Wer Mediziner werden will, braucht einen langen Atem. Eine richtige Pferdelunge benötigt sogar, wer ohne hervorragenden Schnitt auf dem Abiturzeugnis in den Arztkittel schlüpfen will. Neue Zahlen zeigen, welche Abinote Bewerber brauchen, um sich für Medizin, Pharmazie, Tier- und Zahnmedizin einschreiben zu können - und mit welchen Wartezeiten sie rechnen müssen, wenn die Bewerbung nicht direkt angeschlagen hat. So viel vorweg: Die Wartezeiten für angehende Mediziner erreichen regelmäßig Höchststände...

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Medizinstudium: Voraussetzungen

Trotz zahlloser Überstunden, Dauerstress und Doppelschichten am Wochenende: Vom Leben im Arztkittel träumen noch immer Heerscharen von Abiturienten.

Zum Wintersemester 2017/18 hatte es nach Zahlen der Stiftung für Hochschulzulassung allein für das Fach Humanmedizin deutschlandweit über 43.000 Bewerber gegeben - für gerade einmal 9.176 Studienplätze. Damit kamen 4,7 Bewerber auf einen Platz.

Ob Sie einen Studienplatz bekommen oder nicht, hängt grundsätzlich von mehreren Faktoren ab. Sie haben gute Chancen, wenn...

  1. Sie einen sehr guten Notenschnitt im Abitur vorweisen können. 20 Prozent der Mediziner-Studienplätze werden über die Abiturnote vergeben.

    Dabei dient der Landesdurchschnitt als Referenzpunkt, Sie müssen sich also nur mit denen messen lassen, die im gleichen Bundesland ihr Abitur gemacht haben. Die häufige Wehklage, dass das Abi von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich schwer ist, wird also in diesem System schon berücksichtigt.

  2. Sie schon eine gewisse Anzahl an Wartesemestern abgeleistet haben. Denn weitere 20 Prozent der Plätze werden über diesen Faktor entschieden.

    Damit haben auch Abiturienten ohne brillante Note Chancen auf die Mediziner-Laufbahn. Semester aber, die man an der Uni womöglich schon in ein anderes Fach investiert hat, fließen nicht in die Wartezeit mit ein.

    Und noch ein Problem: Die Wartezeit verlängert sich stetig, mittlerweile übersteigt sie sogar schon die Regelstudienzeit (siehe Tabelle unten). Wer 14 Semester warten muss, fängt mit Mitte 20 sein Studium an - ziemlich spät.

  3. Sie die örtlichen Aufnahmekriterien erfüllen. Sie machen 60 Prozent aus.

    Die Hochschulen haben dabei die Möglichkeit, ihre eigenen, individuellen Kriterien heranzuziehen. Das können auch außerschulische Leistungen sein, eine berufliche Ausbildung im medizinischen Bereich, zum Beispiel als Altenpfleger, Logopäde oder Rettungsassistent, ein freiwilliges soziales Jahr, gute Ergebnisse beim medizinischen Auswahltest (TMS) oder ein guter Auftritt beim Auswahlgespräch.

    Aber: In den allermeisten Fällen ist auch hier die Abiturnote das ausschlaggebende Kriterium.


Medizinstudium ohne Abitur: Voraussetzungen für beruflich Qualifizierte

Medizinstudium Voraussetzungen ohne AbiturEs gibt neben dem klassischen Studium mit Abitur seit 2009 in Deutschland die Möglichkeit, ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachabitur zu studieren. Hierfür müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, die auf Länderebene geregelt werden.

Grundsätzlich existieren drei Möglichkeiten für das Studium ohne Abitur:

  • Meisterprüfung oder gleichwertige Aufstiegsfortbildung: Eine erfolgreich abgeschlossene Meisterprüfung oder eine Aufstiegsfortbildung wird mit der allgemeinen Hochschulreife auf eine Stufe gestellt. Damit haben Meister, Fachwirte und Techniker Zugang zu allen Studiengängen an jeder Hochschule.
  • Berufsausbildung und Berufserfahrung mit fachlicher Nähe zum Studienfach: Nach einer erfolgreichen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung und dreijähriger Berufserfahrung kann der Zugang zu einem themenverwandten Studiengang gewährt werden. Zuvor muss jedoch in der Regel ein Eignungstest absolviert werden. Als Berufe mit fachlicher Nähe gelten beispielsweise:
    • Arzthelfer
    • Ergotherapeut
    • Krankenpfleger
    • Medizinischer Fachangestellter
    • Notfallsanitäter
    • Pflegekraft
    • Physiotherapeut
    • Rettungsassistent
  • Berufsausbildung und Berufserfahrung ohne fachliche Nähe zum Studienfach: Stellen Sie nach Ihrer Ausbildung fest, dass Sie ein völlig fachfremdes Studium anstreben, besteht auch hier eine Möglichkeit. Jedoch müssen Sie dafür durch eine Prüfung die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Interessenten sollten beachten, dass wichtige Biologie- und Chemikenntnisse aufgeholt werden müssen, die üblicherweise im Rahmen des Abiturs vermittelt werden.

Das deutsche System versucht, es allen recht zu machen. Weil es gleichzeitig so komplex ist, besteht auch die beliebte Möglichkeit auf eine Studienplatzklage - mit ungewissem Ausgang, aber möglicherweise hohen Kosten.

Klar ist: Die Abiturnoten spielen eine herausragende Rolle. Zum Wintersemester 2017/18 liegen die Abiturbestenquoten, mit denen Sie unmittelbar Aufnahme in den Medizin-Hörsaal finden, bei...

Abiturbestenquote WS 2017/18: Diese Noten brauchen Sie

Abitur erworben in Medizin Pharmazie Tiermedizin Zahnmedizin
Baden-Württemberg 1,0 1,2 1,3 1,2
Bayern 1,0 1,2 1,4 1,2
Berlin 1,0 1,5 1,3 1,3
Brandenburg 1,0 1,1 1,2 1,0
Bremen 1,0 1,8 1,2 1,5
Hamburg 1,0 1,5 1,3 1,2
Hessen 1,0 1,2 1,2 1,2
Mecklenburg-Vorpommern 1,0 1,0 1,1 1,2
Niedersachsen 1,1 1,4 1,4 1,4
Nordrhein-Westfalen 1,0 1,3 1,3 1,2
Rheinland-Pfalz 1,0 1,3 1,3 1,1
Saarland 1,0 1,2 1,1 1,1
Sachsen 1,0 1,1 1,1 1,2
Sachsen-Anhalt 1,0 1,2 1,2 1,1
Schleswig-Holstein 1,1 1,5 1,4 1,4
Thüringen 1,0 1,1 1,0 1,2
[Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

Abiturbestenquote: Trends

  • Ohne Top-Note haben Sie weiterhin kaum eine Chance, direkt in den Hörsaal hineinzurutschen. Schon ein Abi-Schnitt im hohen Einser-Bereich bedeutet: Bitte warten!
  • Die Abiturbestenquote hat auch in den vergangenen Jahren noch einmal einen (leichten) Sprung gemacht. In jedem Bundesland liegt sie nun bei exakt 1,0 - mit Ausnahme von Niedersachsen und Schleswig-Holstein (je 1,1). Zum Vergleich: Zum Wintersemester 2012/13 musste "nur" in neun von 16 Bundesländern eine 1,0 nachgewiesen werden. In Pharmazie reichte damals mitunter sogar eine 1,7 - in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Wer die erforderliche Note nicht vorweisen kann, muss aber nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Denn da gibt es ja noch die...

Wartezeitquote WS 2017/18: So lange müssen Sie warten

Medizin Pharmazie Tiermedizin Zahnmedizin
Wartezeit in Halbjahren 14 2 10 12
[Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

Wartezeitequote: Trends

  • Die Wartezeit hat einen neuen Höchststand erreicht. 14 Semester müssen sich Anwärter auf Humanmedizin jetzt gedulden, das ist länger als die Regelstudienzeit.
  • Deutlich besser sieht es in Pharmazie aus. Hier verharrt die Wartezeitquote seit Jahren bei zwei Halbjahren - das lässt sich vergleichsweise locker absitzen. In Tiermedizin ist der Trend sogar leicht rückläufig. Betrug die Wartezeitquote zum Wintersemester 2012/13 noch elf Halbjahre, sind es aktuell nur noch zehn.

Medizinstudium: Das soll sich ändern

Medizinstudium: Das soll sich ändernBei der Auswahl der Medizinstudenten sollen nach dem Willen von Bund und Ländern bald auch andere Kriterien eine Rolle spielen. Das besagt der Masterplan Medizinstudium 2020. Zum Beispiel:

  • Soziale und kommunikative Fähigkeiten
  • Leistungsbereitschaft
  • Ausbildung oder Tätigkeit in einem medizinischen Beruf

Auch wird derzeit in den Ländern eifrig die Möglichkeit von Landarztquoten diskutiert. Das heißt: Wer sich vorab verpflichtet, in einer (bestimmten) ländlichen Region zu praktizieren, bekommt den Studienplatz.

Medizinstudium Bewerbung: Vergabe über SfH

Für das Medizinstudium bewerben Sie sich NICHT direkt bei den Hochschulen, sondern bei der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Diese koordiniert das Bewerbungsverfahren.

Ausnahme: die privaten Hochschulen. Wer sich an einer Privatuni zum Mediziner ausbilden lassen will, bewirbt sich auch unmittelbar dort - muss aber Studiengebühren zahlen.

Für alle anderen gilt: Den Antrag stellen sie online bei der Stiftung für Hochschulzulassung und fügen die erforderlichen Unterlagen bei (z.B. Abiturzeugnis). Im Erfolgsfall wird Ihnen ein (einziger) Studienplatz zugeteilt.

Ihre Ortspräferenzen können Sie vorab in einer Liste angeben - bis zu sechs Hochschulen. Tipp: Sie können Ihr Risiko gewissermaßen streuen, wenn Sie auch Standorte auswählen, die weniger stark überlaufen sind.

Und: Wenn die Sozialkriterien für Sie sprechen, erhöhen sich ebenfalls die Chancen auf ein Medizinstudium am Wunschort. Das ist etwa der Fall, wenn Sie verheiratet oder schwerbehindert sind, Kinder haben etc.

Für alle Interessenten: Die Bewerbungsdeadline ist der 15. Januar 2018. Die Fristen für das Wintersemester sind der 31. Mai und der 15. Juli 2018.

Medizinstudium: NC hängt vom Bundesland ab

Für die Zulassung zum Studium ist der Numerus Clausus, abgekürzt: NC, eine weitere Zitterpartie für angehende Medizinstudenten. Seit Jahren wird über Ärztemangel geklagt, an den Zulassungsbeschränkungen hat das jedoch wenig geändert: Der NC ist nämlich ein weiteres Auswahlkriterium, das vom Bundesland geregelt wird.

Grund dafür ist die große Beliebtheit der NC-Fächer im Vergleich zu den geringen Kapazitäten an den Universitäten. Üblicherweise müssen Interessierte einen bestimmten Notendurchschnitt nachweisen, um das Medizinstudium aufnehmen zu können. Auch hier gilt: Je beliebter ein Fach und ein Studienort respektive Bundesland, desto niedriger der NC.

Sie brauchen einen Numerus Clausus von...

  • 1,0 in folgenden Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
  • 1,1 in folgenden Bundesländern: Hamburg und Niedersachsen
  • 1,2 in folgendem Bundesland: Schleswig-Holstein

Wer diesen Notendurchschnitt nicht vorweisen kann, muss in der Regel einige Wartesemester einlegen.

Numerus Clausus: Alternative Wege zum Medizin-Studium

Numerus Clausus: Alternative Wege zum Medizin-StudiumFalls Sie keine ausreichende Abiturnote haben, aber dennoch einen Medizinstudienplatz bekommen möchten. Es gibt noch ein paar (wenige) Alternativen:

  • Auslandsstudium

    Da Medizin eine internationale Disziplin ist, können Sie das Fach natürlich auch im Ausland studieren, wo die Zulassungsbeschränkungen lockerer sind. Beliebt sind derzeit vor allem die Plätze in Österreich und Ungarn - hier gibt es deutschsprachige Medizinstudiengänge. In England, Lettland, Polen und Tschechien können Sie hingegen auf Englisch studieren. Wichtig: Wer innerhalb der Europäischen Union Medizin studiert, dessen Abschluss wird später laut Bundesärztekammer anerkannt.

  • Studienplatzklage

    Mancher erstreitet sich den Weg in die Uni auch und klagt gegen das Vergabeverfahren. Die Strategie zielt dann meist auf sogenannte außerkapazitäre Studienplätze - sie werden nicht offiziell ausgeschrieben, sind aber vorhanden. Nachteil: Eine Studienplatzklage kann mehrere tausend Euro kosten.

  • Bundeswehr

    Auch die Bundeswehr verfügt über ein Reservekontingent von 2,2 Prozent der Medizinstudienplätze. Allerdings muss man sich hierfür für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten und beim Eignungsfeststellungsverfahren für Offiziersanwärter besonders gut abschneiden.

  • Losverfahren

    Die letzte Chance bietet das sogenannte Losverfahren - die Note zählt dabei nichts, nur Glück. Dazu muss man sich direkt bei der Hochschule einschreiben und jeweilige Fristen beachten.

Medizinstudium: Dauer, Ablauf und Inhalt

Ein Medizinstudium befähigt die Absolventen zum Praktizieren als Arzt. Im Gegensatz zu einem Großteil der Studiengänge ist dieses Studium nicht in Bachelor und Master unterteilt, sondern schließt nach wie vor mit dem Staatsexamen ab. Medizin gehört zu den zeit- und lernintensivsten Studienfächern.

Wer Humanmedizin in Deutschland studiert, muss sich auf eine Studiendauer von mindestens sechs Jahren und drei Monaten einstellen. Es ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Grundstudium

    Es wird als "Vorklinik" bezeichnet und nach vier Semestern mit dem Physikum (erste ärztliche Prüfung) abgeschlossen. Hier werden naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen vermittelt.

  • Hauptstudium

    Dieser Teil wird als "Klinik" bezeichnet und umfasst sechs Semester. Hier werden Vorlesungen, Praktika, Blockpraktika und Seminare absolviert, nach dem zehnten Semester folgt mit dem Hammerexamen die zweite ärztliche Prüfung.

  • Praktisches Jahr

    Im letzten Jahr des Medizinstudiums wird die Berufspraxis intensiviert. Das PJ ist in drei Fächer unterteilt: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Das praktische Jahr stellt die Voraussetzungen für die letzte, dritte ärztliche Prüfung, die aus einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht.

Diese Teile des Medizinstudiums bilden das dreiteilige Staatsexamen, auf das die Approbation erfolgt. Nun dürfen sich erfolgreich Studierte als Arzt bezeichnen. Viele Studierende schließen daran noch eine medizinische Dissertation an, um den Doktortitel zu erwerben.

[Bildnachweis: ESB Professional by shutterstock]

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