Referendariat: Vorbereitung auf die Praxis

Der Weg von der Universität bis in den endgültigen Beruf ist in manchen Branchen und für einige Studiengänge länger als für andere. Während einige nach drei Jahren schon Bewerbungen an Unternehmen schreiben und die ersten Schritte auf der Karriereleiter machen, steht für andere erst einmal das Referendariat an. Dieses stellt die nächste Stufe der Ausbildung dar und ist insbesondere für angehende Lehrer und Juristen ein wichtiger Schritt. Das theoretische Wissen wird endlich aus dem Hörsaal herausgebracht und in der Praxis angewendet. Viele Studenten freuen sich auf diese Station zwischen ersten und zweitem Staatsexamen. Wir zeigen, was unter einem Referendariat zu verstehen ist, wie die Bewerbungen ablaufen und wie hoch das Gehalt für Referendare ist…

Referendariat: Vorbereitung auf die Praxis

Was ist ein Referendariat?

Referendariat Definition Erklärung Begriff Lehramt Jura GehaltDas Referendariat kann als eine Vorbereitung auf den Beruf und spezifischer auf eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst angesehen werden.

Das Referendariat wird deshalb auch als Vorbereitungsdienst bezeichnet. Die Unterscheidung des höheren Dienstes ist dabei wichtig, da im Vorbereitungsdienst im einfachen, mittleren und auch gehobenen Dienst von Anwärtern und nicht von Referendaren gesprochen wird.

Um überhaupt ein Referendariat machen zu können, muss zuvor ein mindestens dreijähriges Studium mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen werden. Die beiden mit Abstand größten Gruppen der Referendare stammen aus dem Lehramts- und Jurastudium. Darüberhinaus gibt es beispielsweise auch Referendariate für Bibliothekare, Veterinäre im Staatsdienst oder für den höheren auswärtigen Dienst.

In der Regel dauert das Referendariat zwei Jahre, in den Bundesländern Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sogar nur 18 Monate. Es ist darauf ausgelegt, nach dem theoretischen Wissen, das im Studium vermittelt wurde, den praktischen Teil abzudecken, der für die Arbeit notwendig ist.

Referendare sammeln also nicht einfach nur Erfahrung, sondern können eher mit einem Auszubildenden vergleichen werden, der in die Praxis einsteigt, um sein Handwerk wirklich zu erlernen und nicht nur in der Theorie zu beherrschen.

Während das erste Staatsexamen die Voraussetzung ist, um ein Referendariat machen zu können, steht am Ende der zwei Jahre das zweite Staatsexamen (auch großes Staatsexamen genannt). Wird dieses bestanden, kann je nach Beruf eine Verbeamtung folgen oder der Status eines Beamten auf Probe folgen.

Allerdings ist ein erfolgreiches zweites Staatsexamen auch für einige Berufe außerhalb der Beamtenlaufbahn erforderlich. Dazu zählen beispielsweise Rechtsanwälte aber auch Lehrer, die im Gegensatz zu früher nicht mehr automatisch einen Beamtenstatus erhalten.

Zusätzlich darf nach dem zweiten Staatsexamen die Berufsbezeichnung des Assessor getragen und genutzt werden.

Die Bewerbung für ein Referendariat

Referendariat Bewerbung Auswahl VergabeDie Bewerbung für ein Referendariat läuft über das jeweilige Bundesland. So gibt es beispielsweise für ein Lehramtsreferendariat in Nordrhein-Westfalen insgesamt fünf Bezirksregierungen, an die die Bewerbungen und Anträge für ein Referendariat gestellt werden können. Juristen bewerben sich für ein Referendariat in NRW bei den Oberlandesgerichtsbezirken und werden von dort zugeteilt.

In der Regel können Wunschstandorte angegeben werden, an denen das Referendariat bevorzugt angetreten werden möchte. Bei der Vergabe und Verteilung spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle.

Da viele angehende Referendare häufig während des Studiums ihr soziales Umfeld am Studienort gefunden haben und/oder aus der Gegend stammen, sind entfernte Referendariatsplätze nicht immer beliebt. Sogenannte „Sozialpunkte“ spielen allerdings auch eine Rolle bei der Vergabe des Ortes.

Bestimmte Härtefälle können es notwendig erscheinen lassen, dass ein Referendar an einen bestimmten Ort gebunden ist. Um dies berücksichtigen zu können, muss der jeweilige Nachweis bis zum Bewerbungsschluss gleichzeitig mit dem Einstellungsantrag (Vordruck LID 102) vorliegen.

Sozialpunkte für die Vergabe

  • Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft: 3 Punkte
  • Alleinige Verantwortung für einen anerkannten Pflegefall: 12 Punkte
  • Mitbetreuung eines Pflegefalls: 4 Punkte
  • Alleinstehende Person mit minderjährigen Kind oder Kindern im eigenen Haushalt: 9 Punkte
  • Ortsgebundenes Ausbildungsverhältnis oder Beschäftigungsverhältnis des Partners (gilt nur für Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft: 2 Punkte
  • Minderjährige Kinder, pro Kind: 4 Punkte
  • Kinder mit nachgewiesenen gesundheitlichen oder erzieherischen Problemen: 2 Punkte
  • Schwerbehinderung, je nach GdB: 5 bis 10 Punkte
  • Schwerbehinderten gleichgestellte Bewerberinnen und Bewerber: 5 Punkte
  • Sonstige soziale Gründe nach Anerkennung durch die Bezirksregierung: 1 Punkt
  • Mitgliedschaft in einer gewählten Vertretung kommunaler Gebietskörperschaften: 9 Punkte

Zusätzlich können das Alter und die Fächerkombination eine Rolle spielen. So kann es passieren, dass nicht jeder sein Referendariat im Wunschort machen kann oder zum Teil mit Wartezeit gerechnet werden muss.

Dies hängt auch davon ab, wie oft im Jahr neue Referendare eingestellt werden. So stellt NRW beispielsweise 12 mal jährlich neue Rechtsreferendare ein, was jedoch die große Ausnahme ist. Viele andere Bundesländer tun dies nur zweimal im Jahr.

Die Regelungen zwischen den Bundesländern unterscheiden sich zum Teil stark von einander, deshalb sollten Sie sich im Vorfeld unbedingt genau informieren, was für Ihre Situation gilt.

Wartezeit auf das Referendariat nicht nur aussitzen

Die Wartezeit zwischen der Bewerbung für ein Referendariat und dem tatsächlichen Beginn kann zwischen einigen Monaten und im schlimmsten Fall bis zu über einem Jahr dauern. Eine lange Zeit – zu lange, um einfach nur zu warten und nichts zu tun, bis es endlich losgeht oder Sie überhaupt Bescheid erhalten, wann und wo die erste Station Ihres Referendariats stattfindet.

Besser ist es, einen sinnvollen Nutzen für die Zeit zu finden und diese proaktiv zu gestalten. Das bringt Sie nicht nur weiter, sondern wirkt sich auch bei der späteren Jobsuche positiv aus. Potenzielle Arbeitgeber sehen ein solches zusätzliches Engagement immer gern, spricht es doch nicht nur für Ihre Qualifikation, sondern gerade auch für Ihre Motivation.

Denkbar sind in der Wartezeit beispielsweise ein längeres Praktikum oder auch Fortbildungen in dem Bereich, in dem Sie später arbeiten wollen.

Wie genau Sie die Wartezeit gestalten und für sich nutzen, hängt von Ihrer persönlichen Situation und auch der Zeit ab, die Ihnen wirklich zur Verfügung steht. Es ist aber in jedem Fall eine Chance, die Sie nutzen können.

Referendariat Gehalt: Wie hoch ist die Vergütung im Vorbereitungsdienst?

Während des Referendariats wird monatlich eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe gezahlt. Diese ist – anders als Gehalt – nicht als Gegenleistung für die Arbeit, sondern eher als eine Sozialleistung zu werten. Der Zweck ist es, dass Referendare sich auf die praktische Ausbildung und die Vorbereitung konzentrieren können und sich nicht noch um einen Job kümmern müssen, um genügend Geld zu verdienen.

Leider klappt das aber nicht immer. Denn wer nun glaubt, nach mehrjährigem Studium und dem ersten Staatsexamen würde es bereits eine Beihilfe im Referendariat geben, hat sich geirrt.

Die Höhe der Unterhaltsbeihilfe variiert je nach Bundesland, liegt jedoch für Rechtsreferendare im Durchschnitt bei circa 1.100 Euro brutto im Monat.

Die Höhe Ihres Gehalts richtet sich nach folgenden Punkten:

  • Die Besoldungsgruppe

    Abhängig davon, auf welche Schulform Sie Ihr Studium ausgerichtet haben, fällt Ihr Gehalt im Referendariat aus. Für Lehrer gilt die Besoldungsgruppe A. Wer in der Grundschule beziehungsweise Primarstufe oder Sekundarstufe I unterrichtet, fällt in die Besoldungsgruppe A 12. Wer in Sekundarstufe II unterrichtet, fällt in die Besoldungsgruppe A 13.

  • Der Familienstatus

    Wer verheiratet ist oder Kinder hat, erhält einen Familienzuschlag, der in verschiedene Stufen gegliedert ist. Je mehr Kinder, desto höher die Stufe. Falls Ihr Partner ebenfalls verbeamtet sein sollte, wirkt sich das zusätzlich auf die Stufen aus.

  • Das Bundesland

    Hier lässt sich das klassische Nord-Süd-Gefälle beobachten: Das Referendariat wird in Baden-Württemberg beispielsweise üppiger vergütet als in Berlin.

Am besten werden Referendare in Brandenburg und Bayern entlohnt, deutlich weniger gibt es in Hamburg, wo es noch nicht einmal 1000 Euro brutto monatlich gibt.

Ein solch geringes Gehalt kann einen Nebenjob notwendig machen, doch auch hier ist Vorsicht geboten. Diese müssen in der Regel angegeben und auch genehmigt werden. Stehen diese im Konflikt zum Referendariat, kann der Nebenjob verboten werden.

Auch die Höhe spielt eine große Rolle, da das zusätzliche Gehalt ab einem bestimmten Verdienst auf die Unterhaltsbeihilfe angerechnet wird, wodurch diese gekürzt wird. Erneut gibt es hier Unterschiede in den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen darf das anderthalbfache der Unterhaltsbeihilfe hinzuverdient werden, ohne dass diese gekürzt wird.

Für Rechtsreferendare: Das Referendariat zur Vorbereitung nutzen

Referendariat Staatsexamen Jura Lehramt Vorbereitung lernenIm Referendariat können Sie eine ganze Menge lernen, erhalten wichtige Einblicke und werden gezielt ausgebildet und auf die Praxis vorbereitet. Sie sollten dabei allerdings nicht vergessen, dass am Ende des Referendariats das zweite Staatsexamen auf Sie wartet – das eine lange und intensive Vorbereitung erfordert.

Neben dem Referendariat sollten Sie sich deshalb unbedingt darum kümmern. Dazu gehören Lerngruppen, Repetitorien und meist eine ganze Reihe an Probeklausuren, damit Sie wissen, was möglicherweise auf Sie zukommt.

Auch wenn sich zwei Jahre am Anfang sehr lang anfühlen, sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, die Vorbereitung zu lange vor sich herzuschieben. Vom zweiten Staatsexamen hängt eine ganze Menge ab – möglicherweise auch, in welchen Bereichen Sie später tätig sein können. Es lohnt sich also, frühzeitig zu investieren.

Referendariat Lehramt: Aufbau des Vorbereitungsdienstes

Da Bildung Ländersache ist, ist das Referendariat von Bundesland zu Bundesland verschieden organisiert, was sich bereits in der Dauer des Vorbereitungsdienstes spiegelt.

Grundsätzlich ist das Referendariat in in mehrere Bestandteile gegliedert:

  • Seminarsitzungen

    Im allgemeinen Seminar lernen die angehenden Lehrer wöchentlich etwas über pädagogische Konzepte und Medienkompetenz, pädagogische Psychologie, pädagogische Soziologie, Staatsbürgerkunde und Schulrecht. In Fachseminaren werden didaktische Fähigkeiten vermittelt, beispielsweise lernt der Referendar Experimente zu planen oder Übungen durchzuführen.

    Begleitet werden diese Seminare an der Schule durch regelmäßige Unterrichtsbesuche und Orientierungsgespräche. Dieser Bestandteil des Referendariats soll die Fähigkeit zur Selbstreflexion vermitteln. Nach dem Unterricht am Seminarort findet die Vorbereitung des eigenen Schulunterrichts statt.


  • Ausbildungsunterricht

    Dazu gehören auch Hospitationen. Die Hospitationsphase kann zwischen zwei und sechs Monaten dauern, in manchen Bundesländern entfällt sie sogar komplett. Gemeint ist damit der Besuch Ihrer Seminarlehrkraft während Ihres Unterrichts. In einigen Fällen gibt es auch Besuche durch das gesamte Seminar.

    Beide Varianten dienen der gemeinsamen Besprechung mit Ihnen und der Auswertung des Unterrichts. Unterrichtsbesuche sind für nicht wenige Referendare sehr anstrengend, da manchmal trotz guter Vorbereitung die Klasse nicht mitspielt. Oder tolle pädagogische Konzepte sich real nur schlecht umsetzen lassen.

    Referendare sind daher gut beraten, sich rechtzeitig über passende Themen für eine Hospitation zu informieren, Schwierigkeiten dem Fachlehrer gegenüber anzusprechen und sich Tipps von anderen Mitreferendaren geben zu lassen, die bereits erfahrener in Unterrichtsbesuchen sind.


  • Eigenständiger Unterricht

    Dieser kann bereits parallel zum Ausbildungsunterricht stattfinden. In dieser Phase des Referendariats erteilt der Lehramtsanwärter völlig eigenständig Unterricht. Dazu gehört, dass er Klassenarbeiten und Tests entwirft und entsprechend benotet. Außerdem stellt er sich an Elternabenden den Fragen der Erziehungsberechtigten.

[Bildnachweis: Trifonov Igor by Shutterstock.com]
25. Januar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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