Studentenwerke: Ansprechpartner rund ums Studium

Momentan gibt es 58 Studentenwerke in ganz Deutschland, die sich um die Belange von Studenten kümmern. Ursprünglich aus Selbsthilfeeinrichtungen hervorgegangenen, richtet sich die Größe dieser mittlerweile öffentlichen Institutionen nach dem Einzugsbereich, den sie betreuen. Insgesamt sind rund 20.000 Beschäftigte für das Wohl der Studierenden zuständig. Welche Aufgaben die Studentenwerke übernehmen und wo Sie Rat finden…

Studentenwerke: Ansprechpartner rund ums Studium

Studentenwerke: Anstalten öffentlichen Rechts

Studentenwerke – auch Studierendenwerke genannt – verstehen sich als Ansprechpartner für alle Studenten bei Fragen, die in erster Linie die Studienbedingungen betreffen. An kleineren Universitäten oder Fachhochschulen werden etwa 1.300, an großen bis zu 125.000 Studierende betreut.

Dementsprechend vielfältig ist das Angebot. Studentenwerke gehören nicht zur Hochschule, sondern sind eigenständige Institutionen, die seit den 70er Jahren als Anstalt des öffentlichen Rechts firmieren. Ursprünglich sind sie hervorgegangen aus studentischen Selbsthilfevereinen und akademischen Hilfswerken, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zusammenschlossen, um verarmten Studenten ein Studium zu ermöglichen.

Diesen Sozialauftrag haben die Studentenwerke bis auf den heutigen Tag. Ganz gleich, ob es um preisgünstiges Essen oder faire Mietpreise geht: Sie verfolgen im Gegensatz zu Investoren keine Gewinnabsichten. Die Finanzierung läuft im Wesentlichen über drei Wege:

  • Staatliche Zuschüsse durch Bund und Länder (letzteres überwiegend),
  • den Sozialbeitrag aller Studierenden und
  • Umsätzen etwa aus Vermietungen und Mensa.

Eine Übersicht über die Studentenwerke in Deutschland erhalten Sie HIER.

Aufgabenbereiche von Mensa bis Soziales

Wer sich für ein Studium an einem Hochschulort entschieden hat, steht meist vor diversen Herausforderungen: Der Umzug in eine fremde Stadt, oftmals die Notwendigkeit der Studienfinanzierung und ganz allgemeine Fragen, bei denen Neuankömmlinge Hilfe benötigen, können mit Studentenwerken geklärt werden.

Die Hauptaufgaben liegen hier:

  • Verpflegung

    Ganz gleich, ob Mensa, Cafeteria, Bistro oder Kaffeebar: Die Studentenwerke sind ganz vorne, wenn es um das leibliche Wohl von Studierenden geht. Frisch von Zuhause ausgezogen, beherrschen viele Erstsemester gerade mal die hohe Kunst des Wasserkochens.

    Und wer nicht gerade an einer Campusuni wohnt, hat bei vollem Stundenplan gar nicht erst die Zeit, sich selbst etwas zu kochen. Damit es nicht ganz so eintönig wird, sind die gastronomischen Einrichtungen der Studentenwerke mehr als willkommen, immerhin 80 Prozent aller Studierenden nutzen diese Einrichtungen der Studentenwerke.

    Und sie bieten einen weiteren Vorteil: Ein vielfältiges Angebot zum kleinen Preis – da kann kein Restaurant mithalten. Gleichzeitig dienen die Mensen als Ort des sozialen Austauschs, hier bilden sich bereits neue Referatsgruppen, wird für die Prüfung der Lernplan erstellt.

  • Wohnen

    Der wichtigste Punkt für Studierende ist die Frage nach einer eigenen Bude. Der Löwenanteil der monatlich zur Verfügung stehenden Gelder geht dafür drauf. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes geben Studierende im Schnitt 298 Euro fürs Wohnen aus.

    Wohnraum in Universitätsstädten ist oftmals unerschwinglich, nicht jeder kann auf ausreichende Unterstützung durch die Eltern hoffen. Studentenwerke betreiben Wohnheime und Wohnanlagen, die sich an den Bedürfnissen Studierender orientieren. Das heißt, teilweise sind die Unterkünfte bereits möbliert und gemessen am Durchschnittspreis wird oftmals eine niedrige Warmmiete verlangt.

    Monatsmieten in vom Deutschen Studentenwerk betriebenen Anlagen liegen durchschnittlich bei 234 Euro. Nicht selten sind Telefon- und Internetanschluss bereits enthalten. Häufig liegen sie zentral oder sind nahe am Campus gelegen. Beliebt sind diese Wohnheime und Wohnanlagen gerade bei Erstis und internationalen Studenten, die sich mit dem hiesigen Wohnungsmarkt nicht auskennen und oftmals auf große Schwierigkeiten stoßen.

    Selbst wer zu Semesterbeginn immer noch ohne passende Bleibe ist, kann auf Hilfe in Notsituationen hoffen. Seit 2008 wird bezahlbaren Wohnraum immer knapper, während gleichzeitig die Studierendenzahlen um mehr als eine halbe Million gestiegen sind. Um der Wohnungsnot zu begegnen, werden auch alternative Wege beschritten wie etwa Wohnen für Hilfe.

    Hierbei handelt es sich um eine Wohnpartnerschaft mit Senioren: Ein Zimmer wird gegen Hilfe im Haushalt vermittelt – beispielsweise kann Unterstützung im Garten, beim Kochen oder beim Einkaufen anfallen. Der monatliche Aufwand beträgt eine Stunde pro Quadratmeter, an Kosten fallen lediglich Nebenkosten an.

    Bundesweit beteiligen sich 20 Studentenwerke an diesem Projekt, das allerdings ausdrücklich als Ergänzung zu sonstigen Mietverhältnissen gesehen wird und gegen die Wohnungsnot eingesetzt wird.

  • Internationale Belange

    Deutsche studieren im Ausland, ausländische Studierende studieren in Deutschland – der internationale Austausch ist nicht nur erwünscht, sondern wird von den Studentenwerken ausdrücklich gefördert. Das geschieht durch Partnerschaften, Austauschprogramme und weltweiten internationalen Kooperationen.

    Diese finden mit etlichen europäischen Ländern wie Frankreich und Polen, aber auch China, Japan und Amerika statt. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit Frankreich, da sich strukturell hier viele Beratungsangebote denen in Deutschland ähneln. Durch die langjährigen Beziehungen zu französischen Studentenwerken auf fachlicher Ebene, sind auch deutsch-französische Begegnungen zwischen Studenten möglich.

    So werden Projekte in kulturellen Bereichen wie Kunst, Musik und Theater, Bereiche im Sport, im Umweltschutz oder in der Wissenschaft unterstützt. Dabei ist auch immer die Integration ausländischer Studierender in Deutschland ein Anliegen.

    Insgesamt 358.895 ausländische Studierende waren im Wintersemester 2016/2017 in Deutschland immatrikuliert. Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland auf Platz drei der beliebtesten Studienländer. Ein Grund dafür liegt neben der guten Ausbildung auch darin, dass das Studium hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gebührenfrei ist.

  • Studienfinanzierung

    Ohne Moos nichts los: So die Kurzformel. Eigentlich sollten Studierende sich voll und ganz ihrem Studium widmen können, denn Studentenjobs können zwar interessante Einblicke in die Praxis bieten, aber oft verzögern sie eben auch das Studium, denn Arbeit und Uni unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so leicht.

    Aber Miete und Lebenshaltungskosten wollen irgendwie bezahlt werden. Können die Eltern finanziell nicht unterstützen, ist das Bafög eine gute Alternative. Seit 1971 können Studierende es beantragen – und viele wissen gar nicht, dass es ihnen gewährt würde, da sie sich nie mit den Finanzierungsmöglichkeiten auseinandergesetzt haben.

    Gemäß der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhielten im Sommersemester 2016 immerhin 18 Prozent aller Studierenden in Deutschland Bafög. Der große Vorteil: Die Hälfte der Summe wird geschenkt, die andere Hälfte wird als zinsloses Darlehen gewährt.

    Die Studentenwerke beraten allerdings auch bei etlichen anderen Finanzierungsmöglichkeiten. So gibt es häufig eine Jobbörse und wem das Bafög nicht reicht, weil er noch etwas Kohle für den Urlaub in den Semesterferien ansparen will, der kann sich immer noch einen Minijob bis zu 450 Euro suchen – danach wird der Job allerdings anteilig auf das Bafög angerechnet.

    Daneben können sich Studierende über verschiedene Vergünstigungen wie etwa Studentenrabatte informieren. Viele Handyanbieter haben extra Studententarife, auch ist meist eine Befreiung vom Rundfunkbeitrag möglich, sofern Sie einen Bafög-Bescheid vorlegen können.

  • Sozialberatung

    Nicht nur die Zentrale Studienberatung hilft bei persönlichen Problemen rund um die Studienorganisation weiter, auch die Studentenwerke übernehmen diese Aufgabe.

    Dazu können eine Reihe von Fragen und Schwierigkeiten gehören, beispielsweise:

    • Wie finanziere ich mein Studium? Welche Gelder stehen mir zu (zum Beispiel Kindergeld)?
    • Welche staatlichen Möglichkeiten (Wohngeld, Wohnungsberechtigungsschein) und Vergünstigungen gibt es (wie verbilligte Eintritte)?
    • Was ist bei der Krankenversicherung zu beachten?
    • Was kann ich bei Streit mit dem Vermieter tun, welche Rechte habe ich?
    • Wie sieht mein rechtlicher Status als Ausländer aus?
    • Wer hilft bei Studierenden mit Behinderung?
    • Wer vermittelt bei Streit mit Eltern, Behörden oder Mitbewohnern?

    Die unterschiedlichen Beratungsangebote für Studenten werden hier ausdrücklich als Angebot aufgefasst, die jeder nutzen kann – nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern idealerweise vorab.

    Denn eine gründliche Planung kann bereits dabei helfen, das noch ungewohnte neue Leben als Student richtig zu organisieren, so dass bestimmte Schwierigkeiten – etwa infolge von Zahlungsverzug und Ähnlichem – erst gar nicht auftreten.

[Bildnachweis: Halfpoint by Shutterstock.com]
16. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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