Nachrückverfahren: Wie Sie den Studienplatz bekommen

Jedes Semester geht die Zitterpartie für viele Erstsemester von vorne los: Bekomme ich die Zusage zu meinem Wunschstudienort? Betroffen sind hier vor allem Studienanfänger von bundesweit zulassungsbeschränkten Studienfächern, die sich in der Regel großer Beliebtheit erfreuen. Nicht selten flattert ein Ablehnungsbescheid ins Haus. Das ist aber noch nicht das Ende: Das Nachrückverfahren ist für viele angehenden Studenten eine Chance, doch noch den heiß begehrten Studienplatz zu erhalten. Wie das funktioniert und was Sie beachten sollten…

Nachrückverfahren: Wie Sie den Studienplatz bekommen

Die Crux mit der Zulassungsbeschränkung

Es könnte alles so einfach sein: Die gesetzlich garantierte Berufswahl ermöglicht es Schulabsolventen, die Ausbildung oder das Studium ihrer Wahl zu ergreifen. Soweit die Theorie. Daran sind natürlich noch diverse Auflagen geknüpft, etwa bestimmte Fächerkombinationen, Noten und Fertigkeiten.

Aber selbst wenn diese Bedingungen vom Bewerber erfüllt sind, gestaltet sich die Bewerbung um einen Studienplatz nicht immer einfach. Wer nämlich das Pech hat, einen Massenstudiengang studieren zu wollen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit Zulassungsbeschränkungen zu tun haben.

Betroffen sind Studienwillige bei bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen wie:

  • Medizin
  • Pharmazie
  • Tiermedizin
  • Zahnmedizin

Diese Fächer werden über das Portal hochschulstart.de von der Stiftung für Hochschulzulassung vergeben. Bewerbungsfrist ist der 15. Januar für das Sommersemester beziehungsweise der 15. Juli für das Wintersemester.

Entscheidend für die Vergabe sind verschiedene Quoten. Zum einen die Abiturbestenquote, nach der die besten Abiturienten sich ihre Universität aussuchen dürfen. Zum zweiten die Wartezeitquote, bei der bestimmte Alternativen als Wartezeit angerechnet werden können. Dazu zählen:

  • Ausbildung
  • Wehrdienst
  • Zivildienst
  • FSJ (freiwilliges soziales Jahr)
  • FÖJ (freiwilliges ökologisches Jahr)

Achtung: Nicht als Wartesemester angerechnet (und daher kontraproduktiv fürs Nachrückverfahren) wird hier übrigens, wenn Sie ein anderes Fach an einer anderen Uni oder ein Fernstudium in der Zwischenzeit absolvieren.

Und drittens schließlich die Quote, die sich aus dem hochschuleigenem Auswahlverfahren ergibt: Kriterien der Hochschule können hier fachspezifische Studierfähigkeitstests wie beispielsweise der Test für medizinische Studiengänge (TMS) oder Einzelnoten des Zeugnisses sein.

Neben den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es noch die mit örtlicher Zulassungsbeschränkung. Hier werden die Bewerbungsunterlagen direkt an die Hochschule gesendet. Die Bewerbungsfrist erfahren Sie auf der Seite der jeweiligen Hochschule oder auf der Seite des Hochschulkompass.

Was ist ein Nachrückverfahren?

Nachrückverfahren wann Bescheid Chancen Hochschulstart Medizin Ausbildung UniAus den obigen Ausführungen wird bereits deutlich: Nicht jeder hat das Glück, gleich im ersten Anlauf an seine Wunschuni zu kommen. Fächer mit einem Numerus Clausus sind ein Problem, denn der wird jedes Semester neu berechnet und wer nur um ein, zwei Prozentpunkte vom aktuellen NC abweicht, hat leider Pech gehabt und wird im Hauptverfahren nicht berücksichtigt.

Und hier kommt das Nachrückverfahren ins Spiel: Grundvoraussetzung dafür ist zunächst die fristgerechte Bewerbung zum vorhergehenden Hauptverfahren. Erste Zusagen können bereits kurz nach dem jeweiligen Bewerbungsschluss, also im August für das Wintersemester oder im Februar für das Sommersemester eintrudeln.

Teilweise ist über die Webseiten der Hochschulen zu erfahren, ob bereits Zulassungsbescheide für den jeweiligen Studiengang raus sind. Wer in diesem Hauptverfahren allerdings nicht berücksichtigt wird, dem bleibt die Hoffnung aufs Nachrückverfahren.

Hier werden in einem gesonderten Verfahren die unbesetzt gebliebenen Studienplätze an die „rangnächsten“ Bewerber verteilt. Teilweise werden mehrere Nachrückverfahren durchgeführt, bis sämtliche Plätze vergeben sind.

Beispiel:

Angenommen, Sie und Ihre zwei besten Freunde haben einen Notendurchschnitt von 2,0 und bewerben sich für ein zulassungsbeschränktes Studienfach, das im Hauptverfahren einen NC von 1,8 verlangt. Dann werden alle drei Bewerber einen Ablehnungsbescheid bekommen, in dem ebenfalls die Modalitäten zur Bewerbung für das Nachrückverfahren genannt werden.

Wenn ein Freund beispielsweise die genannte Frist zur Teilnahme verpasst, werden nur noch Sie und Ihr anderer Freund am Nachrückverfahren teilnehmen. In einer ersten Runde kann der NC auf 1,9 sinken – da Sie beide aber mit Ihrer Abschlussnote nach wie vor darüber liegen, werden Sie bei diesem Nachrückverfahren erneut leer ausgehen.

Dennoch können Sie an einem zweiten Nachrückverfahren teilnehmen. Für eine zweite Runde werden erneut Fristen gesetzt werden, die es einzuhalten gilt. Sinkt im zweiten Nachrückverfahren der NC auf 2,0, stehen die Chancen gut, bei freien Studienplätzen berücksichtigt zu werden.

Anmeldung für Teilnahme unterschiedlich

Je nach Hochschule müssen Sie sich für das Nachrückverfahren aktiv anmelden oder nehmen automatisch (bei der Uni Paderborn) im Falle eines Ablehnungsbescheids dran teil. Wie in Ihrem Fall die genauen Konditionen sind, müssen Sie mit Ihrer Hochschule klären.

Falls Sie in der Zwischenzeit einen Auslandsaufenthalt planen oder aus anderen Gründen nicht regelmäßig Ihre Post oder Ihre E-Mails checken können, sollten Sie unbedingt eine Vertrauensperson damit beauftragen.

So stellen Sie sicher, dass Sie im Falle eines erfolgreichen Nachrückverfahrens nicht die Frist zur Anmeldung verpassen.

Über die Studienplatzbörse des Hochschulkompass können Sie sich informieren, an welchem Hochschulort es für welche Fächer freie Studienplätze gibt. Derzeit (Stand: Juli 2018) ist sie geschlossen. Sie stellt zweimal im Jahr ein Zeitfenster von jeweils drei Monaten zur Verfügung:

  • Für das Sommersemester: Februar, März und April.
  • Für das Wintersemester: August, September und Oktober.

Wie kommt es, dass Plätze frei werden?

Die Universitäten und Hochschulen haben nur eine begrenzte Zahl an Studienplätzen. In der jüngeren Vergangenheit stießen etliche Hochschulen an die Grenzen ihrer Aufnahmekapazität. Doppelte Jahrgänge an Schulabgängern, Wegfall der Wehrpflicht – all das führte zu einem regelrechten Run an die Unis.

Für die plötzlich frei werdenden Plätze und das daraus folgende Prozedere des Nachrückverfahrens gibt es verschiedene Gründe:

  • Nichterscheinen

    Manche Studierenden treten ihren Studienplatz schlicht nicht an – beispielsweise, weil auch sie sich einen anderen Ort erhofft hatten. Andere entscheiden sich kurzfristig anders und planen einen Auslandsaufenthalt nach dem Abitur, beispielsweise Work and Travel.

  • Mehrfachbewerbung

    Die Bewerber können sich für bis zu 12 Studienfächer bewerben, letztlich aber nur für ein Fach (1-Fach-Bachelor) beziehungsweise zwei Fächer (im 2-Fach-Bachelor) einschreiben. Für die anderen 10 bis 11 Fächer wird also wieder ein Platz frei.

  • Desinteresse

    Studienabbrecher gibt es auch zu Beginn des Studiums: Wenn jemand merkt, dass die Inhalte ihn nicht interessieren oder das Fach grundsätzlich anders aufgebaut ist als gedacht.

In all diesen Fällen greift also das Nachrückverfahren, das es bisher unberücksichtigt gebliebenen Studienbewerbern ermöglicht, doch noch an die Wunsch-Uni zu kommen. Das genaue Verfahren ist Sache der jeweiligen Universität: Zumeist werden die Bewerber nach Wartesemester und Abiturnote kategorisiert.

Bei identischen Wartesemestern beziehungsweise Abiturnote entscheidet das Los. Auch hier können sich neue Lücken für Studienwillige auftun: Denn auch unter den potenziellen Nachrückern gibt es welche, die sich zwischenzeitlich für etwas anderes entschieden oder die Hochschule gewechselt haben.

Das Nachrückverfahren dauert daher so lange, bis alle freien Studienplätze besetzt sind.

Was tun, wenn es nicht klappt?

Zum einen können Sie natürlich überlegen, ob das angestrebte Studium wirklich Ihr Traumstudium ist oder ob ein inhaltlich verwandtes Fach ohne Zulassungsbeschränkung eine Alternative bietet. Allerdings sei hier nochmals darauf verwiesen, dass Sie von dort nicht einfach in Ihr ursprüngliches Fach wechseln können.

Besonders hoch dürften die Hürden für Studienwillige in beliebten Hochschulorten sein. Wer sich auch mit eher kleinen Universitäten oder einem Studium in Ostdeutschland anfreunden kann, hat oftmals die besseren Karten: Hier liegen häufig geringere Bewerberquoten und ein niedrigerer NC vor.

Eine andere Alternative, bei der Sie etwas Geld in die Hand nehmen müssen, ist die Studienplatzklage: Hier überprüft ein Anwalt in Ihrem Namen, ob die von der Hochschule angegebenen Kapazitäten tatsächlich ausgeschöpft wurden oder ob die Berechnungsunterlagen fehlerhaft sind.

In diesem Fall könnte es sein, dass Sie doch noch einen Studienplatz erhalten, da vorhandene Plätze noch nicht vergeben wurden.

[Bildnachweis: Kikalishvili Mamuka by Shutterstock.com]
12. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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