Genügsamkeit: Manchmal ist weniger wirklich mehr

Der Mensch neigt dazu, immer das zu wollen, was er nicht hat. Und sollte er es schaffen, das angestrebte doch zu erreichen, wird gleich wieder etwas Neues gesucht, das bisher noch fehlt. Ziele sind gut und schön, doch Genügsamkeit ist für viele zu einem Fremdwort geworden. Die Devise lautet immer mehr, mehr und noch mehr. Dies zeigt sich auch im Job, wo kaum jemand mit seiner Position und seinem aktuellen Gehalt glücklich ist. Stattdessen wollen alle höher hinaus, mehr Geld verdienen oder am besten gleich das ganze Unternehmen leiten. Etwas erreichen zu wollen ist gut, doch kann fehlende Genügsamkeit dazu führen, dass Sie immer nur hinterherrennen und nie wirklich ankommen. Glücklich werden Sie so nicht – doch Sie können lernen, genügsam zu leben…

Genügsamkeit: Manchmal ist weniger wirklich mehr

Was ist Genügsamkeit?

Genügsamkeit Definition Synonym Einstellung Sprüche GegenteilGenügsamkeit bedeutet, mit dem zufrieden und glücklich zu sein, was Sie haben. Ein genügsames Leben zeichnet sich dadurch aus, dass Sie nicht immer mehr brauchen, um glücklich zu sein und auch nicht daran glauben, Glück durch materielle Güter zu erfahren. Was die Genügsamkeit auszeichnet, zeigt sich auch in den häufigsten Synonymen, die im Sprachgebrauch trotz kleiner Unterschiede in den Bedeutungen oft gleichwertig genutzt werden:

  • Anspruchlosigkeit
  • Bescheidenheit
  • sich begnügen
  • Bedürfnislosigkeit
  • Schlichtheit
  • Einfachheit

Genügsamkeit ist eine Einstellung, die dem weit verbreiteten Anspruchsdenken entgegensteht. Es ist der Gegenentwurf zum ewigen mehr ist mehr, dem gerade in der heutigen Zeit sehr viele Menschen verfallen sind.

Um ihre volle Wirkung zu entfalten, muss die Genügsamkeit gar nicht auf die Spitze getrieben werden. Sie müssen nicht allem entsagen und müssen auch nicht anfangen, Ihren Besitz zu verkaufen, um genügsam zu leben. Viel wichtiger ist es, dass Sie lernen, den Wert in den Dingen zu erkennen, die Sie haben.

Viel zu oft wird alles als gegeben und selbstverständlich erachtet. Genügsamkeit bedeutet, sich darüber im Klaren zu sein, was Sie haben und zu erkennen, wie glücklich sie sein können.

Genügsamkeit schafft Zufriedenheit

Das Streben nach Glück ist nicht nur ein Film, sondern auch das Motiv im Leben vieler Menschen. Es wird etwas gesucht, auf das hingearbeitet werden kann, um glücklich zu werden. Was genau das ist, ist sehr individuell. Manche glauben es ist der Traumjob, den sie schon immer haben wollten, andere wollen eine bestimmte Gehaltsstufe erreichen, wieder andere wollen die Welt bereisen und noch einmal andere haben ihrerseits ganz andere Vorstellungen davon, was sie glücklich macht.

Der Grundgedanke bleibt jedoch immer gleich: Der Antrieb besteht darin, dass zum eigenen Glück noch etwas fehlt – entweder braucht es also noch mehr von etwas, beispielsweise Geld oder auch Freiheit, oder es muss etwas ganz Neuartiges geschehen, was bisher noch gänzlich fehlt.

Daraus entsteht ein ewiges Wettrennen mit dem eigenen Glück. Sie laufen nur hinterher, immer auf der Suche nach dem, was noch fehlt. Dabei spielt auch Neid eine große Rolle, weil es anderen scheinbar besser geht, der Kollege hat mehr, der Chef verdient mehr… Das große Problem: Sie sind auch dann nicht zufrieden, wenn Sie dieses Ziel erreichen. Stattdessen beginnen Sie gleich von vorne und machen etwas Neues aus, das in Ihrem Leben fehlt und das Sie wiederum erreichen müssen, um glücklich zu sein.

Ein genügsames Leben legt den Fokus auf etwas anderes und soll vor allem eins: Zu mehr Glück und Zufriedenheit führen. Der Ansatz hier lautet: Sie haben bereits alles, was es zu Ihrem Glück braucht. Was es braucht, ist lediglich die richtige Einstellung.

Durch mehr Genügsamkeit können Sie erkennen, wie gut Sie es eigentlich haben und dass es eben nicht immer mehr braucht. Dazu zählt auch die Erkenntnis, dass materielle Dinge nicht wirklich dauerhaft glücklich machen, sondern dass es vielmehr Erfahrungen, Erlebnisse und Beziehungen zu anderen Menschen sind, die das Leben wirklich wertvoll machen.

Genügsamkeit: Sprüche und Zitate

Genügsamkeit lernen Sprüche Zitate genügsam lebenDie Idee der Genügsamkeit ist alles andere als neu, sondern hält sich bereits seit vielen Jahrhunderten und sogar Jahrtausenden und gilt seit jeher als erstrebenswerter Zustand für Glück und Zufriedenheit. So überrascht es auch nicht, dass sich mit der Zeit bereits einige bekannte Persönlichkeiten mit dem genügsamen Leben befasst und dabei einige sehr inspirierende Sprüche und Zitate hinterlassen haben:

  • Sich mit wenigem begnügen ist schwer, sich mit vielem begnügen unmöglich. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen. Theodor Fontane
  • Es gibt nur ein Mittel, sich wohl zu fühlen: Man muss lernen, mit dem Gegebenen zufrieden zu sein und nicht immer das verlangen, was gerade fehlt. Theodor Fontane
  • Das wahre Glück ist die Genügsamkeit. Johann Wolfgang von Goethe
  • Alles, was man will, kann niemand haben. Eines aber kann man: das nicht zu begehren, was man nicht hat, und heiteren Sinnes das genießen, was man hat. Seneca
  • Eine Menge von Büchern wirkt zerstreuend. Da du doch nicht alles lesen kannst, was du besitzen möchtest, so genügt es, so viel zu haben, wie du lesen kannst. Seneca
  • Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt. Mahatma Gandhi
  • Es geht nicht darum, wie viel wir besitzen, sondern wie viel wir genießen, das sorgt für Glücksgefühl. Charles Huddon Spurgeon
  • Was Kronen nicht vermögen, das vermag Genügsamkeit: sie macht ruhig und zufrieden. Ignaz Felner
  • Ist der Mensch mäßig und genügsam, so ist auch das Alter keine schwere Last, ist er es nicht, so ist auch die Jugend voller Beschwerden. Platon
  • Genügsamkeit ist natürlicher Reichtum, Luxus künstliche Armut. Sokrates
  • Die Quelle unserer Unzufriedenheit liegt in unsern stets erneuerten Versuchen, den Faktor der Ansprüche in die Höhe zu schiebe Arthur Schopenhauer
  • Glück ist Selbstgenügsamkeit. Aristoteles

Genügsamkeit lernen: So werden Sie genügsamer

Genügsamkeit wird immer seltener. In der Gesellschaft verbreitet sich eine Mentalität, die darauf ausgerichtet ist, immer mehr zu erreichen, um erfolgreich und glücklich sein zu können. Wer nicht schon früh gelernt hat, genügsam zu sein, passt sich der allgegenwärtigen Denkweise irgendwann an.

Sie können aber lernen, genügsamer zu sein und damit eine ganze Menge für Ihre persönliche Zufriedenheit tun. Wir haben einige einfache Tipps zusammengestellt, mit denen Sie Genügsamkeit lernen können:

  • Schauen Sie sich an, was Sie haben

    Der erste Schritt zu mehr Genügsamkeit sollte eine gründliche Bestandsaufnahme sein, bei der Sie sich genau ansehen, was Sie eigentlich alles haben. Dies ist so wichtig, da Ihnen vermutlich gar nicht bewusst ist, was alles um Sie herum ist, was Sie jeden Tag sehen und benutzen, weil Sie es für absolut selbstverständlich halten.

    Gemeint sind dabei nicht nur Gegenstände und materielle Dinge, sondern vor allem auch all das, was Sie nicht anfassen können. Das können Gesundheit, Freunde, Familie, Ihr Beruf, Ihre Lebensfreude, Ihre persönlichen Stärken und Talente oder auch die Chancen sein, die sich Ihnen bieten.

  • Entwickeln Sie eine größere Dankbarkeit

    Nachdem Sie nun wissen, was Sie wirklich alles haben und bisher nur nicht wahrnehmen konnten, geht es darum, mehr Dankbarkeit für all diese Dinge zu entwickeln. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist eine Liste, in der Sie festhalten, wofür Sie dankbar sind und warum.

    So können Sie sich immer wieder vor Augen führen, wofür Sie dankbar sein sollten und zeigen sich selbst, wie viele Gründe Sie haben, glücklich und zufrieden mit Ihrem Leben zu sein.

  • Denken Sie nicht immer nur an den Nutzen

    Bei Entscheidungen und Handlungen dreht es sich fast immer um die zentrale Frage: Was bringt den größten Nutzen? Diese Sichtweise ist zwar verständlich, hat mit Genügsamkeit aber nur sehr wenig zu tun. Betrachten Sie bei Ihren Entscheidungen lieber, was Ihnen selbst gut tut und wie Sie Ihren persönlichen Erwartungen und Bedürfnissen entsprechen können.

    Vielleicht ist ein höheres Gehalt für Sie nicht der richtige Weg, weil Ihr Lebensstandard bereits perfekt zu Ihnen passt und Sie sich mit mehr Arbeit, häufigeren Überstunden und größerem Druck im Job selbst unglücklich machen würden.

  • Freuen Sie sich, wenn Sie Ziele erreichen

    Ein verbreiteter Irrglaube besagt, dass Genügsamkeit bedeuten würde, sich keine neuen Ziele mehr zu setzen und sich für das restliche Leben mit dem abzufinden, was Sie schon haben. Das stimmt aber schlichtweg nicht. Natürlich können und sollen Sie weiterhin Ziele haben und auch daran arbeiten, diese zu erreichen.

    Der Unterschied besteht darin, wie Sie mit diesen umgehen. Wenn Sie etwas erreichen, sollen Sie sich darüber freuen, glücklich über den neuen Zustand sein und auch zufrieden mit sich und der Situation sein und nicht sofort damit beginnen, Glück neuzudefinieren und sich wieder auf die Suche danach zu machen.

Genug der Genügsamkeit: Auch hier gibt es Grenzen

Genügsamkeit Definition Lernen Sprüche Synonym Gegenteil GenugDie Vorteile der Genügsamkeit sind zahlreich und sicherlich würde den meisten Menschen ein wenig mehr Genügsamkeit nicht schaden – doch auch hier gibt es Grenzen und Sie sollten es nicht übertreiben und in absolut jedem Bereich und zu jedem Zeitpunkt genügsam sein. Manchmal empfiehlt sich sogar das genaue Gegenteil und sie sollten mehr wollen und sich nicht zu früh zufrieden geben.

Denn Genügsamkeit steigert zwar die Zufriedenheit, bremst aber auch Motivation für größeres aus. Sie gehen nicht noch den einen Schritt weiter, um mehr zu schaffen, sondern begnügen sich mit dem bereits erreichten. Wer wirklich ganz nach oben will und die größten Ziele hat, schafft es so nicht, diese zu realisieren.

In einem solchen Fall kann die positive Seite der Genügsamkeit sogar ins Gegenteil umschlagen und zu Unzufriedenheit mit der eigenen Situation führen. Sie stellen fast, dass Sie eigentlich mehr gewollt haben und dies auch hätten erreichen können. So bringt zu viel Genügsamkeit möglicherweise die Frage mit: Was hätte ich noch schaffen und haben können?

[Bildnachweis: Mangostar by Shutterstock.com]
27. Oktober 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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