Studieren: Aber was?
Während der Schulzeit scheint der weitere berufliche Werdegang immer noch weit im der Zukunft zu liegen. Doch irgendwann steht jeder Abiturienten einmal vor der Frage: Soll ich studieren? Für viele Noch-Schüler ist dies die erste große, wichtige Entscheidung im Leben. Seit Jahren schon zeigt sich an den stetig wachsenden Studentenzahlen, dass es die meisten jungen Menschen an die Universität zieht. Noch im selben Atemzug wie die Frage nach dem Ja oder Nein, kommt deshalb auch sofort die Frage: Was soll ich studieren? Die Möglichkeiten sind schier endlos und der Überblick schwer zu behalten. Ob sich ein Studium lohnt und wie Sie den perfekten Studiengang für sich finden...

Studieren: Lohnt sich ein Studium?

Die Entscheidung Pro oder Contra Studium sollten Sie auf keinen Fall voreilig oder leichtfertig treffen. Sie machen damit den ersten Schritt in Ihre berufliche Zukunft und legen den Grundstein für Ihre Karriere. Doch mit einer großen Entscheidung und einem wichtigen Schritt sind immer auch große Fragen und viele Zweifel verbunden. Allen voran: Lohnt sich das Studium überhaupt?

Ein Thema, zu dem es viele Meinungen und die unterschiedlichsten Ratschläge gibt - oft abhängig von den eigenen Erfahrungen. Wer die eigene Studienzeit geliebt hat, sein Wunschstudium absolviert und so einen tollen Job gefunden hat, wird auch anderen zum Studium raten. Ist das Studium hingegen in weniger guter Erinnerung, ist auch mit größerer Kritik zu rechnen. Ob sich ein Studium lohnt und ob es überhaupt der individuell richtige Weg ist, kann daher nur jeder für sich alleine entscheiden. Das macht es zwar nicht einfacher, aber es ist besser, als sich blind auf die gut gemeinten Ratschläge von Außenstehenden zu verlassen.

Die folgenden Fragen stellen sich viele Studieninteressierte und die Beantwortung kann Ihnen dabei helfen, die für Sie richtige Entscheidung zu treffen.

  • Was kostet ein Studium?

    Die Kosten für ein Studium hängen natürlich von unterschiedlichen Faktoren, wie der Universitätsstadt, der Wohnsituation oder der Freizeitgestaltung ab. Dementsprechend können die monatlich anfallenden Ausgaben von Student zu Student stark variieren. Die Spanne reicht dabei von circa 500 Euro im günstigsten Fall bis zu deutlich über 1000 Euro im ungünstigsten Fall. Auf der Gegenseite stehen einem Studenten im Schnitt jeden Monat 864 Euro zur Verfügung. Neben der Unterstützung durch die Eltern, BAföG oder einem Studentenjob gibt es auch die Möglichkeit, das Studium durch ein Stipendium oder einen Studienkredit zu finanzieren.

  • Was verdient man nach einem Studium?

    Pauschal lässt sich dies natürlich nicht beantworten. Grundsätzlich sind für das Gehalt vor allem die Branche sowie der jeweilige Arbeitgeber entscheidend. Doch Studien zeigen, dass ein akademischer Abschluss durchschnittlich zu einem höheren Verdienst führt. So liegen auch die erwarteten Netto-Stundenlöhne von Frauen und Männern mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss über denen mit einer beruflichen Ausbildung.

  • Wie gut gelingt der Berufseinstieg?

    Der Vorteil einer Ausbildung liegt hier natürlich in der Chance, direkt vom Betrieb übernommen zu werden. Doch auch ein Studium bietet gute Voraussetzungen, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. So sind in Deutschland Akademiker die Gruppe, die am seltensten arbeitslos ist. Besonders gute Chancen für einen schnellen und reibungslosen Berufseinstieg nach dem Studium haben jene Studenten, die durch Praktika oder als Werkstudent praktische Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft haben.

  • Brauchen Sie das Studium?

    Nicht für jeden Beruf ist ein Studium zwingend erforderlich und so bringt es Ihnen möglicherweise keinen großen Nutzen, mehrere Jahre an der Universität zu verbringen, wenn sich Ihre Chancen oder Ihre Qualifikationen im Job dadurch am Ende kaum verändern. Die Entscheidung sollte daher immer auf Ihren Berufswunsch abgestimmt sein.

Uni-Abschluss bringt 2,3 Millionen Euro

Uni-Abschluss bringt 2,3 Millionen EuroBildung lohnt sich: Wer etwa eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, verdient im Schnitt und über sein Erwerbsleben hinweg knapp 250.000 Euro mehr als jemand ohne Berufsausbildung und Abitur. Letzteres in Kombination mit einem Fachhochschul- oder Universitäts-Studium zahlt sich sogar noch mehr aus: Die Bildungsprämien liegen beim Abitur durchschnittlich bei rund 500.000 Euro, für eine FH-Abschluss bei 900.000 Euro und für ein Uni-Abschluss gar bei 1.250.000 Euro.

Natürlich sind solche Zahlen, wie die einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB, PDF), nur statistische Durchschnittswerte und keine Garantie, Motto: Kaum Abitur schon klingelt die Kasse.

Tatsächlich unterscheiden sich die Durchschnittseinkommen jener mit und ohne Berufsausbildung zu Beginn der Erwerbskarriere kaum. Das gilt ebenso für die Gehälter von Berufseinsteigern mit Berufsausbildung oder Hochschulabschluss und bleibt auch so bis etwa zum 40. Lebensjahr. Grund: Die Einsteiger mit Berufsausbildung verdienen früher Geld und steigen anfangs noch schneller auf, sodass sie - aufs Erwerbsleben gerechnet - zunächst einen finanziellen Vorteil haben.

Mit Anfang 40 aber verschieben sich die Verhältnisse dramatisch und die Einkommen von Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen steigen deutlich an. So verdienen Abiturienten mit 40 Jahren durchschnittlich mehr als das Eineinhalbfache; Fachhochschulabsolventen mehr als das Doppelte und Universitätsabsolventen fast das 2,7-Fache als Personen ohne Berufsausbildung und Abitur.

Auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet, ergibt sich laut der IAB-Erhebung folgendes Bild:

  • Erwerbstätige ohne Berufsausbildung verdienen insgesamt rund eine Million Euro
  • Erwerbstätige mit Berufsausbildung: 1,3 Millionen Euro
  • Abiturienten: 1,6 Millionen Euro
  • Fachhochschulabsolventen: 2 Millionen Euro
  • Uni-Absolventen: 2,3 Millionen Euro

Die Wahl des richtigen Studiengangs

Matej Kastelic/shutterstock.comSie haben sich viele Gedanken gemacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie ein Studium antreten wollen? Dann bleibt noch die Frage zu beantworten, welcher Studiengang für Sie der Beste ist. Die Beantwortung dieser Frage stellt viele Abiturienten jedoch vor eine große Herausforderung. Wer ist sich schon sicher, was er die nächsten 50 Jahre beruflich machen möchte? Diese Orientierungslosigkeit wird noch unterstützt durch die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen und unglücklich mit der Wahl des Studiengangs zu sein.

Mit dieser Unsicherheit sind Sie nicht allein. Nur wenige sind sich von Anfang an wirklich zu 100 Prozent sicher, welchen Studiengang Sie anstreben. Die Ungewissheit lässt sich aber auch überwinden - diese Schritte können Ihnen helfen, einen passenden Studiengang zu finden.

  1. Erkennen Sie Ihre Stärken. In die Wahl Ihres Studienfachs sollten immer auch Ihre Stärken, Talente und Vorlieben einfließen. Da Sie sich über Jahre intensiv mit dem Themengebiet beschäftigen werden, sollte es etwas sein, das Ihnen liegt und Ihnen auch Spaß bereiten kann. Ihre Stärken und Talente können Sie beispielsweise finden durch...
    • ...Ihre Hobbies. Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Mit welchen Themen können Sie sich stundenlang beschäftigen und auch anderen davon erzählen?
    • ...Ihre Schulfächer. Welche Fächer machen Ihnen besonders Spaß? Beschäftigen Sie sich gerne mit Zahlen oder liegt Ihnen eher Kunst und Musik?
    • ...Ihre Familie und Freunde. Wie schätzt Ihr Umfeld Sie ein? Welche Stärken sehen andere bei Ihnen?
  2. Klären Sie die Bedingungen. Der Beginn eines Studiums bedeutet gleichzeitig auch immer eine Veränderung. Wenn Sie sich für einen bestimmten Studiengang entscheiden, sollten Sie immer auch die Bedingungen klären, die mit Ihrer Entscheidung einhergehen. In erster Linie geht es dabei um...
    • ...Ihre Vorraussetzungen. Bringen Sie die erforderlichen Noten für Ihren Studiengang mit? Arbeiten Sie gerne eigenständig und wissenschaftlich?
    • ...Ihren Wohnort. Wohnen Sie weiter zu Hause oder ziehen Sie um? Liegt Ihre Universität in einer anderen Stadt oder möglicherweise im Ausland?
    • ...Ihre Finanzen. Welche Kosten fallen für Wohnung, Semesterbeitrag und Bücher an? Wie können Sie die Kosten decken?
  3. Informieren Sie sich. Auch wenn Ihnen ein Studiengang spontan zusagt, sollten Sie sich nicht voreilig dafür entscheiden. Bedenken Sie, dass es maßgeblichen Einfluss auf Ihre Zukunft haben wird. Sie sollten sich vorab daher ausgiebig informieren. Gute Möglichkeiten, um Informationen über Studiengänge zu erhalten, bieten...
    • ...das Internet. Wie beschreibt die Homepage der Universität den Studiengang? Welche Module stehen im Vorlesungsverzeichnis?
    • ...die Studienberatung. Entspricht der Studiengang weiterhin Ihren Vorstellungen? Haben Sie neue Einsichten gewinnen können?
    • ...die Kommilitonen. Welche Erfahrungen machen andere, die bereits den Studiengang besuchen? Können Sie daraus lernen?

Kostenlose Tests zur Studienwahl

Es gibt unzählige Studiengänge in den verschiedensten Bereichen, mit unterschiedlichen Schwerpunkt. Auf der einen Seite kann so wirklich jeder einen für sich passenden Studiengang finden, der genau seinen Vorstellungen entspricht. Leider machen die Vielfalt und die endlosen Alternativen die Wahl auch besonders schwer - niemand möchte sich falsch entscheiden und sich am Ende fragen müssen, was er alles verpasst hat.

Zum Glück gibt es aber noch weitere Hilfsangebote: Sollte Ihnen die Wahl eines geeigneten Studienfachs noch immer schwer fallen oder falls Ihnen einfach die Inspiration fehlt, gibt es inzwischen zahlreiche Online-Tests, die Ihnen bei der Studienwahl behilflich sein können. Um Ihnen die Suche zu erleichtern, stellen wir Ihnen fünf kostenlose Tests zur Studienwahl vor.

  1. Borakel.

    Das Borakel ist ein Online-Beratungstool der Ruhr-Universität Bochum. Es ist ein sehr ausführlicher Test, für den Sie circa 90 bis 120 Minuten einplanen sollten. Aus Ihren schulischen Vorkenntnissen, Ihren Vorlieben und Ihrer Motivation entwickelt das Borakel Vorschläge für mögliche Studiengänge und leitet Sie direkt auf Seiten mit entsprechenden Informationen weiter.

  2. Was-studiere-ich.

    Hierbei handelt es sich um einen Selbsttest zur Studienorientierung, der von den Hochschulen Baden-Würtembergs entwickelt wurde. Über einen Interessentest und drei Fähigkeitstest werden eine Studienfachempfehlung und gleichzeitig auch mögliche Berufsfelder vorgeschlagen. Auch hier sollten Sie sich mindestens 90 Minuten Zeit nehmen, um den Test in Ruhe zu bearbeiten.

  3. Studium-Interessentest.

    Dieser Selbsttest wurde von ZeitOnline und der Hochschulrektorenkonferenz entwickelt. In sechs Interessenbereichen müssen Sie Tätigkeiten auf einer Skala von 0 bis 100 einschätzen. Daraus erhalten Sie ein persönliches Profil zusammen mit passenden Vorschlägen von Studiengängen.

  4. SelfAssesment.

    Der Verbund Norddeutscher Hochschulen entwickelte diesen Selbsttest zu verschiedenen Studienrichtungen. Sie können herausfinden, ob Gesellschafts-, Wirtschafts-, Rechts-, Natur- oder Sprachwissenschaften für Sie die geeignete Richtung des Studiums ist. Aus dem Ergebnis lassen sich mögliche Studienfächer ableiten. Der Test dauert zwischen 90 und 120 Minuten.

  5. Testedich.de

    Dieser Test legt eher Wert auf Unterhaltung als auf wissenschaftliche Ergebnisse. Deshalb sollten Sie auch nicht allein auf diesem Test Ihre Entscheidung aufbauen. Doch die Fragen können angehende Studenten zum Nachdenken bringen, was ebenfalls eine sehr wichtige Funktion ist.

Ausführliche Berichte zu den einzelnen Tests

Wenn Sie sich über die verschiedenen Tests ein genaueres Bild machen wollen, können Sie dies HIER tun. In diesem Artikel haben wir einige der oben erwähnten Tests zur Studienwahl genauer analysiert und berichten Ihnen ausführlich über unsere Erfahrungen.

[Bildnachweis: dotshock, Matej Kastelic by Shutterstock.com]

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