status. |
| Großer Schreibtisch | Kann Autorität und berufliche Stellung unterstreichen. |
| Persönliche Dekoration | Verleiht dem Arbeitsplatz Individualität und ein Gefühl von Zugehörigkeit. |
Solche Eindrücke sind keine zuverlässige Persönlichkeitsdiagnose. Sie zeigen jedoch, dass ein Büro mehr kommuniziert als seine reine Funktion.
Warum markieren wir unseren Arbeitsplatz?
Menschen gestalten ihren Arbeitsplatz gerne persönlich. Fotos, Bücher, Kaffeetassen oder andere Gegenstände schaffen Vertrautheit und markieren zugleich ein eigenes Revier. In der Organisationspsychologie wird dieses Verhalten als Territorialität bezeichnet. Dabei lassen sich drei Formen unterscheiden:
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Kontrollmarken
Namensschilder, persönliche Ablagen oder Gegenstände auf dem Schreibtisch zeigen, dass ein Arbeitsplatz bereits genutzt wird.
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Identitätsmarken
Fotos, Kunstwerke, Bücher und Auszeichnungen drücken Persönlichkeit und Interessen aus.
-
Verteidigungsmarken
Abgeschlossene Schränke, geschützte Arbeitsmittel oder räumliche Abgrenzungen sichern den persönlichen Arbeitsbereich.
Das erklärt auch, warum manche Beschäftigte Desk Sharing ablehnen: Mit dem festen Schreibtisch verlieren sie einen vertrauten Ort, den sie selbst gestalten und kontrollieren können. Bei der Einführung flexibler Büroformen sollten Unternehmen dieses Bedürfnis ernst nehmen.
Welche Büroform ist die beste?
Die beste Büroform richtet sich nach den Aufgaben, der Teamgröße und dem Bedarf an Austausch oder Konzentration. Für vertrauliche Gespräche und anspruchsvolle Einzelarbeit eignet sich ein Einzelbüro besonders gut. Kleine Teams profitieren häufig von Mehrpersonenbüros, während Gruppenbüros und offene Arbeitszonen den Austausch größerer Teams erleichtern. Wer unterschiedliche Aufgaben erledigt, profitiert von einem Kombibüro oder Multispace-Konzept mit separaten Ruhe- und Kommunikationsbereichen. Für Unternehmen mit hybrider Arbeit bietet Desk Sharing zusätzliche Flexibilität, sofern ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sind.
Welche Büroform bevorzugen Mitarbeiter?
Auch die persönlichen Vorlieben unterscheiden sich. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts Ipsos unter mehr als 2.400 Arbeitnehmern zeigte Unterschiede zwischen den Generationen: Ältere Beschäftigte bevorzugten häufiger persönliche, abgegrenzte Arbeitsplätze. Jüngere Befragte zeigten sich offener für flexible Raumkonzepte und informelle Begegnungszonen. Solche Generationenunterschiede sind jedoch keine festen Regeln. Auch jüngere Mitarbeiter benötigen Ruhe und Privatsphäre, während ältere Beschäftigte gerne im Team arbeiten. Unternehmen sollten deshalb die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Belegschaft ermitteln, statt allein nach Altersgruppen zu planen.
Welche Kriterien sind bei der Büroplanung wichtig?
Bei der Wahl einer Büroform sollten Unternehmen vor allem folgende Fragen beantworten:
- Wie viele Mitarbeiter arbeiten regelmäßig gleichzeitig im Büro?
- Wie viel konzentrierte Einzelarbeit ist notwendig?
- Wie häufig müssen sich Teams spontan abstimmen?
- Welche Tätigkeiten erfordern Vertraulichkeit?
- Gibt es ausreichend Rückzugs- und Besprechungsräume?
- Wie hoch sind Flächenbedarf und Einrichtungskosten?
- Welche Anforderungen bestehen an Ergonomie, Akustik und Raumklima?
Auch die Arbeitsstättenverordnung und die zugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Sie enthalten unter anderem Anforderungen an Bewegungsflächen, Raumabmessungen und die sichere Gestaltung von Arbeitsplätzen.
Die Büroform sollte die tägliche Arbeit erleichtern. Eine offene Bürolandschaft ist deshalb ebenso wenig automatisch modern und produktiv wie ein Einzelbüro grundsätzlich veraltet ist. Gute Büroplanung schafft passende Bedingungen für unterschiedliche Tätigkeiten und berücksichtigt die Menschen, die darin arbeiten.
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