Studienfinanzierung: So finanzieren Sie Ihr Studium

Das Studium ist in eine Investition in die eigene Zukunft. Das sagt sich leicht. Was das eigentlich bedeutet, merken viele Studenten erst, wenn sie mitten im Studium stecken: die Kosten für Miete, Lebensmittel, Semesterbeiträge, Bücher und die Freizeit müssen sie auf einmal selber tragen – stets geplagt von der Frage, ob das Geld am Ende des Monats reicht. Umso wichtiger es, sich frühzeitig mit der Studienfinanzierung auseinanderzusetzen und sich eine passende Finanzierungsstrategie zu überlegen…

Studienfinanzierung: So finanzieren Sie Ihr Studium

Studienfinanzierung: Welche Ausgaben kommen auf Studenten zu?

Alles beginnt damit, sich einen systematischen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu verschaffen. Also: Blatt Papier auf den Tisch oder Excel-Tabelle geöffnet und einmal alle denkbaren Kosten aufgelistet, die das Studium mit sich bringen kann.

Unsere Checkliste: Die wichtigsten Studienkosten im Überblick

  • Wohnen

    • Miete
    • Strom
    • (Ab-)Wasser
    • Müll
    • Heizung & Wärme
    • Telefon
    • Internet
  • Studieren

    • Semesterbeitrag (Semesterticket, Studentenwerk, Verwaltung)
    • Lehrmittel (Fachliteratur, Studienmaterialien)
    • Kopien & Druckerpatronen
  • Leben

    • Lebensmittel
    • Kleidung
    • Hygiene
    • Freizeitgestaltung
    • Kranken- und Pflegeversicherung (einzige Pflichtversicherung für Studenten)
    • Haftpflichtversicherung
    • Optionale Versicherungen: Hausrat (Fahrrad), Berufsunfähigkeit, Unfall, Kfz

Nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes aus dem Jahr 2019 lagen die Kosten von Studenten, die ihr erstes Studium absolvierten und nicht bei ihren Eltern wohnen, im Jahr 2016 bei ungefähr 819 Euro.

Miete und Nebenkosten schlugen schon vor einigen Jahren dabei ganz besonders zu Buche: Im Durchschnitt mussten die Studenten 37 Prozent ihrer Einnahmen pro Monat für diese Posten aufwenden.

Weitere Angaben zu den Ausgaben von insgesamt 55.219 deutschen Studierenden liefern die Ergebnisse der 21. Sozialerhebung. Aus dieser Erhebung geht auch hervor, dass Studenten in Deutschland im Jahr 2016 durchschnittlich 918 Euro zur Verfügung hatten.

Studienfinanzierung im Überblick: Mit und ohne BAföG

Nachdem Sich sich mit den möglichen Ausgaben beschäftigt haben – und damit (in Teilen) mit dem sogenannten Finanzierungsbedarf -, kommen nun die potenziellen Einnahmen: Woher bekommen Sie das Geld für das Studium?

Hierzu gibt es gleich mehrere Finanzierungs-Optionen, die sich teils auch ergänzen:

Bei den meisten Studenten reicht eine dieser Geldquellen allein nur selten für die Gesamtfinanzierung Studienkosten. Nur wenige Eltern zahlen den Kindern eine Art Vollstipendium für das gesamte Studium.

Daneben vergeben Studentenwerke an besondere Härtefälle Geld aus sogenannten Darlehenskassen. Ob Sie dafür in Frage kommen und wie hoch Ihr Anspruch sein könnte, erfahren Sie bei dem für Sie zuständigen Studentenwerk. Eine Übersicht über Studentenwerke mit Darlehenskasse finden Sie hier.

Den kompletten Finanzbedarf wiederum durch einen Nebenjob selbst zu decken, ist in der Regel auch nur schwer möglich, da das Studium selbst schon viel Zeit in Anspruch nimmt. Und Anspruch auf BaföG hat längst nicht jeder. Wir zeigen Ihnen daher, wie Sie die einzelnen Geldquellen anzapfen und eventuell kombinieren können…

  1. Unterstützung durch die Eltern

    Laut Gesetz sind die Eltern dazu verpflichtet, ihren Kindern die erste Ausbildung zu finanzieren. Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern. Das heißt: Sie müssen selber genug zum Leben haben, hier gibt es Freibeträge. Als Richtlinie wird hier die sogenannte „Düsseldorfer Tabelle“ zu Rate gezogen.

    Der Bedarf für einen Studierenden, der nicht bei seinen Eltern wohnt, wird derzeit bei 735 Euro pro Monat angesetzt. Auch bekommen Eltern für Ihre Kinder, sofern diese nicht älter als 25 Jahre sind, weiterhin Kindergeld. Ab dem 1. Juli 2019 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind 204 Euro.

  2. BAföG

    Die Abkürzung BAföG steht für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Das BAföG soll auch Studenten, die von ihren Eltern nicht unterstützt werden, ein Studium ermöglichen. Es ist der Klassiker unter den Studienfinanzierungsmöglichkeiten. 1971 wurde es unter Bundeskanzler Willy Brandt eingeführt und sollte für mehr Chancengleichheit sorgen.

    Aktuell wird knapp ein Fünftel der Studierenden in irgendeiner Weise mit BAföG gefördert. Allerdings sind die Fördergelder an bestimmte Voraussetzungen gebunden und einkommensabhängig. Heißt: Sowohl das Einkommen der Eltern als auch das eigene, zum Beispiel im Rahmen eines Nebenjobs erzielte Einkommen, das einen bestimmten Betrag überschreitet, werden angerechnet.

    Immerhin: Nur die Hälfte der erhaltenen Förderung müssen Sie am Ende Ihres Studiums zurückzahlen – und das auch nur bis zu einem Höchstbetrag von 10.000 Euro. Den Rest schenkt der Staat.

    Um den Finanzierungsbedarf zu ermitteln, zählen gleich mehrere Faktoren:

    • Wie viel Geld verdienen die Eltern?
    • Wie viele Geschwister haben Sie?
    • Wohnen Sie bei Ihren Eltern oder nicht?
    • Wie hoch sind Ihre Studienkosten?

    Aktuell liegt der Höchstsatz für Studenten an höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen bei 735 Euro inklusive einen Zuschlag für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

    Beantragen sollten Sie das BAföG übrigens sofort nachdem Sie einen Studienplatz erhalten haben. Der Antrag selbst ist mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden – und der braucht Zeit. Denken Sie auch daran, dass für den BAföG-Antrag zahlreiche Nachweise, beispielsweise die Lohnabrechnung Ihrer Eltern erforderlich sind. Diese zu besorgen, braucht ebenfalls. Planen Sie also mit genug Vorlauf.

  3. Studentenjobs

    Zahlreiche Studenten müssen oder wollen, neben Ihrem Studium mit einem Nebenjob Geld dazu zu verdienen. Solange Sie in Ihrem Job nicht mehr als 450 Euro verdienen, lässt sich diese Form der Studienfinanzierung gut mit anderen Geldquellen, wie beispielsweise dem BAföG kombinieren. Die Auswahl an Studentenjobs reicht von Tätigkeiten an der Hochschule selbst, über Jobs im Büro, der Gastronomie, auf Messen, in sozialen Einrichtungen und im Einzelhandel.

Studienfinanzierung mit Stipendien

Viele Studenten trauen sich nicht, eine Bewerbung für ein Stipendium zu schreiben. Sie rechnen sich geringe Chancen aus, weil sie glauben, Stipendien gebe es nur für Hochbegabte und Einser-Abiturienten.

Falsch! Es stimmt zwar, dass die großen Stiftungen, wie die Studienstiftung des deutschen Volkes, hohe Ansprüche an ihre Stipendiaten stellen und dass gute Noten dabei eine Rolle spielen. Es gibt aber längst eine Reihe von Stiftungen, die auch andere Kandidaten fördern. Das zeigen auch die Zahlen: Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2009 sind ungefähr ein Drittel aller Anträge auf ein Stipendium erfolgreich.

Tatsächlich gibt es in Deutschland mehrere hundert Stipendienprogramme. Es lohnt sich also, hier Zeit zu investieren und sich intensiv mit den Fördermöglichkeiten zu beschäftigen. Einen Überblick über verschiedene Programme können Sie sich hier verschaffen:

  • Stipendienlotse Die Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ermöglicht, nach verschiedenen Kriterien die Stipendien-Datenbank zu durchforsten.
  • E-Fellows Auch das Netzwerk bietet eine umfangreiche Datenbank, die ohne Anmeldung nach Region, Stipendienart oder per Freitext durchsucht werden kann.
  • Karrierebibel Stipendium und Studium Auch bei uns finden Sie natürlich eine umfangreiche Übersicht der Stipendienprogramme fürs Studium und wo man sich beispielsweise als Querdenker bewerben kann.

Studienfinanzierung ohne BAföG: Weitere Möglichkeiten

Wer alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft und trotzdem nicht genügend Geld zusammen hat, um das Studium zu bestreiten, kann sich an die Bank wenden. Jedoch birgt dieser Schritt Risiken: Die Auswahl an Kreditangeboten für Studenden wirkt auf den ersten Blick undurchsichtig – und am Ende des Studiums hat man auch noch Schulden.

Bei einem Studienkredit handelt es sich um Kredite, die sowohl von staatlicher Seite als auch privaten Banken angeboten werden. Anders als bei einem üblichen Kredit, werden – statt einer einmaligen Zahlung – monatliche Raten ausgezahlt. Mit einem Studienkredit ist es möglich, das Studium von Beginn an zu finanzieren.

Während beim BAföG nur die Hälfte zurückgezahlt werden muss, muss bei einem Studienkredit die gesamte geliehene Summe, zuzüglich Zinsen, zurückgezahlt werden.

Das Flaggschiff für Studienkredit-Anbieter ist nach wie vor die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – eine staatliche Bank. Privatbanken, wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank, bieten kein eigenes Modell an, sondern vermitteln lediglich einen Kredit der KfW.

Anders die Sparkassen und Volksbanken: Sie fungieren nicht nur als Vermittler, sondern haben auch eigene Modelle für Studienkredite im Programm – auch mit anderen Rückzahlungsfristen als die KfW. Welche Punkte Sie bei der Aufnahme eines Studienkredits unbedingt beachten sollten, finden Sie HIER.

Vorteile des Studienkredits

  • Die Förderung ist vom Einkommen der Eltern unabhängig.
  • Es wird keine Kreditsicherheit vorausgesetzt.
  • Die Kreditvergabe erfolgt unabhängig vom Studienfach.

Nachteile des Studienkredits

  • Der Kredit muss in voller Höhe zurückgezahlt werden.
  • Oft gibt es eine Altersspanne für die Aufnahme (KfW: 18 bis 44 Jahre).
  • Die maximale Studiendauer ist vorgegeben.
  • Die Rückzahlungsdauer ist ebenfalls festgelegt.

Eine weitere Möglichkeit sind die sogenannten Bildungsfonds. Hierbei handelt es sich um ein noch relativ junges, rein privatwirtschaftliches Angebot, das ursprünglich aus den USA stammt. Letztlich auch hier hinter ein Kredit, der zurückgezahlt werden muss – allerdings einkommensabhängig: Dazu wird vorab ein Prozentsatz des späteren monatlichen Einkommens festgelegt, der nach dem Berufsstart über eine bestimmte Dauer zurückgezahlt wird.

Meist finanzieren sich Bildungsfonds über Investmentfonds und vergeben ihr Geld nur an sehr vielversprechende Studenten. In der Regel also an die, die die besten Noten haben.

Vorteile von Bildungsfonds

  • Bildungsfonts sind unabhängig vom Einkommen der Eltern.
  • Es werden keine Zinsen berechnet.
  • Die Rückzahlung beginnt frühestens mit dem ersten Einkommen.
  • Gezahlt wird keine feste Rate, sondern ein prozentualer Anteil des Einkommens.

Nachteile von Bildungsfonds

  • Für die Förderung ist eine Bewerbung erforderlich.
  • Verträge können undurchsichtig sein. Sie sollten ihn daher vor Abschluss sorgfältig prüfen.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat im Jahr 2015 31 Studienkredite und Bildungsfonds miteinander verglichen. Wenn Sie sich einen ersten Überblick verschaffen möchten, klicken Sie HIER.

Studienfinanzierung: Wie funktioniert die Finanzplanung?

Damit das Studium nicht von Anfang an auf wackeligen Füßen steht und man sich während des Studiums mit Finanzsorgen beschäftigen muss, sollte Sie Ihre Finanzplanung frühzeitig beginnen. Diese sorgt später für die nötige Übersicht.

Wie das geht? Im Grunde einfach: Stellen Sie von Beginn an alle Einnahmen und Ausgaben einander gegenüber – am besten in einer Excel-Tabelle. Durch die (Hoch-)Rechungsfunktionen lässt sich eventuell schon zusätzlicher Finanzbedarf oder eben eine Finanzierungslücke ermitteln.

Ebenfalls hilfreich: ein Haushaltsbuch, in dem alle monatlichen Ausgaben verzeichnet werden. Das klingt altbacken, hat sich aber bewährt: Auf diese Weise behält man stets den Überblick darüber, wie viel des monatlichen Budgets bereits ausgegeben wurde und wie viel Geld noch zur Verfügung steht.

Studienfinanzierung: Reserven einplanen

Studienfinanzierung: Reserven einplanenAuch wenn eine solide Haushaltsplanung eine gute Basis darstellt, ist niemand vor unerwarteten Ausgaben gefeit. Für den Fall, dass Waschmaschine oder Kühlschrank plötzlich ihren Dienst versagen, sollte man deshalb stets ein wenig Geld zurücklegen und sich so eine zumindest kleine Finanzreserve schaffen.

Viele Studenten kommen mit Schulden von der Uni

Dass das Studium eine der besten Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben darstellt, ist die eine Seite der Medaille. Ein großer Teil der Studenten bringt neben Qualifikationen aber noch etwas anderes aus dem Studium mit: Schulden – und das nicht zu knapp.

Mit dem ersten Job werden oft zunächst die angehäuften Schulden bezahlt, bevor wirklich in die eigene Tasche gewirtschaftet werden kann. Zwar gehen viele Studenten nebenbei arbeiten oder erhalten Unterstützung durch die Eltern, dennoch verlässt ein großer Teil der Studenten die Uni mit Schulden.

Neben der reinen finanziellen Belastung steigt somit auch der psychische Druck. Mit Schulden steht man noch mehr unter Erfolgszwang und muss schnell einen Job finden, um mit der Rückzahlung zu beginnen. Eine Erkenntnis, die leider oft erst im Nachhinein eintritt.

Auch daran sehen Sie, wie wichtig es ist, sich frühzeitig und umfangreich Gedanken zur Studienfinanzierung zu machen.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
9. April 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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