Leidensbereitschaft: Genug ist genug!

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Leidensbereitschaft mancher Menschen besonders hoch ausgeprägt ist, die anderer eher wenig. Mit Blick auf den beruflichen Alltag ist einer der häufigsten, dass die Angst vorm Jobverlust ausgeprägt ist. Arbeitslosigkeit ist ein Stigma, dem sich nur wenige freiwillig aussetzen. Also lassen sich manche Arbeitnehmer herumschubsen, von Kollegen, Kunden, Chefs. Die Gefahr ist dabei nicht nur, dass man sich selbst verliert und in den Augen anderer an Respekt verliert. Sie riskieren Ihren Job weitaus mehr, wenn Sie es allen recht machen wollen. Worauf Sie achten sollten…

Leidensbereitschaft: Genug ist genug!

Leidensbereitschaft Definition: Durchhalten wenn es unbequem wird

Leidensbereitschaft Selbstquälerei Masochismus Mut OpferbereitschaftWas genau ist unter Leidensbereitschaft eigentlich zu verstehen? Synonym zu Leidensbereitschaft wird von Masochismus oder Selbstquälerei gesprochen.

Leidensbereitschaft lässt sich damit so interpretieren, dass eine Person gewillt ist, Leiden über sich ergehen zu lassen – und zwar sehenden Auges. Wer den recht allgemeinen Begriff Leiden mit Schmerzen oder Anstrengungen gleichsetzt, stellt fest, dass die meisten Menschen das nicht besonders schätzen.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum jemand also bereitwillig Leiden in Kauf nimmt. Die Antwort ist schlicht: Um etwas Größeres zu erreichen. Beispielsweise müssen Sportler ein bestimmtes Maß an Leidensbereitschaft mitbringen, wenn sie Erfolg haben wollen.

Widrigkeiten in Form von Muskelkater oder kleineren Verletzungen können sogar Ansporn sein, die Anstrengungen zu verstärken, um ein gesetztes Ziel zu erreichen. Das muss nicht zwangsläufig die olympische Goldmedaille sein, sondern es können eigene Zielvorgaben sein.

Es ist ein bisschen wie dass wir die Sonne erst so richtig nach einer langen Regenzeit zu schätzen wissen. Oder Gesundheit erst nach einer Phase der Krankheit. Bis dahin ist sie selbstverständlich. Leidensbereitschaft und die dann erfolgten Anstrengungen schaffen die Basis dafür, dass wir umso mehr das Erreichte schätzen.

Leidensbereitschaft als Mut und Tapferkeit

Nicht selten wird Leidensbereitschaft mit Mut in Verbindung gebracht. Das erscheint im ersten Moment widersprüchlich, denn wer sich wie eingangs angedeutet einen Arbeitnehmer vorstellt, der bereitwillig Dinge über sich ergehen lässt, die ihm zusetzen, dann wirkt dieser nicht wie der Inbegriff eines Helden.

Es gibt Situationen und Konstellationen, in denen bedeutet Leidensbereitschaft Mut. Wenn es beispielsweise darum geht, für seine Überzeugungen und Werte einzustehen, sie gegen Widersacher zu verteidigen. Soldaten, die ihr Land gegen Angreifer verteidigen, nehmen in Kauf, physischen und psychischen Schaden zu nehmen, sind also bereit, Leid für eine größere Sache zu erdulden.

Oder wer aus religiöser Überzeugung bereit ist zu leiden: Statt sich bekehren zu lassen, stehen viele zu ihrem Glauben. Freilich erhoffen sich die Standhaften in jedem Fall, dass ihre Leidensbereitschaft belohnt wird. Gläubige als auch Verteidiger erhoffen sich beispielsweise endlich mehr Freiheit.

Leidensbereitschaft kann also Mut, aber auch Tapferkeit oder Opferbereitschaft bedeuten, denn es besteht immer die Gefahr, dass der Plan nicht aufgeht. Die Frage ist, wann es umschlägt in unnötige Selbstquälerei?

Leidensbereitschaft: Bis zur Selbstaufgabe

Wie bereits angedeutet, gibt es verschiedene Gründe dafür, dass eine Person leidensbereit ist. In einigen Fällen mag es durchaus eine gewisse Aufmerksamkeitssucht sein, die Arbeitnehmer dazu veranlasst, über ihre Grenzen zu gehen.

Ganz nach dem Motto: Seht her, ich opfere mich für den Betrieb. Ich bin so ein toller Mitarbeiter. Daneben kann Leidensbereitschaft auch folgende Gründe haben:

  • Bewusste Einschränkung

    Leidensbereitschaft kann den Verzicht auf etwas bedeuten, das einem sehr wichtig ist: Das ist der Fall, wenn jemand seine Freizeit deutlich zugunsten eines gewissen Lernpensums einschränkt.

    Denn er weiß, dass diese Einschränkung vorübergehend ist und das Ziel, beispielsweise das Abitur zu bestehen, wird von ihm höher bewertet. Diese Person verfügt dann über ein bestimmtes Maß an Impulskontrolle und Durchhaltevermögen.


  • Geringes Selbstbewusstsein

    In einigen Fällen kann Leidensbereitschaft Ausdruck eines geringen Selbstwertgefühls sein: Sie merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, hoffen aber, dass es vorbei geht. Das ist der Fall, wenn sich jemand von Arbeitskollegen schikanieren lässt.

    Das Problem hierbei ist, dass die leidensbereite Person von vornherein eine sehr hohe Toleranzgrenze besitzt und sich oftmals nicht überlegt hat, wo für sie das Maß voll ist. Sind Sonderschichten und Überstunden ohne Ende in der Branche typischerweise verbreitet, so sind die Ansprüche des Arbeitnehmers ebenfalls von vornherein geringer sind als sie es bei anderen Personen wären.


  • Langsame Steigerung

    Ein anderes Phänomen ist bekannt vom Frosch im Kochtopf: Wird er in einen Topf mit kochendem Wasser gesetzt, springt er sofort heraus. Wird er hingegen in kaltes Wasser gegeben, das dann erhitzt wird, merkt er den tödlichen Temperaturanstieg zu spät und stirbt.

    Ähnliches kann Ihnen am Arbeitsplatz passieren: Sie merken es nicht, dass die Situation mittlerweile untragbar ist, da sie sich langsam in diese Richtung entwickelt hat. Für Sie kann das schlimmstenfalls den Burnout oder den Jobverlust bedeuten. Entwicklungen, die vielleicht aufzuhalten gewesen wären, hätten Sie es früher bemerkt.

Leidensbereitschaft muss Grenzen haben

Jede Leidensbereitschaft muss ihre Grenzen haben. Anderenfalls führt das zur Selbstaufgabe. Es gibt Branchen, so vor allem im Pflege- und Gesundheitsbereich, in denen Arbeitnehmern besonders viel abverlangt wird. Die Branche ächzt ohnehin unter dem eklatanten Personalmangel.

Aber selbst wenn sämtliche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen fantastisch besetzt wären: Die Arbeit mit kranken und/oder pflegebedürftigen Menschen ist ein anderes Kaliber als der Einbau eines Motors.

Nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) wird die Leidensbereitschaft von Arbeitnehmern häufig durch Aggressionen und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz auf die Probe gestellt.

Gleichzeitig werden Beschimpfungen, Drohungen und körperliche Gewalt gegenüber den Pflegekräften seitens der Vorgesetzten zu gering eingeschätzt beziehungsweise eine hohe Leidensbereitschaft als selbstverständlich vorausgesetzt.

Worin auch immer Ihre Leidensbereitschaft begründet sein mag, Sie sollte begrenzt sein. Sie sollten für sich klare Ziele definiert haben. Ebenso sollten Sie wissen, welche Einschränkungen Sie gewillt sind hinzunehmen. Natürlich hat alles seinen Preis, auch Erfolg kommt nicht über Nacht.

Und im Pflege- und Gesundheitswesen sind große Hilfsbereitschaft und Ideale oft ein Grund, über die eigenen Grenzen zu gehen. Dennoch sollte das die Ausnahme sein. Denn das können die Folgen sein:

  • Sie verlieren das Gefühl für sich selbst.

    Statt vielleicht beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten auf Ihr Bauchgefühl zu hören, beschwichtigen Sie sich selbst – oder lassen sich von anderen beschwichtigen.

    Mit Durchhalteparolen motivieren Sie sich jeden Tag aufs Neue, denn Sie lieben das, was Sie tun. Dennoch sollten Sie von Zeit zu Zeit innehalten und reflektieren: Ist Ihre Tätigkeit noch das, was Sie sich darunter vorgestellt haben? Gehen Sie Ihren eigenen Wünschen nach oder tun Sie viel zu häufig anderen einen Gefallen


  • Sie leiden unter gesundheitlichen Konsequenzen.

    Der menschliche Wille spielt bei der Leidensbereitschaft eine große Rolle. Sie können sich selbst dazu zwingen, weil Sie von etwas absolut überzeugt sind. Nur was ist,
    wenn Sie einem Trugschluss aufsitzen?

    Wenn die hehren Ideale vielleicht gar keine sind? Immer standen Geld und Karriere im Fokus und plötzlich merken Sie: Gesundheit kann man nicht kaufen. Die ganzen Stresssymptome haben Sie beiseite geschoben:

    Rückenschmerzen, Magenprobleme, Herz-Rhythmus-Störungen und dergleichen mehr. Ihre Leidensbereitschaft sollte vor dem Hintergrund Ihrer Gesundheit klare Grenzen haben.


  • Andere verlieren den Respekt vor Ihnen.

    Ihre Kollegen bitten Sie um Hilfe und Ihr Vorgesetzter fragt Sie, ob Sie noch einen weiteren Kunden übernehmen können – na klar. Und die bisherigen Überstunden erwähnen Sie gar nicht erst, weil Sie schon so lange nichts gesagt haben und denken, jetzt lohnt es sich auch nicht mehr.

    Das ist allerdings ein Irrtum. Nur, weil Sie lange geschwiegen haben, heißt das nicht, dass business as usual angesagt ist. Im Gegenteil: Irgendwann ist das Maß voll, sollte es voll sein. Wenn möglich, nicht erst, wenn Sie kurz vor dem Burnout stehen.

    Sagen Sie nichts und gaukeln vor, dass alles in Ordnung sei, haben Sie zwar einerseits keinen Stress mit unbequemen Fragen oder Kollegen, die kein nein vertragen. Andererseits wird Ihre Harmoniesucht dafür sorgen, dass Sie nicht ernstgenommen werden.


  • Es kostet Sie womöglich den Job.

    Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen will eine unliebsame Abteilung abstoßen. Die Profite bleiben aus. Sie haben Ihr Bestmöglichstes getan, aber man legt Ihnen unentwegt Steine in den Weg.

    Statt irgendwann mit dem Fuß aufzustampfen und um ein klärendes Gespräch zu bitten, in dem Sie die Umstände darlegen, sind Sie wie der Frosch im Wasser, ackern noch mehr und irgendwann wird ein Sündenbock benötigt, dem das Versagen in die Schuhe geschoben werden kann.

    Aus so einer Nummer herauszukommen ist ungleich schwerer, wenn die Abwärtsspirale bereits in vollem Gange ist. Das Betriebsklima ist bereits vergiftet und ein Jobwechsel ist dann oftmals der letzte Ausweg.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
6. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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