Orchideenfächer: Studieren Sie etwas Exotisches!

Die meisten Abiturienten fragen sich: Was soll ich studieren? Angesichts von rund 16.000 Studiengängen aus denen Schulabgänger hierzulande wählen können, ist die Antwort darauf eine echte Herausforderung. Trotz der riesigen Auswahl entscheiden sich die meisten für Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre oder Informatik. Laut Bundesamt für Statistik sind das die beliebtesten Studienfächer. Es gibt aber auch weniger bekannte Alternativen und regelrechte Nischenfächer, sogenannte Orchideenfächer. Hier mal eine kleine Auswahl, die Sie bestimmt noch nicht kannten…

Orchideenfächer: Studieren Sie etwas Exotisches!

Die Studienwahl, die bis dato wichtigste Entscheidung für Sie

Für einen jungen Menschen ist die Studienwahl die erste wichtige Entscheidung im Leben. Sie setzen damit den Grundstein für Ihre berufliche Karriere. Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Aus diesem Grund sollte man sie nicht leichtfertig treffen und sich ausführlich Gedanken machen. Welche Faktoren in die Entscheidung einfließen sollten:

  • Gute Leistungen in den Schulfächern
  • Talent und Begabung für bestimmte Themengebiete oder Aufgaben
  • Leidenschaft und Begeisterung für Themen und Tätigkeiten
  • Realistische Berufswünsche und -vorstellungen
  • Finanzielle Möglichkeiten
  • Unterstützung und Rückhalt durch das Umfeld

All diese Faktoren geben Aufschluss darüber, in welche Richtung es gehen könnte. Besondere Aufmerksam sollten Sie jedoch Ihren Leidenschaften widmen. Bei einem Studium, für das Sie sich aus voller Überzeugung entschieden haben, bleiben Sie eher am Ball, als bei einem Studium, dass Sie der Jobchancen wegen gewählt haben. Viel zu häufig passiert es, dass Abiturienten zu sehr auf die Berufsaussichten achten. Kommen sie in schwierige Phasen des Studiums, werfen sie schneller das Handtuch, weil Ihr Herz nicht daran hängt.

Definition: Was sind Orchideenfächer (und ihre Vorteile)?

Bei Orchideenfächern handelt es sich um Studiengänge, die an weniger als zehn Prozent der Universitäten gelehrt werden oder die an der Hochschule mit höchstens drei Professoren vertreten sind. Was im ersten Moment wie ein Nachteil klingt, kann eine echte Chance sein.

Hörsäle, die aus allen Nähten platzen und Professoren, für die ihre Studenten nur eine Nummer darstellen, sind in Massenstudiengängen normal. In Einführungsveranstaltungen für BWL sitzen mehrere hundert Studierende in einem Hörsaal und wollen die Grundlagen erlernen. Die Bedürfnisse eines einzelnen Studierenden spielen hier kaum eine Rolle.

Ein anderes Bild ergibt sich in den Nischenfächern:

  • Das Verhältnis zwischen Lehrendem und Student ist persönlich. Die Zahl der Studenten ist überschaubar und damit kennen die Professoren ihre Studenten. Dementsprechend ist die Betreuung besser.
  • Die Kommilitonen kennen sich untereinander. Gehört man zu den wenigen, die ein Nischenfach studieren, kennt man sich untereinander. In der Regel kennt man den gesamten Jahrgang.
  • Die Studierenden beschäftigen sich mit einem Fachgebiet. In Nischenfächer beschäftigt man sich verstärkt mit einem speziellen Fachgebiet und wird auf diesem Gebiet zum Experten.

Orchideenfächer – die Exoten der Universitäten

Haben Sie all diese Aspekte für sich geklärt und abgewogen, werden Sie sich nun auf die Suche nach dem passenden Studiengang begeben. Dabei verlassen sich viele auf Studienführer oder Online-Tests. Häufig stehen am Ende auf Ihrer Liste folgende Studiengänge: Lehramt, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Informatik oder Medizin.

Viele Schulabgänger haben als Leitbilder für ihre Zukunft noch Berufe wie Arzt, Programmierer oder Berater. Allerdings können auch Orchideenfächer können die Basis für eine spannende berufliche Karriere sein. Nur weiß häufig kaum ein Schulabgänger von ihnen.

Deshalb stellen wir fünf Orchideenfächer hier gleich einmal vor…

  1. Gerontologie

    • Universität: Vechta
    • Studienabschluss: Bachelor
    • Inhalte: Dieser Studiengang beleuchtet alle Facetten des Alters. Die Menschen in Deutschland werden immer älter und damit steht die Gesellschaft vor neuen Herausforderungen. Studierende beschäftigen sich mit Alternstheorien, Lebensverlaufsperspektiven, Lebenslagen und gesellschaftlicher Integration, aber auch das Altern aus Sicht der Medizin und Pflege, Sterben und Tod, Generationenverhältnisse und -beziehungen werden thematisiert.
    • Berufsaussichten: Management von Altenhilfeeinrichtungen, Seniorenberatungsstellen und Alten- und Erwachsenenbildung. Weitere Informationen finden Sie hier.
  2. Mensch-Computer-Interaktion

    • Universität: Hamburg
    • Studienabschluss: Bachelor
    • Inhalte: Dieser Studiengang verbindet Informatik und Psychologie miteinander. Studierende beschäftigen sich damit, wie Menschen denken und handeln und lernen dieses Wissen bei der Entwicklung von Software und Informationssystemen zu verwenden.
    • Berufsaussichten: Absolventen steht eine Tätigkeit in der Beratung, in der Software- und Systementwicklung sowie in der Medienbranche offen. Weitere Informationen finden Sie hier.
  3. Sport, Erlebnis und Bewegung

    • Universität: Deutsche Sporthochschule Köln
    • Studienabschluss: Bachelor
    • Inhalte: Dieser Studiengang richtet sich an diejenigen, die gerne sportlich aktiv sind und ihren Mitmenschen die Freude an Sport und Bewegung vermitteln wollen. Studierenden werden medizinische Grundlagen vermittelt, sowie die sportpraktische Eigenkompetenz gefördert. Mit den Schwerpunkten Freizeit- und Breitensport, Natursport / Sporttourismus oder Tanz – Gestaltung – Kreativität können sich die Studierenden ein eigenes Profil schaffen.
    • Berufsaussichten: Das Berufsfeld der Absolventen ist breit gefächert. Sie können bei Verbänden, Vereinen, an Schulen, im Sporttourismus oder sozialen Einrichtungen tätig sein. Weitere Informationen finden Sie hier.
  4. Urbanistik

    • Universität: Bauhaus-Universität Weimar
    • Studienabschluss: Bachelor
    • Inhalte: Dieser Studiengang beschäftigt sich mit den Schnittstellen zwischen räumlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen. Die Studierenden lernen städtebauliche und soziale Qualitäten und Missstände der Stadtentwicklung zu erkennen und zu beurteilen. Dafür erwerben sie Grundkenntnisse der Ökonomie und Ökologie, der Architektur und Stadtplanung.
    • Berufsaussichten: Institutionen der Stadt- oder Regionalplanung, im öffentlichen Bereich oder in privaten Planungsbüros, Nichtregierungsorganisationen, Planungsabteilungen von Unternehmen oder Forschungsinstitutionen. Weitere Informationen finden Sie hier.
  5. Water Science

    • Universität: Duisburg-Essen
    • Studienabschluss: Bachelor
    • Inhalte: Wasser ist die kostbarste Ressource unserer Erde. Doch noch immer gibt es Länder, in denen die Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Dieser Studiengang bildet seine Studierenden dazu aus, Wasser und seine Chemie verstehen und analysieren zu können. Absolventen werden sich mit der Wasserversorgung und Abwasserreinigung auskennen und können helfen, die Ressource Wasser optimal zu nutzen und nachhaltig zu schützen.
    • Berufsaussichten: Mögliche Berufsfelder sind die Trinkwasserversorgung, Abwasserreinigung, Überwachungsbehörden, Wasserexperten in Entwicklungsländer. Weitere Informationen finden Sie hier.

Orchideenfächer: Worauf es beim Studium ankommt

Neben den vorgestellten Studiengängen gibt es noch eine Fülle weiterer Fächer. Ein weiteres großes Feld bieten etwa die Sprachwissenschaften, wo Sie beispielsweise Keltologie oder Japanologie studieren können. Häufig sind diese Fächer auf eine wissenschaftliche Laufbahn ausgelegt und legen den Schwerpunkt auf die Forschung.

Sollten Sie keine wissenschaftliche Karriere anstreben, empfiehlt sich eine Kombination mit den Studienfächern wie Wirtschaftswissenschaften oder Rechtswissenschaften. Mit der Kombination Sinologie (Chinesische Sprachwissenschaft) und Betriebswirtschaftslehre werden Sie zum gefragten Experten auf dem Arbeitsmarkt.

[Bildnachweis: rangizzz by Shutterstock.com]
7. Juli 2014 Autor: Karolina Warkentin

Karolina Warkentin war Autorin der Karrierebibel und studierte Politikwissenschaft und empirische Sprachwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M.

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