Referendariat: Praktische Ausbildung für Lehrer und Juristen

Für einige Berufe steht zwischen der Universität und dem Arbeitsplatz noch das Referendariat. Es stellt die zweite (und letzte) Stufe der Ausbildung dar und ist insbesondere für angehende Lehrer und Juristen ein wichtiger Schritt. Das theoretische Wissen wird aus dem Hörsaal herausgebracht und in der Praxis angewandt. Diese Phase ist für Junglehrer und Rechtsreferendare besonders herausfordernd. Hier erfahren Sie, wie ein Referendariat abläuft, wie Sie sich bewerben sowie weitere Informationen zu Gehalt und Dauer…

Referendariat: Praktische Ausbildung für Lehrer und Juristen

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Definition: Was ist ein Referendariat?

Das Referendariat dient der Vorbereitung auf den Beruf. Noch spezifischer handelt es sich um die Vorbereitung auf eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst. Das Referendariat wird deshalb auch als Vorbereitungsdienst bezeichnet. Die Betonung liegt auf höheren Dienst, da im Vorbereitungsdienst des einfachen, mittleren und gehobenen Dienstes von Anwärtern und nicht von Referendaren die Rede ist.

Am Ende des Vorbereitungsdienstes steht das zweite Staatsexamen (auch großes Staatsexamen genannt). Nach erfolgreichem Bestehen kann je nach Beruf eine Verbeamtung folgen. Allerdings ist ein erfolgreiches zweites Staatsexamen auch für einige Berufe außerhalb der Beamtenlaufbahn erforderlich. Dazu zählen beispielsweise Rechtsanwälte aber auch Lehrer, die im Gegensatz zu früher nicht mehr automatisch einen Beamtenstatus erhalten. Zusätzlich dürfen Beamte nach dem zweiten Staatsexamen die Berufsbezeichnung des Assessor tragen.

Beamter oder nicht?

Angehende Lehrer erhalten im Referendariat den Status eines Beamten auf Widerruf (BaW) und sind für die Dauer des Vorbereitungsdienstes Beamtenanwärter. Danach erfolgt eine schriftliche und mündliche Prüfung. Besteht der Beamtenanwärter sie, erfolgt die Verbeamtung auf Probe (BaP). Es schließt eine zwei- bis dreijährige Übergangsphase an, die der Lehrer erneut mit Gutachten, Unterrichtshospitationen und Eignungsfeststellung bestehen muss. Erst dann und mit Vorliegen eines polizeilichen Führungszeugnisses kann er Beamter auf Lebenszeit (BaL) werden.

Voraussetzungen für das Referendariat

Die beiden mit Abstand größten Gruppen der Referendare stammen aus dem Lehramts- und Jurastudium. Darüberhinaus gibt es beispielsweise auch Referendariate für Bibliothekare, Veterinäre im Staatsdienst oder für den höheren auswärtigen Dienst.

Um als Lehramts- oder Rechtsreferendar überhaupt ein Referendariat machen zu können, muss man zuvor ein mindestens dreijähriges Studium mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen haben. Alternativ ist für Lehramtsreferendare ein Master of Education möglich. Rechtsreferendare benötigen den klassischen Jura-Studiengang mit Staatsexamen, um Volljuristen werden zu können. Nur so haben sie Aussicht auf eine Tätigkeit als Richter, Rechtsanwalt oder Notar.

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Wie lange dauert das Referendariat?

In der Regel dauert das Referendariat zwei Jahre. Es ist darauf ausgelegt, nach dem theoretischen Wissen, das im Studium vermittelt wurde, den praktischen Teil abzudecken, der für die Arbeit notwendig ist. Je nachdem, ob Sie ein Lehramtsreferendariat oder ein Rechtsreferendariat absolvieren, und abhängig vom Bundesland, gestaltet sich die Dauer des Referendariats. In den Bundesländern Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg dauert das Referendariat für angehende Lehrer beispielsweise nur 18 Monate.

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Die Bewerbung für ein Referendariat

Die Bewerbung für ein Referendariat läuft über das jeweilige Bundesland. So gibt es beispielsweise für ein Lehramtsreferendariat in Nordrhein-Westfalen insgesamt fünf Bezirksregierungen, an die Sie Bewerbungen und Anträge für ein Referendariat richten können. Juristen bewerben sich für ein Referendariat in NRW bei den Oberlandesgerichtsbezirken und werden von dort zugeteilt. In der Regel können Lehramtsreferendare Wunschstandorte angeben, an denen Sie das Referendariat bevorzugt antreten möchten. Da das soziale Umfeld vieler angehender Referendare häufig am Studienort ist, sind entfernte Referendariatsplätze oft unbeliebt.

Bei der Vergabe des Referendariatsplatzes spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle. Bei Lehramtsreferendaren fließen unter anderem die Umstände durch sogenannte „Sozialpunkte“ mit ein. Bestimmte Härtefälle können es notwendig erscheinen lassen, dass ein Referendar an einen bestimmten Ort gebunden ist. Um dies berücksichtigen zu können, muss der jeweilige Nachweis bis zum Bewerbungsschluss gleichzeitig mit dem Einstellungsantrag (Vordruck LID 102) vorliegen.

Sozialpunkte für die Vergabe

  • Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft: 3 Punkte
  • Alleinige Verantwortung für einen anerkannten Pflegefall: 12 Punkte
  • Mitbetreuung eines Pflegefalls: 4 Punkte
  • Alleinstehende Person mit minderjährigen Kind oder Kindern im eigenen Haushalt: 9 Punkte
  • Ortsgebundenes Ausbildungsverhältnis oder Beschäftigungsverhältnis des Partners (gilt nur für Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft: 2 Punkte
  • Minderjährige Kinder, pro Kind: 4 Punkte
  • Kinder mit nachgewiesenen gesundheitlichen oder erzieherischen Problemen: 2 Punkte
  • Schwerbehinderung, je nach GdB: 5 bis 10 Punkte
  • Schwerbehinderten gleichgestellte Bewerberinnen und Bewerber: 5 Punkte
  • Sonstige soziale Gründe nach Anerkennung durch die Bezirksregierung: 1 Punkt
  • Mitgliedschaft in einer gewählten Vertretung kommunaler Gebietskörperschaften: 9 Punkte

Zusätzlich können das Alter und die Fächerkombination entscheidend sein. So kann es passieren, dass nicht jeder sein Referendariat im Wunschort machen kann oder zum Teil mit Wartezeit rechnen muss.



Wie lang die Wartezeit ausfällt, hängt auch davon ab, wie oft im Jahr neue Referendare eingestellt werden. So stellt das Land NRW beispielsweise 12 mal jährlich neue Rechtsreferendare ein, was jedoch die große Ausnahme ist. Viele andere Bundesländer tun dies nur zweimal im Jahr. Die Regelungen zwischen den Bundesländern unterscheiden sich zum Teil stark von einander, deshalb sollten Sie sich im Vorfeld unbedingt genau informieren, was für Ihre Situation gilt.

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Referendariat Gehalt: Wie hoch ist die Vergütung?

Während des Referendariats erhalten Sie monatlich eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe. Diese ist – anders als Gehalt – nicht als Gegenleistung für die Arbeit, sondern eher als eine Sozialleistung zu werten. Der Zweck ist es, dass Referendare sich auf die praktische Ausbildung und die Vorbereitung konzentrieren können und sich nicht noch um einen Job kümmern müssen, um genügend Geld zu verdienen. Die Höhe Ihres Gehalts richtet sich nach folgenden Punkten:

  • Besoldungsgruppe
    Abhängig davon, auf welche Schulform Sie Ihr Studium ausgerichtet haben, fällt Ihr Gehalt im Referendariat aus. Für Lehrer gilt die Besoldungsgruppe A. Wer in der Grundschule beziehungsweise Primarstufe oder Sekundarstufe I unterrichtet, fällt in die Besoldungsgruppe A 12. Wer in Sekundarstufe II unterrichtet, fällt in die Besoldungsgruppe A 13.
  • Familienstatus
    Wer verheiratet ist oder Kinder hat, erhält einen Familienzuschlag, der in verschiedene Stufen gegliedert ist. Je mehr Kinder, desto höher die Stufe. Falls Ihr Partner ebenfalls verbeamtet sein sollte, wirkt sich das zusätzlich auf die Stufen aus.
  • Bundesland
    Hier lässt sich das klassische Nord-Süd-Gefälle beobachten: Das Referendariat wird in Baden-Württemberg beispielsweise üppiger vergütet als in Berlin.

So erhalten Lehramtsreferendare in Brandenburg derzeit 1.540 Euro brutto und Bayern rund 1.600 Euro brutto (plus jährliche Sonderzahlung in Höhe von 70 Prozent des Anwärtergrundbetrags). Der Anwärtergrundbetrag ist in Hamburg mit rund 1.400 Euro zwar auf den ersten Blick geringer. Allerdings erhalten Referendare einem monatlichen Anwärtersonderzuschlag von 35 Prozent, was insgesamt im Referendariat derzeit ein Gehalt von monatlich 1.880 Euro brutto ergibt.

Gehalt bei Rechtsreferendaren

Auch hier variiert die Höhe der Unterhaltsbeihilfe je nach Bundesland. Der Durchschnitt liegt bei circa 1.300 bis 1.500 Euro brutto im Monat. Geringe Gehälter können einen Nebenjob notwendig machen, doch hier ist Vorsicht geboten. Solche Jobs müssen Sie in der Regel angeben und genehmigen lassen. Stehen diese im Konflikt zum Referendariat, kann der Nebenjob verboten werden.

Auch die Höhe spielt eine große Rolle, da das zusätzliche Gehalt ab einem bestimmten Verdienst auf die Unterhaltsbeihilfe angerechnet wird. Fällt Ihr Nebenverdienst zu hoch aus, müssen Sie mit Kürzungen rechnen. Erneut gibt es hier Unterschiede in den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen dürfen Referendare das Anderthalbfache der Unterhaltsbeihilfe hinzuverdienen, ohne dass diese gekürzt wird.

Referendariat Lehramt: Aufbau des Vorbereitungsdienstes

Da Bildung Ländersache ist, ist das Referendariat von Bundesland zu Bundesland verschieden organisiert, was sich bereits in der Dauer des Vorbereitungsdienstes spiegelt. Grundsätzlich ist das Referendariat in in mehrere Bestandteile gegliedert:

Seminarsitzungen

Im allgemeinen Seminar lernen die angehenden Lehrer wöchentlich etwas über pädagogische Konzepte und Medienkompetenz, pädagogische Psychologie, pädagogische Soziologie, Staatsbürgerkunde und Schulrecht. In Fachseminaren werden didaktische Fähigkeiten vermittelt, beispielsweise lernt der Referendar Experimente zu planen oder Übungen durchzuführen. Begleitet werden diese Seminare an der Schule durch regelmäßige Unterrichtsbesuche und Orientierungsgespräche. Dieser Bestandteil des Referendariats soll die Fähigkeit zur Selbstreflexion vermitteln. Nach dem Unterricht am Seminarort findet die Vorbereitung des eigenen Schulunterrichts statt.

Ausbildungsunterricht

Teil der Ausbildung an der Schule sind Hospitationen. Die Hospitationsphase kann zwischen zwei und sechs Monaten dauern, in manchen Bundesländern entfällt sie sogar komplett. Gemeint ist damit der Besuch Ihrer Seminarlehrkraft während Ihres Unterrichts. In einigen Fällen gibt es auch Besuche durch das gesamte Seminar. Beide Varianten dienen der gemeinsamen Besprechung mit Ihnen und der Auswertung des Unterrichts. Unterrichtsbesuche sind für viele Referendare sehr anstrengend, da manchmal trotz guter Vorbereitung die Klasse nicht mitspielt. Oder tolle pädagogische Konzepte sich real nur schlecht umsetzen lassen. Referendare sind daher gut beraten, sich rechtzeitig über passende Themen für eine Hospitation zu informieren. Sprechen Sie Schwierigkeiten dem Fachlehrer gegenüber an und lassen Sie sich Tipps von anderen Mitreferendaren geben, die bereits erfahrener in Unterrichtsbesuchen sind.

Eigenständiger Unterricht

Dieser kann bereits parallel zum Ausbildungsunterricht stattfinden. In dieser Phase des Referendariats erteilt der Lehramtsanwärter völlig eigenständig Unterricht. Dazu gehört, dass er Klassenarbeiten und Tests entwirft und entsprechend benotet. Außerdem stellt er sich an Elternabenden den Fragen der Erziehungsberechtigten.

Referendariat Jura: Aufbau des Vorbereitungsdienstes

Im Referendariat durchlaufen angehende Juristen folgende Stationen:

  • Zivilstation (3 bis 5 Monate)
    2 bis 4 Wochen Einführungslehrgang mit organisatorischen Inhalten, dann Zuteilung und Ausbildung zu einem Amts- oder Landgericht, Besprechung in einer Arbeitsgemeinschaft (AG).
  • Strafrechtsstation (3 bis 4 Monate)
    2 bis 4 Wochen Einführungslehrgang; dann Zuteilung und Ausbildung bei einem Staatsanwalt oder einem Strafrichter. Teilnahme an Strafverhandlungen, Aktenbearbeitung und Besprechung in einer AG.
  • Verwaltungsstation (3 bis 4 Monate)
    2 bis 4 Wochen Einführungslehrgang, dann Ausbildung bei einer Behörde. Infrage kommen Kommunalverwaltung, Verwaltungs-, Sozial- oder Finanzgericht. Ebenfalls möglich ist eine Auslandsstation, beispielsweise in der Europäischen Union. Inhalte: Erstellen von Gutachten, Stellungsnahmen und Bearbeitung von Widerspruchsbescheiden. Daneben Besprechung in einer AG.
  • Rechtsanwaltsstation (8 bis 10 Monate)
    2 bis 4 Wochen Einführungslehrgang; hier treffen Sie die Auswahl anhand des Schwerpunkts, den Sie später wählen wollen. Bis zu drei Monate können Sie in der Rechtsabteilung eines Unternehmens sich ausbilden lassen. Besprechung und Unterricht in einer AG, Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen.
  • Wahlstation (3 Monate)
    Hier können Referendare recht frei wählen. Hauptkriterium: Es handelt sich um eine zugelassene Ausbildungsstelle mit juristischem Bezug. Auch diese Station eignet sich gut für einen Auslandsaufenthalt.

Das Referendariat vermittelt wichtige Einblicke und bereitet auf die Praxis vor. Sie sollten dabei allerdings nicht vergessen, dass am Ende des Referendariats das zweite Staatsexamen auf Sie wartet – das eine lange und intensive Vorbereitung erfordert. Dazu gehören Lerngruppen, Repetitorien und meist eine ganze Reihe an Probeklausuren, damit Sie wissen, was auf Sie zukommen kann.

Tipp: Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, die Vorbereitung zu lange vor sich herzuschieben. Vom zweiten Staatsexamen hängt eine ganze Menge ab – möglicherweise auch, in welchen Bereichen Sie später tätig sein können. Für einen Beruf als Richter benötigen Sie nämlich ein Prädikatsexamen. Es lohnt sich also, frühzeitig zu investieren.

Wartezeit sinnvoll nutzen

Die Wartezeit zwischen der Bewerbung für ein Referendariat und dem tatsächlichen Beginn kann zwischen einigen Monaten und im schlimmsten Fall bis zu über einem Jahr dauern. Eine lange Zeit – zu lange, um einfach nur zu warten und nichts zu tun, bis es endlich losgeht oder Sie überhaupt Bescheid erhalten, wann und wo die erste Station Ihres Referendariats stattfindet. Besser ist es, einen sinnvollen Nutzen für die Zeit zu finden und diese proaktiv zu gestalten.

Das bringt Sie nicht nur durch Wissensgewinn weiter, sondern wirkt sich auch bei der späteren Jobsuche positiv aus. Potenzielle Arbeitgeber sehen ein solches zusätzliches Engagement immer gern, spricht es doch nicht nur für Ihre Qualifikation, sondern gerade auch für Ihre Motivation. Denkbar sind in der Wartezeit beispielsweise ein längeres Praktikum oder auch Fortbildungen in dem Bereich, in dem Sie später arbeiten wollen.

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