Studentische Hilfskraft: So wird die Stelle zum Karrieresprungbrett

Eine Tätigkeit als studentische Hilfskraft steht bei vielen Studierenden hoch im Kurs. Nicht jeder erhält Bafög, die eigene Bude muss bezahlt werden und nebenbei soll noch etwas zum Leben übrig bleiben.

Immerhin jeder zweite Student jobbt neben dem Studium. Dabei ist Studijob nicht gleich Studijob: Bezahlung, Inhalte und Flexibilität sind wichtige Kriterien für viele.

Was zu den Aufgaben einer studentischen Hilfskraft gehört, welche Vorteile der Job mit sich bringt und worauf Sie achten müssen…

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Studentische Hilfskraft: So wird die Stelle zum Karrieresprungbrett

Was ist eine studentische Hilfskraft?

Häufig ist nicht so ganz trennscharf, was mit studentischer Hilfskraft gemeint ist. Der Begriff studentische Hilfskraft (SHK) wird teilweise synonym mit wissenschaftlicher Hilfskraft benutzt.

Beide werden oftmals als „Hiwi“, Hilfswissenschaftler, abgekürzt. Zudem werden Stellen in der freien Wirtschaft ebenfalls unter dem Begriff „studentische Hilfskraft“ ausgeschrieben – wer als Studierender dort arbeitet, ist aber genau genommen Werkstudent.

Wobei auch bei einer Tätigkeit in einem Unternehmen der Job inhaltlich meist mit dem Studium zusammenhängt. Dennoch ist die Arbeit dort anders als an einer Hochschule.


Unterschiede zwischen SHK und Hiwi
  • SHK
    Wer als studentische Hilfskraft arbeitet, ist ordentlich eingeschriebener Student, hat aber noch keinen Hochschulabschluss. Er verfügt allerdings bereits genügend Studienerfahrung und die wichtigsten Grundkenntnisse, um beispielsweise andere Studierende in Tutorien unterstützen zu können.
  • HiWi
    Wissenschaftliche Hilfskräfte hingegen haben bereits einen Hochschulabschluss und übernehmen im Wesentlichen die gleichen Aufgaben wie studentische Hilfskräfte.

Wer als Studierender als Aufsicht in der Bibliothek, in der Verwaltung oder Technik arbeitet, wird als studentischer Beschäftigter bezeichnet.


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FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Job

Nachfolgend beantworten wir die wichtigsten Fragen für diejenigen, die einen Job als studentische Hilfskraft suchen. Aufgrund des Arbeitsumfangs läuft die Tätigkeit auf einen sogenannten Minijob hinaus. Hier dürfen Sie bis zu 450 Euro im Monat dazuverdienen.

Wer einen besonders lukrativ vergüteten Job ergattert, muss allerdings hinsichtlich der Freigrenzen aufpassen, wenn er oder sie Bafög bezieht: Wird das Studium quasi selbst finanziert, gibt es keine Förderung vom Staat. Aktuell liegt der Grundfreibetrag bei 290 Euro.

Hinzu kommen noch Kosten für Sozialabgaben und Werbekosten, die der Staat Ihnen zubilligt, so dass Sie auf monatlich 450 Euro kommen, die Sie neben dem Bafög hinzuverdienen dürfen – maximal 5.400 Euro im Jahr. Das bringt uns zu der Frage:

Was verdienen studentische Hilfskräfte?

Das Gehalt eines studentischen Hilfskraft hängt sowohl vom Bundesland als auch von der jeweiligen Universität ab. Der Mindestlohn muss ohnehin gezahlt werden. Mitunter orientieren sich die Hochschulen an der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Im Allgemeinen liegt die Vergütung zwischen 10 und 14 Euro pro Stunde.

Die Bezahlung ist dabei auch von der bisherigen Ausbildung abhängig. So vergütet die Universität Köln beispielsweise studentische Hilfskräfte, die bereits erfolgreich die Zwischenprüfung abgelegt haben und ein Tutorium geben, mit 11 Euro brutto die Stunde.

Wer bereits einen Abschluss (beispielsweise den Bachelor) gemacht hat, gilt als wissenschaftliche Hilfskraft und verdient mehr als studentische Hilfskräfte, die sich noch im Studium befinden. Da kann der Stundenlohn beispielsweise bei etwa 15 Euro liegen.

Eine Beschäftigung als studentische Hilfskraft ist nach Abschluss der Promotion nicht möglich.

Wie viel darf eine studentische Hilfskraft arbeiten?

Studierende dürfen nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten. Anderenfalls wird der Studierendenstatus infrage gestellt und die steuerlichen Abgaben anders. Auch für studentische Hilfskräfte gelten diese Regelungen.

Die Arbeitszeit kann je nach Bundesland und nach Hochschule individuell variieren. Das Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen § 46 (Stand vom 9.6.2017) sieht vor, dass die Arbeitszeit weniger als die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit eines Tarifbeschäftigten des Landes betragen muss.

Häufig wird diese Obergrenze jedoch nicht erreicht, da im Vertrag eine geringere wöchentliche Arbeitszeit vereinbart wird. Üblich sind sechs bis 19 Wochenstunden für studentische Hilfskräfte.

Einen eigenen Tarifvertrag für Studierende im Beschäftigungsverhältnis gibt es bisher nicht, da es keine zentrale Interessensvertretung gibt. Ausnahme: Berlin hat den TV Stud II für studentische Hilfskräfte.

Welche Abgaben kommen auf Sie zu?

Ob und in welchem Umfang für studentische Hilfskräfte Steuern anfallen, ist vor allem eine Frage des Stundenlohns und des Arbeitsumfangs.

Viele werden vermutlich einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Angenommen, der Diensther – die Hochschule – ist knauserig und zahlt für eine studentische Hilfskraft im dritten Semester ohne bisherigen Abschluss den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro.

Dann kommt diese bei sechs Arbeitsstunden wöchentlich auf durchschnittlich 24 Stunden im Monat. Multipliziert mit dem Stundenlohn erhält sie also etwa 212 Euro und liegt somit klar im Rahmen eines 450-Euro-Jobs.

Studentische Hilfskräfte sind in diesem Fall von Sozialabgaben befreit, der Arbeitgeber führt pauschal 13 Prozent zur Krankenversicherung, 15 Prozent zur Rentenversicherung und 2 Prozent für Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ab. Außerdem können Sie sich von der Rentenversicherung befreien lassen.

Anders sieht es allerdings aus, wenn Sie mit Ihrer Tätigkeit konstant über 450 Euro liegen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie über 5.400 Euro im Jahr liegen.

Für das aktuelle Jahr wurde der steuerliche Grundfreibetrag von 9.168 Euro auf 9.408 Euro angehoben, das heißt, alles was unter 9.408 Euro im Jahr bleibt, muss nicht versteuert werden.

Allerdings werden Sozialabgaben auf Sie zukommen – beispielsweise müssen Sie sich dann selbst bei einer Krankenversicherung als Student versichern, da die Familienversicherung nicht mehr reicht. Ebenfalls fällt die Befreiung von der Rentenversicherung weg.

Welche Aufgaben hat eine studentische Hilfskraft?

Als studentische Hilfskraft arbeiten Sie meist am Lehrstuhl eines Professoren, wobei Ihnen unterschiedliche Aufgaben übertragen werden können. Auch wenn die Arbeit mitunter eher anspruchslose Aufgaben umfasst:

In vielerlei Hinsicht arbeiten studentische Hilfskräfte anderen Mitarbeitern zu. Und sei es nur, wenn sie unliebsame Aufgaben wie das Vervielfältigen von Klausuren oder die Dateneingabe erledigen.

Zum gewöhnlichen Aufgabenbereich zählt etwa die Unterstützung bei der Vorbereitung und Organisation von Lehrveranstaltungen, aber auch bei der Forschung können Sie mithelfen. Häufig werden studentische Hilfskräfte mit der Recherchearbeit betraut.

Ebenso werden Präsenzblibliotheken, also die Bibliotheken, die zum jeweiligen Fachbereich gehören, mit studentischen Hilfskräften besetzt. Hier geht es um die Pflege von Datenbanken, die Ausleihe und Rückgabe von Büchern.

Natürlich können auch unterstützende Bürotätigkeiten zu den Aufgaben einer studentischen Hilfskraft gehören, doch sind die Aufgaben meist deutlich umfangreicher und Interessenten sollten sich nicht davon abschrecken lassen.

In vielen Bereichen hat die Tätigkeit direkt mit dem eigenen Studium zu tun, bereitet auf den Abschluss und die wissenschaftliche Laufbahn vor. Sie bringt Studierenden wichtige Einblicke in die praktische Anwendung des erlernten Wissens.

So finden Sie eine Stelle als studentische Hilfskraft

Es gibt verschiedene Wege, um an einen Job als studentische Hilfskraft zu kommen:

  1. Der einfachste ist, den Professor so sehr zu überzeugen, dass dieser Sie auf eine Mitarbeit anspricht. Leider handelt es sich dabei um die Ausnahme, weshalb Sie die Dinge lieber selbst in die Hand nehmen sollten.
  2. Sprechen Sie Ihren Dozenten zum Beispiel direkt an: Das zeigt Ihr Interesse und Engagement. Sie bleiben so eher im Gedächtnis – das kann sich später zum Vorteil erweisen, wenn Sie Ihren Dozenten bereits besser kennen, beispielsweise wenn es um die Erörterung von Prüfungsthemen geht.
  3. Ob aktuell Stellen an Ihrer Universität ausgeschrieben sind, erfahren Sie durch ausgehängte Informationen in der Universität, im Internet, in Jobbörsen oder an den Lehrstühlen selbst. Hier erfahren Sie auch gleich, welche Anforderungen Sie erfüllen müssen, welche Aufgaben auf Sie zukommen und wie Sie sich bewerben.
  4. Haben Sie einen konkreten Wunsch und momentan wird nicht offen nach einer studentischen Hilfskraft gesucht, können Sie sich natürlich auch über eine Initiativbewerbung direkt an den Lehrstuhl wenden, bei dem Sie gerne arbeiten würden.

    Es erhöht Ihre Chancen, wenn Sie bereits Veranstaltungen des Lehrstuhls besucht und erfolgreich abgeschlossen haben. Dies bildet auch eine gute Grundlage für eine schriftliche Bewerbung, um Ihr Interesse für die Arbeit als studentische Hilfskraft zu verdeutlichen und zu begründen.
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Diese Vorteile bietet Ihnen der Job

Als studentische Hilfskraft liegt es in Ihrer Hand, wie Sie sich bei Ihrer Aufgabe positionieren und diese ausfüllen. Um diese Stelle für Ihre Karriere nutzen zu können, sollten Sie…

  • bewusst den Austausch und Kontakt mit Ihrem Vorgesetzten – Professor, Doktor, Dozent, Labor- oder Fachbereichsleiter – suchen und Fragen klären.
  • den Kontext und die Bedeutung Ihrer Aufgaben verstehen.
  • für sich beantworten, warum Sie die Stelle – auch im Blick auf Ihre spätere Karriere – annehmen.
  • überlegen, welche Kontakte sich ergeben können und mit welchen interessanten Personen und Funktionsträgern Sie in Verbindung treten wollen.

Folgende Vorteile bietet Ihnen diese Stelle:


Vorteile als studentische Hilfskraft

Sie werden finanziell unabhängiger. Der offensichtlichste Vorteil ist die Bezahlung. Das Studentenleben ist mitunter gar nicht so günstig, gerade wenn man das Pech hat, an einer begehrten Hochschule in einer Großstadt zu wohnen. Das zusätzliche Einkommen kann Garant für ein kleines Extra sein, wenn das Bafög nicht reicht.
Sie sammeln praktische Erfahrungen. Die Universität ist ein Ort der (mitunter theoretischen) Lehre, da sie zumeist auf eine akademische Laufbahn vorbereitet. Mit einem Job als studentische Hilfskraft schnuppern Sie außerhalb des häufig als Elfenbeinturm verspotteten Bereichs in die reale universitäre Arbeitswelt hinein. Außerdem hat diese Arbeit im Gegensatz zu vielen anderen Studentenjobs einen klaren Bezug zum Studium.
Sie können Studium und Job vereinbaren. Ihr Arbeitsplatz ist auch gleichzeitig Ihr Lernort – sehr praktisch, denn so sparen Sie sich lange Anfahrtswege. Idealerweise können Sie Ihren Job als studentische Hilfskraft auch in den Pausen zwischen zwei Veranstaltungen erledigen oder umgekehrt: Zwischen zwei Arbeitseinheiten besuchen Sie fix eine Vorlesung.
Sie gewinnen Einblick in die Hochschule. Aus der Sicht eines Studierenden kennen Sie einige Bereiche bereits, nun werden Sie selbst ein Teil Ihrer Hochschule. So lernen Sie nicht nur organisatorische und Verwaltungsbereiche kennen, sondern erfahren auch, wie Dozenten und andere Hochschulmitarbeiter so ticken.
Sie haben angenehme Arbeitszeiten. Wer einen Nebenjob an der Kasse eines Supermarkts oder als Servicekraft in der Gastronomie annimmt, muss sich auf Schichtarbeit einstellen. Als studentische Hilfskraft haben Sie üblicherweise nachts und am Wochenende frei.
Sie erfahren von Forschungsprojekten. Das Studium vermittelt vor allem Grundlagenwissen, mit detaillierterem Fachwissen kommt man meist erst im Rahmen größerer Arbeiten in Kontakt. Als studentische Hilfskraft erfahren Sie mit als Erste von aktuellen Forschungsthemen. Das hilft Ihnen dabei, eine konkretere Vorstellung der Studieninhalte Ihres Faches zu entwickeln. Womöglich kommen Ihnen so bereits Ideen für eine Abschlussarbeit.


Erfahrungen helfen bei der Berufswahl

Der Job als studentische Hilfskraft hat Karrierepotenzial und es liegt an Ihnen, dies aktiv zu nutzen. Um die richtigen Kontakte knüpfen zu können, passende Chancen zu erkennen und die richtigen Gelegenheiten zu ergreifen, müssen Sie zuerst wissen, wo Sie hinwollen.

Dabei geht es gar nicht so sehr um die konkrete berufliche Ausrichtung – obwohl diese natürlich eine Rolle spielt -, sondern vielmehr um die Entscheidung zwischen drei grundlegenden Karriereoptionen:

  • Karriere im Hochschulbereich
    Dieser Karriereweg ist der typische. Entscheiden Sie sich dafür, dann sollte Ihr Schwerpunkt auf der Netzwerkarbeit an der Bildungseinrichtung selbst liegen und Sie sollten sich aktiv mit Lehrkräften und Dozenten in Verbindung setzen.

    Ideal sind hier Stellen als studentisch Hilfskraft mit einem gewissen Lehr- oder Tutorenanteil, bei dem Sie Ihre didaktischen Fähigkeiten bereits erproben und entwickeln können. Seien Sie sich allerdings dessen bewusst, dass die Stellen oftmals auf maximal zwei Jahre befristet und/oder von Projektgeldern abhängig sind.
  • Karriere im wissenschaftlichen Bereich
    Wenn Sie damit liebäugeln, dann sollten Sie sich um Stellen bemühen, die mit konkreten Forschungsprojekten zu tun haben. Konzentrieren Sie sich bei Ihren Kontakten auf aktive Forscher oder Lehrkräfte, die in Verbindungen mit Ihrem angestrebten Forschungsbereich stehen. Auch hier müssen Absolventen häufig mit befristeten Arbeitsverträgen rechnen.
  • Karriere in der freien Wirtschaft
    Viel Geld lockt vor allem in der Privatwirtschaft im Vergleich zu Hochschulen. Sind Sie daran interessiert, kommen für Sie vor allem Stellen bei Dozenten und Professoren mit guten Kontakten zu Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern in Betracht.

    Die konkrete Tätigkeit als studentische Hilfskraft wird in der Regel nur wenig mit Ihrem späteren Job zu tun haben, doch durch gute Leistungen können Sie die Aufmerksamkeit des Projektleiters erregen und über diesen Kontakt zu Unternehmen aufnehmen.

Der Job als studentische Hilfskraft kann sich deutlich auf die späteren Karrieremöglichkeiten auswirken. Nehmen Sie sich im Vorfeld die Zeit, um sich über die verschiedenen Fachbereiche und Dozenten zu informieren.

Setzen Sie sich auf der richtigen Stelle aktiv ein, stehen Ihre Chancen gut, Kontakt zu Arbeitgebern aufzubauen. Sie können sich einen guten Ruf erarbeiten und nach der Tätigkeit als studentische Hilfskraft auf dem Arbeitsmarkt schneller Fuß fassen und die beruflichen Ziele verwirklichen.

[Bildnachweis: Lightpoet by Shutterstock.com]
15. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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