Entscheidungstypen: Sind Sie Maximierer oder Genügsamer?

Unentschlossenheit ist eines der größten Hemmnisse für Erfolg und unsere persönliche Entwicklung. Wer häufig zögert und zaudert, verliert mit der Zeit sowohl den Respekt der anderen als auch den vor sich selbst. Wie leicht Ihnen manche Wahl fällt, hängt von den Entscheidungstypen ab – oder direkt gefragt: Sind Sie Maximierer oder Genügsamer? Wir stellen Ihnen die beiden Entscheidungstypen vor und bieten einen Selbsttest, mit dem Sie Ihren Entscheidungstypen bestimmen können…

Entscheidungstypen: Sind Sie Maximierer oder Genügsamer?

Mit jeder Entscheidung übernehmen wir Verantwortung

In allen möglichen Lebenslagen geht es darum, das Ruder zu übernehmen – wenn Sie beispielsweise entscheiden, ob Sie Kinder haben wollen oder nicht; ein Haus bauen oder zur Miete wohnen; in der Stadt oder auf dem Land leben … Ihr Partner, Ihre Familie und auch Sie selbst erwarten, dass Sie Verantwortung übernehmen, eine Meinung haben und eine Wahl treffen.

Lebensführung ist nichts anderes, als immer neue Entscheidungen zu fällen. Ständig. Das begleitet uns ein Leben lang.

Wer jedoch damit beginnt, Entscheidungen aus dem Weg zu gehen, weil es die Verantwortung auf andere oder das, was dann passiert, verlagert, verliert letztlich die Kontrolle über sein Leben.

Es mag auf den ersten Blick bequem sein, keine Entscheidung zu treffen („Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln“), und sporadisch eingesetzt, ist das auch völlig legitim. Wird es aber chronisch, entwickelt sich so jemand zur fremdgesteuerten Marionette; er ist nicht mehr Akteur, sondern Mitläufer.

Was gegen aufkommendes Zögern und Zaudern hilft? Verabschieden Sie sich von dem Anspruch, jedes Mal eine perfekte Entscheidung treffen zu müssen. Gut in der Regel reicht völlig aus, insbesondere, wenn sich die gewählte Option für Sie gut anfühlt.

Warum wir das aber – trotz aller Einsicht – manchmal nicht können, hat der US-Psychologe Barry Schwartz genauer untersucht und dabei zwei grundsätzlich verschiedene Entscheidungstypen identifiziert: die Maximierer und die Genügsamen…

  • Maximierer

    Menschen, die diesem Entscheidungstypen angehören, haben eine Alles-oder-nichts-Einstellung. Vor dem Kauf studieren sie peinlich genau Produkttests und Erfahrungsberichte und sie suchen bis zur Erschöpfung aller Beteiligten nach dem besten Angebot. Dabei erwarten sie häufig, dass alle um sie herum denselben perfektionistischen Drang verspüren.

    Trotz der Mühe, die sie in ihre Entscheidungsfindung stecken, werden Maximierer aber immer wieder von Zweifeln geplagt. Irgendwo da draußen könnte es ja ein besseres Angebot geben. Damit sind Maximierer anfälliger für die Entscheidungsparalyse, für das schon angesprochene Hinausschieben und Umgehen von Entscheidungen.

  • Genügsame

    Wer zu diesem Entscheidungstyp zählt, hat akzeptiert, dass man im Leben nicht immer das Beste bekommen kann. So jemand ist der Meinung, dass gut völlig ausreicht. Deswegen suchen die Genügsamen nur so lange, bis sie eine Option gefunden haben, die ihren Maßstäben entspricht.

    Dabei berücksichtigen sie, dass sie ein endloses Sammeln von Informationen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterbringt, sondern nur noch anstrengt. Nachträgliche Zweifel sind ihnen eher fremd. Das bedeutet aber nicht, dass sie weniger ehrgeizig wären als die Maximierer. Sie wissen einfach nur, was sie wollen und was ihnen reicht.

Selbsttest: Sind Sie ein Maximierer oder Genügsamer?

Entscheidungstypen SelbsttestVielleicht haben Sie bereits eine Vorahnung, zu welchem der Entscheidungstypen Sie zählen. Doch fällt die Selbsteinschätzung nicht jedem so leicht. Mal ist die Zuordnung nicht ganz so eindeutig, mal ist das Selbstbild verzerrt.

Für diesen Fall haben wir einen kleinen Selbsttest erstellt, mit dem Sie Ihren Entscheidungstypen bestimmen können.

Was Sie tun müssen: Lesen Sie sich die folgenden Aussagen bitte aufmerksam durch und bewerten Sie diese auf einer Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 7 (stimme völlig zu). Merken Sie sich die jeweilige Punktzahl oder schreiben Sie diese auf, da sich daraus Ihr Ergebnis errechnet:



Gedanklich spiele ich immer aller Möglichkeiten durch. Ob diese auch umsetzbar sind, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Ich bin zwar zufrieden mit meinem Job, halte aber die Augen nach anderen Angeboten offen.

Im TV wechsle ich ständig den Sender, auch wenn ich gerade eine Sendung gucke.

Ich springe immer zwischen Internetseiten hin und her, wenn ich im Netz surfe.

Meine Beziehungen halten nie lange. Der oder die Richtige war einfach noch nicht dabei.

Wenn ich mich entscheiden muss, brauche ich Zeit. Es dauert, bis ich mich auf etwas festlegen kann.

Mich für einen Kinofilm zu entscheiden, fällt mir echt schwer. Das Geld für die Karte muss sich ja auch lohnen.

Kleidung zu kaufen dauert. Ich finde selten etwas, das meinen Ansprüchen genügt.

Ich liebe Ranglisten wie die Spiegel-Bestsellerliste.

Wenn ich eine Geburtstagskarte schreibe, finde ich nie die richtigen Worte und überdenke die Sätze mehrmals neu.

Fernseher, Kaffeemaschine, Auto – nur das Beste ist gut genug.

Bei allem, was ich tue, setze ich mir die höchsten Maßstäbe.

Ich stelle mir gerne vor, wie mein Leben aussähe, wenn manche Dinge sich anders entwickelt hätten.


Zählen Sie jetzt alle Werte zusammen und teilen Sie die Summe durch 13



Auflösung zum Selbsttest

Haben Sie sich notiert, welche Werte Sie angekreuzt hätten? Dann brauchen Sie nur noch die Zahlen zu addieren und die Summe durch 13 zu teilen:

  • Liegt Ihr Wert bei 4,75 oder darüber, gehören Sie zu den Maximierern.
  • Liegt Ihr Wert bei 3,25 oder darunter, gehören Sie zu den Genügsamen.
  • Haben Sie einen Wert, der zwischen 3,25 und 4,75 liegt, sind Sie ein Mischtyp.

Vorteile der Entscheidungstypen: Sich selbst besser verstehen

Wer weiß, zu welchem Entscheidungstypus er oder sie gehört, kann auch besser verstehen, wieso einem manche Entscheidungen schwer fallen oder gar frustrieren.

Schwartz untersuchte das Verhalten beider Entscheidungstypen übrigens noch genauer: Einmal befragte er 500 Studenten von elf Universitäten, die kurz vor ihrem Abschluss und damit vor der Entscheidung standen, welche Berufslaufbahn sie einschlagen wollten.

  • Die Maximierer unter ihnen schickten eine enorme Anzahl an Bewerbungen raus, einige sogar 1000 und mehr.
  • Die Studenten, die zu den Genügsamen gehörten, verschickten deutlich weniger, manche von ihnen schrieben gar nur eine einzige Bewerbung.

Zu welchem Entscheidungstypen wir gehören, hängt dabei vor allem von der Persönlichkeit ab, zu welchem der beiden Entscheidungstypen wir gehören. Beide haben ihre Vor- und Nachteile:

  • Vorteile der Maximierer

    Durch die ausgiebige Suche nach Informationen, den Vergleich untereinander und die Bereitschaft, viel Zeit und Aufwand zu investieren, treffen Maximierer besonders gute Entscheidungen. So zeigte die Untersuchung, dass Maximierer einen Job mit deutlich höherem Einstiegsgehalt landeten, teilweise bis zu 20 Prozent darüber.

    Für die Maximierer spricht zudem ihr Durchhaltevermögen. Selbst wenn sie zahllose Optionen betrachtet haben, lassen sie nicht locker und suchen weiter. Sie wollen immer die noch bessere Alternative finden und hängen sich voll rein.

  • Nachteile der Maximierer

    Genau dieser Perfektionismus wird Maximierern aber auch zum Verhängnis. Sie können nur sehr schwer mit einer Entscheidung zufrieden sein. Sie legen sich nicht fest und treffen eine Entscheidung, sondern suchen weiter und weiter.

    Spontane Entscheidungen sind für diesen Entscheidungstypen schwer bis unmöglich. Wird dann schließlich doch eine Wahl getroffen, kommen große Zweifel und Unzufriedenheit. War das wirklich richtig? Hätte ich nicht noch weiter suchen sollen? Vielleicht habe ich bessere Optionen übersehen…

    So zeigte auch die Untersuchung von Barry Schwartz: Maximierer waren mit ihrer Entscheidung unzufriedener als die Genügsamen, obwohl sie ein mehr Gehalt verdienten. Zudem gaben sie an, schon während der Jobsuche gestresst, besorgt und erschöpft gewesen zu sein. Der Entscheidungsprozess ist für diesen Entscheidungstyp ein Kraftakt.

  • Vorteile der Genügsamen

    Der vielleicht größte Vorteil von genügsamen Entscheidern: Sie wissen genau, was sie wollen – und sind bereit, eine Entscheidung zu treffen, wenn eine passende Option gefunden wurde. Dieser Entscheidungstyp sucht nicht ewig weiter, sondern vertritt die Einstellung: Wenn es meinen Vorstellungen entspricht, ist es eine gute Wahl!.

    Zweifel und Unzufriedenheit über die eigene Entscheidung sind Genügsamen zudem fremd. Sie zerbrechen sich nicht den Kopf darüber, was ihnen möglicherweise entgeht. So kann sich dieser Entscheidungstyp schneller festlegen und ist langfristig glücklicher mit der Wahl.

  • Nachteile der Genügsamen

    Aus neutraler Perspektive treffen Genügsame tatsächlich die schlechteren Entscheidungen. Der einfache Grund: In der kurzen Suche, bis eine akzeptable Wahl getroffen wird, werden zahlreiche andere Alternativen überhaupt nicht berücksichtigt. So ist die Entscheidung zwar gut und entspricht den Vorstellungen – aber eben nicht bestmöglich wie bei Maximierern.

    Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Bereitschaft, den nötigen Einsatz zu erbringen. Ein genügsamer Entscheidungstyp zu sein, bedeutet manchmal auch, frühzeitig zufrieden zu sein oder sogar vorzeitig aufzugeben.

Idealerweise versuchen Sie, die Vorteile beider Entscheidungstypen zu nutzen und die negativen Seiten zu umgehen. Das ist jedoch nicht ganz so leicht. Es fällt vielen schwer, den eigenen Entscheidungstyp zu ändern. Zu tief verankert sind die Gewohnheiten und Entscheidungsroutinen.

Mit dem Wissen können Sie sich selbst jedoch besser verstehen und das eigene Verhalten hinterfragen und steuern. Bei schwerwiegenden Entscheidungen, wie beispielsweise der Job- oder Partnerwahl, ist es besonders wichtig, sich seinen Typus bewusst zu machen, kurz innezuhalten, und vielleicht sogar zu versuchen, ein bisschen mehr wie der andere Typ zu handeln.

Maximierer können sich fragen: Übertreibe ich es gerade? Sorge ich nur selbst für Stress und Erschöpfung, ohne eine Entscheidung zu treffen? Die Genügsamen wiederum können überlegen: Gebe ich zu früh auf? Lohnt es sich, den Extraschritt zu gehen und weitere Alternativen in Betracht zu ziehen?

[Bildnachweis: Dmitry Guzhanin by Shutterstock.com]
8. August 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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