Letztes Semester: Was jetzt zu tun ist

Letztes Semester erreicht, das Ende des Studiums ist greifbar: Was müssen Sie jetzt tun? Tatsache ist, dass gar nicht wenige Studierende ordentlich Muffensausen kriegen, wenn sie daran denken. Klar, vor Ihnen liegen unzählige Möglichkeiten. Andererseits aber auch viele Ungewissheiten. Klappt es mit der Traumstelle? Welche organisatorischen Dinge kommen überhaupt auf mich zu? Sich die möglichen Veränderungen und anstehenden Erledigungen bewusst zu machen, ist unerlässlich, anderenfalls werden Sie von den Ereignissen überrollt. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen und welche Schritte Sie unternehmen sollten…

Letztes Semester: Was jetzt zu tun ist

Letztes Semester: Zwischen Nostalgie und Angst

Sagen wir, wie es ist: Viele Studenten haben sich in ihrem Studienalltag eingerichtet. Prüfungsordnungen schreiben die erforderlichen Leistungsnachweise vor. Es werden brav die Vorlesungen und Seminare besucht, Referate gehalten, Hausarbeiten oder Klausuren geschrieben. Der Ablauf ist klar, jedenfalls immer für das jeweilige Semester.

Drumherum findet der Alltag statt, in dem sich im Laufe der Jahre auch alles eingespielt hat – der Nebenjob hilft dabei, über die Runden zu kommen, und zwischen Studium und Job trifft man seine Freunde. Das Geld reicht so eben, große Sprünge sind nicht möglich, aber alle anderen kommen ja auch damit klar.

Bis dann die ersten Kommilitonen sich exmatrikulieren, wegziehen und woanders ein neues Leben anfangen. Bis dahin haben sich viele keine Gedanken gemacht, genauer: Die Gedanken an die eigene Zukunft, das Danach schön beiseite geschoben.

Denn Veränderungen sind für viele Menschen mit Ängsten verbunden. Raus aus der Komfortzone, rein ins Ungewisse – das birgt immer das Risiko des Scheiterns:

  • Was, wenn ich noch gar nicht dafür bereit bin?
  • Wenn ich die Prüfungen nicht schaffe?
  • Wenn ich keine Stelle finde?
  • Wenn ich den Job und die Leute nicht mag?
  • Ich will hier nicht weg, warum kann nicht alles bleiben, wie es ist?

So oder ähnlich lauten dann die Gedanken vieler Studierender im letzten Semester, das ganz plötzlich vor der Tür steht. Dabei sind Veränderungen Teil des menschlichen Lebens und jede Phase geht irgendwann einmal zu Ende. Selbst Langzeitstudenten müssen sich irgendwann der Realität stellen. Und die besagt im Wesentlichen: Übernimm Verantwortung für Dein eigenes Leben. Werd erwachsen. Tu was. Stillstand ist der Tod.

Fängt jetzt der Ernst des Lebens an?

Letztes SemesterManch einer fürchtet: Jetzt muss ich erwachsen werden. Mein Leben ist vorbei, fortan muss ich mich Regeln unterwerfen! Denn das Ende des Studiums bedeutet eben auch, dass man den Verbund der Studierenden verlässt, nicht mehr in der Masse untertauchen kann. Das erste Mal werden Sie alleine stehen und in der „realen Welt“ sich behaupten müssen, an Ihren Leistungen gemessen.

Jetzt müssen Sie sich beweisen und zeigen, was Sie gelernt haben. Hier geht es nicht mehr um ein partielles Abrufen von Leistungen wie in Prüfungen, sondern um eine allumfassende Bewährung im Alltag. Eben das, was Erwachsensein unter anderem ausmacht.

Das klingt für manche bedrohlich, dabei sind die wenigsten im Studium frei von Verpflichtungen. Wer Geld von den Eltern bekommt, wird häufig mit deren Erwartungshaltung konfrontiert. Wer Bafög bezieht, muss spätestens ein Semester nach der Regelstudienzeit fertig werden.

Der Eintritt ins Arbeitsleben, der erste (richtige) Job nach dem Abschluss presst Sie nicht zwangsläufig in ein Korsett: Gleitzeit und Homeoffice-Regelungen ermöglichen vielen Arbeitnehmer heutzutage Spielräume, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.

Und Lehrveranstaltungen haben sich auch nicht nach den Teilnehmern gerichtet. Dazu kommt ein weiterer, nicht unwichtiger Punkt: Die Mehrheit der Studierenden lebt von der Hand in den Mund. Das ist für eine begrenzte Zeit in Ordnung. Aber mal ehrlich: Mit dem Alter wachsen auch die Wünsche – wollen Sie mit 30 noch auf 12 Quadratmetern im Wohnheim oder in der WG wohnen? Sich um den Putzplan kloppen? Über leergefressene Kühlschränke ärgern?

Mit einem richtigen Gehalt – nicht nur finanzieller Unterstützung auf Hartz-IV-Niveau – können Sie zumindest einen Großteil dieser Sorgen in den Griff bekommen.

Selbstbestimmt handeln statt Vogel-Strauß-Taktik

Der Start ins Berufsleben ist bei vielen mit Wünschen und Hoffnungen behaftet: Spaß soll der Job machen, ein gutes Gehalt soll er natürlich auch einbringen, Miete und Lebenshaltungskosten müssen irgendwie finanziert werden. Einen Plan für den Weg dahin gibt es allerdings nicht immer.

Zahlreiche Schulabgänger „retten“ sich gewissermaßen an die Uni, weil sie die Entscheidung zur Berufswahl vertagen. Es wird nach Neigung studiert – nicht selten sind es die Geisteswissenschaften.

Damit gehen neue, nicht getroffene Entscheidungen einher. Die beruflichen Möglichkeiten sind zahlreich, das Berufsbild jedoch unklar. Schnell werden aus Studierenden Langzeitstudenten, im schlimmsten Fall Studienabbrecher. Das muss natürlich alles kein Beinbruch sein.

Schön sind diese Erfahrungen jedoch nicht. Und sie wären zu vermeiden gewesen, wenn die Betroffenen sich vorher intensiv mit ihren Zielen auseinandergesetzt oder Hilfe gesucht hätten.

So ein Vorgehen ist letztlich Vogel-Strauß-Taktik: Wenn ich einfach nicht hinsehe, existiert das Problem nicht. Das Problem hat einen Namen: Zukunftsängste, Existenzängste, Verlustängste.

Davor wegzurennen ist zwecklos, sie werden einen immer wieder einholen. Die einzige Möglichkeit ist, sich ihnen zu stellen. Und rückblickend werden Sie merken: Man wächst mit seinen Herausforderungen.

Tipps: Was jetzt zu tun ist

  • Reflektieren Sie Ihre Situation

    Niemand kann Ihr Leben leben oder wissen, was Sie wollen. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, was Sie wollen. Setzen Sie sich mit Ihren Stärken und Schwächen, aber auch Interessen und Neigungen auseinander, listen Sie auf. Was gelingt Ihnen leicht, was macht Ihnen Spaß, worin sind Sie gut? Noten können bereits Hinweise darauf geben. Sie sollten allerdings nicht nur rein fachliche Dinge betrachten, sondern auch Ihre Soft Skills berücksichtigen. Sind Sie offen für Neues, finden Sie leicht Anschluss? Lassen Sie sich bei der Einschätzung auch durch Freunde, Kommilitonen und Familie helfen und fragen Sie, wie die Sie sehen.

  • Machen Sie eine To-do-Liste

    Im letzten Semester geht es um mehr als nur noch Klausuren und Referate. Manche machen ein Examenskolloquium, besuchen Tagungen und andere Netzwerkevents. Damit Sie sich nicht mit wichtigen Terminen verheddern, sollten Sie alles, was anliegt nebst Datum in einen Kalender eintragen. Arbeiten Sie dafür mit verschiedenen Farben, je nach Dringlichkeit. Denken Sie bei diesen To-dos auch an außeruniversitäre Behörden, Ämter und Stellen: Nach der Exmatrikulation verlieren Sie Ihren Studentenstatus. Das heißt: Wer im Wohnheim wohnt, wird sich in absehbarer Zeit nach einer anderen Unterkunft umsehen müssen, da diese Räumlichkeiten meist Studierenden vorbehalten sind. Wer selbst versichert ist, wird von seiner Krankenkasse zukünftig in einen höheren Tarif eingruppiert werden. Auch sollten Sie sich für den Fall aller Fälle bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend melden.

  • Schauen Sie zurück

    Der schiere Berg an Dingen, die noch vor Ihnen liegen und erledigt werden müssen, können einen manchmal erschlagen. Dann flackern die Ängste wieder auf und das lähmt bekanntlich. Dagegen gibt es einen simplen, aber wirksamen Trick: Schauen Sie zurück, was Sie bisher alles bewerkstelligt haben. Viele Menschen neigen dazu, das geringzuschätzen – und vor allem zu unterschätzen. Notieren Sie Ihre Erfolge, beispielsweise: Abitur geschafft, an der Lieblingsuni beworben und sofort den Studienplatz erhalten, gute Noten, tolle Freunde, zum ersten Mal von Zuhause weggezogen, selbständig den eigenen Haushalt geführt, Grundstudium / Bachelor / Zwischenprüfung bestanden… Der „Berg“ hinter Ihnen ist viel größer, als das, was vor Ihnen liegt. Es sind nur noch wenige Schritte.

  • Listen Sie Ihre Stationen auf

    Spätestens für einen Lebenslauf müssen Sie Ihre Tätigkeiten ohnehin auflisten. Wer das letzte Semester bestreitet, wird bald Bewerbungen schreiben. Listen Sie auf Ihrer persönlichen Liste alles auf, was Sie neben dem Studium gemacht haben: Jobs in den Semesterferien (wo & welche?), Praktika, Arbeit in der Fachschaft, Hochschulradio, ehrenamtliche Tätigkeiten – einfach alles. Diese Arbeiten und Beschäftigungen geben auch Aufschluss darüber, was Ihnen liegt und was weniger.

  • Motivieren Sie sich

    Mit der Zielgeraden vor Augen kann einem selbst bei klaren Jobvorstellungen mulmig werden: Prüfungsphase heißt eben auch Zeit des Verzichts, der Anstrengung. Drei Tipps, damit Sie gut durch die Phase kommen:

    1. Erstellen Sie einen Lernplan. Der hilft Ihnen dabei, den Überblick über anstehende Prüfungen, Themen und Termine zu behalten. Beginnen Sie frühstmöglich damit und planen Sie großzügige zeitliche Puffer ein. So können auch unerwartete Zwischenfälle (Erkältung, Stress mit Freund, laute Umgebung) Ihnen nichts anhaben beziehungsweise Sie nicht so leicht zeitlich zurückwerfen.
    2. Sorgen Sie für Ausgleich. Prüfungsphase und die Zeit der Vorbereitung heißt nicht, dass Sie fortan gar nichts mehr machen dürfen und allem, was Spaß macht, entsagen müssen. Im Gegenteil! Planen Sie Pausen und Freizeit ein. Natürlich müssen Freizeitaktivitäten für einen gewissen Zeitraum etwas zurückgefahren werden, aber Ihre Motivation wird gegen Null gehen, wenn Sie sich nichts mehr erlauben – reduzieren Sie lediglich für eine bestimmte Zeit.
    3. Planen Sie die Belohnung danach. Wer weiß, dass die Durststrecke nur für eine bestimmte Zeit existiert, kann sich leichter motivieren. Nehmen Sie sich etwas Schönes vor. Fahren Sie, wenn es die finanzielle Situation erlaubt, danach in den Urlaub. Vor und unmittelbar nach dem Studium ist genau der Zeitpunkt, an dem Sie noch am ehesten längere Reisen unternehmen können und weitestgehend frei von Verpflichtungen sind.
  • Suchen Sie sich Unterstützung

    Viele Hochschulen wissen um die Schwierigkeiten, mit denen Studierende im letzten Semester zu kämpfen haben. Sich Hilfe zu suchen, ist keine Schande – es ist eher unklug, die zahlreichen Hilfsangebote nicht zu nutzen. Hochschulinterne Anlaufstellen wie die Zentrale Studienberatung bieten mit qualifiziertem Personal (Sozialpädagogen, Psychologen) Hilfe bei Schreibhemmung, Prüfungsangst und allgemeiner Studienorganisation. Viele Beratungsangebote (Soziales, Finanzierung) gibt es auch bei den Studentenwerken. Klar auf die Zeit zwischen Studienabschluss und Übergang in die Arbeitswelt zugeschnitten sind viele Angebote der Career Services. Diese Schnittstellen zwischen Uni und Arbeitsmarkt helfen beim Bewerbungstraining, beispielsweise wie eine Selbstpräsentation funktioniert und was Sie in einem Assessment Center erwartet.

[Bildnachweis: Master1305 by Shutterstock.com]
2. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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