Neigung: Wichtiger als Sie denken

Es ist die Gretchenfrage, die bei der Berufswahl immer wieder aufkommt. Was ist wichtiger: Neigung oder Gehalt? Gerade Schulabgänger setzen sich oftmals nicht mit ihren Interessen und Fähigkeiten auseinander, sondern schielen auf das große Geld. In ihrer Orientierungslosigkeit schauen sie bestenfalls auf die Berufe in ihrer nächsten Umgebung: Das sind die ihrer Eltern oder der Lehrerberuf, den sie jeden Tag hautnah miterleben. Kein Wunder, dass viele Abiturienten auf Lehramt studieren, bietet er doch immer noch ein gewisses Renommee, vor allem aber Sicherheit. Diese Strategie bei der Studienwahl ist allerdings genauso riskant wie unsinnig und mündet nicht selten im Burnout. Was Sie über Neigungen wissen sollten…

Neigung: Wichtiger als Sie denken

Neigung Definition: Die Nähe zu bestimmten Themen

Neigung Beispiele anderes Wort Synonym Was bedeutet VorliebeDem Wortsinn nach bedeutet Neigung das Beugen zu etwas hin – in der Regel etwas, das unser Interesse weckt.

Das Ganze geht auch im übertragenen Sinn. Wir richten nicht den Körper, sondern lenken unser Interesse in eine bestimmte Richtung.

Neigung, englisch affection oder tendency, ist daher ein anderes Wort für Wunsch oder Interesse. Das heißt, es gibt einen Bereich, der spannend wirkt, die Neugierde weckt. Im Falle von Kindern heißt das, dass sie häufig dieser Neigung nachgehen und das machen möchten, was ihnen Spaß macht.

Ihre Impulskontrolle und ihr Pflichtbewusstsein sind noch nicht so stark ausgeprägt. Es ist ein Lernprozess, in dem sie lernen, dass Neigung und Pflicht sich abwechseln und die Waage halten müssen. Nur so schaffen sie es, Ziele zu entwickeln, sie entsprechend zu planen und zu verfolgen.

Unsere Neigung hat großen Einfluss auf unseren Arbeitsalltag und unser Freizeitverhalten. Ob wir etwas gerne machen, und uns in eine Sache hineinknien, hängt oftmals von der Neigung ab. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein; der eine bastelt zum Beispiel gerne Dekorationsartikel, der nächste löst gerne mathematische Rätsel, ein dritter geht gerne tauchen.

Synonyme für Neigung können sein:

  • Anlage
  • Art
  • Bedürfnis
  • Disposition
  • Faible
  • Fähigkeit
  • Gefallen
  • Gusto
  • Hang
  • Hinneigung
  • Interesse
  • Veranlagung
  • Vorliebe
  • Talent
  • Tendenz
  • Schwäche
  • Sehnsucht
  • Sympathie
  • Zug
  • Zuneigung

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Was zählt mehr: Neigungen oder Begabungen?

Was sind Neigungen und Begabungen Neigung synonym Wie bei vielen Themen gibt es auch rund um das Thema Neigung und Berufswahl unterschiedliche Meinungen. Seit Jahren lautet das Credo von Coaches und Berufsberatern: Gehen Sie nach Ihren Interessen! Und es liegt nahe: Niemand würde bei der Überlegung nach dem geeigneten Job wissentlich eine Ausbildung wählen, von deren Inhalt er bereits im Vorfeld weiß, dass er ihn nicht die Bohne interessiert.

Selbst der Apple-Gründer Steve Jobs sagte einst zu den Absolventen der Stanford-Universität auf der Abschlussfeier:

Ihr müsst die eine Sache finden, die ihr liebt, falls ihr diese Arbeit noch nicht gefunden habt, sucht weiter.

Leidenschaft, für das, was man tut, gilt oft als unumstößlicher Garant dafür, nicht mit 40 Jahren plötzlich am beruflichen Scheideweg zu stehen. Boreout und Burnout sind häufig das Ergebnis von Jobs, in denen so gar nichts (mehr?) stimmt. Hohe Erwartungen zu Beginn, Landen auf dem Boden der Tatsachen im Laufe der Zeit.

Gleichwohl ist Neigung respektive Interesse an einer Sache nur die halbe Miete und offenbar doch kein Garant. Zu diesem Ergebnis kommen der amerikanische Psychologe Christopher Nye von der Universität von Michigan und seine Kollegen.

Seine These: Wenn – wie es Berufsberatungen immer nahelegen – Menschen sich den Job aussuchen, der zu ihrer Neigung, Persönlichkeit und Werten passt, dann müssten Menschen, die im gleichen Beruf tätig sind, die gleichen Interessen und Werte haben.

Für die Studie untersuchten die Forscher die Datensätze von 67.000 Personen aus insgesamt 211 verschiedenen Berufen.

Mit Hilfe des standardisierten „Strong Interest Inventory“ lagen den Wissenschaftlern die individuellen Neigungen der untersuchten Personen vor. Abgesehen von einigen tatsächlichen Überschneidungen im stärksten Interesse, war in der Hälfte der analysierten Berufe die Verteilung der Neigung absolut verschieden.

Dies bestätigt die Beobachtungen anderer Forscher wie die des Psychologen Aljoscha Neubauer, der dringend davon abrät, ausschließlich nach Neigung zu gehen. Zu unterscheiden sei zwischen Neigung und Begabung. Wir erinnern uns: Neigung ist synonym zu Interesse, Gefallen oder auch Vorliebe.

Begabung hingegen kann völlig unabhängig davon etwas sein, das Sie gut beherrschen. Es muss Ihnen nicht besonders viel Spaß machen und somit die Begeisterungsstürme wecken, die sich viele im Job wünschen.

Umgekehrt kommt es vor, dass Leute mit Hingabe einer Sache nachgehen, die sie nicht besonders gut beherrschen. Exemplarisch stelle man sich den leidenschaftlichen Sänger unter der Dusche vor, der leider völlig unbegabt ist.

Im Berufsleben sind die Konsequenzen unterschätzter Begabung unter Umständen ungleich härter: Wessen Traum die Selbständigkeit ist und wer deshalb annimmt, er könne seinen bisherigen Angestelltenjob genauso gut allein ausüben, erlebt womöglich ein böses Erwachen.

Wer sein Hobby zum Beruf macht, verkennt, dass die Selbständigkeit nicht bedeutet, sich acht Stunden am Tag die Rosinen herauspicken und nur das machen zu können, was einem gefällt. Es kommt eben auch viel Verwaltungskram auf Sie zu, um nur einen Unterschied zu nennen.

Die eigene Neigung aufspüren

Um den eigenen Neigungen auf den Grund zu gehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Selbstreflexion

    Wie oben ausgeführt, werden Sie um die Selbstreflexion nicht herumkommen. Je eher Sie damit beginnen, desto besser. Für diejenigen, die ganz am Anfang stehen, ein Indiz: Wenn Sie etwas gerne ausführen, dann werden Sie vermutlich sofort damit beginnen. Aufschub bis hin zur Prokrastination ist eher ein Zeichen für fehlende Motivation und kann bedeuten, dass Sie für eine Tätigkeit nicht geeignet sind. Wer so gar keine Neigung für eine Tätigkeit besitzt, fühlt sich schnell gelangweilt. Ebenso können Ängste einen zurückhalten.

  • Freunde und Familie

    Neben eigenen Überlegungen sollten Sie sich auch ein Meinungsbild durch Personen verschaffen, die Ihnen nahestehen. Wie folgendes Beispiel zeigt, sollte deren Meinung und die Orientierung an dem, was Freunde machen, nicht zu stark gewichtet, sondern als Ergänzung betrachtet werden:

    Ein Freund von Ihnen, der sehr aktiv im Fußballverein ist und in der Vergangenheit Klassensprecher war, plant eine Ausbildung als Automobilkaufmann. So jemand hat ein Händchen im Umgang mit anderen Leuten; sein Schulamt als Klassensprecher hat er höchstwahrscheinlich seiner Beliebtheit zu verdanken.

    Durch den Sport hat er Teamgeist und taktisches Vorgehen gelernt. Sie bewundern Ihren Freund für die vielen Freunde, sind selbst eher ein introvertierter Mensch, der sehr gewissenhaft arbeitet. Ob eine Ausbildung als Automobilkaufmann Ihrer Neigung entgegenkommt, ist fraglich – zumindest, wenn Sie später überwiegend Kundenkontakt haben und beratend tätig sein werden.

  • Praktikum

    Die beste Gelegenheit, die eigenen Neigungen zu überprüfen, bietet ein Praktikum. Dazu Pflichtpraktika ebenso zählen wie beispielsweise die Erfahrungen, die Sie in einem Nebenjob sammeln. Das ist die Chance, die Arbeit in einem laufenden Betrieb zu erleben und nicht nur aus Büchern irgendwelche graue Theorie zu erfahren. Dazu sollten Sie unbedingt die Gelegenheit nutzen und Kollegen und Ansprechpartner nach Details zu fragen.

  • Arbeitsagentur

    Ein breites Angebot an Informationen bieten die örtlichen Arbeitsagenturen. Diverse Webseiten geben bereits einen virtuellen Einblick in den Ausbildungsalltag, so beispielsweise www.planet-beruf.de. Unter www.berufe.tv werden verschiedene Berufe in Überblicksfilmen dargestellt. Für Abiturienten und Studieninteressierte gibt es Informationsangebote unter www.abi.de. Über 1.800 Ausbildungsgänge und 4.000 Berufe werden anschaulich illustriert unter berufenet.arbeitsagentur.de.

  • Berufswahlmesse

    Diese Messe läuft unter verschiedenen Begrifflichkeiten, teilweise ist von der Bewerbermesse zu lesen, dann von einer Recruitingmesse oder allgemeiner: Jobmesse. Allen Messen gemeinsam ist, dass sie Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenbringen wollen. Dazu werden Workshops und Kurzinterviews angeboten, Interessenten haben Gelegenheit, direkt mit dem anvisierten Unternehmen in Kontakt zu kommen. Je nach Schwerpunkt variieren die Zielgruppen – mal sind Schüler stärker im Fokus, dann wieder Berufstätige und in anderen Fällen Absolventen bestimmter Fachbereiche. Welche Messe sich am ehesten eignet, Ihre Neigung zu einer bestimmten Branche oder Tätigkeit aufzudecken, erfahren Sie im Zweifel auf der Messehomepage.

  • Tests

    Daneben gibt eine Vielzahl an Tests, die Ihnen Ihnen Aufschluss über Ihre Neigungen und Potenziale geben und Sie mit Hintergrundinformationen zu verschiedenen Berufsinhalten versorgen. So können Sie Ihre Kompetenzen ermitteln oder finden eine Entscheidungshilfe bei der Frage, ob Sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen sollten. (Mehr dazu im nächsten Abschnitt.)

Hier können Sie Ihre Kompetenzen testen

Neigung englisch synonym messenUm ein möglichst umfassendes Bild über sich und Ihre Potenziale zu bekommen, sollten Sie unbedingt Ihre Familie und Freunde, Lehrer oder Ansprechpartner im Betriebspraktikum ansprechen.

Ausbildungsstudien belegen, dass das persönliche Umfeld besonders hilfreich ist, wenn es um berufliche Orientierung geht. Gespräche, Ratschläge und Tipps, die Sie selbst vielleicht noch nicht bedacht haben, können Ihnen eine große Hilfe sein. Daneben können Sie mit Hilfe psychologischer Tests die eine oder andere Neigung entdecken.

Was Ihre Persönlichkeit ausmacht, ob Sie eine offene Person sind oder doch eher zur Unsicherheit neigen, spiegelt sich beispielsweise in Tests wie dem Big Five wider. Die dort getesteten Persönlichkeitsmerkmale sagen etwas darüber aus, welche Tätigkeiten für Sie geeignet sind.

Häufig decken sie sich mit den Neigungen, ohne dass es bewusst wäre. Wir haben hier exemplarisch einige Tests ausgewählt, die eine erste Orientierung bieten. Diese Tests sollten nie für sich allein genommen werden und beanspruchen keine Allgemeingültigkeit.

Abhängig von Ihrem Alter, Ihren Begabungen, Ihren Karrierewünschen und bereits vorhandenen Kenntnissen können Ergebnisse unterschiedlich ausfallen:

  • Kompetenztest – Im kostenlosen Kompetenztest der Karrierebibel werden verschiedene Kompetenzen bestimmten Superhelden zugeordnet. Das hat zum einen motivierenden Charakter. Zum anderen zeigt es, dass jeder über bestimmte Kompetenzen verfügt, die sehr wichtig sind. Sie können dabei helfen, Ungeahntes zu leisten, wenn wir unsere Neigungen wirklich kennen und einsetzen.
  • Interessentest für 14-Jährige – Dieser Test des Vereins Schul- und Ausbildungsberatung (SAB) Graz gibt Schülern und Schülerinnen eine erste Orientierungshilfe.
  • Borakel – Nennt sich das Online-Beratungstool der Ruhr-Universität Bochum. Hier werden Fragen rund um die Berufs- und Studienwahl geklärt. Sie haben hier die Möglichkeit zum Online-Test zur Berufswahl und können einen Online-Fragebogen zur Studiengangentscheidung ausfüllen. Darüber hinaus bieten Ihnen drei Videosequenzen einen Einblick in den Campusalltag der Ruhr-Universität.

Einen ausführlichen Überblick über verschiedene Tests finden Sie auch hier:

Der Neigung nachgehen bei der Berufswahl

Jahr für Jahr stellen sich Schulabgänger die Frage: Was geschieht danach? Die Möglichkeiten sind heute sehr vielfältig. In früheren Zeiten diktierten Notwendigkeiten die Berufswahl: Die Eltern brauchten Hilfe auf dem Feld?

Dann wurde die Schule direkt bei Vollendung der Pflichtschuljahre verlassen. Das Gleiche galt, wenn ein weiteres Einkommen benötigt wurde. So manch einer hätte gerne das Abitur gemacht, aber das finanzielle Überleben der Familie wäre dann in Gefahr gewesen.

Heutzutage kann jeder seiner Neigung nachgehen – theoretisch. Das Grundgesetz garantiert die freie Berufswahl. Aber so frei wie wir denken, sind wir oftmals nicht. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die sich auf die Neigung auswirken und damit die Berufswahl beeinflussen:

  • Herkunft

    Die Herkunft spielt in mehrerlei Hinsicht eine Rolle bei der Berufswahl. Stammen die Eltern aus Deutschland oder sind sie erst kurz nach der Geburt hierher gekommen? Haben sie selbst eine fundierte Ausbildung oder ein Studium oder stammen sie aus einer bildungsfernen Gesellschaftsschicht? Wie sieht die ökonomische Situation aus, hat das Kind beispielsweise bereits durch ein Auslandsjahr während der Schule Erfahrungen sammeln können? Faktoren wie diese wirken sich auf die persönliche Neigung aus, da die Informationen, mit denen jemand versorgt wird, je nachdem unterschiedlich sein können. Ein Kind aus einem Handwerkerhaushalt wird womöglich nicht studieren, da es Vorbehalte seitens der Eltern gibt.

  • Erfahrungen

    Wurde bereits ein Schülerpraktikum absolviert? Wurden bereits Erfahrungen in Schülerjobs gesammelt? Durch Vereinstätigkeit oder Ehrenamt neue Bereiche neben der Schule erschlossen? Diese Erfahrungen tragen allesamt dazu bei, bestimmte Neigungen zu entwickeln oder eine Neigung besonders zu verstärken.

  • Chancen

    Auch wenn etwas anderes gesellschaftlich erwünscht ist: Chancenungleichheit ist nach wie vor ein Thema in Deutschland. Welche Neigung Sie entwickeln, hängt daher auch mit der frühzeitigen Förderung ab. Wer einen Hauptschulabschluss hat, dem stehen erst einmal weniger Möglichkeiten zur Verfügung als mit einem Abitur. Zwar ist auch hier unter bestimmten Bedingungen ein Studium möglich, aber die Wege sind deutlich langwieriger und umständlicher als mit Abitur. Gleiches gilt für bestimmte Jobs: Bei einigen ist von vornherein ein abgeschlossenes Studium notwendig. Wer seine Neigung nicht frühzeitig erkennt, ergreift zunächst womöglich einen ganz anderen Weg.

  • Werte

    Welcher Neigung Sie am Ende den Vorzug geben, ist eine Frage der Bewertung. In Sachen Berufswahl schielen viele zunächst auf das Geld. Neben dem Gehalt sollten Sie für sich klären:

    • Wollen Sie selbständig sein oder als Angestellter arbeiten?
    • Wie wichtig ist Ihnen Sicherheit – suchen Sie eine Festanstellung, wollen Sie eine Verbeamtung oder käme auch projektbasierte Arbeit infrage?
    • Welche Arbeitszeiten bevorzugen Sie: Feste Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeiten (zum Beispiel Gleitzeit) oder würden Sie auch Wechselschicht machen?
    • Wie sehr ist Ihnen an einer Work-Life-Balance gelegen?
    • Welche Karriereziele verfolgen Sie?
    • Welchen Platz wollen Sie Familie und sozialen Kontakten einräumen?
  • Geschlecht

    Sogar das Geschlecht kann sich auf die Entwicklung einer Neigung auswirken. Nicht unbedingt so, dass dem Stereotyp entsprechend Mädchen grundsätzlich keine mathematisch-technischen und Jungen keine sprachlichen Fähigkeiten haben. Dennoch lässt sich eine Verschiebung bestimmter Begabungen zugunsten einer Sache nicht leugnen – es gibt sie nach wie vor, die typischen Frauen- beziehungsweise Männerausbildungsberufe oder entsprechend Studiengänge. Der soziale Sektor ist von Frauen dominiert, der wirtschaftlich-technische Bereich von Männern. Es existieren viele Vermutungen, warum das so ist: Angefangen über eine geschlechtsspezifische Erziehung über schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf hin zur Benachteiligung von Frauen bei Bewerbungen.

Um Faktoren wie Chancengleichheit zu fördern, gibt es für Kinder aus einkommenschwachen Familien diverse staatliche Mittel oder Unterstützungsprogramme. Die Vielfalt an Möglichkeiten bedeutet aber nicht nur Chance, sondern wird von manchen als Bürde empfunden.

Es stellt sich erneut die Frage nach der Neigung. Nach der Schule erstmal als Au-pair in die USA? Oder lieber Work and Travel in Australien?

Vielleicht doch ein Studium oder gleich Geld verdienen? Es ist wichtig, sich über die eigenen Neigungen im Klaren zu sein, um entsprechende Entscheidungen treffen zu können. Oftmals ist es bei Schülern lediglich ein diffuses Gefühl.

Sind Neigungen angeboren?

Neigung Synonym Englisch Begabung anderes Wort nachgehen BerufswahlDie Begriffe Anlage und Disposition als Synonyme für Neigung zeigen, wie weit die Neigung in unserer Entwicklung zurückliegt. Bereits Schopenhauer betonte den Einfluss von Anlage und Umgebung auf die Entwicklung einer Persönlichkeit.

So mag es sein, dass in einer Familie vielleicht wirklich eine genetische Veranlagung für künstlerisches Schaffen vorliegt. Man denke beispielsweise an die Familie Strauss – Johann Strauss, sein gleichnamiger Sohn und seine beiden anderen Söhne und sogar ein gleichnamiger Enkel wurden allesamt Musiker.

Auch aus anderen Bereichen sind Beispiele bekannt wie im Rennsport Michael und Ralf Schuhmacher oder im Tennissport Venus und Serena Williams, die jeweils große Erfolge feierten.

Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass die Förderung einer musikalischen Neigung in einem Musikerhaushalt entsprechend größer sein wird als beispielsweise in anderen Familien. Gleiches gilt für andere Bereiche und lässt sich beobachten, wenn ein Kind beispielsweise dasselbe studiert wie ein Elternteil, um später die Praxis seines Vaters oder seiner Mutter zu übernehmen.

In allen diesen Fällen sind die Weichen schon gestellt, der Weg geebnet. Sehr wahrscheinlich wird es eine gewisse Neigung für diese Berufswahl geben, gleichzeitig liegt der Fokus von Haus aus bereits auf einem bestimmten Bereich.

Stärken in der Orientierungsphase erforschen

Dieses diffuse Gefühl kommt daher, dass Sie sich gezielt mit sich und Ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen müssen. Dazu reichen keine fünf Minuten, wenn eine Person Sie fragt, was Sie werden wollen.

Ihre Neigungen lassen sich nicht unbedingt mit den Lieblingsfächer in der Schule gleichsetzen. Diese mögen ein Hinweis darauf sein. Genauso wichtig ist es aber, grundlegende Vorlieben und Hobbys zu erkennen. Sie geben Aufschluss über Ihre charakterlichen Eigenschaften.

Die Auseinandersetzung mit Neigungen und Begabungen ist nicht nur für zukünftige Absolventen wichtig. Auch Berufstätige, die eine berufliche Neuorientierung planen, müssen in Gedanken durchgehen, wo ihre Neigung liegt beziehungsweise, was für sie typisch ist:

Viele der aufgeführten Punkte fallen unter Soft Skills, also Eigenschaften, die Ihnen in nahezu jedem Job weiterhelfen. Sie sollten sich bewusst die Zeit nehmen und in Selbstreflexion verschiedene Fragen stellen.

Denn nur, wenn Sie Ihre Neigungen mit Wissen anreichern und mit Übung kombinieren, können daraus Fertigkeiten entstehen. Eine große Bedeutung kommt bei alledem Ihren Neigungen zu.

Sie mögen sich vielleicht (technisches) Wissen aneignen und beherrschen eine Sache. Wenn das letztlich aber nicht Ihrem innersten Wunsch und Bedürfnis entspricht, werden Sie nie so gut sein wie jemand, der eine Sache aus Überzeugung macht.

Auch wenn Leidenschaft Begabung und Fertigkeit nicht ersetzen kann: Völlig ohne Neigung geht es nicht, sonst können Sinnkrisen die Folge sein.

[Bildnachweis: HomeArt by Shutterstock.com]
6. März 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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